Vater nach zwei mal Krebs in Folge verstorben. Wer trinkt?

    Hallo Forum,


    ich halte mich kurz.


    Ich kann von meinem Vater sagen, er war mein bester Freund und ist vor zwei Jahren an Krebs verstorben. Andere wollen von ihren Eltern ab 18 Jahren etc. nichts mehr wissen und ziehen aus oder "Kapseln" sich ab. Aber wir hatten ein super Verhältnis. Am Wochenende Einkaufen gegangen, die Großmutter freitags besucht, zusammen gegrillt, spazieren gegangen, viel geredet über Beruf und Familie.


    Nach seinen zwei Krebserkrankungen (Erst Lungenkrebs, halbe Lunge nach Bestrahlung und Chemo doch zur Sicherheit entfernt wo alles okay danach war, dann Metastasen im Kopf und Wirbelsäule nach 6 Monaten) ist er dann doch im Krankenhaus überraschend an einer Sepsis der Behandlungen in unter 18 Stunden verstorben.


    Wer trinkt dabei einfach aus der "Leere" heraus?


    Ich bin jetzt kein Säufer. Nach der Arbeit denke ich mal nach einem stressigem Tag an meinen Vater wo ich ihn gerne fragen würde, wie er damit umgegangen wäre. Aber er kann mir ja keine Antwort mehr geben.


    Wenn man im Internet so Alkoholtests macht, wäre ich Massiv hochgradig gefärdet. Dabei sind es 1 oder 2 Bier. Nicht jeden Tag. Freitag und Samstag wenn man mal mit Freunden weg geht, dürfen es schon mal gerne 4 Bier und ein Jacky-Cola sein.


    Grundsätzlich trinke ich dass, um runter zu kommen. Gesund ist es nicht. Aber es hilft. Es soll auch kein Standard Programm werden, aber wenn ich so in mich innerlich gehe und an meine Vater denke, würde er einfach sagen "Ja, gönn' dir das!"


    Zu den Alkoholtests muss ich sagen, ich habe es nie bereut, nie jemanden Verletzt oder musste "etwas morgens trinken um in die Gänge zu kommen" Geht ja auch nicht, weil man ja am nächsten Tag Auto fahren muss.


    Wenn Freunde schon knülle sind, gehe ich nach hause, weil ich genug habe. Da kenne ich meine Grenze.


    Wie lange geht denn so etwas? Das nervt.


    Danke für eure Antworten @:)

  • 12 Antworten

    Klar, man kann sich fürs Saufen entscheiden. Entscheidungen trifft man im Denken.


    Genauso könnte man aber auch anders entscheiden: diese Minute trinke ich nicht, das kann man tausendfach wiederholen.


    Ich glaube nicht, dass der Vater sagen würde: gönn dir wat mien Jung. Die Leber wird's schon aushalten. Und wenn du nur halb oder ganz besopen an mich denken kannst, is dat traurig mien Jung.


    Denk an die guten Zeiten, die wir hatten, das macht mich glücklich und dich auch. Der Rest ist Vernebelung und Selbstmitleid.


    Mit mir kannst du jederzeit in Gedanken reden, aber so einen Mist will ich nicht hören.

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    Danke für zwei(!) Antworten *:)


    Mein Vater hat auch damals im Krankenhaus noch gesagt, bevor er starb, als ich ihn fragte ob ich noch bleiben soll - "Nein, geh' und Rauch und Trink - habe Spaß!" Nicht ganz falsch. Er hat seine Eltern auch durch Krebs verloren. Das ist und bleibt ein Scheiß!, aber wenn ich da meinen Weg finde, denke ich, wir sich es auch wieder geben.


    Nichts entspricht der der Statistik! Aber Vorsicht ist nicht verkehrt. Von daher ... :-/ Gebe ich mir lieber als Vorsatz für's neue Jahr mal nix unter der Woche :)_

    2 Antworten vielleicht nur deshalb, weil nicht so ganz klar wird, ob es hier um Trauerverarbeitung oder Alkohol gehen soll. Oder beides?

    Zitat

    Wenn man im Internet so Alkoholtests macht, wäre ich Massiv hochgradig gefärdet. Dabei sind es 1 oder 2 Bier. Nicht jeden Tag. Freitag und Samstag wenn man mal mit Freunden weg geht, dürfen es schon mal gerne 4 Bier und ein Jacky-Cola sein.


    Grundsätzlich trinke ich dass, um runter zu kommen. Gesund ist es nicht. Aber es hilft. Es soll auch kein Standard Programm werden, aber wenn ich so in mich innerlich gehe und an meine Vater denke, würde er einfach sagen "Ja, gönn' dir das!"

    Solche Test sind ganz, ganz grobe Anhaltspunkte. Und nach deiner Beschreibung ist das "alarmierende" Ergebnis auch nicht so ganz verkehrt. Auch wenn es nicht täglich ist, finde ich das klingt schon relativ viel; die Intention "um runterzukommen" ist "kritisch" und die Worte deines Vaters waren sicher nicht so zu verstehen, dass er will, dass du dir zum Spaß haben regelmäßig einen reinzwitschern und deine Lunge zuqualmen sollst, um dann selbst krank zu werden :-/

    Zitat

    die Intention "um runterzukommen" ist "kritisch

    Das ist aber auch das Einzige an seinem Trinkverhalten was ich als kritisch empfinde. Die Intention.

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    Kommt darauf an, was "nicht jeden Tag" konkret heißt. 4 Tage die Woche allabendlich 2 Bier, ein Tag Pause und 2 Tage am Wochenende 4 Bier und n Drink fänd ich nicht wenig.

    @ mnef

    Es kommt nicht darauf an was der Einzelne als wenig oder viel empfindet. Sondern es kommt darauf an, wann es anfängt zu schaden. Köperlich, aber vor allem psychisch.

    Zu schnell abgeschickt. ;-)

    Zitat

    4 Tage die Woche allabendlich 2 Bier, ein Tag Pause und 2 Tage am Wochenende 4 Bier und n Drink fänd ich nicht wenig.

    Worauf es ankommt ist die Intention.

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    Trauerarbeit mit Alkohol wird nicht funktionieren.


    Alkoholiker zu werden funktioniert dagegen bombig mit Zudröhnen, weil man sonst keinen Weg sieht. Und die Abhängigkeit wird immer schneller kommen. Ein Auge drauf zu haben, ist Selbstbetrug. Da gehe man mal in eine AA Sitzung und höre sich an, was da erzählt wird....

    Zitat

    Worauf es ankommt ist die Intention.

    In Hinblick auf die Suchtproblematik. Was die körperliche Gesundheit angeht ist die Intention wiederum egal.

    Zitat

    Wer trinkt dabei einfach aus der "Leere" heraus?

    Ich habe mir schon vor Jahren angewöhnt, gerade in belasteten Zeiten die Finger von allen Drogen zu lassen. Konsum von Alkohol o.ä. ist für mich etwas, was einen guten Moment bereichert, aber keinen schlechten besser macht. Auch wenn es vermeintlich geringe Mengen sind (wobei ich 4 Bier und einen Jackie-Cola nicht für geringe Mengen halte). Die Konditionierung dabei ist sehr gefährlich, weil du damit die Arbeit, die du in Kopf und Seele eigentlich leisten solltest, um diese Zeit zu überstehen, verdrängst. Und das ist der erste Schritt in eine psychische Abhängigkeit. Die physische kann bei Alkohol dann schnell folgen. Ich habe auch schon Schmerzmittel-Süchtige erlebt, die haben mit einfachen Aspirin angefangen. Was ist denn schon dabei? Ich will es dir sagen: die Methodik ist es.

    Zitat

    Gesund ist es nicht. Aber es hilft.

    Deine Einschätzung, dass das hilft, ist schon der erste Schritt in die psychische Abhängigkeit. Wenn der Weg zur Mülltonne mühsam ist, "hilft" es auch, sich einfach auf's Sofa zu legen. Problem gelöst. Wäre es nicht besser, 4x am Tag zur Mülltonne zu gehen, um damit besser klarzukommen?


    Du musst dich dieser Phase stellen und solltest dies auch ohne Hilfsmittel schaffen. Stattdessen die Trauerarbeit bewusst abschließen und dich mit dem Gefühl auseinandersetzen. Dass du hier von einem Prozess sprichst, der schon 2 Jahre dauert, lässt tief blicken. Was war eigentlich dein Auslöser, jetzt diesen Faden zu eröffnen?

    Zitat

    "Nein, geh' und Rauch und Trink - habe Spaß!" Nicht ganz falsch.

    Hat dein Vater selbst nach diesem Motto gelebt?

    Zitat

    Er hat seine Eltern auch durch Krebs verloren. Das ist und bleibt ein Scheiß!, aber wenn ich da meinen Weg finde, denke ich, wir sich es auch wieder geben.

    Es kann familiär drei Gründe für diese Krankheitsbilder geben: eine genetische Prädisposition oder bestimmte Verhaltensweisen. Und dann natürlich der Zufall. Dein Weg sollte sich auch damit auseinandersetzen, ob du aus einem der ersten beiden Gründe ebenfalls gefährdet bist. Aber dazu braucht du nach 2 Jahren unbedingt einen objektiveren Abstand. Da ist nicht dein Vater am imaginären Grill, der mit dir kumpelhaft anstößt und dir sagt, dass so paar Bierchen schon OK sind. Letztendlich bist du es, der sich das sagt.

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    Grundsätzlich bist Du ein freier Mensch und kannst trinken so viel Du willst. Sowas hier öffentlich zu schreiben ist immer heikel weil es kaum ein anderes Thema gibt, welches die, die alles überdramatisieren und andere Probleme einreden um sich selber dran hochzuziehen, so zuverlässig auf den Plan ruft. Du wirst also sehr einseitige Antworten bekommen.


    Meine Meinung - die Menge ist undramatisch und wenn Du wirklich das Gefühl hast, dass es hilft, dann tus halt. Klingt eigentlich nicht nach mehr als einem absoluten Durchschnittskonsum.


    Wobei ICH es wie comran sehe - Alk in Krisenzeiten funktioniert einfach nicht, aber bei mir selber hilft es halt auch einfach nicht, es entkräftet eher noch mehr. Aber das mag bei Dir dann halt anders sein. Ich unterlasse das also nicht wegen "man sollte das nicht tun" sondern "mir gehts damit noch schlechter, also lasse ich es".


    Du solltest allerdings hellhörig werden, wenn der Zeitraum zu lange dauert oder die Menge deutlich steigt.