Was nur sagen?

    Hallo zusammen,


    letzten Samstag ist völlig unerwartet mein Onkel (genauer gesagt der Mann meiner Tante) gestorben. Er ist einfach umgefallen und war tot, offenbar Herzversagen. Fast auf den Tag genau 12 Jahre nachdem das gleiche mit meinem Opa passiert ist, was damals schon ein großer Schock für die Familie war. Er wurde nur 54 Jahre alt und hinterlässt meine 50jährige Tante, zwei Kinder mit Mitte 20 und seine Mutter und Schwiegermutter (=meine Oma). Die Familie ist also wieder mal total im Schock und völlig verzweifelt. Bei mir geht es, ich wohne auch weiter weg und bin ja nicht die nächste Angehörige. Aber auch ich bin traurig, vor allem tun mir meine Verwandten extrem leid. Ich habe die letzten Tage ständig an sie gedacht, allerdings nur mit meiner Oma gesprochen, die dort mit im Haus wohnt. Sie hat mir die Beerdigungspläne mitgeteilt, etc., von ihr weiß ich, was gerade so läuft. (Die Beerdigung ist Ende nächster Woche, ich fahre natürlich hin.) Bisher hatte sie immer gesagt, ich solle die anderen, also v.a. meine Tante, noch nicht anrufen, da sie noch mit niemandem sprechen kann/will. Da habe ich mich natürlich zurückgehalten, das also respektiert. Heute meinte Oma aber, ich könne/solle meine Tante nun doch mal anrufen. Das will ich auch machen, aber ich habe, ehrlich gesagt, ein bisschen Angst davor. Ich will nun wirklich nicht feige sein, aber was kann ich denn sagen, außer dass es mir furchtbar leid tut und ich ständig an sie denke?


    Ich fühle mich eben so total hilflos, aber ich fürchte, da ist im Moment einfach nichts zu machen. Ich hab mir schon überlegt, dass ich meine Tante ja später mal einladen könnte, damit sie mal zu Hause rauskommt, aber das ist ja nichts für den Moment...


    Ach ja, ich muss vielleicht dazu sagen, dass wir sonst auch nicht regelmäßig Kontakt hatten, also wir haben kaum telefoniert. Das lief normalerweise über meine Oma, immer Grüße ausgerichtet und so und bei Familienfeiern o.ä. haben wir uns dann getroffen...

  • 16 Antworten

    Ich würde nicht anrufen, sondern eine Karte schicken, bei der Beisetzung bist du da. Dort würde ich die Angehörigen einfach nur in den Arm nehmen ohne etwas zusagen. Das Gespräch entwickelt sich dann von ganz allein. So wurde das von meiner Familie gehandhabt als meine Mutter starb und ich bin froh keine Anrufe bekommen zu haben, zum einen Telefoniere ich eh sehr ungern und zum zweiten hätten mich diese Anrufe total überfordert.


    Wäre das eventuell eine Alternative für dich?

    Wenn ich schon vorher Sorge hätte, was ich sagen könnte, würde ich nicht anrufen - ein Anruf wie eine Pflichtleistung ist für den Angehörigen vermutlich nicht wirklich hilfreich.


    Lieber in Ruhe eine passende Trauerkarte auswählen und ein, zwei persönliche Sätze anfügen, wäre eine Lösung, bei der du dir die Worte genau überlegen könntest. Dann noch zur Beerdigung anwesend sein, und du hast getan, was angemessen ist, denke ich.

    Das ist auch richtig, wenn du dich aus freien Stücken dazu entschließen kannst. Dann drücke das aus, was du oben geschrieben hast, und vielleicht entwickelt sich ja ein kurzes Gespräch. Wenn nicht, legt ihr halt bald wieder auf. Du hast deine Teilnahme ja dann gezeigt.

    Danke euch, ist echt schwierig. Ich fühle mich die ganze Woche schon schäbig, dass ich mich nicht melde, obwohl Oma mir ja gesagt hatte, dass ich mich erstmal zurückhalten sollte. Ich habe Sorge, dass sie denken könnten, sie seien mir egal. Das ist definitiv nicht so, insofern wäre es eben auch kein Pflichtanruf, sondern ich möchte gerne, dass sie wenigstens wissen, dass ich an sie denke. Im Prinzip kann ich ihr/ihnen ja auch genau das sagen, oder?


    Ich will mich auch ganz bestimmt nicht so wichtig nehmen in dieser Angelegenheit, ich will nur alles richtig machen...

    Motivierte und je länger du wartest um so schlechter wird es dir gehen.


    Spring über deinen Schatten und ruf an.


    Und sag ihnen ruhig das du an sie gedacht hast.


    Du sie aber erst mal zur Ruhe kommen lassen wolltest.


    Du schaffst das schon Daumen drück

    Zitat

    ich möchte gerne, dass sie wenigstens wissen, dass ich an sie denke. Im Prinzip kann ich ihr/ihnen ja auch genau das sagen, oder?

    Aber ja. Es müssen auch gar nicht viele Worte gemacht werden …..

    Samson70: Wozu Glückwunsch?


    Fühl mich nicht gerade beglückwünschenswert heute. Warum auch immer war heute bisher der schlimmste Tag für mich seit dem Tod meines Onkels. Ich hatte schon nachts von der Familie geträumt (auch davon, dass ich mich schlecht fühlte, weil ich nicht angerufen habe bisher) und musste dann morgens schon erstmal weinen und dann immer wieder bis jetzt. Habe mir jetzt die ganze Zeit Trauerfäden hier durchgelesen und mit mir unbekannten Menschen mitgelitten. Außerdem seine Traueranzeige online gefunden und auch erstmal geweint. Mir Familienfotos angeschaut und geweint. Ach scheiße! Die Woche über empfand ich es eigentlich gar nicht so schlimm (für mich), habe immer nur an die anderen gedacht. Aber jetzt trauere ich tatsächlich um ihn, mir wird klar, was für ein guter Mensch er eigentlich war und dass viele ihn wahrscheinlich unterschätzt haben, weil er so introvertiert war. Auch ich fand es ja total schwierig mit ihm zu kommunizieren - obwohl ich selbst auch nicht gerade offen bin, oder gerade deshalb kann ich viel eher mit Menschen, die was aus mir rauslocken, doch mit den Stillen finde ich es sehr schwer. Das finde ich sooo traurig. Ich habe viele schöne Kindheitserinnerungen an ihn, damals habe ich viel Zeit mit ihm verbracht, weil ich keinen Vater hatte und wir damals alle zusammen gewohnt haben. Doch die letzten Jahre hatten wir kaum Kontakt und selbst wenn ich dort war, habe ich mehr mit meiner wesentlich extrovertierteren Tante (normalerweise, im Moment ist sie sicher anders) und natürlich mit meiner Oma gesprochen, aber kaum mit ihm. Das tut mir so leid!


    Ich muss mir das alles mal von der Seele schreiben, gehe jetzt aber endlich ins Bett. Habe mir das Buch "Die Hütte" bestellt, vielleicht hilft es ja, einiges zu verstehen. Die Frage, die jetzt alle stellen, ist natürlich die nach dem Warum. Obwohl ich gläubig bin, kann ich die auch überhaupt nicht beantworten. Warum musste schon mein Opa relativ früh sterben und auch noch so plötzlich? Warum ist jetzt mein Onkel gestorben und wieder ohne die geringste Vorwarnung? Warum müssen Menschen so viel leiden? Und warum gibt es dann auch noch solche Monster wie ISIS, die skrupel- und wahllos Menschen töten? Warum lassen wir Menschen im Mittelmeer ertrinken?


    Ich vermute, ich klinge wie ein Kind, aber mich bewegt das alles wirklich. Ich habe mal in Syrien gelebt und dieses Land geliebt. Ich kenne hier viele Syrer und weiß wie sie leiden und ich habe noch einen guten Freund dort und kann ihm nicht helfen. Diese Hilflosigkeit all dem gegenüber macht mich richtig krank...


    Danke fürs Lesen!

    eine motivierte


    Mein Glückwunsch galt das du angerufen hast du dich getraut hast. Du hast nicht zu spät angerufen deine Oma hatte recht das du warten solltest.


    Erinnerungen sind sind immer etwas schönes die einem zum weinen bringen.


    ich wünsche dir viel Kraft das du alles gut bewältigst.


    :)-

    Hallo, ich habe sie inzwischen erreicht und sowohl mit meiner Tante als auch mit meiner Cousine und Cousin gesprochen. Sie waren in der Lage, kurz zu sprechen und meinten, sie wüssten, dass es auch für mich schlimm sei. Ich habe nicht viele Worte gemacht, nur gesagt, dass es mir furchtbar leid tut und ich die ganze Zeit an sie denke. Das war ehrlich und ist angekommen, denke ich. Meine Tante meinte noch, dass sie für Oma keine Zeit und Kraft hat. Ich fragte nach, ob sie ihre eigene Mutter, also meine Oma, meinte und sie bejahte. Ich bot sofort an, dass ich da versuchen würde zu helfen, hatte daran auch tatsächlich schon gedacht und wollte sie sowieso im Sommer besuchen. Wir können dann ja demnächst mal besprechen, ob ich dann etwas länger bleibe, zeitlich könnte ich es einrichten. Als ich dann nach der Schwiegermutter meiner Tante fragte, meinte sie überraschend, dass sie nicht wisse, wie es der genau ginge und sich darum nicht kümmern könnte. Krass, dabei wohnen sie nebeneinander, aber offenbar teilen sie gar nicht so viel (Schmerz) im Moment. Meine Oma erzählte mir, dass es auch nach der Beerdigung es so geplant ist, dass die Schwiegermutter mit ihren Verwandten bei sich Kaffee trinken soll und wir anderen (Tante, Cousin, Cousine, Oma, meine Eltern, mein Bruder, mein Mann und ich) in deren Haus. Finde ich irgendwie krass, aber ich weiß auch, dass mich das nichts angeht. Selbstverständlich passe ich mich da an und wenn mir letztlich die "Aufgabe" zufällt, mich ein bisschen um Oma zu kümmern, mache ich das gern...


    So, ich musste das jetzt noch aufschreiben, um es zu verarbeiten und ein bisschen runterzukommen. Ich werde mich jetzt mit Gartenarbeit etwas ablenken und in den nächsten Tagen auch. Morgen feiert meine Stieftochter ihren 18. Geburtstag mit der Familie, d.h. Exfrau und Verwandtschaft meines Mannes. Ich bin mit eingeladen und weiß aber auch, dass es ebenfalls nicht leicht wird, da es zwischen den Beteiligten teils sehr große Spannungen gibt...