Wenn einer alleine zurück bleibt - meine Mama verzweifelt...

    Hallo zusammen,


    letztes Jahr im Juli ist mein geliebter Papa mit nur 55 Jahren an BSDK gestorben :°( Er hat fast 3 Jahre dagegen gekämpft und letztendlich verloren.


    Meine Eltern wohnten ca 300km von mir entfernt, ich bin das einzige Kind. Es war immer klar und so auch mit meinen Eltern besprochen, dass wenn Papa stirbt, meine Mama und ich das Haus von ihnen verkaufen, sie zu mir in die Nähe zieht und hier ein neues Leben beginnt. Sie wollte dort nicht alleine zurück bleiben.


    Ich habe mich fast wirklich um alles nach Papas Tod gekümmert. Meine Mama war dazu nicht in der Lage, sie war/ist mit den kleinsten Dingen völlig überfordert.


    4 Wochen nach dem Tod meines Papas bin ich überraschend schwanger geworden und im Oktober 17 eröffnete mir meine Mama, dass sie spätestens im März 18 bei uns wohnen möchte. Grundsätzlich war mal besprochen, dass sie noch 1-2 Jahre nach dem Tod dort bleibt, um erstmal die Trauer verarbeiten zu können und nicht komplett rausgerissen zu werden.


    Nun gut, ich hatte ein mulmiges Gefühl dabei, weil ich der Meinung war/bin, dass es zu früh für sie ist ...


    Ich habe mich um wirklich alles gekümmert - das Haus verkauft, ihr eine Wohnung gesucht, Bewerbungen für sie geschrieben, eine neue Arbeitsstelle gesucht, etc... das alles 300km entfernt und schwanger. Meine Mama musste sich so gut wie nie in ihrem Leben um irgendetwas kümmern, das hat immer mein Papa gemacht (Verträge, finanzielle Dinge, Gartenarbeit, Urlaubsplanung,... einfach alles hatte er in der Hand).


    Vor 3 Wochen ist sie nun hierher in den Nachbarort gezogen und ich habe das Gefühl, dass sie überhaupt nicht mehr zurecht kommt. Sie vermisst meinen Papa wahnsinnig, ihre neue Arbeit ist doof -aus ihrer Sicht - sie vermisst ihre alte Arbeit (hat dort 20 Jahre gearbeitet), sie vermisst die alte, gewohnte Umgebung. Sie ist nur am Weinen und verzweifeln.


    Egal was ist (es kommt ein Brief z.B. von der GEZ oder eon Handwerker verschiebt einen Termin) sie ist absolut überfordert und bricht sofort in Tränen aus. Sie weiß sich in keinster Weise zu helfen.


    Und ich weiß einfach nicht was ich machen soll. Ich habe mich meine ganze Schwangerschaft über fast nur im sie gekümmert, nebenbei noch alles wegen des Todes geregelt, geheiratet und alles für ein Leben mit Baby eingerichtet. Bei mir ist die Luft raus. In 3 Wochen entbinde ich und es nimmt einfach kein Ende.


    Sie tut mir so wahnsinnig leid. Sie sitzt nun da alleine nach der Arbeit in ihrer Wohnung und weint - jeden Tag. Ich habe ihr vorgeschlagen, sich eine Trauergruppe oder einen Psychologen zu suchen, aber sie sagt, sie sei nach der Arbeit zu erschöpft. Sie hat sich ein Fahrrad gekauft, um die Gegend kennen zu lernen - aber sie geht kaum raus.


    Als sie damals sagte, dass sie jetzt schon zu uns ziehen möchte, habe ich genau mit dieser Situation gerechnet und davor Angst gehabt.


    Ich hatte bisher noch überhaupt keine Zeit, mal selbst meiner Trauer um meinen geliebten Papi zu verarbeiten. Das wird irgendwann über mich herein brechen.


    Ich möchte ihr so gern helfen, weiß aber nicht wie. Vielleicht bin ich auch viel zu ungeduldig, weil sie so unselbstständig und unbeholfen ist. Ich bin mit 16 ausgezogen und habe mich von da an um alles alleine gekümmert.


    Wenn ich Vorschläge mache, werde die abgetan und ich kann es absolut nicht verstehen, dass sie bei absoluten Nichtigkeiten völlig die Fassung verliert und die Welt für sie untergeht.


    Wie soll ich an sie ran kommen?


    Alle, die bis hierhin gelesen haben, danke ich von Herzen und hoffe, ihr könnt mir irgendwie helfen oder Tipps geben.


    P.S. Ich hatte immer ein tolles Verhältnis zu meinen Eltern und auch ich vermisse meinen Papa unheimlich, aber unser Leben muss ja auch weitergehen...

  • 9 Antworten

    Muss sie denn im Moment arbeiten? Sie hat sich wenig Zeit für die Trauerarbeit genommen (Du natürlich auch), vielleicht sollte sie die neue Arbeit im Moment Arbeit sein lassen und sich erst einmal um sich selbst kümmern? Wenn ein Psychologe nicht das richtige für sie ist, kann man sich sicher auch an ein ortsansässiges Hospiz wenden, dort sollte es bestimmt Selbsthilfegruppen geben. Gespräche mit anderen können viel bewirken, aber auch zu einer gewissen Selbstständigkeit beitragen.


    An Deiner Stelle würde ich ihr jetzt auch nicht mehr so viel abnehmen, sondern eher Hilfe zur Selbsthilfe geben. Nachher wenn das Baby da ist, hast Du ersteinmal andere Dinge, die Vorrang haben. Und Deiner eigenen Trauer wirst Du Dich auch noch stellen müssen.


    Alles Gute für Deine Mutter und für Dich und die anstehende Geburt. :)*

    Dankeschön für deine Antwort.


    Naja, wenn sie nicht arbeiten geht, hätte sie nur die Witwenrente als Einkommen. Sie ist 52 Jahre alt, ich denke, dass es nicht leichter wird, mit steigendem Alter, eine neue Arbeitsstelle zu finden.


    Aber genau diesen Gedanken hatte ich in der Tat auch schon, ob sie nicht doch kündigt und erstmal ein Jahr zu Hause bleibt oder so...habe dies aber noch nicht mit ihr besprochen.


    Mein Mann sagt auch immer zu mir, dass ich ihr nicht alles abnehmen soll, aber sie tut mir so leid, wenn sie so überfordert ist.


    Ach mensch :°(

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    Sehe ich ähnlich. Die Trauerphase kommt zu kurz. Ich würde an ihrer Stelle versuchen, eine Kur oder eine stationäre Psychotherapie zu erhalten. Gerade die jahrelange Unselbständigkeit fällt ihr jetzt auf die Füße.


    Beim Lesen hatte ich das Gefühl, du springst in die Mutterrolle und hast mit ihr ein unbeholfenes Kind an der Seite.


    Alles Gute für die Entbindung. Denk auch mal an dich :-)

    Wie weit wohnt sie denn von dir entfernt? Würde es ihr helfen, wenn du sie für dich einspannst? Nach der Arbeit zu dir kommen, zusammen essen (vielleicht mag sie kochen), mit der Babyvorbereitung helfen...? Muntert sie die Aussicht auf ihr Enkelkind nicht auf?

    Ja aktuell ist es auch so, dass sie wie ein Kind ist. Das ist gar nicht böse gemeint, aber sie muss wohl erst lernen, wie es geht, selbstständig zu leben.


    Sie wohnt im Nachbarort-10 Minuten entfernt. Sie freut sich sehr auf den Enkel, das war u.a. Auch ihr Antrieb, jetzt doch so schnell zu uns zu ziehen.


    Am Wochenende ist sie bisher immer bei uns gewesen, das hat sie auch abgelenkt. Aber sobald es auf den Abend zuging und sie alleine wieder in die neue Wohnung musste, ist sie sehr traurig geworden.

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    Kochen kann sie übrigens nicht, das hat auch immer mein Papa gemacht.


    Ich möchte sie nicht schlecht reden, sie ist in einer psychologisch verzweifelten Phase, ich will ihr nur irgendwie helfen.

    Zitat

    Naja, wenn sie nicht arbeiten geht, hätte sie nur die Witwenrente als Einkommen. Sie ist 52 Jahre alt, ich denke, dass es nicht leichter wird, mit steigendem Alter, eine neue Arbeitsstelle zu finden.

    Vielleicht würde auch erst einmal ein Halbtagsjob reichen? Schafft ein bisschen Ablenkung und sie hätte trotzdem Zeit für die Trauerarbeit oder sich mit alltäglichen Widrigkeiten auseinander zu setzen und zu lernen, sich um Dinge zu kümmern.


    Vom Hausverkauf ist nichts übrig geblieben?


    Und mit 52 Jahren gehört man heutzutage noch nicht zum alten Eisen. Oft sind gerade diejenigen in solch einem Alter die zuverlässigere Arbeitskraft. ;-)

    Zitat

    Mein Mann sagt auch immer zu mir, dass ich ihr nicht alles abnehmen soll, aber sie tut mir so leid, wenn sie so überfordert ist.

    Ich kann verstehen, dass Du Dich verantwortlich fühlst, aber helfen tust Du ihr nicht wirklich, indem Du ihr alles abnimmst. Wie soll sie denn lernen, Dinge alleine zu regeln oder sich zu kümmern? Sag oder zeig ihr, wie sie etwas regeln kann und dann soll sie es alleine tun.


    Und wie gesagt, eine Trauergruppe fände ich gut. Sie knüpft Kontakte, lernt Menschen mit ähnlichem Schicksal kennen, was ja durchaus auch verbindet. Daher entweder ein echtes Trauerjahr einlegen ohne Arbeit oder die Arbeitszeit reduzieren, damit sie für solche Dinge auch die benötigte Zeit hat.

    Vielleicht wäre eine Reha wirklich nicht schlecht. Würde sie sich drauf einlassen?


    Irgendwie muss sie ja doch auch lernen, ihr Leben zu gestalten, mit 52 ist sie ja noch keine alte Frau. ":/ Bei aller Liebe zu ihr hast Du ja auch ein Recht auf ein Leben mit Deiner Familie, irgendwann streikt sonst vielleicht Dein Mann auch mal?


    Alles Gute für die Geburt! @:)

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    Ich werde am Wochenende mal mit ihr reden. Vom Hausverkauf ist genug übrig, dass sie mal ein Jahr zu Hause bleiben könnte-eigentlich sollte das Geld für die Rente gedacht sein. Aber ich glaube auch, dass sie eine Kur bzw eine Reha jetzt bräuchte.


    Ich brauche auch unbedingt mal Zeit für mich, das merke ich.