Wie einer Freundin/Bekannten begegnen nach Trauerfall?

    Eine Bekannte hat vor zwei Tagen ihre Mutter verloren (diese war schon länger krank und das Verhältnis ist auch nicht das beste mit der Familie, aber es ist immer hart..), es ist eine Kollegin von mir. Am Donnerstag sehen wir uns wieder. Ich habe ihr eine SMS geschrieben und sie hat mir auch geantwortet. Ich weiß aber nicht, wie ich auf sie zugehen soll. Was ich ihr direkt sagen soll. ":/

  • 18 Antworten

    Kommt drauf an, wie nah ihr euch steht.


    Ich würde ihr halt dein Beileid aussprechen und sagen, dass sie zu dir kommen kann, wenn sie reden möchte. Dann würde ich das Thema ruhen lassen, denn vermutlich braucht sie nicht 1000 Leute um sich rum, die sie da irgendwie bedrängen.


    Wenn ihr euch nicht so nahe steht, würde ich ihr nur mein Beileid bekunden.

    Das ist immer schwer :-(


    Auf jeden Fall dein Beileid aussprechen vielleicht sprudelt es dann schon aus ihr heraus.


    Ansonsten kommt's finde ich auch wie Nähe ihr euch steht.


    Je nach Verhältnis kannst du ihr ja anbieten, dass sie sich auch an sich wenden kann.


    Wenn du die nicht sicher bist was nun passend ist frag die ganz einfach was ihr jetzt gerade gut tun würde, was du für die tun kannst.


    Das Schlimmste was du machen kannst ist sie zu meiden/schneiden.

    Jeder tickt da anders. Als ich meine Mutter verloren hatte, war ich froh um die Leute, die sich die Floskeln gespart haben und einfach für mich da waren.


    Eine stumme Umarmung, wenige Sätze, eine Einladung Abends zur Ablenkung. Das waren die schönsten Gesten. Sätze wie "Wenn was ist, komm einfach jederzeit." fand ich nicht so schön ... eher pflichtbewusst. Weil mir das Handeln überlassen wurde. Ich müsste dafür aktiv werden, dabei steht einem der Kopf ganz woanders. Angenehm fand ich, wenn die Leute mich nicht ausfragen, sondern mich lenkten. Einige erzählten von ihrem eigenen Verlust oder ihrer Vorstellung, wie das wäre, was ich als Gesprächsbasis sehr angenehm fand.


    Ich wollte nicht selbst viel entscheiden oder ausgefragt werden. Das war mir wichtig. Innerlich zur Ruhe zu kommen, und dennoch Menschen um mich zu haben.

    Ich schließe mich Comran an, so gefällt es mir in einem Trauerfall auch am besten. Je nachdem wie ihr arbeitet und bei euch die Gepflogenheiten sind, kannst du ihr auch durch Taten was gutes tun: eine Portion mehr zum Mittagessen mitbringen, ihr einen Tee kochen, sowas halt.


    Und je nachdem wie tief eure Freundschaft ist, kann es helfen abends mal auf einen Sprung rumzukommen und/oder sie bei all dem Organisatorischen rund um einen Trauerfall zu unterstützen. Oder sie ablenken, je nachdem was ihr lieber ist.

    Natürlich tickt da jeder anders, aber mir hat es nach dem Tod meiner Eltern geholfen, mich mit Menschen zu umgeben, die mich nicht wie ein rohes Ei behandelt haben, sondern genauso mit mir umgegangen sind wie vorher auch.


    Vor allem hat es mir geholfen, nicht über das Thema reden zu müssen, weil ich ständig damit konfrontiert wurde. Es wussten ja alle in meinem Freundeskreis, und es stand eh immer im Raum, aber am liebsten hatte ich die Menschen um mich, die mir "anpackend" zur Seite standen ??(z.B. als es um die Haushaltsauflösung ging)?? oder einfach nur da waren, und zwar, ohne mich alle paar Minuten mit Leidensmiene zu fragen, wie es mir denn geht. Am besten ging es mir bei den Menschen, die mir erlaubt haben, dass es mir in ihrem Beisein tatsächlich auch gut gehen darf (die mich aber auch ertragen haben, wenn es mir schlecht ging). Dass ich auch lachen darf, obwohl die ganze Situation alles andere als schön ist. Dass es nichts an unserer Freundschaft ändert. (Ich habe genug "Freunde" darüber verloren, von daher hänge ich das rückblickend am höchsten auf.)


    Du kannst sie auch ganz direkt fragen, was sie gerade von Freunden und Bekannten braucht, vielleicht kann sie das benennen. Ich finde, man darf auch einem Trauernden direkt sagen, dass man gerade nicht weiß, wie man mit ihm umgehen soll, dass man aber trotzdem gerne für ihn da sein möchte. Das Thema Tod ist immer noch ein Tabuthema, und man wird auf solche Situationen zuwenig vorbereitet. Für diese Unsicherheit muss man sich aber nicht schämen. Wenn Du Dich deswegen zurückziehen würdest, wäre das sehr schade.

    Zitat

    Natürlich tickt da jeder anders, aber mir hat es nach dem Tod meiner Eltern geholfen, mich mit Menschen zu umgeben, die mich nicht wie ein rohes Ei behandelt haben, sondern genauso mit mir umgegangen sind wie vorher auch.

    So sehe ich das halt auch.


    Ich würde auf keinen Fall bevormundet werden wollen, indem die Leute um mich rum meinen, mich irgendwohin einladen zu müssen oder sonst was zu tun, worum ich sie nicht gebeten habe. Aber vermutlicht ist auch sowas nicht bevormundend gemeint, genausowenig wie...

    Zitat

    Sätze wie "Wenn was ist, komm einfach jederzeit." fand ich nicht so schön ... eher pflichtbewusst.

    etwas mit Pflichtbewusstein zu tun hat/haben muss. Ich finde sowas einfach sehr rücksichtsvoll.


    So tickt halt jeder anders.


    Insofern kann man es wohl nur richtig machen, um es mal positiv zu formulieren.

    Zitat

    Ablenken indem man gar nicht davon redet und eher was ganz anderes macht wie zusammen was essen oder trinken gehen?

    Das eine muss das andere nicht ausschließen. Du kannst sie ja fragen, ob ihr der Sinn nach Ablenkung steht und wonach konkret. Oder du machst einen Vorschlag. Vielleicht redet sie dann trotzdem darüber, auch wenn sie es anfänglich gar nicht wollte.


    Diese konkreten Unterstützungsmöglichkeiten, die andere schon genannt haben (Haushaltsauflösung etc.) könnten auch eine große Hilfe sein. Es kann auch helfen einfach nur da zu sein, wenn sie die Beerdigung und weiteres organisieren muss.


    Man muss ja so viel Kram organisieren und rationale Entscheidungen treffen, obwohl man womöglich total durcheinander und in Schock ist.


    Im Endeffekt war mir das wichtigste, dass es okay war so zu sein und zu empfinden dürfen wie es akut war. Das wechselt ja auch ständig. Einen normalen, aber dennoch sensiblen Umgang mit der Trauernden pflegen. Wenn ihr euch nahe steht, hast du sicher ein Gefühl dafür, was gerade passen könnte. Vertrau darauf.

    "Wenn du mal wen zum reden brauchst.."


    Habe ich nie wahrgenommen....kam immer...seltsam rüber...so abwimmelnd...


    Man trauert... Egal wie die Umstände waren...


    Unterstütze sie, soweit es dir möglich ist, wenn sie eine Kollegin auf Arbeit ist, und du zbsp merkst, sie isst mittags nichts, weil sie es nicht schafft zu kochen und sonst hat sie das immer gemacht, bring ihr doch eine Portion von deinem Essen mit.


    Solche einfachen Dinge sind oft mehr wert als jedes lapidar dahergesagt Beileid.

    Was mir gerade noch eingefallen ist: du sagst, das Verhältnis zu ihrer Mutter war nicht das beste. Weißt du denn von ihr, dass es sie mitnimmt? Wenn sie sich nicht gut verstanden haben und die Mutter auch schon länger krank war, kommt sie vielleicht besser damit zurecht als man allgemein bei einem Todesfall annimmt. Ist natürlich reine Spekulation und soll auch nicht heißen, dass du dich nicht kümmern solltst. Sondern eher, dass es auch passieren kann, dass das Umfeld große Trauer erwartet, sie sich aber eigentlich damit auseinander setzen muss, dass sie erleichtert oder gleichgültig oder wütend ist.

    Ich habe nochmal darüber nachgedacht und vielleicht kann das ja wirklich falsch ankommen, was ich geschrieben habe. Wäre es besser, wenn man sowas sagt, wie: "Wir können uns gerne auf einen Kaffee treffen und reden, wenn du möchtest. Ich will mich aber auch nicht aufdrängen, wenn du lieber nicht reden möchtest?" Ich fände es halt wichtig, den anderen in so einer Situation nicht zu belästigen...


    Sorry, falls das am Rande etwas offtopic sein sollte..

    @ Cinnamon4:

    mir persönlich würde deine letzte Variante besser gefallen, weil ich da eher das Gefühl eines ernst gemeinten Angebots habe, von jemandem, der sich nicht aufdrängen, aber dennoch ein offenes Ohr signalisieren will. Das andere würde bei mir auch nur wie eine Floskel ankommen, wobei es immer auch auf den Grad derr Verbundenheit ankommt. Bei engen Freunden weiß ich, dass es ernst gemeint ist. Bei Arbeitskollegen/Bekannten würde ich es unter "Formsache" verbuchen.

    Zitat

    Was mir gerade noch eingefallen ist: du sagst, das Verhältnis zu ihrer Mutter war nicht das beste. Weißt du denn von ihr, dass es sie mitnimmt?

    Es nimmt sie mit, sie war mehrere Tage krank geschrieben. Und es ist oft schwerer, weil man denkt, man hätte sich vllt versöhnen können oder so... dann muss man ja der Form halber viel Zeit mit der Familie verbringen, auch wenn man mit der nicht so klar kommt...

    Seid ihr euch heute begegnet? Falls du berichteten magst, erzähl doch mal.


    Zu dem Thema 'man hätte sich vielleicht versöhnen können' - der Gedanke ist bei schwierigen Beziehungen wohl vielen vertraut. Ich kann es einerseits nachvollziehen, andererseits halte ich es für Illusion. Wenn die Möglichkeit da gewesen wäre (in einem selbst und dem anderen), hätte man es vorher ja gemacht. Von daher plädiere ich für eine große Portion Nachsicht mit sich selbst und für die verstorbene Person. Allerdings leichter gesagt als getan. Ich habe mehrere Todesfälle von Menschen erlebt, gegen die ich lange Jahre einen Groll hegte. Irgendwann konnte ich ihnen verzeihen, weil sie nicht besser handeln konnten. Und mir selbst habe ich die Hassgefühle verziehen. Das ist möglich. Aber manchmal eben erst nach dem Ableben eines Menschen.