Wie kann ich jetzt auf mich schauen?

    Hallo,

    das letzte Jahr war verheerend für mich und meine Herkunftsfamilie.

    Im Frühjahr musste sich meine Mutter (71) was auf der Nase wegschneiden lassen, aber es war zum Glück gutartig. Aber ich habe mir riesengroße Sorgen gemacht.

    Später ist sie gestolpert und hat sich das Handgelenk gebrochen und musste operiert werden.

    Das war für mich so schlimm, es hat mich brutal erschüttert und ich habe viel geweint, meine Stimme war gar nicht mehr richtig da, ich hatte ein richtiges Schwächegefühl im Hals.

    Ok, ich habe mich da vielleicht reingesteigert.

    Sie hat sich schnell wieder gefangen und es ist inzwischen sehr gut verheilt.

    Die größte Katastrophe war dann im Sommer, als ich meinen Cousin morgens tot im Bett fand, ich wollte gerade zur Arbeit gehen.

    Er hatte keine Vorerkrankungen, war erst 44 Jahre alt und galt als gesund.

    Er ist schon in den frühen Abendstunden gestorben und es gab nichts was mich/uns hätte stutzig werden lassen müssen.

    Die Obduktion ergab dann, das es ein Herzinfarkt war.

    Wir sind wie Brüder zusammen aufgewachsen, ich bin nur knapp ein Jahr jünger.

    Aber ich kann das bis heute, ein halbes Jahr danach, noch immer nicht fassen.


    Was bedeutet das für mich?


    Früher war es immer so, dass wenn er krank war oder Ärger, Liebeskummer hatte oder was auch immer, dass es bei mir genauso war, also zeitgleich.

    Und etzt ist er verstorben....wisst Ihr was ich meine?


    Früher hab ich mich am Wochenende nachmittags gerne mal hingelegt, ausruhen usw.

    Aber seitdem traue ich mich das nicht mehr, auch vor allem flach und ausgestreckt auf dem Bett zu liegen.

    So habe ich nämlich meinen Cousin auf dem Bett gefunden.

    Ich habe schiss davor, mich tagsüber hinzulegen.

    Abends zum schlafen gehen ist es kein Problem, aber ich achte darauf, möglichst nicht komplett ausgestreckt zu liegen.

    Sicher normalisiert sich das mit der Zeit wieder, aber jetzt kann ich es nicht.


    Das alles hat mir gezeigt, dass wohl jederzeit alles passieren kann und das macht mich nervös.

    Jetzt hat meine Mutter wieder was an der Nase, was angeschaut werden muss.

    Hoffentlich ist es wieder nichts schlimmes, aber ich habe einfach Angst!:°(


    Wir sind nur noch zu zweit, meine Mutter und ich.

    Alle anderen Verwandten sind in den letzten Jahren an Krankheiten, die wir voll miterlebt haben, auch schon viel zu früh verstorben, es gibt niemanden mehr aus unserer Familie.

    Als ich meinen Cousin fand, spürte ich einfach nur Resignation.

    Schon wieder einer verstorben!

    Auch die Zusammenkunft bei der Beerdigung oder später mit den Menschen mit denen er zu tun hatte, hat mich enttäuscht.

    Er kannte so unglaublich viele Menschen, aber es kamen nur 2 Beileidskarten.

    Oder immer wieder der Spruch, die guten sterben jung.

    Heißt das, wir alle sind noch da, weil wir nicht gut sind?

    Oder der Spruch, pass jetzt auf deine Mutter auf.


    Klar, aber wie kann ich jetzt auch auf mich selbst schauen?

    Woher nehme ich die Kraft?

    Denn in letzter Zeit hat sie immer andere Wehwehchen.

    Nichts dramatisches, aber es macht mich nervös, fast paranoid.:°(


    Danke

  • 2 Antworten

    Ja, das ist zwar der Lauf der Welt und dieser Lauf kann nicht aufgehalten werden.

    Mir ging/geht es ähnlich wie dir. Die meisten Verwandten, mit denen ich Kontakt hatte, die ich liebte, sind in den letzten Jahren weggestorben. Das habe ich gar nicht so schwer genommen, aber letztes Jahr, hat dann ein Tod doch dazu geführt, dass ich doch sehr viele Gedanken hatte und völlig unstrukturiert, wie bei dir. Die meisten aus gesteigerten Sorgen, mit denen ich Angst in mir ausgelöst habe und zeitweise zu viel Angst, denn ich finde sie größtenteils völlig sinnlos. Angst um meine Mutter, mich, meinen Katzen, meinem Job, blablabla. Sinnlose Angst, die ich dann auch wirklich zu oft und lang produzierte und merkte, hej, du musst da raus. Mit oder ohne Angst - es kommt, was kommt und du kannst nur die Zeit nutzen und egal wie lange sie sie sein wird, nutze sie so, dass sie dir gut tut. Deine Mutter lebt, also nutze die Zeit mit ihr, schau, dass du dir gutes tust, dass es dir gut geht. Mehr geht nicht.

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