Wie kann man sich mit dem Tod beschaftigen?

    Hallo,


    ich habe gemerkt, dass ich ein extremes Problem mit trauerbewältigung und dem Umgang mit den Tod habe. Ich hoffe, dass der tot meiner Eltern noch in weiter Ferne liegt, aber die Vorstellung, dass ich sie irgendwann nicht mehr habe, macht mich jetzt schon richtig fertig. Ich glaube nicht, dass ich zb auf ihren Beerdigungen anwesend sein kann, ohne wirklich zusammen zubrechen. Auch der tot meiner Partnerin, der hoffentlich noch in viel viel viel weiterer Ferne liegt, macht mich jetzt schon traurig. Auch mein eigener tot, der Umstand das es irgendwann passieren wird, macht mich jetzt schon traurig. Das klingt Sau blöd, weil es nun mal Teil des Lebens ist und ausnahmslos jeden trifft, aber ich komme damit nicht klar. Wie kann man sich mit dem Thema auseinandersetzen? Hilft da ein Psychologe? Gibt es gute Bücher (ganz allgemein) zu dem Thema? Ich merke das ich mich damit beschäftigen muss, sonst stimmt mich dieses Thema Nürnberg dauerhaft traurig...

  • 35 Antworten

    Vielleicht auch eben genau nicht. Vielleicht beschäftigst du dich zuviel mit dem Thema. Mit jedem Abschied, den wir alle zwangsläufig im Leben erleben wachsen wir dran.

    Viele verzweifeln deshalb, weil sie die starken negativen Gefühle nicht haben möchten. Wer will das schon? Aber: Die gehören dazu.

    Du wirst auch bei dem ein oder anderen Abschied merken, dass der Tod nicht immer schlimm ist. Er ist sehr oft auch eine Erlösung.


    Bis dahin rate ich dazu: Lebe. Fülle deine Tage mit Leben. Nutze deine Zeit.


    Zur eigenen Endlichkeit: Ich kann mir schon vorstellen, dass ab einem gewissen Alter sowas einsetzt wie "Boah, jetzt reicht es aber langsam". Ich habe sowas zumindest schon oft von sehr alten Menschen gehört. ;-D


    Hast du schon Sterbende erlebt? Warst du auf Beerdigungen? Wie war das als Kind? Hat man dich auf Beerdigungen mitgenommen?

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    Man ist tot, aber man redet vom Tod.


    Da hat sich eine Verlustangst bei dir eingeschlichen,


    Ich habe eine Zeit in einem Hospiz ehrenamtlich gearbeitet. Dort wird dauernd gestorben, meistens sehr friedlich - und eben ganz zum Schluss.... Und davor war viel Lachen angesagt, wirklich, das Jetzt zählte. Und ich habe es sooo oft erlebt, dass gerade die, die todkrank waren, die anderen trösten wollten.


    Das Leben geht immer weiter, deine Eltern - trauern die denn immer noch um ihre Eltern (sofern verstorben)? Oder können die, irgendwo muß dein Beispiel ja herkommen, immer noch nicht wieder leben? Sind gefangen in ebensolcher Vorstellung, wie du sie pflegst?


    Ein Therapeut könnte helfen.


    Ich pflege gerade jemanden (mit), der 92 ist, liebend gerne sterben möchte, weil das Leben nur noch eine Last ist. Blind geworden, fast taub, abgemagert bis auf die Knochen, sabbert, inkontinent, das Leben hat null Lebensqualität mehr. Jeden Tag betet er: Lieber Gott, hol mich endlich, ich will nicht mehr....


    Jeder in der Familie würde sich sogar freuen für ihn, wenn er endlich erlöst werden würde.

    Und die Beerdigung, dort zu erscheinen, das wäre doch eine Ehre.


    Vielleicht könntest du lernen, dich für andere Gedanken zu entscheiden. Was du schreibst liest sich sehr nach Selbstmitleid. Und du leidest ja jetzt schon, obwohl nicht einmal ein Anlass da ist.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele junge Menschen zwischen 20 und 30 von solchen Ängsten regelrecht überfallen werden. Vielleicht weil man vorher ja irgendwie nicht so dran denkt, da man meint man sei unsterblich ;-)


    Sowas vermute ich hier auch. Ich hatte das auch mal eine Weile, ist schon lange her. Wenn das nur so ein "ey ich bin jetzt erwachsen und damit rolle ich dem Tod entgegen" - Erschrecker ist, dann ist das halb so wild und vergeht von alleine, wenn man sich und seine Lebensinhalte gefunden hat.

    Ich verstehe das Du dich mit dem Tod beschäftigst.

    ich frage Dich hast du Dich ausgiebig mit dem Leben beschäftigt?

    Zuerst kommt das Leben, dann nochmals das Leben und irgendwann

    wird auch das Leben mit dem Tod abgeschlossen.

    Ich bin jetzt 63 Jahre jung, habe mit 19 Jahren einen schweren Unfall

    bin 10 Meter vom Dach in einen gespannten Stacheldraht gefallen,

    habe mir dabei den 12 Brustwirbel gebrochen.

    Glaubst Du ich habe während des Fluges vom Dach an den Tod gedacht

    nein keine Sekunde ich machte das beste daraus.

    Heute sage ich Dir ich hatte mindestens 3 Schutzengel, einer der mir positive

    Gedanken gab, einer der schnell Hilfe holte und einer der bei mir blieb

    als ich im Stacheldraht fest hing.

    Ich hätte gelähmt sein können, es hätte sehr viel mehr geschehen können.

    Pflege fall mein Leben lang. Mein Gedanke war damals wann kann ich wieder

    tanzen gehen, ich habe selbst im Krankenhaus noch nicht mal

    Akzeptiert das ich dort 6 Wochen bleiben sollte, musste.

    Heute sage ich, ich habe mein Leben noch lange nicht gelebt ich möchte

    noch dies oder jenes Erkunden, warum sollte ich mit dem Tod beschäftigen,

    der kommt irgendwann und es ist schön wenn jemand um einen trauert.

    Dann habe ich alles richtig gemacht.

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    Ich war auf zwei Beerdigungen im Kindesalter und empfand die nicht so schlimm, wie die letzten zwei Beerdigungen auf denen ich war. Da hatte ich regelrechte Zusammenbrüche. Alle in meiner Familie gehen „lockerer“ mit dem Tot um. Keiner ist depressiv oder komisch damit. Nur ich merke, dass ich mich in so eine Richtung entwickel. Ich lebe gerne. Mein Leben hat Inhalt und macht Spaß. Aber dazu gehört auch das da sein der Leute die ich liebe. Einen Verlust dieser Menschen kann ich mir nicht vorstellen.

    Wilfried Reuter: Der Tod ist ganz ungefährlich

    Dieses Buch wurde mir letztens empfohlen, ich habe es noch nicht gelesen, gebe die Empfehlung aber gern weiter.

    Wenn ein Mensch im Umfeld stirbt, dann führt das zwangsläufig dazu, dass man sich seiner eigenen Endlichkeit bewusst wird.

    Meiner Erfahrung nach gewöhnt man sich aber irgendwie dran. Wichtig ist es den Tod nicht aufhalten zu wollen, sondern ihn als Teil des Lebens zu sehen. Er ist das, was uns alle gleich macht.

    Ich liebe die Natur und akzeptiere aber auch, dass sie (im ethischen Sinne) oft grausam ist. Eigentlich ist sie das aber nicht, sie ist einfach nur. Ohne Wertung, ohne Drama.

    Dazu gehört eben auch der Tod.

    Ich persönlich habe auch Angst vor dem Sterben, ab er eben nur vor dem Sterben. Nicht vor dem Tod an sich, Ich gehe davon aus, dass das nicht anders sein wird als vor meiner Geburt. Nämlich eben gar nicht. Ich existiere nicht. Also wurscht.


    Die interessantesten Erfahrungen habe ich mit Menschen gemacht, denen klar war, dass sie nicht mehr lange hatten und den Sterbeprozess quasi zu beobachten. Klingt voyeuristisch, aber für mich war das interessant. So unterschiedlich die Wege waren, so war das "Finale" sehr ähnlich. Und immer eine Erlösung.

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    Zitat

    Wie kann man sich mit dem Tod beschaftigen?

    Eigentlich so, wie du es auch machst. Habe ich auch ähnlich gemacht, bis mir klar wurde, dass es völlig sinnlos ist, dass ich mich mit einem Zustand beschäftige, in dem es mich nicht mehr gibt. Hatte aber eine große Wende in meiner Lebenseinstellung, denn das ist etwas, das ich kann, also mich mit dem Leben zu beschäftigen, wie ich es verbringe, mit wem ich mein Leben verbringe und wie viel meiner Zeit wer es mir Wert ist. Das trägt dazu bei, dass ich sowohl die Menschen, die ich liebe als auch mein Leben loslassen kann, wenn es vorbei ist, weil es mir nicht leid tun muss, dass ich mit jemandem zu wenig Zeit verbracht hätte, mir keine Vorwürfe machen muss, warum ich was jemanden nicht gesagt habe.

    Weichspüler82 schrieb:

    Aber dazu gehört auch das da sein der Leute die ich liebe. Einen Verlust dieser Menschen kann ich mir nicht vorstellen.

    Ging mir damals auch so. Das hatte bei mir weniger mit dem Tod der Mesnchen oder dem Verlust der Menschen zu tun, sondern mit meiner Abhängigkeit. Es ging mir damals nicht um die Menschen, die ich liebte, sondern nur um mich, die ja dann diese Menschen nicht mehr gehabt hätte. Ich meine, natürlich war ich traurig, als mein Vater gestorben ist und es war schön, dass wir einander hatten, aber wen würde ich den bemitleiden, wenn ich hadern würde? Doch nur mich selbst. Ich habe meinen Vater sehr schön und schnell losgelassen, denn es gab nichts Ungesagtes zwischen uns. Ich hatte auch keinerlei Berührungsängste während seiner Krankheit. Klar könnte ich mein Leben mit Angst, Wut, Traurigkeit füllen, aber damit würde ich mich dem Leben, das sich bietet, die Dinge die da sind nicht mehr wahrnehmen. Wie ungerecht wäre ich den Menschen gegenüber, die da sind und ich sie nicht wahrnehme, weil es jemanden nicht mehr gibt. Das wäre dann die Situation, in dem Tod zutreffen würde, obwohl ich lebending bin, mich der Dinge erfreue und genieße, die da sind. Ich bin Gast auf dieser Welt und das sind wir alle und Gäste gehen auch wieder. Es sit von Anfang an klar, dass jeder sterben wird und dass wir nicht wissen, wann das ist. Das sind Unveränderliche, an denen ich nichts ändern kann. Mit oder ohne Agnst, wird es so kommen. Deswegen dann lieber ohne Angst und unabhängig und selbstbestimmt und zwar dankbar.

    nike zoe deine Worte rühren mich zu Tränen und es tut mir leid was du schreibst.


    Wenn du aber erst in den 40ern bist, hast du hoffentlich noch eine lange schöne Zeit vor dir. Ich wünsch es dir.

    zur eingangsfrage, die Frage ist, muss man sich damit beschäftigen?

    Wir wissen nicht, wann es passiert, nicht wie es passiert. Wir wissen nur, dass es passiert.

    Ich glaube es ist müßig, sich den Kopf darüber zu zerbrechen.

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    Mietzli schrieb:

    zur eingangsfrage, die Frage ist, muss man sich damit beschäftigen?

    Wir wissen nicht, wann es passiert, nicht wie es passiert. Wir wissen nur, dass es passiert.

    Ich glaube es ist müßig, sich den Kopf darüber zu zerbrechen.

    Richtig. Versuch du aber mal 10 Minuten lang nicht (!) an rosa Elefanten zu denken. Siehste...klappt nicht. Das ist ein Paradoxon, man nicht nicht bewusst etwas nicht denken.


    Es ist ja auch nicht schlimm sich damit zu beschäftigen. Ich persönlich halte das für besser als irgendwann völlig unvorbereitet in eine Krise zu geraten. Gibt es nämhlich leider. Oft bei Menschen, die als Kind auch immer fern gehalten wurden. Wo der Tod tabuisiert wurde.

    Das ist ein Prozess, der bei (fast) jedem irgendwann plötzlich einsetzt. Klar wissen wir alle logisch, dass jeder sterben wird. Aber es ist nicht real und man kann es sehr gut wegdrücken, als hätte man eine Wahl. Und irgendwann kommt der Punkt, da stellt man plötzlich fest, dass es greifbar ist und gar nicht so surreal. Das ist der Punkt, wo man die Tatsache der Endlichkeit nicht nur weiß, sondern begriffen hat.


    Angenehm ist das nicht. Aber jeder, der nicht in kompletter Selbstverleugnung absäuft, geht durch diesen Prozess. Wie "schlimm" es wird, ist aber individuell. Bei mir war es zumindest lange. Ich habe mich fast zwei Jahre damit beschäftigt. Ob es schlimm war, kann ich nicht differenzieren. Denn Auslöser war eine unheilbare Erkrankung meiner Mutter. Das war sowieso schlimm, und ein Teil dieser Zeit galt der Beschäftigung mit dem Tod. Ob es mir jetzt aber wegen dem Tod an sich oder wegen der gesamten Situation schlecht ging, weiß ich halt nicht.


    In diesen zwei Jahren beschäftigten mich die gleichen Dinge. Wen würde ich alles verlieren (potenziell die Partnerin eingeschlossen), ich fing an Beerdigungen zu "zählen", die mir noch bevorstehen würden. Aber irgendwann kehrte sich das um, und ich fokussierte mich auf die "Praxisaspekte" des Todes. Wie kann ich vorsorgen? Was könnte ich meinen Hinterbliebenen leichter machen, wenn ich morgen vom Auto überfahren werde? Ich bereitete mich vor, so makaber das klingt. Alle Dinge, die man sonst immer in weite Zukunft schiebt. Meine Frau und ich machten im kerngesunden Zustand Patientenverfügungen und Vollmachten für den Notfall. Ich hatte sogar einen Brief vorgeschrieben, der immer noch geschlossen bei uns in einer Schublade liegt und den meine Hinterbliebenen im Fall des Falles als letzten Gruß haben sollen.


    Diese ganze Beschäftigung hat mich zu einem Punkt gebracht, an dem ich klar für mich sagen konnte: Ich habe den Tod vollends begriffen und was Verlust bedeutet. Und ich habe alles soweit in Gedanken akzeptiert, soweit man überhaupt dieses Thema durchdenken kann. Und ich fühle mich vorbereitet. Dies ist jetzt schon 6 Jahre her, und ich fühle mich immer noch "gewappnet". Das ist ein beruhigendes Gefühl und nimmt auch die diffuse Angst. Man muss sich diesem Thema stellen.


    Aktuell ist mein Vater gesundheitlich angeschlagen und auch schon in einem höheren Alter. Ich muss sagen, dass ich damit viel gelassener umgehen kann als damals bei meiner Mutter. Obwohl es sein kann, dass er kein Jahr mehr lebt. Aber ich fühle mich so viel stärker, ihm eine Stütze zu sein. Und weil mich der Tod nicht ständig beschäftigt, erlebe ich die Zeit mit ihm unbelastet.


    Seit einigen Jahren trage ich den Gedanken in mir, mich im Ruhestand ebenfalls ehrenamtlich im Hospiz zu betätigen. Es ist etwas Normales, und man muss das Thema auch aus dem Verborgenen in die Öffentlichkeit bringen. Nicht nur, damit es seinen Schrecken verliert. Sondern auch, damit die Betroffenen in den letzten Wochen umsorgt und ohne Scham einfach loslassen können.


    Hoffe, ich konnte dir mit der langenen eigenen Erfahrungsschilderung bisschen helfen. Gib dem Thema Raum, und dir etwas Zeit. Das Gefühl wird nicht so schlimm bleiben, wenn du das Thema an dich heranlässt.:)z

    Der Tod gehört zum Leben dazu. Und der Tod kennt kein Alter. Niemand weiss wann er "dran" ist. Ich habe mich noch nie so extrem damit beschäftigt wie jetzt. Mein Lebensgefährte ist letztes Jahr ganz plötzlich gestorben. Mit 40 Jahren. Allein seine urne zu sehen war soo schlimm für mich. Das ist nur seine Asche. Ich habe ihn auch 1 Woche später noch gesehen. Das war das beste was ich machen konnte. Von meiner Freundin der Mann ist letztes Jahr gestorben. Mit 41 Jahren. Ein Freund ist vor 2 Jahren gestorben. Mit 41 Jahren.. von einem Freund die Freundin ist vor 6 Wochen gestorben. Mit 36 Jahren. Und jetzt ist vor 4 Wochen ein Bekannter aus der Clique gestorben. Mit 46 Jahren. Ich kann es nicht mehr hören. Es ist so schlimm. Aber eins hab ich gelernt. Sei dankbar über jeden Tag den du hast. Geniesse und lebe. Es kann jeder Zeit vorbei sein. Und so schnell gehen.

    Ich selber habe Angst vorm Sterben ..aber nicht vor dem Tod. Lebe, Liebe Lache und geniesse dein Leben

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