Wie viel und wie lange ist denn "normal" beim trauern?

    Hallo,


    ich will es kurz halten.


    Mein Opa ist sehr unerwartet vor fast einem Jahr gestorben. Ich konnte mich noch verabschieden. Trotzdem hat mich dieses Erlebnis sehr tief erschüttert. Es ist nicht nur die reine Trauer, sondern auch die Tatsache das mir bewusst wurde, wie schnell das Leben urplötzlich vorbei sein kann.


    Es ist das der erste so enge Angehörige, der gestorben ist. Und es treibt mich in den Wahnsinn, wenn ich daran denke, dass jederzeit wieder jemand der mir so nah ist sterben könnte. Oder ich selbst. Ich halte es aktuell emotional kaum aus, vielleicht liegt es auch daran, dass der erste Todestag so nah ist.


    Wie lange geht das noch so? Ich habe nicht das Gefühl, dass die Trauer besser geworden ist, ganz im Gegenteil. Nur der erste Schock ist nicht mehr da.

  • 25 Antworten

    Das ist bei jedem Mensch unterschiedlich. Manche brauchen Jahre, manche Wochen, manche sind sofort danach wieder Ok.


    Da gibt es keine gültigen Regeln. Vielleicht gibt es bei euch sowas wie eine Trauerberatung? Informier dich dahingehend mal.

    Zitat

    Wie lange geht das noch so?

    3 oder 5 Jahre


    Je nachdem wie eng die Bindung war. Manche brauchen 3 Jahre um den Verlust zu verarbeiten oder zu verdrängen, andere 5 Jahre und wieder andere trauern ihr Leben lang.

    Kanga, danke.


    Da habe ich schon dran gedacht, ich bin aber momentan so emotional, dass ich nicht mal drüber reden kann ohne das ich emotional total neben mir laufe (und heule). Ich bin auch gerade etwas verbohrt bei dem Thema, ich will nicht drüber reden und schon gar kein Mitgefühl erhalten...

    Hyperion, aber doch nicht so intensiv oder?


    Ich mein...das war mein Opa. Der Mittelpunkt unserer Familie. Ein ehrwürdiger Mensch, der in einem guten Alter gestorben ist. Ich konnte tschüß sagen. Also nichts wo man sagen könnte es war nicht okay. Und trotzdem haut es mich so um.

    Hm... Ich denke eher, dass du prinzipiell nicht gut mit dem Tod umgehen kannst. Ist es okay für dich, dass Menschen sterben? Dass das Leben deiner Lieben und das eigene endlich ist? Der Tod deines Opas hat dir diese Gedanken wohl erstmals bewusst gemacht und im Moment sagst du dir: "Nein, es ist nicht okay." Daher rührt deine Angst und du kannst nicht loslassen. Da hilft leider nur drüber reden und ich empfehle dir, eine Psychotherapie zu machen. Da steckt mehr dahinter als der Tod deines Opas, sondern die tiefgreifende Angst vor Kontrollverlust durch einen Todesfall. Sowas kann man aufarbeiten.

    @ Hyperion

    Zitat

    3 oder 5 Jahre


    Je nachdem wie eng die Bindung war. Manche brauchen 3 Jahre um den Verlust zu verarbeiten oder zu verdrängen, andere 5 Jahre und wieder andere trauern ihr Leben lang.

    Woher um alles in der Welt nimmst Du diese Zahlen? 3 oder 5 Jahre?!


    Es ist absolut und vollkommen individuell. Der erste Tod in meiner Familie hat mir auch den Boden unter den Füßen weggezogen, aber die richtig schlimme Zeit war bei mir verhältnismäßig schnell vorbei. Natürlich zieht man nicht irgendwann einen Strich drunter und es ist als wäre nie etwas gewesen. Mir haben Gespräche mit anderen dabei sehr geholfen.

    @ TE

    Vielleicht könnte Dir ein Gespräch bei einer psychologischen Beratungsstelle helfen? Oder einfach Gespräche mit Freunden, die auch schon so etwas hinter sich haben?

    Und: Das mit den 3 - 5 Jahren leuchtet mir nicht so richtig ein. Manche Menschen brauchen zu so einer Verarbeitung doch auch nur Monate? Und manche brauchen 6 Jahre, und nach den 5 Jahren nicht lebenslang?


    Meiner Erfahrung nach - ich habe schon ein paar Menschen und auch Tiere verloren - vergeht der Schmerz nie. Man lernt nur irgendwann, damit zu leben, und er wird normaler und zu einem Teil von einem. So gesehen trauert man lebenslang, aber irgendwann ist es einfach nicht mehr so extrem präsent. Am Anfang packt einen jeden Tag mehrmals der Schock und die Fassungslosigkeit, der brennende Verlustschmerz, und die Albträume kommen jede Nacht. Irgendwann werden die brennenden Momente und die Albträume einfach seltener. Man kann sowas akzeptieren, aber nicht vergessen. Das Loch bleibt und das zu akzeptieren, tut irgendwie auch gut. So weiß man, dass der Verstorbene wichtig war und nie vergessen wird, im Herzen eben weiter lebt. Und man kann sich ja auch an die schönen Momente erinnern.


    Vielleicht musst du einfach lernen, dass Tod, Schmerz, Verlust und Leiden genauso zum Leben gehören wie Geburt, Freude, Familie und Liebe. Das eine geht nicht ohne das andere. Das zu akzeptieren und auch anzunehmen ist sehr wohltuend und man lebt irgendwie tiefer, intensiver. Das wäre sicher auch schön für deinen Opa :)_!


    Mir hilft übrigens auf der spirituellen Ebene, dass ich mir sicher bin, dass der Tod nicht das Ende ist. Ich glaube an ein Leben nach dem Tod. Auf der biologischen Ebene hilft mir der Gedanke, dass meine späteren Kinder und Enkel - oder auch Großcousinen und -cousins - meine Gene weitertragen werden und so ein Teil von mir immer weiterleben wird. Und ein Teil von deinem Opa lebt ja auch in dir weiter :)-.


    Übrigens sind die Menschen früher noch ganz anders mit dem Tod umgegangen. Es gab richtige Friedhöfe mit lustigen Sprüchen, die auch recht makaber waren. Der Tod war allgegenwärtig; mit Glück erreichte die Hälfte der Kinder das Erwachsenenalter - da musste man einfach anders mit umgehen, auf Gott (oder an wen oder was auch immer du glaubst, und sei es die Liebe) vertrauen und das Beste draus machen.


    "Carpe diem!" und "Memento mori!" als Motti in der Barock-Zeit gingen auch nicht umsonst Hand in Hand.


    Ich hoffe, du konntest aus meinen Gedanken etwas Hilfreiches und Tröstendes für dich mitnehmen :)*!


    Zuletzt noch: Lass die Trauer und die Angst zu - sonst werden sie nur noch stärker.


    LG

    LichtAmHorizont

    Zitat

    Woher um alles in der Welt nimmst Du diese Zahlen? 3 oder 5 Jahre?!

    Erfahrung


    Alias

    Zitat

    Hyperion, aber doch nicht so intensiv oder?


    Ich mein...das war mein Opa. Der Mittelpunkt unserer Familie. Ein ehrwürdiger Mensch, der in einem guten Alter gestorben ist. Ich konnte tschüß sagen. Also nichts wo man sagen könnte es war nicht okay. Und trotzdem haut es mich so um.

    Das kommt darauf an wie stark die Bindung zu deinem Opa war und wie eng er zur dir stand. Wenn er ein Teil von dir war, der dir plötzlich weggerissen wird dauert es Jahre um das einigermaßen zu verarbeiten oder zu verdrängen, lernen damit zu Leben.


    Je mehr du Kontakt zu ihm hattest oder je öfters du ihn gesehen hast, desto mehr nimmt es dich bewusst oder unbewusst mit.


    Du schreibst auch das es der erste Angehörige war. Bei mir sind es 5. Die erste Erfahrung mit dem Tod in der eigenen Familie ist ganz anders, emotionaler als wenn es andere betrifft die nicht zur Familie gehören.

    Wobei ich persönlich Verdrängung nicht empfehlen würde. Meine Erfahrung damit ist, dass verdrängte Gefühle wie eiternde Wunden sind. Es tut immernoch weh und eitert und heilt nie ganz. Klar, Heilung im Sinne von "Der Schmerz geht weg." gibt es eh nie, aber im Sinne von "Ich kann den Schmerz annehmen." Und dann wird mit der Zeit - wie lang, ist extrem individuell und alles ist okay dabei, ob 1 Tag oder lebenslang - die Bürde zu tragen einfacher, selbstverständlicher.

    Zitat

    Ein ehrwürdiger Mensch, der in einem guten Alter gestorben ist. Ich konnte tschüß sagen. Also nichts wo man sagen könnte es war nicht okay. Und trotzdem haut es mich so um.

    Kann es sein, das du selber Probleme damit hast, das du so Fühlst wie du fühlst?


    Wenn es so ist, dann darfst zu es nicht so machen. Es ist in Ordnung wie du dazu fühlst. Bei jeden ist es anders und auch wechselt oft. Du hast ihn wohl geliebt und war ein wichtiger teil deines Leben, da darf du deswegen traurig sein.


    Versuche aber was zu finde was in den Momenten dir gut tut, wie du damit am besten umgehst. Manche wollen reden andere nicht, das ist so verschieden. Jeder muss sein Weg finden

    Zitat

    Und es treibt mich in den Wahnsinn, wenn ich daran denke, dass jederzeit wieder jemand der mir so nah ist sterben könnte.

    Das solltest du aber schon versuchen zu unterdrücken. Selbst wenn es passiert, was bringt es dir, dich jetzt schon deswegen wahnsinnig zu machen? Du versaust dir nur die Zeit die zu jetzt mit den hast und das es weniger passiere tut es auch nicht.


    Versuche ehr, jetzt mit den Intensiver die Zeit zu nutzten.


    Ich hatte in sehr kurzer Zeit meine Komplette Familie verloren. Mit 5 Jahren mein Vater, mit 6 Jahren meine Mutter und mit 9 Jahren mein Bruder.


    Ich bin mit jeden Tod anders umgegangen. Und hatte so viele Phasen damit durchlebt. Es gab auch Phasen, wo jede Erinnerung mich zur Verzweiflung brachte, z.b wenn jemand fragte, wieso ich im Heim lebe. Wo dann die Antwort kam, weil meine Eltern Tod sind.


    Dann dann gab es aber auch Tage da wollte ich jeden Erzählen , was wir zusammen früher zusammen gemacht haben(schöne Erinnerung). Über die reden. Anderen Tag, einfach nur traurig deswegen sein. Das brauchte ich auch in manchen Zeiten.


    Was ich mir aber immer versucht habe zu sagen, wenn ich tief verzweifelt war und dachte ich werde noch wahnsinnig und halte den Schmerz nicht mehr aus, was die die Gestorben dann zu mir gesagt hätten, wenn die mich so sehen würden .Mich gefragt ob die das so gewollt hätten und was die jetzt für mich Wünschen würden.


    Und da war ich mir sicher, das hätten die nicht gewollte das ich so Leide und immer heulend im Bett liege und hätten lieber gewollte das ich freute am Leben habe und nicht deswegen zu Grunde gehe.


    Es waren viele Sprüche die mir in Kopf kamen, die sie mal zu mir gesagt haben. Auch was meine Mutter zu mir gesagt hat, als mein Vater Tod war und mich damit aufbauen wollte oder mein Bruder.


    Mich haben auch tlw. winzige Sprüche aufgebaut, die mal von den kamen. Da konnte ich manchmal heulend lachen können z.b hatte mal mein Bruder als er noch lebte und ich geweint hatte, weil er mich geärgert hatte, noch weiter geärgert und hatte weil ich beim heulend dabei so geschnieft hatte, 2 Stunden hinter mir hehr gelaufen und lachend immer Schiefi, Schiefi gerufen. An die Situation musste ich immer später denken, wenn ich wegen ihn und weil er Tod war geweint habe. Es tat mir gut.


    Aber wie gesagt, jeder muss das für sich ausbekommen, was er in den Situation braucht.

    Wie meine Vorredner schon sagten. Da gibt es keinen festen Zeitraum, wie lange das dauert. Da ist alles möglich. Aber ich glaube auch, dass Dein Hauptproblem nicht der Tod des Opas ist, sondern sein Tod der Auslöser für ein anderes Problem bei Dir war. Der Tod ansich. Die Endlichkeit akzeptieren. Ich kenne das Problem. Ich habe es auch immer noch nicht akzeptieren können. Das ist wirklich schwer, wenn man damit ein Problem hat. Dann ist jeder Tod eine Kastrophe und der auch der eigene Tod versetzt einen in höllische Panik. %:|

    Wie meine Vorredner schon sagten. Da gibt es keinen festen Zeitraum, wie lange das dauert. Da ist alles möglich. Aber ich glaube auch, dass Dein Hauptproblem nicht der Tod des Opas ist, sondern sein Tod der Auslöser für ein anderes Problem bei Dir war. Der Tod ansich. Die Endlichkeit akzeptieren. Ich kenne das Problem. Ich habe es auch immer noch nicht akzeptieren können. Das ist wirklich schwer, wenn man damit ein Problem hat. Dann ist jeder Tod eine Kastrophe und der auch der eigene Tod versetzt einen in höllische Panik. %:|

    Zitat

    Es ist das der erste so enge Angehörige, der gestorben ist. Und es treibt mich in den Wahnsinn, wenn ich daran denke, dass jederzeit wieder jemand der mir so nah ist sterben könnte. Oder ich selbst.

    Alias, das wundert mich nicht.


    Wir alle wissen, dass das Leben irgendwann endet und wir sterben. Es aber erstmals zu erleben und diese Endgültigkeit zu begreifen ist etwas ganz anders. Das kann jemanden unter Umständen richtig, richtig umhauen, nicht nur, aber gerade wenn man eine sehr enge Beziehung zu dem Verstorbenen hatte. Da kommt noch hinzu, dass man denjenigen schmerzlich vermisst und damit fertig werden muss, dass er oder sie nicht mehr da ist.


    Ich glaube, den Tod zum ersten Mal so nah mitzuerleben ist eine sehr elementare Erfahrung, die den eigenen Zugang zum Leben sehr verändern kann und wenn man zugleich auch sehr trauert, ist es einfach sehr, sehr schwierig sich da neu auszuloten.

    Zitat

    Ich halte es aktuell emotional kaum aus, vielleicht liegt es auch daran, dass der erste Todestag so nah ist.

    Das kann durchaus sein. Ich kann mir vorstellen, dass viele Erinnerungen an die Zeit kurz vorher und die ersten Wochen danach wieder sehr nah und präsent sind und das muss sehr schmerzhaft für dich sein. Das tut mir sehr leid.


    Alias, es gibt wirklich keinen Grund, streng mit dir selbst zu sein und von dir zu erwarten, dass es okay für dich ist, weil du dich verabschieden konntest und dein Opa ein schönes Alter hatte. Vielleicht macht es das irgendwann leichter, seinen Frieden damit zu finden und froh darüber zu sein, dass dein Opa ein langes Leben hatte und du Abschied nehmen konntest. Aber, dass es erstmal beschissen ist, ist nicht falsch oder verwerflich.


    Es ist schlimm, weil es dir damit sehr schlecht geht. Aber nichts daran ist unnormal oder müsste anders sein. Man kann das nicht an einer Zahl festmachen, nicht an Jahren, nicht an Monaten und schon gar nicht an den Erfahrungen einzelner Personen.


    Es ist individuell, genauso wie es individuell ist, was einem gut tut und was in dieser Zeit ein wenig hilft. Manchen tut es gut, zu reden. Manchen tut es gut, sich abzulenken. Manchen tut es gut, sich damit auseinanderzusetzen und zu konfrontieren. Oder, oder, oder.


    Du schriebst, dass du nicht darüber reden möchtest. Vielleicht irre ich mich, aber es klingt ein wenig danach, als hättest du Sorge, dass dann "alle Dämme" brechen und du den Schmerz, der dann aufkommt, kaum aushalten kannst? Vielleicht kann das aber auch erleichternd und befreiend sein. Wenn du das Gefühl hast, nicht reden zu wollen: vielleicht wäre es eine Möglichkeit, deine Gedanken aufzuschreiben? Nur für dich? Oder auch für deinen Opa? Das wäre etwas kontrollierbarer und geht auch in kleinen Portionen, soweit du es eben schaffst.


    Es gibt aber auch Unterstützung, die gut tun kann. Trauergruppen wurden schon genannt, aber auch Trauerbegleiter, mit denen man alleine ein Gespräch führen kann. Das kann auch bei dem Aspekt weiterhelfen, mit Sterblichkeit an sich besser zurecht zu kommen.


    Alles Gute!

    Zitat

    Wir alle wissen, dass das Leben irgendwann endet und wir sterben. Es aber erstmals zu erleben und diese Endgültigkeit zu begreifen ist etwas ganz anders. Das kann jemanden unter Umständen richtig, richtig umhauen, nicht nur, aber gerade wenn man eine sehr enge Beziehung zu dem Verstorbenen hatte. Da kommt noch hinzu, dass man denjenigen schmerzlich vermisst und damit fertig werden muss, dass er oder sie nicht mehr da ist.


    Ich glaube, den Tod zum ersten Mal so nah mitzuerleben ist eine sehr elementare Erfahrung, die den eigenen Zugang zum Leben sehr verändern kann und wenn man zugleich auch sehr trauert, ist es einfach sehr, sehr schwierig sich da neu auszuloten.

    Das hast Du richtig toll gesagt. Genau so ist es.

    Zitat

    Ich bin auch gerade etwas verbohrt bei dem Thema, ich will nicht drüber reden und schon gar kein Mitgefühl erhalten...

    Hast du denn das Gefühl, dass dir Mitgefühl aufgedrängt wird? Hast du das mal irgendwo thematisiert (dass du noch stark trauerst) und schlechte Erfahrung damit gemacht? Du möchtest nicht darüber reden, aber hier fragst du im Forum schon danach ;-) . Vermutlich, weil dich niemand dabei kennt und du hinter der schützenden Wand der Anonymität stehst. Aber möglicherweise ist das der Weg, wie du doch darüber reden kannst und deinen Frieden dabei finden kannst.


    Trauer muss kein negatives Gefühl sein. Diese Erfahrung habe ich gemacht - man assoziiert die Trauer aber schnell mit negativen Gefühlen. Mit der Angst des nahen Todes, die man in der Sterbephase empfindet. Mit den Schmerzen des Verlustes. Dabei ist die Trauer aber das Gefühl, was erst anschließend kommt, und was helfen soll, den Verlust zu überwinden. Man sollte Trauer nutzen können und sie vor allem akzeptieren. Das "Dichtmachen", wie du etwas andeutest, verlängert Trauer. Und das Verdrängen, dass wir alle eines Tages sterben, funktioniert nicht - dieses Gefühl bleibt als Angst dann dauerhaft unterschwellig vorhanden. Du musst dich diesem Gefühl öffnen, es zulassen. Und dich damit auseinandersetzen, was der Verlust für dein Leben bedeutet (auch Verluste, die irgendwann noch kommen werden). Das ist ein schmerzhafter Prozess, aber wenn du diesen überwunden hast und deinen Frieden mit dem Tod geschlossen hast, dann wirst du auch wieder frei sein. Dein Leben wird bewusster, und aus Trauer wird liebevolle Erinnerung, während du deinen Weg durchs Leben weiter gehst.


    Loslassen ist der wichtigste Prozess, der aus Trauer erwachsen kann. Loslassen für die Vergangenheit und für die Zukunft.


    Wie alt bist du jetzt im Moment und lebst du allein oder mit jemandem zusammen? Je nach Lebenssituation würde ich dir unterschiedliche Strategien empfehlen, wie du diesen Trauerberg überwinden kannst, anstatt ihn vor dir herzuschieben. :)*

    Hallo Alias,


    Trauern kennt keine Zeit und keine Grenzen. Trauern ist individuell unabhängig von Zeit und Raum. Es kommt nicht auf das wie und wann an, sondern wie eng bzw. nahe derjenige einem stand. Egal ob es der Nachbar, Freund, Oma , Opa ist oder die Eltern sind. Das allererste Mal ist immer schwer. Du bist noch jung.Es ist emotional ganz normal ,wenn sich der erste Todestag nähert. Genauso Geburtstag oder Weihnachten, wenn alle im Kreise der Familie zusammen sind aber einer fehlt. Trotzdem wird es mit der Zeit besser, glaube mir. Hast du allerdings das Gefühl, das es dich innerlich zerfrisst, dann scheue dich nicht Hilfe, professionelle Hilfe anzunehmen.


    Seit 2012 ist jedes Jahr jemand aus der Familie gestorben. Dazu 2014 mein Vater einen Tag vor seinem Geburtstag und meine Mutter nun dieses Jahr im Juni. Das ist der Lauf des Lebens und niemand ist unendlich. Obwohl ich zugegebenermaßen auch etwas Schwierigkeiten habe das zu akzeptieren.


    Alles Liebe und Gute wünsche ich dir.


    Liebe Grüße

    Diesen Quatsch mit den festen Zeiträumen nimm mal nicht weiter ernst, das ist Unsinn. Trauer ist tatsächlich ein ungeheuer individuelles Ding und hängt mit ganz vielen unterschiedlichen Faktoren zusammen.

    Erstmal lieben Dank für die Zeit die Ihr Euch hier nehmt und die vielen Antworten!

    Zitat

    cleasan-teine04.11.17 23:13


    Hm... Ich denke eher, dass du prinzipiell nicht gut mit dem Tod umgehen kannst. Ist es okay für dich, dass Menschen sterben? Dass das Leben deiner Lieben und das eigene endlich ist? Der Tod deines Opas hat dir diese Gedanken wohl erstmals bewusst gemacht und im Moment sagst du dir: "Nein, es ist nicht okay." Daher rührt deine Angst und du kannst nicht loslassen. Da hilft leider nur drüber reden und ich empfehle dir, eine Psychotherapie zu machen. Da steckt mehr dahinter als der Tod deines Opas, sondern die tiefgreifende Angst vor Kontrollverlust durch einen Todesfall. Sowas kann man aufarbeiten.

    Ja und Nein.


    Einerseits würde ich sagen: Ja ich kann gut mit dem Tod umgehen. Ich weiß, dass alles endlich ist (zumindest das, was wir hier auf der Erde begreifen können). Seit dem Tod meines Opas ist es auch so, dass ich weiß - sofern es irgendwo einen Ort gibt, an dem man sich wieder sieht, dass dort jemand ist der auf mich wartet.


    Andererseits: Nein, ich habe Kinder. Wenn ich daran denke eines meiner Kinder könnte sterben, oder ich und sie in so jungen Jahren alleine zurück lassen... Nein, in gewisser Weise kann ich da nicht gut mit umgehen.

    Zitat

    Chomsky

    Danke! Dein Text hat mich sehr berührt.

    Zitat

    Du schriebst, dass du nicht darüber reden möchtest. Vielleicht irre ich mich, aber es klingt ein wenig danach, als hättest du Sorge, dass dann "alle Dämme" brechen und du den Schmerz, der dann aufkommt, kaum aushalten kannst? Vielleicht kann das aber auch erleichternd und befreiend sein. Wenn du das Gefühl hast, nicht reden zu wollen: vielleicht wäre es eine Möglichkeit, deine Gedanken aufzuschreiben? Nur für dich? Oder auch für deinen Opa? Das wäre etwas kontrollierbarer und geht auch in kleinen Portionen, soweit du es eben schaffst.

    Ja, wenn ich darüber nachdenke. Es ist tatsächlich so, dass meine größte Befürchtung ist, dass die Dämme sprichwörtlich brechen. Wahrscheinlich sollte ich es doch mal aufschreiben, allerdings muss ich erstmal überlegen was genau es da aufzuschreiben gibt.


    Ich bin ab und zu bei meiner Oma (geht aufgrund der Entfernung nicht so oft) - das letzte Mal hat es mich beim Abschied schier zerrissen. Es ist nicht nur die Trauer um meinen Opa, sondern auch die Tatsache, dass ich es so furchtbar für meine Oma finde. Man sieht und empfindet Ihren Schmerz wenn man sie beobachtet (gerade dann, wenn sie sich mal nicht offensichtlich vor uns zusammen reißen muss).

    Zitat

    Comran05.11.17 08:58

    Zitat

    Ich bin auch gerade etwas verbohrt bei dem Thema, ich will nicht drüber reden und schon gar kein Mitgefühl erhalten...

    Hast du denn das Gefühl, dass dir Mitgefühl aufgedrängt wird? Hast du das mal irgendwo thematisiert (dass du noch stark trauerst) und schlechte Erfahrung damit gemacht? Du möchtest nicht darüber reden, aber hier fragst du im Forum schon danach ;-) . Vermutlich, weil dich niemand dabei kennt und du hinter der schützenden Wand der Anonymität stehst. Aber möglicherweise ist das der Weg, wie du doch darüber reden kannst und deinen Frieden dabei finden kannst.

    Naja, wenn man drüber redet ist jeder betroffen...Ich möchte das einfach nicht. Ich will keine Betroffenheit spüren, kein Mitgefühl und keine Sprüche die dann doch leicht über die Lippen gehen alla "die Zeit macht es besser".


    Den Rest der Familie wollte ich bisher nicht so sehr damit belasten. Es ist mehr oder weniger für alle sehr schwer und das auch offensichtlich. Es ist ja nicht so, dass ich gar nicht offensichtlich trauere. Aber wie oben schon erwähnt, ich habe große Sorge, dass ich, wenn ich zuviel zulasse dann doch mal einen Komplettzusammenbruch habe und das hilft dann keinem.


    Wenn Trauer kein negatives Gefühl sein muss, wie würdest du das Gefühl dann beschreiben das es sein sollte?


    Ich bin sehr dankbar, dass er ein großer Teil meines Lebens war. Das ich so viel von ihm lernen darf - auch jetzt noch.


    Aber ich bin auch so unendlich traurig.


    Vielleicht hatte ich auch noch gar keine richtige Zeit zu trauern.


    Als er gestorben ist war es erstmal Schock und Trauer. Danach kam dann sehr schnell ein Todesfall in der Familie meines Mannes. Ich bin dann (den Mut habe ich erst nach dem Tod meines Opas gefasst, also dank ihm) einen neuen beruflichen Weg gegangen, der mir zwischenzeitlich kaum Zeit zum nachdenken über überhauptirgendwas gibt. Ich habe zwar getrauert...aber vielleicht einfach nicht genug? Aber woher soll ich auch wissen was genug ist? Wann ist es denn genug? Und wie trauert man denn überhaupt so richtig? Keine Ahnung. Wahrscheinlich ist das ja alles auch nicht so pauschal zu beantworten und jeder muss seinen eigenen Weg finden.


    Wahrscheinlich muss ich doch mal mit jemandem der mir Nahe steht sprechen. Vielleicht versuche ich es mit einem meiner Geschwister, die waren beim Tschüß sagen dabei.

    Zitat

    Schlucky

    Zitat

    Kann es sein, das du selber Probleme damit hast, das du so Fühlst wie du fühlst?


    Wenn es so ist, dann darfst zu es nicht so machen. Es ist in Ordnung wie du dazu fühlst. Bei jeden ist es anders und auch wechselt oft. Du hast ihn wohl geliebt und war ein wichtiger teil deines Leben, da darf du deswegen traurig sein.


    Versuche aber was zu finde was in den Momenten dir gut tut, wie du damit am besten umgehst. Manche wollen reden andere nicht, das ist so verschieden. Jeder muss sein Weg finden

    Nein. Ich fühle mich ja nicht schlecht das ich solche Gefühle habe. Das Trauern an sich macht mich kaputt. Ich bin echt traurig. Und nicht nur mal 15 Minuten und dann ist wieder gut, sondern ich habe das Gefühl mein Herz ist ein Stück kaputt gegangen. Und das heilt nicht mehr.

    Das berührt mich auch sehr.


    Aber zu sagen "das hätte er nicht gewollt" finde ich...nicht den richtigen Weg. Zumindest für mich.


    Ich hab auch nicht gewollt das er stirbt. 10 Jahre hätte er schon noch schaffen können (so mal ganz flapsig und unverschämt daher geredet - ich weiß, den Tod haben wir nicht in unseren Händen).


    Er hat sicherlich auch einiges nicht so gut gefunden, was ich so gemacht habe, als er noch gelebt hat.


    Es gibt nicht so viele Situationen an die ich mich bewusst erinnere, aber ich höre noch oft seine Stimme. Sein trösten.