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    Naja, wenn man drüber redet ist jeder betroffen...Ich möchte das einfach nicht. Ich will keine Betroffenheit spüren, kein Mitgefühl und keine Sprüche die dann doch leicht über die Lippen gehen alla "die Zeit macht es besser".

    Mir geht es da ähnlich. Ich habe Verluste oder sterbende Angehörige nie groß in meinem Umfeld thematisiert. Weil ich eben diese meist aufgesetzte Betroffenheit nicht wollte. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass ich damit nicht weiterkomme. Als dann binnen eines Jahres zwei sehr nahe und liebe Angehörige im Sterben lagen, war es einfach zuviel. Ich brauchte für diese Traurigkeit ein Ventil. Bei mir sah es so aus, dass ich es erst lernen musste, das Weinen zuzulassen. Meine Frau war mir da eine große Hilfe. Einfach mal weinend im Arm zu liegen. Und ich habe gemerkt, dass es mir hilft, bei jemandem die Trauer offen zu zeigen, der ein ehrliches Verständnis dafür aufbringt. Vielleicht kann dein Mann ja dieser Jemand sein? Oder eben deine Geschwister. Irgendjemand, mit dem du offen über deine Gefühle sprechen kannst. Allein der Dialog darüber gibt Kraft und hilft bei der Bewältigung. Auch für dich selbst, dich mit dem Thema "Tod" auseinanderzusetzen und eine größere Akzeptanz aufzubauen.

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    Man sieht und empfindet Ihren Schmerz wenn man sie beobachtet (gerade dann, wenn sie sich mal nicht offensichtlich vor uns zusammen reißen muss).

    Warum muss sie sich zusammenreißen? Warum spricht es niemand an?


    Ich war mit meiner Frau kürzlich am Grab meiner Mutter. Da kam uns eine alte Klassenkameradin entgegen, die ihren Vater dieses Jahr ebenfalls verloren hat. Auf die Frage, wie es ihr ginge, antwortete sie "Nicht gut." und lächelte fast dabei. Dieser offene Umgang ist sehr hilfreich. Besonders, wenn man sich gegenseitig versteht und Ähnliches durchgemacht hat.

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    Wenn Trauer kein negatives Gefühl sein muss, wie würdest du das Gefühl dann beschreiben das es sein sollte?

    Die Verlustgefühle sind negativ. Trauer nur die Konsequenz. Aber Trauer ist nicht negativ, wenn sie dir hilft, die Verlustgefühle zu überwinden. Und sie ist nicht negativ, wenn du sie zum Anlass nimmst, für dich und dein Leben Erkenntnisse herauszuziehen. Dass in dir das Gefühl wächst, vorbereitet zu sein (auf die nächsten Verluste, auf deinen eigenen Tod). Solange alles gut ist, schiebt man diese Dinge einfach weit weg. Wenn ich den wochenlangen Sterbeprozess meiner Mutter nicht miterlebt hätte, hätte ich mich niemals so intensiv damit auseinandergesetzt. Ich habe es zugelassen - es war schmerzhaft, aber nun kann ich Trauer als etwas betrachten, was einen Akzeptanzprozess begleitet und vor allem das Loslassen ermöglicht. Es bleibt wirklich nur noch liebevolle Erinnerung.

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    Wahrscheinlich muss ich doch mal mit jemandem der mir Nahe steht sprechen. Vielleicht versuche ich es mit einem meiner Geschwister, die waren beim Tschüß sagen dabei.

    Wenn du über deinen Opa reden möchtest, sind Familienmitglieder natürlich eine gute Adresse. Wenn du aber über deine Trauer sprechen möchtest, hätte ich zuerst an deinen Mann gedacht, da dieser ja der nahestehendste Mensch in deinem heutigen Leben ist. Da ich nun auch abschätzen kann, wie alt du bist, kann ich dir auch den Besuch einer Trauergruppe empfehlen. Diese werden oft zwanglos von den regionalen Hospizvereinen veranstaltet, meist als kleines Cafe, wo man einfach mal unverbindlich vorbeischauen kann. Dort wirst du verstanden und du kannst im Dialog viele Aspekte der Trauer ergründen und auf einen reichhaltigen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Manche würden bei zu langer Trauer eine Therapie empfehlen, aber davon halte ich nichts (solange man nicht in eine Depression rutscht). Ich finde es wirklich gut, wenn man der Trauer Raum gibt und sie dadurch an Schrecken verliert. Solche geschützten Räume in einem Trauercafe können dabei sehr helfen. Und keine Sorge, da geht es nicht total depri zu, sondern sie werden von sehr erfahrenen Ehrenamtlichen moderiert. Diese Menschen haben mit "pflichtbewusster Betroffenheit" nichts zu tun, weil sie den Tod nicht als Tabuthema erfahren, sondern lehren, damit umzugehen. :)z

    ich habe sicherlich 1en Monat in tiefer Trauer verbracht.


    Geträumt habe ich etwa 3 Monate mehrfach die Woche davon und ich würde sagen, etwa nach einem halben Jahr konnte ich mich von der Trauer lösen.


    Jetzt - 1,5 Jahre nach dem Tod kann ich mir auch die Fotos ansehen mit positiver Erinnerung, ohne weinen zu müssen. Und auch die Gedanken sind nostalgisch schön und nicht mehr traurig. :)-


    Gesprochen hab ich über den Verlust im übrigen durchaus. Es gibt Menschen die brauchen das darüber reden. Wieder andere belastet es mehr.

    Comran,

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    Da ich nun auch abschätzen kann, wie alt du bist, kann ich dir auch den Besuch einer Trauergruppe empfehlen.

    Ich glaube dafür bin ich (noch) nicht bereit. Es widerstrebt mir, mich darüber auszustauschen. Zumal ich auch von anderen nichts hören will. Das klingt sehr verbohrt...so ist es eigentlich nicht. Nur der Gedanke mich über eine Trauergruppe auszutauschen behagt mir noch weniger.

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    Und ich habe gemerkt, dass es mir hilft, bei jemandem die Trauer offen zu zeigen, der ein ehrliches Verständnis dafür aufbringt. Vielleicht kann dein Mann ja dieser Jemand sein?

    Er sieht das und weiß das und er ist da für mich. Aber er hat seinen eigenen Verlust, den er anders verarbeitet - weil er auch darauf vorbereitet war. Nicht dass das dazwischen steht aber ich will auch nicht die Zeit die wir zu Zweit haben permanent mit meiner Trauerbewältigung überlasten. Es ist eh wenig Zeit und oftmals bin ich in der wenigen Zweisamkeit dann auch in einer nicht-traurigen-Phase.


    Was gerade etwas "schwierig" ist, die Leute in meinem Umfeld mit denen ich sprechen könnte, die haben selbst ihre eigenen Themen die sie verarbeiten müssen.


    Ich glaube ich brauche noch ein bisschen Zeit um zu merken, an wen ich mich wenden kann ohne dabei das Gefühl zu haben ich laste meine Trauer jetzt auch noch auf.

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    Warum muss sie sich zusammenreißen? Warum spricht es niemand an?

    Geschriebene Worte sind so missverständlich.


    Sie ist eine ehrwürdige, extrem disziplinierte Frau. Sie hat z.B. bei keiner Geburt (und es waren einige) auch nur einmal geschrien. Ihre Aussage dazu "das wäre mir zu peinlich mich so gehen zu lassen". Kann man jetzt sehen wie man will, aber das einfach nur als Beispiel. Sie ist noch von dem Schlag: "Wenn etwas kaputt ist, repariert man es und schmeißt es nicht weg." Da wird auch die Wäsche noch akurat aufgehängt - was sagen denn sonst die Nachbarn.


    Sie zeigt uns ihre Trauer und sie muss gar nichts. Aber sie ist diszipliniert, ich denke schon alleine das hilft ihr mit ihrer eigenen Trauer und dem Schmerz umzugehen und an schweren Tagen wahrscheinlich auch zu "überleben".

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    Ich war mit meiner Frau kürzlich am Grab meiner Mutter. Da kam uns eine alte Klassenkameradin entgegen, die ihren Vater dieses Jahr ebenfalls verloren hat. Auf die Frage, wie es ihr ginge, antwortete sie "Nicht gut." und lächelte fast dabei. Dieser offene Umgang ist sehr hilfreich. Besonders, wenn man sich gegenseitig versteht und Ähnliches durchgemacht hat.

    So ein Mensch bin ich auch. Ich gebe zu wenn es nicht mehr geht. Ich habe gelernt das ich nicht immer gute Miene zum bösen Spiel machen muss und das man nur gegenseitig in einer Gemeinschaft leben kann, wenn man dem anderen auch zeigt wer man ist und wie es gerade um einen steht.


    Viele wissen auch das ich mit der Trauer kämpfe...aber ich muss einem "es geht mir nicht gut" nicht noch einen halben Roman meines Seelenlebens ranhängen. Das bin ich nicht. Mal sehen...ich arbeite an mir. Lieben Dank jedenfalls für deine sehr starken Worte.

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    Nur der Gedanke mich über eine Trauergruppe auszutauschen behagt mir noch weniger.

    Das kann ich verstehen. Man geht da hin und offenbart eine vermeintliche Schwäche. Natürlich ist das unbehaglich. Aber dafür gibt es keinen Grund (was man aber erst merkt, wenn man sich darauf einlassen kann).


    Wenn du mal in Trauer ganz tief unten sein solltest, denk vielleicht nochmal darüber nach, dass es diese Möglichkeiten gibt. Wir hatten uns seinerzeit vom regionalen Hospizverein ambulant begleiten lassen, und ich muss wirklich sagen, dass ich diesen Menschen extremst dankbar war. Sie machen eine tolle Arbeit in einem Tabu-Thema und haben unserer Familie so manchen Tag gerettet.


    ??Da ich selbst den Gedanken in mir trage, mich später im Ruhestand zum ehrenamtlichen Sterbe- und Trauerbegleiter ausbilden zu lassen, magst du mir die kleine Promotion in der Sache verzeihen.??

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    Ich glaube ich brauche noch ein bisschen Zeit um zu merken, an wen ich mich wenden kann ohne dabei das Gefühl zu haben ich laste meine Trauer jetzt auch noch auf.

    Viele Menschen, die selbst noch keine Trauer erfahren haben, sind mit diesen Gefühlen etwas überfordert. Man will ja auch nichts falsch machen. Dabei tut es den meisten Trauernden einfach nur gut, sich auszutauschen. Man erwartet ja nicht gleich seelischen Beistand, sondern jemand, mit dem man reden kann. Du wirst das Gespür noch entwickeln, wo du auf bedingungsloses Verständnis stößt und darfst die Menschen nicht unterschätzen. Dreh es mal rum - wenn eine gute Freundin oder Geschwister zu dir kommen würden, um mit dir ausführlich über ihren Verlust und die Gefühle zu sprechen: wie würdest du reagieren? Würdest du dich damit belastet fühlen?

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    Lieben Dank jedenfalls für deine sehr starken Worte.

    Sehr gerne. Es freut mich, wenn es dir hilft, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und deinen Weg zu finden. :)_

    Hallo,


    Das ist ganz normal, besonders, wenn es der aĺlererste Verlust ist. UND vor allem, wenn sich der Gedenktag nähert.


    DER ALLERERSTE Verlust, der mich auch sehr geprägt hat, war der ganz plötzliche Tod meines Vaters. Auch das hat mich sehr mitgenommen und für mein ganzes weiteres Leben geprägt.


    Weñn die Beziehung zu Deinem Opa sehr eng war, wird es sicherlich noch eine ganze Weile dauern. Lass Dir Zeit, soviel Du brauchst. Trauer dauert so lang wie sie dauert.


    Versuche, die schönen Erinnerungen ins Gedächtnis zu holen. ERINNERUNGEN sind ganz wichtig und sehr tröstlich!


    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft. :)* :)* :)* :)-