Wir wissen schon lange, das die Lebenszeit begrenzt ist.

    Jetzt ist es soweit und wir müssen in den nächsten Tagen oder Wochen voneinander Abschied nehmen. Nach dem heutigen Gespräch mit den Onkologen, kann mein Mann am Dienstag nach Hause. Ich habe alles vorbereitet. Das Pflegebett, die Spezialmatratze, die Versorgung der Nahrung über den Port, die Hilfe über den Hausarzt, der Pflegekräfte, die palliative Begleitung und Hilfe. Selbst den für mich schwierigen Weg zu einem Beerdigungsinstitut bin ich schon gegangen und habe eine Lösung für uns beide gefunden.


    Wenn er darüber noch sprechen möchte und kann, wird er sich freuen. Familie, Freunde sind fast alle schon informiert. Und nun sitze ich hier und heule mir die Augen aus dem Kopf.


    Ich weiss was mich erwartet und das schlimmste wird sein, wenn er anfängt zu bluten. Intensiv gepflegt habe ich meinen Mann über vier Jahre vor langer Zeit. Entgegen der Aussage aller Ärzte damals, kam er wieder auf die Beine. Nur jetzt mag er nicht mehr. Das sagte er mir, bevor er vor vier Wochen stationär aufgenommen wurde. Meine größte Angst war, dass er alleine im Krankenhaus versterben würde. Ich hoffe und bete jeden Tag, dass er es bis nächste Woche noch schafft. Bis dahin bekommt er alles nochmal was er braucht.


    Wir sind so unendlich dankbar für die Zeit, die uns geblieben ist und ich wünsche mir das er noch lange bleiben kann.


    Ich bete aber auch darum, dass er gehen kann wenn er es will. Auch wenn es nur noch ein paar Tage sein sollten. Mein einziger Trost ist, wir sind zusammen. Das ist auch sein Wunsch nach Hause kommen zu können, bevor er auf die andere Seite geht.


    Meine Tränen weine ich jetzt, damit ich stark bleibe für die gemeinsame Zeit, die uns noch verbleibt. Dann bleibe ich auch stark, wenn wir gemeinsam weinen.


    Unsere Zeit war geprägt von einem tiefen und ehrlichen Gefühl der Liebe zueinander, mit allem was zum Leben gehört. Und mit diesem tiefen und ehrlichen Gefühl der Liebe gehen wir zusammen den Weg, der für meinen Mann der letzte hier auf Erden ist.


    Dafür bin ich unendlich dankbar.

  • 38 Antworten

    Fizzlypuzzly, es tut mir sehr leid dass dein Mann dich bald verlassen muss. Was für eine Belastung das alles war und ist, das kann man nur erahnen. Ich wünsche dir für die kommende Zeit viel Kraft, und deinem Mann dass er in Frieden gehn kann. Ich drück dich mal unbekannterweise :)_

    Liebe Fizzlypuzzly,


    Euch wünsche ich von Herzen eine erfüllende abschließende Zeit. Es ist für Deinen Mann (und auch für Dich) sicher wesentlich schöner, in den gewohnten vier Wänden als im sterilen Krankenhaus sterben zu dürfen. Ihr sollt gemeinsam lachen und weinen dürfen, ohne dass einer zuschaut. Zeit nur für Euch beide und so intensiv, wie nur möglich.


    Ich weiß, dass Du nicht krampfhaft sein Leben zu verlängern versuchst und akzeptierst, dass es nun wohl an der Zeit ist. Furchtbar weh tut es trotzdem. Man hat so viele Jahre miteinander verbracht, gemeinsam Höhen und Tiefen erlebt, was die gegenseitige Liebe noch vertieft hat. Schön, dass Du vor allem Dankbarkeit empfindest.


    Ich schicke Dir ganz viele :)* :)* :)* und wünsche Deinem Mann ein sehr friedliches Entschlafen, wenn es denn soweit ist. Ihr werdet Euch wiedersehen, dessen bin ich mir sicher.


    Liebe Grüße!

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    Du bist eine sehr starke Frau und dein Mann weiß das und ist sicher dankbar und stolz auf dich.


    Zeig ihm deine Gefühle... es wird Zeit für alles sein.. für reden schweigen Tränen und Lächeln... lass es nur zu.

    @ Fizzlypuzzly

    Ich weiß nicht, was dein Mann hat und wie alt er ist. Aber jede Minute zusammen ist es wert.


    Ich lebe alleine mit Hunden und Katzen und kann nur sagen, dass es oft "Wunder" gibt, wie meine ehemalige spanische Straßenhündin mit Leishmaniose, die schon seit über zwei Jahren totgesagt ist.


    Ich kann es etwas aufhalten und erleichtern mit verschiedenen alternativmedizinischen Sachen. Aber niemand lebt ewig und sie als großer Hund ist jetzt um die 15 Jahre alt und will uns noch nicht verlassen. Ich weiß schon länger, dass ihre Uhr tickt und die Zeit bald abgelaufen ist.


    Was möchte ich dir damit sagen?


    Ich gibt kein"es wird so sein". Wenn dein Mann allerdings nicht mehr will, dann würde ich das auch akzeptieren. Es ist SEIN Leben und er weiß, ob es noch lebenswert für ihn ist, oder nicht. Dann kannst du es ihm nur erträglicher machen und jeden Tag mit ihm zusammen genießen. @:)

    Danke für eure lieben Worte. Ich hatte lange überlegt, ob ich hier schreiben soll, weil ich mein Leben lang so gut wie nie über iwas gesprochen habe. Auch wenn ich jetzt sehr erschöpft bin und einiges an mir vorbei geht, so war und ist meine Beteiligung hier ein Ort, der für mich die einzige Kommunikation im aussen bedeutet.


    Ja dieses Wunder haben wir damals erlebt als er die ersten beiden Krebsarten überstanden hat. Die Berichte der Ärzte sagen dieses eindeutig. Durch die hinzunahme von AM und ganz speziell ein Mittel, waren so gut wie nie Nebenwirkungen vorhanden und verschafften uns Lebensqualität.


    Jetzt hat er den dritten Krebs - Leukämie. Thrombozythen produziert der Körper schon lange nicht mehr, er will und kann nichts mehr essen. Auf die Frage meines Mannes an unseren HA sagte dieser - es ist ein Wunder, dass sie noch leben. So sicher wie ich mir damals war das er es schafft, so sicher war ich dieses Mal das es keine Besserung mehr geben würde. Wir beide waren und sind immer Kämpfer gewesen, nur dieses Mal hat der Krebs gesiegt. Jetzt geht es nur noch ums begleiten, ihm zu helfen diese Zeit so schmerzlos wie möglich zu beenden. Er hat einfach keine Kraft mehr und will auch nicht mehr. Ich bin älter als mein Mann, der jetzt mit 66 Jahren trotzdem viel zu früh gehen muss.


    Wir kennen uns seit 15 Jahren und wären im September 5 Jahre verheiratet. Und diese Zeit mit ihm ist die einzige Zeit in meinem Leben, die erfüllt war. Wie wird mir das tägliche Lachen mit ihm fehlen.

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    :°_


    Ich habe gerade ein Flashback, wie meine Mutter sich zuhause auf's Sterben vorbereitete. Auch mit Pflegebett, Port für Ernährung und Schmerzmittel. Der Trost war, dass sie in guten Händen war. Und "zuhause". Wir hatten gute Begleitung durch einen Palliativarzt und den Hospizverein. Hast du jemanden, der dir in den letzten Tagen zur Seite steht und sich auch um ihn kümmert?


    Es ist immer traurig, wenn ein geliebter Mensch geht. Aber es ist schön zu hören, dass du eine erfüllte Zeit mit ihm hattest. Die wird dir niemand nehmen können. Und ich glaube auch, dass dir diese erfüllte Zeit Kraft geben wird, die Jahre danach anders zu erleben als wenn du deinen Mann nicht hättest kennenlernen dürfen. Du magst es zwar jetzt nicht glauben und selbstverständlich hast du jetzt keine Kraft mehr. Aber niemand weiß, was in einem Jahr ist.

    Zitat

    Ich hatte lange überlegt, ob ich hier schreiben soll, weil ich mein Leben lang so gut wie nie über iwas gesprochen habe. Auch wenn ich jetzt sehr erschöpft bin und einiges an mir vorbei geht, so war und ist meine Beteiligung hier ein Ort, der für mich die einzige Kommunikation im aussen bedeutet.

    Du bist hier willkommen, deine Sorgen abzuladen. Auch wenn dir aus der Ferne niemand wirklich helfen kann, außer zuzuhören. Aber in Gedanken sind hier einige Menschen bei dir.

    Zitat

    Du bist hier willkommen, deine Sorgen abzuladen. Auch wenn dir aus der Ferne niemand wirklich helfen kann, außer zuzuhören. Aber in Gedanken sind hier einige Menschen bei dir.

    Danke, deine Worte haben für mich wirklich etwas tröstendes. Ich lese es nach oder erinnere mich bestimmt daran, wenn ich jegliche Hoffnung für ein Leben ohne meinen Mann verlieren sollte.

    Du bist eine bewundernswert starke Frau. Aber vergiss' nicht, neben all der Fürsorge für Deinen Mann auch an Dein Seelenheil zu denken. Ich finde, es ist ein Geschenk, noch eine Zeit des bewussten Abschieds zu haben, in der man sich noch was sagen kann. Ich habe meine Mutter damals völlig ohne Vorbereitung tot aufgefunden und finde das ganz schrecklich.


    Ich hoffe, ihr habt noch eine schöne gemeinsame Zeit und Dein Mann kann friedlich gehen.


    Ich wünsche Euch alles Liebe und Dir viel Stärke. :)* :)* :)*

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    Mein Mann hat es nicht mehr nach Hause geschafft. Am Sonntag den 4.3. wurde er von allen seinen Qualen erlöst. Ich wollte gerade aus dem Haus als das Tel. klingelte. Als ich die vier letzten Ziffern sah, dachte ich - bitte nicht. Niemand war bei ihm und niemand kennt den genauen Zeitpunkt. Es fiel auf als ihm das Mittagessen gebracht wurde - was er ja schon lange nicht mehr zu sich nahm.


    Warum die Schöpferkraft so entschieden hat, kann niemand wissen. Nur ich weiss, ich muss es akzeptieren. Wir waren nie die Kirchgänger, hatten aber unseren eigenen Glauben, der uns immer half schwere Zeiten gemeinsam zu bewältigen. Jetzt muss ich alleine weiter gehen, auch wenn ich von allen Unterstützung und Hilfe bekomme, wann immer ich sie brauche.


    Auch das ist ein Geschenk von meinem Mann, der mit seinem Humor, seinem Kämpfergeist und seinem Mut so vielen Menschen Hoffnung gab. Durch ihn haben sich so viele Freundschaften ergeben, wie ich es ohne ihn niemals erfahren durfte. Freundschaften die schon seit Jahrzehnten bestehen und auch die, die sich erst in den letzten Jahren entwickelt haben. Daran haben auch die bei manchen bis/über 500 Kilometer Entfernungen nichts geändert. Und die, die sich das erste Mal begegnet sind, haben untereinander Kontaktdaten ausgetauscht und alle wollen sich - wenn es möglich ist - bei mir treffen.


    Die Zeit war und ist sehr schwer, es gab soviel zu tun um die Beerdigung zu arrangieren. Wie ich es geschafft habe weiss ich nicht, aber ich habe es geschafft. Morgen ruht er schon eine Woche und von den Kränzen und meinem Herz ist nicht eine einzige Blume verwelkt. Auch seine Sonnenblumen, die in der Kapelle den Sarg schmückten, sind immer noch in voller Blüte. Auf seinen Wunsch hin sollte gespendet werden statt Blumen. Hier bin ich aber das einzige Mal seinem Wunsch nicht gefolgt. Blumen gab es in unserem Leben immer und ich hätte es nicht übers Herz gebracht, ihn ohne beerdigen zu lassen.


    Ich mache jetzt das was noch getan werden muss, was man eben so machen muss - Behördengänge, Abmeldungen usw. Es läuft alles automatisch ab und so wirklich kann ich immer noch nicht begreifen, ohne meinen Mann weiter leben zu müssen. Was ich kann ist weinen, wie ich in meinem Leben noch niemals geweint habe. Dazu bin ich jetzt erst im Alter in der Lage und fühle, wie lebendig ich in den 15 Jahren an seiner Seite geworden bin. Er würde jetzt wohl zu mir sagen, siehst Du, ich habe dir immer gesagt, Du schaffst alles was Du willst. Du wirst auch wieder lachen können, auch wenn ich nicht mehr an deiner Seite bin. Und wenn das Lachen wieder von Herzen kommt, dann lache ich mit weil ich weiss, dass ich immer in deinem Herzen sein werde. Morgen werde ich an seinem Grab stehen und ihm sagen, dass er wie immer ein bisschen mehr weiss, es aber noch eine lange Zeit braucht, weil ich meine Tränen nicht weg drücken kann und auch nicht will.


    Seit dieser Zeit wird mir bewusst, wie befreiend weinen sein kann. Das ich meinem weinen nachgeben darf, kann und will. Im Moment fühle ich neben meinem Schmerz auch so etwas wie Hoffnung, die kommende Zeit ohne meinen Mann bewältigen zu können. Ich glaube, das würde ihn glücklich machen.


    Seltsam, was mich gerade alles so bewegt in meinen Gedanken und Gefühlen.

    Liebe Fizzlypuzzly,


    ich möchte dir mein aufrichtiges Beileid aussprechen! :°_


    Ich weiß gar nicht was ich dazu sagen soll... mir fällt jedoch auf dass du sehr stark wirkst und ich denke dass du auf einem guten Weg bist!


    Ja, Weinen kann befreiend sein und wann immer dir danach ist, dann weine.


    Die letzte Zeit war sowohl für deinen Mann als auch für dich sehr schwer, ihr habt sie nun beide überstanden. Es ist alles noch sehr frisch und natürlich brauchst du deine Zeit der intensiven Trauer, aber ich bin mir sicher dass du irgendwann wieder leben und lachen wirst - mit deinem Mann in deinem Herzen! :)* :)* :)*

    Ich vermag nicht viel zu sagen außer, dass mich deine Zeilen im letzten Beitrag irgendwie wirklich berührt haben, wobei mich Beiträge hier im Forum selten berühren.


    Ich wünsche dir viel Kraft für deinen vor dir liegenden Weg, aber auch für mich hört es sich so an, als ob du ihn - auch mit Hilfe der Kraft deines verstorbenen Mannes in dir - gut bewältigen können wirst.

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    Zitat

    Ich vermag nicht viel zu sagen außer, dass mich deine Zeilen im letzten Beitrag irgendwie wirklich berührt haben, wobei mich Beiträge hier im Forum selten berühren.

    So geht es mir auch. Man spürt deinen unglaublichen Schmerz und die tiefe Liebe zu deinem Mann. Mein aufrichtiges Beileid.

    Zitat

    Seit dieser Zeit wird mir bewusst, wie befreiend weinen sein kann. Das ich meinem weinen nachgeben darf, kann und will.

    :)z


    Das ist etwas, was auch ich erst mit Mitte 40 lernen musste, als ich zum ersten Mal binnen eines Jahres zwei nahestehende Menschen bewusst verabschiedet habe. Es war ein langer Prozess, das zuzulassen.


    Dir weiter alles Gute :)_ . Die Zeit bis zur Beerdigung und auch die Rückkehrphase in die "Normalität" fühlen sich sehr surreal an. Aber ich bin mir sicher, dass du weiter deinen Weg gehen wirst und stark genug dafür bist. Dafür wird dir die Erinnerung an deinen Partner viel Kraft geben.

    Mit aufrichtiger Anteilnahme möchte ich Dir sagen, dass Dein Mann stolz auf Dich ist - dort, wo er jetzt ist. Und irgendwann seht Ihr Euch wieder.


    Und ja, weinen hilft. Dir wünsche ich von Herzen viel Kraft auf Deinem weiteren Weg. Du schaffst das! :)* :)* :)*

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