Die komische Wirkung von ACC

    Ich bin mir nicht sicher, ob das hierhin passt, da es sich zwar um Medikamente handelt, über die ich sprechen möchte, diese werden aber auch als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben.


    Auf jeden Fall habe ich im Internet in Angst- und Depressions-Blogs und - Foren gelesen, dass Acetylcystein (nicht zu verwechseln mit Acetylsalicylsäure) die Beschwerden drastisch senke. Eigentlich ist ACC bekannt in der Anwendung als Hustenlöser, jedoch wird es auch in der Nierenheilkunde, bei COPD oder eben psychiatrischen Krankheiten immer öfter verwendet.


    Im psychischen Bereich soll es angeblich gegen "alles" wirken; Depressionen, Ängste, Zwänge, Schizophrenie, Sucht.


    Klingt ja toll, wenn man bedenkt, dass zu den schlimmsten Nebenwirkungen Kopfschmerzen und Bauchschmerzen zählen - allergische Reaktionen nicht mitgerechnet.


    Ich habe es dann einfach mal genommen und mich tatsächlich ziemlich euphorisch gefühlt, die Wirkung ließ aber nach 2 - 3 Stunden nach und ich fühlte mich dann plötzlich recht schlecht.


    Heute habe ich - ich dachte mir nichts dabei - ACC mit meinem morgendlichen Coffein kombiniert und das hat richtig reingehauen. Ich fühle mich total super und das jetzt schon seit 7 Stunden.


    Wie kann das denn sein? Bei einem Medikament, das eigentlich nur Husten lösen soll?


    Ich will mich ja nicht beschweren, aber finde das gerade echt krass.


    Kennt jemand diese Wirkung hier?


    Ich will mich ja jetzt auch nicht total drogenmäßig abschießen. Kann das denn süchtig machen?

  • 10 Antworten

    Psychisch süchtig kann meines Erachtens alles machen, was wir dann nicht mehr weglassen können oder wollen, weil es uns gefällt. ;-)


    Ich persönlich komm mit ACC überhaupt nicht zurecht, ich bekomme davon heftigstes Ohrensausen und schneller abhusten tu ich dann auch nicht.


    Ich kann mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen, dass es bei wirklich heftigen Erkrankunegn wie Depressionen oder gar Shizophrenie wirken soll. Vielleicht erlebst du da auch gerade den Placeboeffekt.

    Eine Studie zur Wirksamkeit "weil es jemand in einen Blog geschrieben hat" wäre mir persönlich zu wenig um wirklich ernsthafte Erkrankungen so unprofessionell anzugehen.


    Stell dir vor hier würden drei Leute in einem Faden schreiben, dass man durch Kauen von Tannenzapfen Krebs heilen könnte. Wie seriös käme dir das vor?

    Maerad schrieb:

    Psychisch süchtig kann meines Erachtens alles machen, was wir dann nicht mehr weglassen können oder wollen, weil es uns gefällt. ;-)

    Da ist was dran.


    Maerad schrieb:

    Ich kann mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen, dass es bei wirklich heftigen Erkrankunegn wie Depressionen oder gar Shizophrenie wirken soll. Vielleicht erlebst du da auch gerade den Placeboeffekt.

    Habe ich auch schon überlegt. Allerdings war die Wirkung mit Coffein zusammen ja signifikant stärker.


    Und es hat ja auch nicht nur positiv gewirkt; ohne Coffein ging es mir nach 2 - 3 Stunden sehr viel schlechter als vorher.


    Beim Placebo-Effekt erwartet man ja entweder etwas Positives oder Negatives, aber beides?


    Maerad schrieb:

    Eine Studie zur Wirksamkeit "weil es jemand in einen Blog geschrieben hat" wäre mir persönlich zu wenig um wirklich ernsthafte Erkrankungen so unprofessionell anzugehen.

    Ich habe mal geguckt und es gibt tatsächlich erste Studien, die eine Wirkung von ACC bzw. NAC nahelegen. Es muss aber noch weiter geforscht werden:


    https://www.sciencedirect.com/…cle/pii/S0165032711003247

    https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/acps.12862


    Maerad schrieb:

    Stell dir vor hier würden drei Leute in einem Faden schreiben, dass man durch Kauen von Tannenzapfen Krebs heilen könnte. Wie seriös käme dir das vor?

    Nicht so seriös, stimmt schon. Mit Studien ist es besser. Allerdings hat ACC kaum Nebenwirkungen, also dachte ich mir, dass ein Selbstversuch nicht schadet.

    Wegen der Studien:


    Studie 1 sagt, dass ACC bei mittelschweren Depressionen hilfreich sein könnte. Getestet wurde es an Menschen mit Bipolarer Störung in einer depressiven Phase als alleiniges Medikament, wenn ich es richtig verstehe.


    Studie 2 sagt, dass ACC als Zusatzmedikation zu Psychopharmaka die Symptome bei Schizophrenie stark, bei Depressionen schwach und bei Bipolarer Störung gar nicht positiv beeinflusst.

    Ich habe noch eine interessante gefunden:


    https://www.sciencedirect.com/…cle/pii/S0006322312000534


    Anscheinend könnte ACC bzw. NAC auch die Reiztoleranz bei Autisten erhöhen. Soziale Fertigkeiten sollen dadurch aber nicht verbessert werden, sagt eine andere Studie.


    Eine wieder andere Studie belegt einen positiven Effekt bei Colitis Ulcerosa.


    Wie spannend.


    Ich bin gespannt, was da in den nächsten Jahren noch so rauskommt.


    Angeblich beruht das alles auf dem entzündungshemmenden Effekt von ACC, das ja auch antioxidativ wirkt. Sowohl psychische Erkrankungen und neuronale Veränderungen als auch einige körperliche Leiden sollen ja auf Entzündungen zurückgehen. Irgendwie wirkt es wohl auch auf Glutamat und Glutathione im Gehirn, aber wie gesagt, musste ich das jetzt so grob übersetzen. Google ist ja für jeden zugänglich, da kann man ja selber nochmal nachlesen.

    Update:


    Also ich vertrage das ACC nach wie vor gut; einzige Nebenwirkung ist ein "Absturz", wenn ich es nicht mit Koffein kombiniere.


    Ich fühle mich ausgeglichener, gelassener und positiver. Auch kann ich mich besser konzentrieren. Gegen meine Reizoffenheit hilft es aber leider nicht bis wenig.

    Achtung mit Erkältungsmitteln. Es ist nicht die Substanzen selber was high macht, sondern die Metaboliten. Einige freiverkäufliche Hustenmitteln werden durch der Körper in ein MDMA ähnliches Substanz verwandelt. Ich kann mir abeŕ leider nicht mehr erinnern, ob ACC dazu gehörte. Wenn ja, dann ja - es kann abhängig machen. Alles womit man sich aufputscht, kann zumindest psychisch süchtig machen.

    Luci32 schrieb:

    Achtung mit Erkältungsmitteln. Es ist nicht die Substanzen selber was high macht, sondern die Metaboliten. Einige freiverkäufliche Hustenmitteln werden durch der Körper in ein MDMA ähnliches Substanz verwandelt. Ich kann mir abeŕ leider nicht mehr erinnern, ob ACC dazu gehörte. Wenn ja, dann ja - es kann abhängig machen. Alles womit man sich aufputscht, kann zumindest psychisch süchtig machen.

    Nee, ACC gehört nicht dazu:


    https://www.spiegel.de/wissens…-hustensaft-a-452575.html


    ACC wird im Körper weiterverarbeitet zu Gluthation, es ist davon Bestandteil.

    So manches freiverkäufliche Medikament kann bei entsprechendem Einsatz regelrechte Trips bescheren und wird auch von der entsprechenden Zielgruppe gerne dazu benutzt.


    Jede Substanz kann süchtig machen. Eine Sucht unterstelle ich dir nicht, aber ganz normal ist das auch nicht:

    cleasan-teine schrieb:

    Heute habe ich - ich dachte mir nichts dabei - ACC mit meinem morgendlichen Coffein kombiniert und das hat richtig reingehauen. Ich fühle mich total super und das jetzt schon seit 7 Stunden.


    Du hast da ein Medikament und nimmst das "einfach so", ohne dir was dabei zu denken? Entweder, das ist nicht die Wahrheit und du experimentierst sehr wohl ganz bewusst damit, oder du solltest da mal schleunigst reflektieren.