Zitat

    7. Chris, der Pharmazeut, wird es Euch bestätigen: Was wären wir ohne die Pflanzen? Und wenn sich schonende Pflanzenauszüge in der Praxis bewährt haben... warum soll man sie nicht verwenden?

    Oh ja, das ist in sehr weites Feld! Mit Pharmazeutischer Biologie beschäftigt man sich das ganze Studium lang. Das geht los mit Pflanzeneinteilung, geht über das Mikroskopieren von Pflanzendrogen und endet bei dem molekularen Aufbau der Inhaltsstoffe.


    Mit Pflanzen kann man eine Menge machen. Viele halbsynthetische Arzneistoffe sind abgeleitet worden von pflanzlichen Inhaltsstoffen.


    Man sollte aber auch bedenken, dass man bei der Einnahme von pflanzlichen Arzneien auch viel falsch machen kann. Ein klassisches Beispiel wäre z.B. die Sennesblätter als Abführmittel. Da wird oft zuviel und zulange eingenommen. Und nicht jeder Patient darf alle Planzen einnehmen. Da wäre z.B. Johanniskraut zu nennen.


    Ich erwähne das hier so explizit, weil es noch viele Menschen gibt, die denken, das pflanzliche Arzneien immer besser sind als synthetische Arzneistoffe. Dem ist definitiv nicht so! Manchmal machen die molekularen Veränderungen der natürlichen Arzneistoffe zu synthetischen Variationen sie viel besser verträglich. Hier wäre z.B. die Acetylsalicylsäure zu nennen. Die Zahl der Magengeschwüre ist wesentlich geringer, als bei dem natürlichen Vertreter Saligenin (Salicylsäure) aus der Weidenrinde. Eine kleine Veränderung am Molekül mit positiver Wirkung.


    Interessantes weites Feld mit vielen Pro's und Contra's! :-)

    @ Che

    Da hast du aber noch einen wichtigen Punkt erwähnt. Hatte ich ganz vergessen zu erwähnen.


    Der Gehalt ist abhängig vom Boden, von der Sonneneinstrahlung, von der Erntezeit, von ortansässigen Parasiten (unsere pflanzlichen Arzneistoffe sind oft Abwehrstoffe gegen Bakterien und Fraßfeinde), Tageszeit, Nachbarpflanzen und und und. Das ist unmöglich zu kontrollieren.


    Aber man macht ja von solchen Pflanzen vorher analytische Tests, also Gas-, Dünnschicht- und Hochdruckflüssigchromatographie. Gibt noch andere! Da findet man dann heraus wieviel und in welchem Verhältnis die Inhaltsstoffe enthalten sind. Diese Untersuchungen muss man aber bei jeder Charge neu machen. Das schwankt teilweise extrem, oftmals mehrere Zehnerprozente.


    Nicht zu vergessen sind die ganzen Verschnitte die auf dem Markt rumschwirren. Verschnitte sind minderwertige Pflanzen, die einem eine qualitativ hochwertige Pflanze vortäuschen sollen. Dabei mangelt es dann oft extrem am Hauptinhaltsstoff oder es schwirren irgendwelche unerwünschten Fremdstoffe herum.


    Darauf wird dann geprüft und die Verursacher werden bestraft.


    Einige hier im Forum haben mir immer vorgehalten, dass ich icht immer so analytisch an die Medizin herangehen soll und doch mehr erleben soll, um es zu beurteilen.


    Der letzte Grund ist ein wichtiger, weshalb ich die wissenschaftliche Analyse dem daran glauben vorziehe. Solange die Welt so schlecht ist, dass einige Vögel auf der Gesundheit anderer herumtrampeln, was sie ja z.B. mit den angesprochenen Verschnitten tun, dann vertraue ich niemanden, nur meiner eigenen Dünnschichtchromatographie.


    Es muss einfach Kontrollen geben. Zulassungen dürfen nur für kontrollierte Arzneistoffe, Naturstoffe oder Therapieverfahren erteilt werden. Die Welt ist einfach zu schlecht für Vertrauen!

    Endlich...

    Ahh... die Diskussionen sind seid diesem Beitrag des Administrators (und dessen "Drohungen", die Meute bei Missachtung zu sperren) wesentlich vorsichtiger und weniger hetzerisch geworden. Das macht Hoffnung und bringt wieder Sinn in die Diskussionen...

    Das ist schön :-)

    "Meute" würde ich nur sagen, wenn ich annehmen müßte, da sprechen sich mehrere User eine Strategie ab, um zu provozieren.


    Wenn mehrere Benutzer in ihrer Argumentation übereinstimmen und sich ggf. dabei ergänzen (egal auf welcher Seite), dann ist das eher ein Indiz dafür, daß an diesen Argumenten etwas dran sein könnte...

    Re: Che

    "...sprechen sich mehrere User eine Strategie ab, um zu provozieren."


    Eben. Genau dies meinte ich. Aber da dies ja offensichtlich der Vergangenheit angehört, möchte ich kein Öl ins (hoffentlich erloschene) Feuer mehr schütten.

    Re. Alternativmedizin

    Mit großer Begeisterung habe ich eure Artikel gelesen. :)^


    Ich meine auch, dass alle Heilverfahren, die zur Besserung oder Heilung betragen, gewähren lassen sollte.


    Und der Mensch als ein Ganzes gesehen wird, das wünsche ich mir für das neue Jahr 2005!

    Re: chris][pharm

    Zitat

    Es muss einfach Kontrollen geben. Zulassungen dürfen nur für kontrollierte Arzneistoffe, Naturstoffe oder Therapieverfahren erteilt werden. Die Welt ist einfach zu schlecht für Vertrauen!

    Die Frage ist allerdings, WER kontrolliert und WAS dabei kontrolliert werden soll. Wenn nur Effekte auf klinisch-symptomatischer Ebene bei einer vergleichenden Untersuchung beider medizinischer Richtungen erfasst werden, dann wird das wenig Aussagefähigkeit über den Stellenwert der Alternativmedizin haben.


    Man kann legitimerweise immer nur Vergleichbares miteinander vergleichen. Andernfalls muß man Maßstäbe finden, die der jeweiligen Methode gerecht werden. Der Unterschied zwischen Hochschulmedizin und Alternativmedizin beginnt ja nicht erst auf der Ebene des Klinischen, sondern bereits in den unterschiedlichen Modellvorstellungen.


    Legen wir aber diese Unterschiede zwischen hochschul- und alternativmedizinischen Paradigmen zugrunde, dann werden sich völlig andere Bewertungsmaßstäbe nahelegen. Ich möchte dieses an drei Punkten erläutern;


    1. Für den Schulmediziner ist die Krankheit identisch mit der aktuellen Befundlage, dem Symptomenbild etc. Das heißt, Krankheit wird als Störung definiert.


    Für den Alternativmediziner dagegen ist der aktuelle Befund lediglich die Endstation eines vorausgegangenen Prozesses. Nur Letzterer ist seiner Auffassung nach die eigentliche Krankheit, NICHT der momentane Zustand. Der aktuelle Zustand des Kranken ist dagegen aus alternativmedizinischer Sicht lediglich das Resultat eines sich neu eingestellten Gleichgewichts. Fazit: das, was die Schulmedizin Krankheit nennt, ist - bei alternativer Betrachtung - nur eine Gleichgewichtsverschiebung innerhalb physiologischer Regelmechanismen.


    Beschränkt sich die Therapie nun ausschließlich auf die "Beseitigung" es aktuellen Zustands, dann wird nicht nur die eigentliche Krankheit nicht behandelt, sondern es wird dem Organismus damit sogar die Möglichkeit genommen, adäquat auf eine äußere Schädigung zu reagieren. (Womit ich keineswegs gesagt haben will, daß eine solche Maßnahme nicht auch sinnvoll, ja sogar u.U. lebensrettend sein kann. Es wäre lediglich sträflich, es bei der Symptomenbekämpfung bewenden zu lassen und einen so behandelten Patienten als gesund zu bezeichnen.)


    Nehmen wir als Beispiel einen harmlosen Infekt der Atemwege. Der Patient reagiert mit Husten, Schnupfen, Fieber etc. Aus schulmedizinischer Sicht ist der Husten ein Krankheitssymptom und wird entsprechend bekämpft. Der Alternativmediziner sieht dagegen in dem selben Symptom bereits den Versuch des Organismus, sich selber von Krankheitserregern und allen möglichen Unrat zu befreien. Auch das Fieber ist nach schulmedizinischer Anschauung nichts weiter als eine krankhafte Abweichung der Körpertemperatur und muß entsprechend bekämpft werden. Alternativmedizinisch betrachtet ist das Fieber dagegen Ausdruck eines verstärkt arbeitenden Immunsystems.


    Der Schulmediziner wird nun mit Antibiotika und fiebersenkenden Mitteln die Symptome praktisch wie auf Knopfdruck abstellen können. Der Alternativmediziner dagegen versucht das erst gar nicht, sondern wird das Immunsystem unterstützen und die katarrhalischen Ausscheidungsvorgänge sogar noch fördern. Auf symptomatischer Ebene wird er nur eingreifen, wenn das Fieber bedrohliche Ausmaße annimmt oder die Atmung behindert wird.


    Bei dem Versuch, die Effizienz beider Richtungen gegeneinander abzuwägen unterliegt die Alternativmedizin klar der wesentlich schneller wirksamen Schulmedizin, wenn man nur das klinische Bild des Patienten als Maßstab setzt. Geht man aber einen Schritt weiter und macht die Rezidivhäufigkeit zum Maß, dann wird man mitunter feststellen, daß der Patient, der bei jedem harmlosen Infekt Antibiotika und fiebersenkende Mittel bekommen hat, bei nächster Gelegenheit wieder krank ist, während der alternativ Behandelte ein signifikant längeres beschwerdefreies Intervall erlebt.


    2. Wie bereits erwähnt ist "Krankheit" aus der Sicht der Alternativmedizin nichts statisches, sondern ein Prozeß. Dem klinischen Bild geht somit ein Zustand veränderten physiologischen Gleichgewichts voraus, der letztendlich zu der manifesten Erkrankung führt. Die Konsequenz daraus ist, daß die Alternativmedizin mit der Behandlung nicht wartet, bis sich jener Zustand eingestellt hat, den ein Schulmediziner als Krankheit definieren würde. Ganze Völker, wie z.B. die Inder oder die Chinesen waren nicht zum Arzt gegangen, um gesund zu werden, sondern um gar nicht erst krank zu werden. Somit erheben Therapiekonzepte wie Ayurveda oder die traditionelle chinesische Medizin gar nicht den Anspruch, "Kochbücher" zur Behandlung von Krankheiten im Sinne der westlichen Medizin zu liefern (obwohl es Versuche solcher Umdeutungen auch gibt).


    Es würde an der Sache vorbeigehen, untersuchen zu wollen, ob z.B. ein Magengeschwür mit einem schulmedizinischen Mittel oder mit einer Ayurveda- oder Akupunkturbehandlung schneller abheilt. Man könnte bestenfalls ein Versuchsdesign verfolgen, bei dem eine Gruppe über viele Jahre oder Jahrzehnte bei guten Alternativmedizinern behandelt und die Kontrollgruppe lediglich kassenmedizinisch versorgt wurde. Das Kriterium kann dann nur der allgemeine Gesundheitszustand, nicht aber eine isolierte Diagnose sein. Wenn die alternativmedizinisch versorgte Gruppe sich dann als weniger krankheitsanfällig, leistungsfähiger und langlebiger herausstellt, dann könnte man diese Effekte durchaus mit diesen Behandlungskonzepten in Verbindung bringen.


    Aber selbst ein solches Ergebnis wäre nicht frei von Kritik; Alternativmedizin muß der Patient aus eigener Tasche bezahlen, schon allein aus dem Grund, da ja der alternativmedizinische Krankheitsbegriff (wie ich oben ausgeführt habe) wenig mit der krankenkassentechnischen Definition der "medizinischen Notwendigkeit" zu tun hat. Da sich aber nicht jeder Mensch eine solche Behandlung regelmäßig über viele Jahre leisten kann, wäre ein wesentliche Bedingung für statistische Untersuchungen verletzt: nämlich die Randomisierung. Die kassenmedizinisch behandelte Gruppe würde im Durchschnitt aus einkommensschwächeren Bevölkerungsschichten stammen und würde sich in ihrer ganzen Lebensweise von der Versuchsgruppe so stark unterscheiden, daß eine Vergleichbarkeit nur sehr eingeschränkt zulässig sein dürfte.


    3. Ein weiterer Unterschied zwischen Alternativ- und Schulmedizin ist die unterschiedliche Bewertung wissenschaftlicher Fakten. Hier ließen sich viele Beispiele aufführen. Nehmen wir z.B. die essentielle Hypertonie. Für den Schulmediziner ist lediglich der erhöhte Blutdruckwert das Kriterium für den Zustand des Patienten. Jede denkbare Maßnahme, die den Wert in den sogenannten Normbereich bewegt ist aus seiner Sichtweise angemessen. Nach Ursachen wird nicht geforscht. Es werden nur Möglichkeiten gesucht, welche Rezeptoren oder Enzyme in welcher Weise pharmakologisch beeinflußt werden können, um das angestrebte Resultat zu erreichen.


    Für den Alternativmediziner dagegen ist der Blutdruck ein "Betriebsdruck". Wenn in einem techischem System der Druck ansteigt, dann muß das eine Ursache haben. Senkt man einen erhöhten Druck in einem System, ohne die Ursache abzustellen, so kann das unerwünschte Konsequenzen haben, i.d.R. in Form einer Unterversorgung.


    Die Funktionen des Blutkreislaufs dürften hinlänglich bekannt sein - es sind hauptsächlich logistische und nutritive Funktionen, daneben Thermoregulation etc.. Wenn nun der Organismus den Druck in diesem Transport- und Versorgungssystem erhöht, dann kann eine künstliche Drucksenkung durchaus die Gefahr einer Unterversorgung - insbesondere mit Sauerstoff - zur Folge haben. Wenn man es bei der Untersuchung eines essentiellen Hypertonikers nicht einfach bei der Blutdruckmessung bewenden läßt stellt sich oft heraus, daß sich z.B. durch eine sympatikotone Reaktionslage eine signifikant erhöhte Katecholaminausschüttung zeigt. Hält dieser Zusstand über einen mehr oder minder langen Zeitraum an, dann können sich die Arterien durchaus nachhaltig verengen, indem die Muskelschichten hypertrophieren. Dieser Mechanismus wurde sogar im Tierversuch nachgewiesen, indem man die Tiere durch aversive Reize einem Dauerstreß ausgesetzt hat.


    Aus alternativmedizinischer Sicht wäre eine pharmakologische Blutdrucksenkung lediglich eine kosmetische Maßnahme mit der Folge, daß der Patient sich meist schlapp fühlt und die Mittel daher sowieso nicht nimmt. Damit ist ihm natürlich nicht geholfen -weder mit dem Mittel, noch mit dem Unterlassen jeglicher Behandlung. Die alternativmedizinischen Behandlungkonzepte sind daher eher in Richtung Streßreduktion orientiert, pharmakologisch unterstützt eventuell mit Magnesiumpräparaten, da diese im Tierversuch einen günstigen Einfluss auf eine hypertropierte Arterie gezeigt haben.


    Die Schulmedizin zielt also mit ihrer Behandlung des essentiellen Bluthochdrucks lediglich darauf ab, den Blutdruck über Schlüsselenzyme und Rezeptoren zu steuern, was mit einem unmittelbaren Wirkungseintritt verbunden ist. Die Alternativmedizin dagegen setzt auf einen sukzessiven Umbau der hypertropisch veränderten Arterien, was selbstverständlich nicht von hier auf jetzt stattfinden kann. Somit würde man bei einem Wirksamkeitsvergleich wieder Äpfel mit Birnen vergleichen.


    Fazit: Schulmedizin und Alternativmedizin haben unterschiedliche Kriterien in ihrer Krankheitsdefinition. Folglich unterscheiden sich auch die Erfolgskriterien voneinander - was die Alternativmedizin als Krankheit definiert, wäre kassentechnisch oft gar kein Versicherungsfall und somit nicht behandlungswürdig. Was die Schulmedizin dagegen als Krankheit versteht ist aus alternativmedizinischer Sicht nur die Spitze des Eisbergs.

    hallo

    @bernd

    Zitat

    Fazit: Schulmedizin und Alternativmedizin haben unterschiedliche Kriterien in ihrer Krankheitsdefinition. Folglich unterscheiden sich auch die Erfolgskriterien voneinander - was die Alternativmedizin als Krankheit definiert, wäre kassentechnisch oft gar kein Versicherungsfall und somit nicht behandlungswürdig. Was die Schulmedizin dagegen als Krankheit versteht ist aus alternativmedizinischer Sicht nur die Spitze des Eisbergs.

    so einfach könnte die (richtige) Medizinische versorgung aussehen!


    Wenn die richtige Schulmedizin & eine richtige Alternativmedizin Hand in Hand zusammen arbeiten würden (generell), hätten wir gesündere Menschen und weniger Krankenkassenbeiträge und ein besseres bewusstsein für die Gesundheitsfürsorge.


    Bis dahin müssen wir uns noch selber viel INFORMIEREN und beides bei bedarf Kombinieren !


    Die Vorteile & Nachteile beider Seiten sind schon lange bekannt.


    ABER LEIDER nicht jeden bekannt !


    mfg

  • Dieser Beitrag wurde gelöscht, Informationen über den Löschvorgang sind nicht verfügbar.