Augendominanz und räumliches Sehen

    Hallo,

    ich bin 61 und habe vor gut 8 Jahren durch einen Glaukomanfall das Sehen meines rechten Auges verloren. Seitdem habe ich in unbekannter Umgebung erhebliche Orientierungsprobleme, ganz im Gegenteil zu früher, wo ich mich in fremder Umgebung mühelos zurecht fand, zumindest mit Stadtplan und gerne verreiste. Damit ist nun Essig. Auf dem linken Auge sehe ich zwar genug, jedoch ist es nicht mein dominantes Auge (ich bin Rechtshänderin). Mehrmals schon habe ich mich auf Demenz untersuchen lassen, bin jedoch weit davon entfernt. Ein Ergotherapeut sprach von einer räumlich-konstruktiven Störung, und ich erfuhr, dass er zwei Patienten hatte, die diese Störung auch ohne Augenverlust von einem Tag auf den anderen entwickelten. Bei mir hat es sich ausgeweitet zu einer sog. Topographagnosie, eine kognitive Störung, die sehr selten vorkommt und über die ich mich lediglich im Internet schlau machen konnte. Diese ist sehr nachhaltig und extrem belastend für mich, weil sie mich sozial isoliert und ich vor allem nirgendwo Hilfe erfahre. Zwar habe ich inzwischen Pflegegrad 1 ergattert, aber dies ist ein Pyrrussieg, da bislang in Deutschland so gut wie keine Pflegefirma diese Leistungen erbringt (für mich wäre es Begleitung auf allen unbekannten Wegen). Ich habe vor Verzweiflung vier Suizidversuche hinter mir, zumal im selben Jahr wie mein Augenverlust auch der Verlust meiner Wohnung in meiner langjährigen Heimatstadt passierte, in der ich mich optimal auskenne, die mich aber aus bislang unerklärlichen Gründen in Bezug auf Wohnungsfindung abschmettert, obwohl ich mir dort nichts habe zuschulden kommen lassen. Seit Ende 2010 werde ich also von einer Stadt in die andere geschickt, von einem Wohnheim ins andere, ohne jegliche Rücksicht auf meine schwere Behinderung.

    Da ich mein rechtes Auge nie wieder zurück bekommen werde, wird dieser Zustand höchstwahrscheinlich bis an mein Lebensende andauern, was mir oft Lebensangst einflößt. Ich würde mich ja freuen, endlich mal Gleichbetroffene zu finden, die dieses Problem kennen und mir erzählen können, wie sie damit klar kommen bzw. Therapiestellen für solche Störungen (Ärzte, Psychologen, Ambulanzen etc.) wissen. Im Moment sehe ich wenig Hoffnung, außer mit "Wundergewalt" zu erreichen endlich wieder in meiner Heimatstadt eine Wohnung zu erlangen, damit der tägliche, nervige Orientierungsstress und die damit verbundene Isolation aufhören und ich endlich meine künstlich erzwungene Agoraphobie loswerde. Denn seit einigen Jahren gehe ich höchstens noch zum Einkaufen raus, bin arbeitsunfähig geschrieben und ganz ohne Kontakte.

    Wer kann mir helfen? Würde mich riesig freuen über lebhafte Rückmeldung!