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    nicht in Kategorien wie "richtig" oder "falsch" zu pressen

    Ich glaube, dass viele zu Dinge oder Eigenschaften, die gesellschaftlich stigmatisiert sind und zusätzlich noch mit Kontrolle und Kontrollverlust assoziiert werden, ein ambivalentes Gefühl aufbauen und manchmal auch den Reiz dieser Ambivalenz erkunden. Also hört sich im Einzelfall schräg an, ist aber als Muster normal, und wenn man weder bei sich noch anderen zu weit geht, ist "richtig/falsch" kein Kriterium.

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    Vielleicht hat bei mir aber auch die Kombi aus trainierten Körper (hier das angesprochene Beschützerbild) und dicker Brille (Schwäche?) was abstoßendes

    Dieser Konnex ist nur in deinem Kopf. Die meisten Menschen können zwischen 3 und 9 Dioptrien nicht unterscheiden und sagen, die Brille mit der dicken Fassung sei dick (also besonders bei heutiger Technik und Stilen). Aber was man spürt, auch wenn ich dir nicht genau sagen kann, was es genau ist, ist, wenn jemand ihre Brille defensiv trägt, wo jede Faser der Erscheinung sagt "Ich weiß, ich sehe mit Brile Sch***" aus. Und dann gibt es Leute, die tragen sie offensiv, heißt nicht, besonders auffällig oder Ähnliches. Aber die du siehst und denkst "Brille. Natürlich." - und es ist vollkommen egal ob -1 oder -10. Das geht aber nur, wenn eine Brille, selbst wenn nur ab und zu getragen, wie selbstverständlich zu dir gehört. (Das trifft übrigens auf verschiedenste körperliche 'Schwächen' zu: Dick, Glatze, you name it).

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    Aber was man spürt, auch wenn ich dir nicht genau sagen kann, was es genau ist, ist, wenn jemand ihre Brille defensiv trägt, wo jede Faser der Erscheinung sagt "Ich weiß, ich sehe mit Brile Sch***" aus.

    Mit dieser Analyse bist du ganz nah dran, an meinem Problem mit der Brille. Ich denke man sieht mir an wie unwohl ich mich damit fühle.

    @ fair

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    kann Gotte sei dank bei euch nicht mithalten


    R- 1,75 cyl-0,25 Achse 22 Add 1,5


    L-1,5 cyl -0,25 Achse 147 Add 1,5

    Aber mitdiskutieren kann man auch mit deinen :)^ :)D


    ich gebe dir aber auch von meinen dioptrien gerne was ab ]:D

    @ Luftschiff-Fan:

    Ich kann mich in Deiner Schilderung sehr gut wiedererkennen. Damals zu Schulzeiten hatte ich auch sehr große Probleme damit, kurzsichtig zu sein mit etwa -5 Dioptrien mit deutlichem Astigmatismus auf beiden Seiten. Das Tragen einer Brille hätte ich zu dieser Zeit als ein Outing und ein Zeichen von Schwäche und Unvollkommenheit gesehen. Daher habe ich mich damals sehr lange irgendwie so durchgemogelt und habe es später mit Kontaktlinsen versucht. Damit war die Sicht zwar toll, aber ich hatte oft Probleme mit einem Kratzgefühl beim Eindringen von Staubkörnern (es waren harte Kontaktlinsen) und mich hat auch zunehmend die Einsetz-, Rausnehm-, Reinigungsprozedur samt Kauf und Lagerung von Pflegemitteln etc. gestört.


    Zu meiner Studienzeit bin ich in eine mehrere hundert Kilometer entfernte Stadt gewechselt, in der mich keiner kannte, und dort habe ich vom ersten Tag an das getan, was ich eigentlich innerlich immer schon gewollt hatte, nämlich so sein und mich so zeigen, wie ich bin - kurzsichtig und mit Brille. Zuerst habe ich immer Brillen mit extradünnen Gläsern getragen, um die Stärke so weit wie möglich zu kaschieren. Mitte der 2000er Jahre hatte ich das aber satt ... und ich habe mir ganz bewusst eine randlose Brille mit Kunststoffgläsern Index 1.5 - also die am wenigsten dünnen Gläser - gegönnt. Die Glasdicke betrug am Rand ca. 6 mm, was erst einmal gewöhnungsbedürftig war, aber nach kurzer Zeit habe ich mich mit der Brille pudelwohl gefühlt. Die Sehqualität ist mit diesen Gläsern ohnehin sehr angenehm. Momentan trage ich eine Metallfassung mit denselben Gläsern, Randdicke ca 7 mm. Ich trage auch diese Brille sehr gern und habe sogar ein paar positive Kommentare dazu bekommen, neben einigen Bemerkungen über die Stärke. Alles in allem bin ich aber sehr zufrieden und ich kann Deine ähnliche Einstellung dazu, Luftschiff-Fan, sehr gut verstehen. Hörst Du eigentlich auch gelegentlich Kommentare zur Stärke Deiner Gläser?

    Super, das sich euer Verhältnis zur Brille positiv entwickelt hat, Luftschiff-Fan und Euklid_2015 :)^


    Bei mir leider umgekehrt: ich hatte früher kein Problem mit meiner Brille. Das kam erst später so und ich komme nicht dagegen an :(v

    @ swatch 100:

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    Ich denke man sieht mir an wie unwohl ich mich damit fühle.

    Das wird hundertpro so sein. Mir ging es auch lange so, vor allem als Kind. Ich mochte mich mit Brille nicht leiden, dachte, sie macht mich häßlich. Was mich häßlich gemacht hat, waren allein meine negativen Gedanken diesbezüglich. Allerdings war die Ausgangslage auch nicht optimal, da meine Mutter überzeugter Nulltarif-Anhänger war und ich mir immer nur Fassungen zum Nulltarif aussuchen durfte (natürlich habe ich auch andere probiert, die mir RICHTIG gut standen, aber leider aus finanziellen Gründen rausfielen... wobei ich mich gerade frage, ob sich die Investition nicht gelohnt hätte, dann hätte ich das verdammte Ding nämlich auch getragen!). Also das, was ich mir aussuchen "durfte" (ach ja, auch keine schwarzen oder blauen Fassungen, bin ja schließlich ein Mädchen...), gefiel mir eigentlich schon im Vorwege nicht so wirklich, es war mehr die Auswahl des kleinsten Übels. Trotzdem finde ich mich jetzt auf alten Fotos gar nicht so schlimm mit Brille...


    Ich hatte nie ein Problem mit der Glasdicke oder dem Vergrößerungseffekt meiner gar nicht so schwachen Plusgläser, sondern nur mit den Fassungen, die aus mir etwas machten, was ich nicht mehr als "ich selbst" empfand. Und mit dem Zwang, die Brille tragen zu MÜSSEN (Schielen und Schwachsichtigkeit).


    Irgendwann habe ich dann Kontaktlinsen bekommen, die ich getragen habe, bis ich so mit 17 oder 18 dachte, daß mir eine Brille doch vielleicht ganz gut stehen würde... da ich gerade ein bißchen Geld über hatte, bin ich zum Optiker gegangen und habe mich einfach ganz zwanglos durch gefühlte 100 Fassungen probiert. Das Schönste war: ich musste keine Brille finden, ich konnte ja jederzeit einfach weiter Linsen tragen. Und siehe da, ich fand eine Fassung, die mir wirklich gut stand. Ein paar Tage habe ich die neue Brille erstmal nur zu Hause getragen, aber ich fand sie so toll, daß ich sie dann nach einer ganz kleinen Überwindungsphase auch zur Schule getragen habe - und von da an war das Teil quasi an mir festgewachsen.


    Wenn es dir irgendwann so geht, dann hast du gewonnen! @:)

    So viele interessante Beiträge – ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll mit dem Antworten!


    Euklid, es ist tatsächlich frappierend, wie ähnlich unser beider Entwicklungsgang verlaufen ist!


    Den Hintergrund dazu hat Meronymy wunderbar in Worte gefasst, ganz genau so sehe ich es auch – das Geheimnis liegt darin, OFFENSIV Brille zu tragen. Bei mir war es so, dass ich nach der Kontaktlinsenphase gern Brille getragen habe, auch mal randlos mit 1,5er Gläsern – andere Kunststoffgläser gab es damals noch gar nicht, und diese Brille war schon irgendwie eine Provokation, ein Austesten der Grenzen, ja, ich habe den Reiz dieser Ambivalenz erkundet, und zwar ausgiebig! Komischerweise war meine Entwicklung zum offensiven Brille-Tragen damals aber noch längst nicht abgeschlossen, es folgten Jahrzehnte, in denen ich zwar gern Brille trug, aber immer noch auf "relativ unauffällig" und "zu allem passend" Wert legte. Ich war damals noch nicht in der Lage, "mein Gesicht der Brille hinzugeben", so habe ich es für mich immer formuliert, aber gemeint war damit offensiv Brille tragen, eine Formulierung, auf die ich erst viel später gekommen bin.


    Richtig "klick" gemacht hat es bei mir erst vor ca. 5 Jahren, als nach etlichen Jahren mal wieder neue Gläser fällig waren und ich mich entschieden habe, nicht mehr auf diskret und langweilig-unauffällig und zu jeder Kleidung passend zu setzen. Es wurde eine farbige Metallfassung , und mir war schon beim Aussuchen klar, ich würde diese Brille nicht zu Kleidung tragen, zu der sie nicht passt, sondern mir über kurz oder lange weitere Brillen zulegen. So geschah es auch, und ich achte seitdem beim Kauf von Kleidung darauf, dass sie zu einer meiner Brillen passt. Diese erste farbige Brille aber brachte für mich den Durchbruch zum offensiven Brille-Tragen – das Gefühl war am Anfang einfach überwältigend. Die Gläser waren deutlich dicker als die in der alten Brille, aber trotzdem oder gerade deshalb, ich fühlte mich so gut, so im Einkang mit mir selbst, ich hob förmlich ab in der ersten Zeit!

    @ 100 swatch

    Ich glaube genau wie Meronymy, dass das Bild eines Mannes mit durchtrainiertem Körper und starker Brille nicht zwingend abstoßend wirkt. Ich denke im Gegenteil, dass eine offensiv getragene modische Brille einen Mann sogar besonders attraktiv wirken lassen kann. Das liegt natürlich auch an der Frau und ihren Vorerfahrungen. Einen Mann, der sich mir gegenüber immer als normalsichtig gegeben hat, plötzlich mit -10-Dioptrien-Gläsern zu sehen, würde auch mich zunächst ein wenig schockieren, obwohl ich in dieser Hinsicht ja alles andere als empfindlich bin. Ich würde diesen Schock natürlich schnell überwinden, vor allem, wenn ich merke, dass er souverän damit umgeht. Aber wenn ich spüre, wie peinlich es ihm selbst ist, wäre das auch für mich zunächst eine etwas verkrampfte Situation, mit der eine Frau, die nicht selber kurzsichtig ist, durchaus ihre Probleme haben kann.


    Das wichtige, um attraktiv zu wirken, ist meiner Meinung nach der unverkrampfte und ganz und gar selbstverständliche Umgang mit den diversen Sehhilfen - zum Sport natürlich Kontaktlinsen, gern auch im täglichen Leben, aber in anderen Situationen auch ganz selbstverständlich die Brille, und sei es nur, um den Augen mal eine verdiente Auszeit von den Linsen zu gönnen.


    Es wird auch immer Frauen geben, denen ein Mann mit starker Brille einfach nicht gefällt, und man sollte sich gut überlegen, ob man eine Beziehung mit so einer Frau möchte. Selbst wenn man normalerweise ständig KL trägt, man wird immer ein schlechtes Gefühl haben, wenn man sie mal nicht tragen kann und sich vor seiner Partnerin mit Brille zeigt.

    @ Euklid

    Ich bekomme nur ganz selten Kommentare zur Stärke meiner Gläser, eher zu den Brillen selbst oder zur Vielzahl von Brillen, die ich habe.

    Es gab zwar zu Anfang des Fadens mal einen Link, dennoch möchte ich hier mal kurz auf die Qualtäten der Kunststoffgläser zurückkommen.


    Es gibt jede Menge verschiedenste Kunststoff-Gläser aber wissen muss man zuerst mal den Unterschied zwischen den 1,5ern und dem Rest. Er besteht hauptsächlich in der Mittendicke, die bei dem billigen 1.5er CR39-Material in der Regel wesentlich höher ist als bei allen anderen Kunststoffgläsern.


    Wenn das Glas in der Mitte schon dicker ist, dann ist es auch über die gesamte Fläche dicker und somit schwerer und die Randdicke auch höher. Im Bereich um die 2 Dioptrien, wie sie der TE hat, spielt der Brechungsindex für Gewicht und Aussehen der Gläser erst bei extrem grossen Gläsern wirklich eine Rolle.


    Ein hoher Brechungsindex verschlechtert übrigens die optischen Qualitäten. Ein höher brechendes Glas ist fürs Auge nicht besser sondern schlechter. Hochbrechende Gläser sind also, sofern man nicht Flaschenböden vermeiden muss, eine teure und unsinnige Wahl.


    Bei hochbrechenden Gläsern gibt es zudem ordentliche Unterschiede. Bei 1,67 fängt es z.B. bei Seiko mit 1,1mm an, geht mit 1,2 bei Rodenstock weiter, dann erst kommt das hochrenommierte Zeiss-Glas mit 1,4mm und auf dem letzten Platz der grossen Hersteller komm der Weltmarktführer Essilor mit 1,5mm....


    Dem TE würde ich zu 1.6ern raten.


    Nein, ich bin kein Experte, nur Brillen-Junkie (mit, Sph und Zyl zusammengerechnet ca. 2.5 ).

    Bei meinen Werten spielt Dicke zu Glück keine Rolle, aber mein Optiker hat mir trotzdem 1,6er-Gläser bestellt. Ich habe eine randlose Brille und er sagte, daß das Material deutlich bruchsicherer und unempfindlicher sein als das 1,5er.


    Wo kann man etwas über diese Materialien erfahren?

    Ist schwierig. Eine gute Zusammenfassung gibt es bei Wikipedia. Wirklich selbst die perfekten Gläser zu ermitteln ist schwierig. Es gibt diverse Foren und natürlich die Seiten der Brillenhersteller. Hier muss man sich die Informationen mühsam zusammenklauben. Ein wirklich guter Link, der alle Informationen kompakt enthält ist mir nicht bekannt.

    Zitat

    Bei hochbrechenden Gläsern gibt es zudem ordentliche Unterschiede. Bei 1,67 fängt es z.B. bei Seiko mit 1,1mm an, geht mit 1,2 bei Rodenstock weiter, dann erst kommt das hochrenommierte Zeiss-Glas mit 1,4mm und auf dem letzten Platz der grossen Hersteller komm der Weltmarktführer Essilor mit 1,5mm....

    Ich frage mich nur, für wieviel Prozent der Brillenträger ein solches Ranking wirklich von Belang ist - wir sprechen hier von einer Differenz von 0,4 mm. Aber es stimmt natürlich - es gibt Brillenträger, die um jeden Zehntelmillimeter feilschen. Normalerweise wird aber derjenige, der bisher mit Zeiss oder Essilor gut gefahren ist, nicht unbedingt nur aus diesem Grund zu Seiko wechseln wollen.

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    Dem TE würde ich zu 1.6ern raten.

    Ich habe meine Zweifel, ob die TE hier überhaupt noch präsent ist. Zumindest hat sie ihre Brille längst gekauft.

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    Ich habe eine randlose Brille und er sagte, daß das Material deutlich bruchsicherer und unempfindlicher sein als das 1,5er.

    Es ist tatsächlich so, dass für Bohrbrillen und Nylor-Fassungen 1,6er oder 1,67er-Material empfohlen (bzw. ausschließlich angeboten) wird, weil sowohl CR39 als auch das 1,74er Material spröder und daher weniger geeignet sind.