@ Luftschiff-Fan

    Richtig, man kann sich bei der Fassungswahl einiger Tricks bedienen und so den einen oder anderen Millimeter an der Randdicke einsparen. Das tue ich allerdings nicht, mir ist es wichtiger eine Brille zu haben die zu mir passt und das Teil sollte auf jedenfall dem aktuellen Trend entsprechen. Man sieht meinen Gläsern so und so an, dass ich ohne Brille auf geschmissen bin, drei Millimeter hin oder her.


    Du hattest vorgestern ein Gespräch übers Thema Brille/Abhängigkeit davon, angedeutet... :)D

    Mir fällt auf, dass man früher bei stark Fehlsichtigen fast nur sehr kleine Brillenfassungen sah. Das war ja auch die Standardempfehlung jedes Optikers. Kleine Fassung = kleine Gläser = kleine Randdicke = kleines Gewicht ... was ja auch so an sich richtig ist, aber die Mode blieb auf der Strecke. Diese winzigen Brillenfassungen sahen gerade in etwas größeren Erwachsenengesichtern wie Kinderfassungen aus.


    Mittlerweile hat sich der Trend wohl gewandelt. Man sieht auch bei stark Fehlsichtigen große Fassungen - so wie damals bei meiner allerersten Brille. Mit der hatte ich auch beim Blick nach unten klare Sicht, was z. B. beim Essen sehr hilfreich war. Eigentlich müsste jede Brillenfassung so bemessen sein, dass man auch ein halbwegs akzeptabel großes Sichtfeld hat. Insofern finde ich die aktuelle Mode sehr angenehm, obwohl die Fassungen nach meinem Geschmack noch eine ganzes Stück größer werden könnten. Vielleicht kommt die Mode ja irgendwann wieder bei den 1980er an ...

    @ Euklid_2015

    Zitat

    Diese winzigen Brillenfassungen sahen gerade in etwas größeren Erwachsenengesichtern wie Kinderfassungen aus.


    Mittlerweile hat sich der Trend wohl gewandelt. Man sieht auch bei stark Fehlsichtigen große Fassungen - so wie damals bei meiner allerersten Brille.

    Ich finde auch wichtiger die passenden Proportionen Brille/Gesicht zu haben, als die Fassung zugunsten der Glasranddicke auszuwählen. Die Stärke fällt beim Blick aufs Brillenglas von vorne so oder so auf, 2 mm dünnere Gläser andern nichts an Verkleinerung der Augen und Myopieringen, die einen eindeutig als ziemlich kurzsichtig brandmarken.

    @ 100 swatch

    Du hast Recht, wir wollten eigentlich von der Abhängigkeit reden, aber dann ist der Thread ins Technische abgedriftet.


    Ich habe im Grunde das Wichtigste, was ich mit Abhängigkeit in Verbindung bringe, schon angedeutet und hatte es mir so vorgestellt, dass das Weitere sich im Dialog entwickelt. Es ist für mich nämlich auch Neuland, weil ich dieses Thema noch nie öffentlich diskutiert habe - ich bin selbst total gespannt, was dabei herauskommt.


    Ich finde, ein guter Ausgangspunkt für eine solche Diskussion ist Meronymys Erklärung, die ich total zutreffend und wunderbar formuliert finde:

    Zitat

    Ich glaube, dass viele zu Dinge oder Eigenschaften, die gesellschaftlich stigmatisiert sind und zusätzlich noch mit Kontrolle und Kontrollverlust assoziiert werden, ein ambivalentes Gefühl aufbauen und manchmal auch den Reiz dieser Ambivalenz erkunden. Also hört sich im Einzelfall schräg an, ist aber als Muster normal, ...

    Für mich war es tatsächlich so, dass ich dieses Gefühl, dass jeder mir ansieht, wie leicht man mich "hilflos" machen oder zumindest in meiner Handlungsfähigkeit stark einschränken kann (du umschreibst es mit "aufgeschmissen" auch sehr gut), zeitweise ziemlich reizvoll fand. Inzwischen bin ich reifer geworden und weniger misstrauisch meiner Umwelt gegenüber und mache mir kaum noch Gedanken über diese Dinge. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es für einen Mann mit seinem Beschützerinstinkt und dem Drang, immer die Kontrolle zu behalten, sehr viel schwerer ist, mit dem Gefühl zu leben, dass man ihn so leicht außer Gefecht setzen kann und er in Situationen kommen kann, in denen er auf die Hilfe seiner Partnerin angewiesen ist.


    Mehr fällt mir dazu im Moment nicht ein ...

    Zitat

    Du hast Recht, wir wollten eigentlich von der Abhängigkeit reden


    (Luftschiff-Fan)

    Und genau deswegen habe ich alles drangesetzt, meine Dioptrien zu reduzieren.


    Ging es mit -3,0 und -3,5 Dioptrien in der Wohnung gerade eben noch so, wäre es doch undenkbar gewesen, mich ohne Sehhilfe ausserhalb zu bewegen. :|N


    Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, ohne Brille nicht mal die Kaffeemaschine in der Küche zu sehen o.ä. ???

    Zitat

    Du hast Recht, wir wollten eigentlich von der Abhängigkeit reden, aber dann ist der Thread ins Technische abgedriftet.

    Das Technische interessiert mich natürlich ebenso :)^


    Beim lesen der Beiträge hier kam ich stark ins Grübeln, was mich daran hindert mich auch mit Brille toll zu finden - ihr schafft das ja alle sehr gut, so scheint es.


    Genau diese mögliche Handlungsunfähigkeit, die du als zeitweise reizvoll empfunden hast, verunsichert mich sehr. Vielleicht wirklich weil ich als Mann, wie von dir vermutet, in anderer Position bin - du nanntest ja die Stichworte Beschützerinstinkt und Kontrolle. Einen Teil tragen bestimmt auch negative Erlebnisse im Bezug auf das dazu bei.


    Hattest du denn auch schon Situationen, in denen du ohne Sehhilfe klarkommen musstest oder auf Hilfe angewiesen warst?

    @ Antigone

    Zitat

    Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, ohne Brille nicht mal die Kaffeemaschine in der Küche zu sehen o.ä. ???

    Das mit der Kaffeemaschine kann ich leider nicht beantworten, ich finde nämlich ohne Brille die Küche gar nicht ]:D

    @ 100 swatch

    Noch schlimmer. :-(


    Dafür ist ja gut, dass es Sehhilfen gibt.


    Selbst nachts tappe ich im Dunkeln zur Toilette, möchte es mir aber gar nicht vorstellen, wie es ist, im Alltag nur so minimal sehen zu können.


    Ich persönlich finde es nicht schlimm, wenn Freunde und Bekannte stärkere Brillen tragen. @:)

    Ich glaube, die Ambivalenz, die man reizvoll und spielerisch erkunden kann, hat nicht direkt etwas mit der tatsächlichen Hilflosigkeit zu tun, der man ausgesetzt ist, wenn man sehr schlecht sieht, sondern mit dem potenziellen Kontrollverlust und der Scham, den eine starke Brille sichtbar mitbedeutet. Wenn man gelernt hat, mit diesen Aspekten klar zu kommen, dann kann es interessant sein, in gewissem Rahmen mit den Parametern der Brille zu spielen, heißt: sich zumindest nicht zu bemühen, die Stärke unter allen Umständen zu verstecken bzw. sie sogar zu betonen.


    Warum Brillen diese Assoziation mit Kontrollverlust und Scham haben, ist eine interessante Frage, die ich mir so ganz nicht erklären kann, denn die pure Tatsache des Schlechtsehens kann es nicht sein. Ich kenne viele Leute, die mit Brille nicht (nur aus praktischen Gründen) nicht zurecht kommen, aber ich habe noch niemanden getroffen, die KL trägt und das versucht hätte zu verheimlichen oder nicht zu sagen, wie schlecht sie sieht, meist auch noch mit selbst-humorigen Statements à la "Ich bin blind ohne".

    Also, bei mir mit ca. -7 Dioptr. war es so, daß nach anfänglichem Sträuben gegen die Brille, ich als 'Exote' sogar noch zeitweilig stolz darauf war und große Gläser bevorzugte. Es war aber auch schon immer so, daß ich das eingeengte Gesichtsfeld durch die Brillenfassung nicht mochte.


    Jetzt - seit 25 Jahren belinst - möchte ich das unbegrenzte Gesichtsfeld überhaupt nicht mehr eintauschen gegen eine Brille, egal ob modisch oder superleicht.