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    Die Frage nach "Ausreden" klingt so, als wäre man verpflichtet, seine Brille zu tragen und falls nicht, wäre eine Rechtfertigung in Form einer Ausrede dafür fällig.


    Zum Thema "Warum trage ich meine Brille nicht" gibt es sicher viele Gründe, aber die als Ausreden zu deklarieren finde ich irgendwie nicht ganz passend :-/

    Weil ich mich auf meine Brille drauf gesetzt hab und sie kaputt ist. *:)


    (Obwohl ich garnicht wüsste warum da jemand fragen sollte, wenn man eine brauch, trägt man sie auch, oder eben Kontaktlinsen...)

    Zitat

    viele Gründe, aber die als Ausreden zu deklarieren finde ich irgendwie nicht ganz passend

    Aber nicht jeder angegebene Grund ist keine Ausrede. Eine Ausrede gibt einen Grund für eine Nicht-Handlung (oder eine Handlung - aber um einmal bei dem Beispiel zu bleiben, das Nicht-Handeln) an, ein Grund, der nicht gegeben ist, der nicht der Hauptgrund ist oder der als nicht legitim angesehen wird, und zwar in einer Situation, wo eine Handlung eigentlich indiziert ist (also bezüglich Brille-Tragen, wo man etwas lesen sollte, aber es nicht kann, etc.) und wo man sich gegenüber anderen Menschen (oder sich selbst) sein Verhalten rechtfertigen zu müssen glaubt. Das ist also ziemlich situationsabhängig und auch abhängig davon, wie die Beteiligten das interpretieren.


    Die einzige wirkliche Ausrede, die ich als solche wahrnehme, ist, wenn Leute sagen, sie würden im Moment ihre Kontaktlinsen nicht vertragen (obwohl sie nur seltenst KL tragen).

    Zitat

    Wem erzählst du das, und in welcher Situation?

    In der unangenehmen Situation, aufgrund zuhause gelassener Brille, irgendetwas nicht (so gut) tun zu können.


    Zum Beispiel wenn ich mit meinem Freund in der Stadt unterwegs bin und er spontan vorschlägt, ins Kino zu gehen - ohne Brille hätte ich ja vom Film nicht viel, also sag' ich dann halt, dass ich keine dabei habe. Wird dann gefragt, wieso ich sie nicht mit habe, begründe ich das mit der Tatsache, dass ich einfach nicht daran gedacht habe, das Teil mitzunehmen.


    Auch Optiker haben wenig Verständnis dafür, dass manche trotz Kurzsichtigkeit ohne Brille unterwegs sind. Das zeigen sie gerne, wenn man in der Hoffnung, endlich die perfekte Brille ??die gut aussieht und vielleicht nicht durch ständiges Rutschen nervt?? doch noch zu finden (ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben) sich im Optiker-Geschäft umschaut und gefragt wird, ob es sich um die erste Brille handelt. Verneint man das, folgt die Frage nach den Werten und direkt danach, ob man gerade Kontaktlinsen trägt...als Reaktion dann blankes Unverständnis.


    Das ist mir sowohl bei Fielmann, als auch bei zwei verschiedenen Nicht-Filialisten so ergangen und es wundert mich sehr, da ich bestimmt nicht die Einzige bin, die es mit dem Brilletragen nur bei Bedarf so handhabt und ein Optiker sicher weiß, dass man mit meinen Werten nicht so schlecht sieht, dass ohne Brille gar nichts mehr geht.


    Ob sowas nun als Grund durchgeht oder doch eher als Ausrede zählt, müsste man die Leute fragen, die der Meinung sind, dass man sich dafür rechtfertigen muss, ohne Brille unterwegs zu sein ;-D

    Als Fragestellung, warum man seine Brille nicht trägt, gäbe es viele Gründe, aber dafür eine Ausrede haben zu müssen? ???


    Oft ist es die eigene Eitelkeit, ausser dem tatsächlichen Vergessen, der Unbequemlichkeit, dem nicht zugeben wollens, dass man längst eine neue bräuchte, sie gerade kaputt ist und und und .


    Wozu brauchst Du denn die Ausreden? Neugierig bin :-)

    Zitat

    als Ausrede, dass ich meine Brille oft zuhause vergesse (der Grund dafür ist, dass ich sie selten trage weil ich mich damit nicht wohl fühle

    Aber eigentlich ist das gar keine Ausrede, sondern es stimmt, weil du normalerweise die Brille dabei hättest (für Notfälle)?

    Zitat

    Auch Optiker haben wenig Verständnis dafür, dass manche trotz Kurzsichtigkeit ohne Brille unterwegs sind.

    Da sie ja ständig mit Leuten konfrontiert sind, die ihren Sehfehler mit KL- oder Brillenhilfe auszugleichen versuchen, sollte man für das fehlende Verständnis Verständnis aufbringen (also für das fehlende Verständnis dafür, dass jemand mit -4 Dioptrien - oder wieviel immer - Brille verweigert, aber sich trotzdem in ihrem Geschäft umschaut).

    Zitat

    Aber eigentlich ist das gar keine Ausrede, sondern es stimmt, weil du normalerweise die Brille dabei hättest (für Notfälle)?

    Zumindest hätte ich normalerweise meine Brille im Auto (sofern ich damit dort hingefahren wäre) und könnte sie notfalls bei Bedarf (beispielsweise spontaner Kinobesuch) von da holen. Wenn irgendwas geplant ist, wobei das Brilletragen nötig oder sinnvoll wäre, habe ich sie natürlich dabei (sofern die Tasche mit der Brille nicht zuhause vergessen wurde).


    Unterwegs immer eine Brille griffbereit habe ich allerdings nicht.

    Zitat

    sollte man für das fehlende Verständnis Verständnis aufbringen (also für das fehlende Verständnis dafür, dass jemand mit -4 Dioptrien - oder wieviel immer - Brille verweigert, aber sich trotzdem in ihrem Geschäft umschaut).

    Dafür hätte ich Verständnis, wenn im Gespräch mit dem Optiker nicht bereits zur Sprache gekommen wäre, dass ich bisher beim Brillenkauf noch nicht besonders erfolgreich war ??eine rutscht ständig, bei einer frage ich mich, was an dem Tag los war, dass ich sowas gekauft habe, bei einer anderen komme ich mit den Gläsern nicht klar??, daher mehrere Schubladen-Brillen besitze und immernoch auf der Suche nach der Brille bin, mit der ich mich wirklich anfreunden könnte.


    Zum Titel des Threads passend fiel mir aber gerade noch eine Ausrede (die tatsächlich eine ist) ein, die ich gerne verwende, wenn jemand fragt, wieso ich keine Brille mehr trage: ich brauch' die nicht unbedingt.

    Ich glaube, jeder Mensch, der ernsthaft fehlsichtig ist, stellt sich diese Frage gar nicht erst, weil man im Alltag sonst gar nicht zurechtkäme. Und ich denke, Menschen, die mit "oh, hab ich ganz vergessen!" rumkokettieren können, kommen wahrscheinlich auch ohne Brille ziemlich gut zurecht. Oder sind ein bisschen doof. Wer will schon halbblind durch die Gegend rennen?

    Zitat

    ich brauch' die nicht unbedingt.

    Ich versuche mir immer vorzustellen, in welchem professionellen Kontext das für mich mit 4 Dioptrien stimmen würde. Also bis 2, oder sogar 3, kann ich das für Szenarien mit reiner Computerarbeit vorstellen. Bei 4 Dioptrien nicht mehr, da ich da so nahe an den Bildschirm heranmüsste, dass es auffällig wäre und von der Haltung so aufwändig wäre, dass ich Rücken-, Kopf- und Augenschmerzen bekäme. Kundenkontakt könnte ich mir auch nicht vorstellen, weil ich Leute nicht erkennen würde (oder sehr spät) und mir die Infos besonders aus Mimik so abgehen würden, dass ich sehr verunsichert wäre. Physische Arbeit - ja, wenn es sehr lange repetitiv ist (Teppichknüpfen), aber so etwas gibt es ja in unseren Breiten nicht mehr - alles, was mit größeren Gegenständen und Entfernungen verbunden wäre, wäre unmöglich. Im Bildungsbereich (in der Lehrendenrolle) - das ginge vielleicht noch am ehesten, in der Studierendenrolle vielleicht heute auch, wenn man Skripten und Powerpoints anderweitig, außerhalb des Kurses, zur Verfügung gestellt bekäme.


    Ich habe mich im Jugendalter bis -4 Dioptrien durch die Schule gekämpft, wobei es für mich die Niederlage gewesen wäre, eine Ausrede zu brauchen. Also es ging darum, das Leben so zu organisieren, dass ich in keine Situation käme, in der jemand bemerkt hätte, dass ich nicht gut sehe. Das ging gut, war aber sau-anstrengend (KL waren die Rettung für mein 14-jähriges Ich). Also ich habe Verständnis, wenn jemand nicht Brille tragen will. Und ich würde deshalb nie im Leben irgendjemanden fragen, warum er oder sie ihre Brille nicht trägt oder keine Brille hat. Ich tu mir etwas schwerer mit der Aussage, dass man sie eigentlich nicht braucht, weil ich die Situation mit dieser Stärke ohne zu leben kenne. Und außer die Qualität des Sehens ist trotz derselben Dioptrienzahl sehr unterschiedlich, ist das immer eher überleben als leben.


    Ich habe allerdings eine Kollegin - vielleicht mit etwas höheren Werten (vielleicht an die -5) - die geht auch ohne Korrektur und sagt auch, sie braucht nicht. Sie hält sich in Sitzungen zwar Dokumente 10 cm vors Gesicht, grüßt niemanden, tastet sich an der Wand entlang (OK, sie hat durch MS auch noch eine Gehbehinderung) und lässt sich bei eisigen Verhältnissen auch schon einmal am Arm nehmen, wenn ein Gang in ein anderes Gebäude ansteht. Und sie ignoriert das mitleidige oder verwirrte Lächeln ihrer Umwelt.