Eigentlich muss die Dame das selber merken oder?


    Zumindest auf die Landstrasse anhalten. Jede normal denkende Mensch, weisst dass das gefährlich ist. Erst recht versteckt in eine Kurve


    Man sieht ja nicht unbedingt in die allerersten Sekunde, ob das Auto nur sehr langsam fährt oder steht. Man kann bei Gegenverkehr gar nicht ausweichen.


    Wenn der Hintermann mit 100 über die Landstrasse fährt, könnte es bei so was durchaus Tote geben!

    Meine Frau (die ich erst mit 51 Jahren kennenlernte), ist seit Jahrzehnten nachtblind. Sie weiß es und hat mir gleich gesagt "In der Dunkelheit fahre ich nicht bzw. nur kurze bekannte Strecken mit Straßenbeleuchtung." Klare Ansage, also fahre ich.


    Mein Vater gab im höheren Alter nie zu, dass er auch tagsüber nicht mehr gut gucken kann. Er war altersstarrsinnig und auch eingebildet, dass er niemals krank wird. Nach drei kritischen Situationen habe ich ihm erklärt "Entweder fahre ich, oder du fährst ohne mich." Dass ich fahre, wurde abgelehnt, er fuhr auch nie in meinem Auto als Beifahrer mit, also fuhr er ohne mich, kollidierte irgendwann mit einem Baum, das war es.


    Ebenso meine Mutter, für die das Auto die unverzichtbare Sebstständigkeit war, aber auch sie fuhr in höherem Alter katastrophal fehlerträchtig, sah das überhaupt nicht ein, bis ihr Führerschein von Amts wegen kassiert wurde.


    Es gibt nun mal Nachtblindheit und sonstiges Unvermögen, aber da muss man selbst einsichtig sein, dass es nicht mehr geht! Hat man diese Einsicht nicht, müssen Verwandte etc. dafür sorgen.

    Mir ist noch eingefallen:


    Einmal das fahrerische und Autobedienung, die Fahrschule ist ja vermutlich lange her bei der Frau


    * Bedienung der Leuchtweitenregelung - die macht schon mal einiges aus, wer die falsch eingestellt hat, oft völlig unbewusst


    * Bedienung des Fernlichts - auch wichtig zu wissen, das ändert nämlich sehr viel


    * passende Geschwindigkeit bei Nachtfahrten, Aufzeigen der Konsequenzen auch von zu niedriger Geschwindigkeit


    ==> bisschen Theorie nachholen und dann 3-4 Fahrschul-Nachtfahrten im Fahrschulauto, und dann erklärt der Fahrlehrer das noch mal am eigenen Auto => das kann der Frau auch viele Erkenntnisse bringen


    Die technische Seite:


    * Scheinwerfereinstellung - die Grundeinstellung wird bei der HU überprüft, lohnt sich aber trotzdem nochmal zu checken, wenn jemand da selbst dran rumdreht oder zwischendurch in der Werkstatt war


    * Zustand der Scheinwerfer (Streuscheiben, Reflektoren, Leuchtmittel an sich) -> alte Scheinwerfer werden da auch blind, sowas kann man messen


    Falls sie einen Autowechsel in Betracht zieht, kann man dem Punkt Licht auch mal mehr Beachtung schenken. Es gibt Fernlichtassistenten, es gibt adaptive Lichtautomatiken die besser ausleuchten, inzwischen auch bei Kleinwagen/Kompaktklassewagen. Kann man probieren, ob sich das wirklich besser damit anfühlt.


    Mir war das wichtig, das zu ergänzen. Und nicht nur völlig einseitig auf den Gesundheitszustand der Frau einzugehen.

    Zitat

    Maerad


    Ich finde schon, dass man diplomatisch anfangen sollte...

    In dem Fall vielleicht nichtmal. Ich würde ihr sogar von vorneherein ganz kategorisch verbieten, im Dunkeln nach Hause zu fahren. Das wäre ehrlicher. Auch das kann man ja nett sagen.


    "...aber du fährst nicht nachts nach Hause. Das kommt überhaupt nicht in Frage. Keine Diskussion!"


    Du darfst und willst es ja auf keinen Fall zulassen. Dann sags auch gleich direkt.


    Ich persönlich wäre eher beleidigt, wenn mich jemand diplomatisch und durch die Blume zu etwas bewegen will. Da fühl ich mich verschaukelt und nicht ernst genommen.

    Es ist fahrlässig sojemanden nachts fahren zu lassen. Sie scheint ja selbst die Auswirkungen kaum überblicken zu können... Was hilft das, wenn man hier an die Vernunft appelliert wenn diese anscheinend nicht vorhanden ist? Hier werden Menschenleben gefährdet und das ist schlicht nicht ok...

    Ich bin auch jemand, der hier ganz klar die Risiken und die Notwendigkeit zum Handeln sieht. Man kann aber auch mit Samthandschuhen deutlich werden, denn Verletzung, Abwertung etc. helfen hier nicht weiter, sondern führen eher zu Trotz.


    Man muss sich mal vor Augen führen, dass da Menschen eine jahrzehntelang bestehende Fähigkeit abgeben sollen. Wer von uns würde das machen, wenn man das unsensibel erzwingt?


    Mein Vater ist aktuell leider auch so ein Kandidat. Wir haben es mit Härte und Deutlichkeit versucht; keine Chance. Ich war nun etwas näher dran und habe einie Situationen erlebt - und ihm die dann sehr ruhig und deutlich einen Tag später rückgemeldet. Mehrfach. Mittlerweile ist er einsichtig, fährt abends keine längeren Strecken mehr und gibt auch in der Stadt häufiger die Schlüssel an meine Mutter ab. Er, der als Außendienstler über 25 Jahre rd. 50.000 km im Jahr gefahren ist. Fremde Großstädte ohne Navi,... Das ist ein bitterer Schritt für ihn, diesen Fähigkeitsverlust zuzugeben. Wir sind froh, dass er die Kurve bekommt - denn ich stand kurz davor, die Polizei zu informieren und ihm den Führerschein wegnehmen zu lassen. Die Strecken, die er tagsüber in der Kleinstadt noch fährt, fährt er gut und sicher, in angemessenem Tempo.

    Na da ist ja einiges dazu gekommen :-)


    Mit diplomatisch meine ich keine Samthandschuhe, sondern einfach kein "Du kannst das nicht mehr also lass das, sonst zeig ich dich an". Sie ist eine erwachsene Frau, das sollten wir nicht vergessen. Da kan man erstmal auch erwachsen mit reden. Sollte man damit nicht weiterkommen, dann kann man immer noch den Ton ändern. Durch die Blume habe ich gar nichts vor zu sagen, ich habe nicht vor um den heißen Brei zu reden. Man kann Dinge beim Namen nennen ohne laut patzig zu werden, mit Ruhe und Sachlichkeit.


    Ich würde gerne einige hier sehen in 40, 50 Jahren, wenn jüngere Generationen versuchen erzieherisch einzuwirken. Das würde ich mir verbitten, aber rigoros.


    Man sollte das Thema ernst nehmen ja, und auch den Vergleich mit der Alkoholfahrt ist durchaus angebracht und zeigt mir deutlich auf, dass ich es definitiv sagen muss. Aber im Umgang unter Menschen bin ich es nicht gewohnt und würde das auch für mich selbst nicht wollen, wenn jemand wie eine Furie auf mich losgeht. (so klingen zumindest einige Beiträge).


    Aber gut, dass sei die Meinung und die Vorgehensweise dieser User und auch das ist ok, ich muss diese Ratschläge ja nicht umsetzen.


    Ich danke allen, die hier teilnehmen, denn so bekommt man für sich eine Idee wie man es angehen wird und auch wie auf keinen Fall. @:)

    :)=


    Was mir noch aufgefallen war: du nennst sie "recht resolut". Ich würde sagen, resolute Menschen sind selbst nicht ganz so empfindlich, die können einen direkteren Ton schon ab. Brauchen ihn vielleicht sogar. Ein starkes Gegenüber. Nicht vorwurfsvoll, aber in der Sache deutlich.

    Okay, ich habe mal wieder eine etwas andere Sicht der Dinge, als die meisten :-D


    Meiner Meinung nach hat man als Angehöriger nicht das Recht, jemandem "vorzuschreiben", dass er nicht mehr fahren darf. Ich finde solche Vorschläge mit zur Polizei gehen etc in höchstem Maße übergriffig. Der Kandidat muss einfach selbst einsehen, wenn es nicht mehr geht, alles andere passt nicht zu meinem Bild von einem erwachsenen, mündigen Menschen. Ich möchte zB meine Eltern mit Respekt behandeln und werde sie nicht zu unmündigen Menschen degradieren. Klar, mag das weh tun, und es ist nicht schön, wenn man das mit ansehen muss (würde das mit Alkoholabhängigen vergleichen, denen kann man auch erst helfen, wenn sie es wirklich selbst einsehen).


    Ich finde, hier ist ganz klar der Gesetzgeber gefragt. Es sollte für ALLE Autofahrer (unabhängig vom Alter) regelmäßige Fahrtüchtigungsüberprüfungen geben. Und diejenigen, die es körperlich oder mental nicht mehr können, sollten dann die Fahrerlaubnis abgeben müssen.


    Ehrlich gesagt sind ältere Menschen eine Gefahr - ganz klar - aber imho doch meist leider in erster Linie für sich selbst. Unschuldige sehe ich von ganz anderen Kandidaten mehr gefährdet als von dem 80-Jährigen, der mit 40 durch die Stadt kriecht.


    Landstraße langsam fahren ist scheiße ja, aber man bekommt schon in der Fahrschule gesagt, dass man JEDERZEIT damit rechnen muss beim Fahren, dass hinter der Kurve ein Hindernis, welcher Art auch immer lauert. Da muss man als mündiger Fahrer entsprechend seine Geschwindigkeit anpassen.


    Was auch viele anscheinend gerne vergessen, Höchstgeschwindigkeiten sind tatsächlich HÖCHSTgeschwindigkeiten, nicht Mindestgeschwindigkeiten. Die gibt es nicht, selbst auf Autobahnen nicht :-D

    Ja das sollte man meinen, meine Erfahrung ist, dass genau die, die recht unbefangen mit ihren Worten sind umso emfpindsamer reagieren, wenn ihnen Kritik zuteil wird. Ich weiß, dass sie es persönlich nehmen wird, ich weiß, dass sie das nicht mögen wird.


    Aber da müssen wir jetzt beide durch.


    Ich habe sie gerade angerufen, ihr gesagt, dass wir ja morgen telefonieren wollten, ich aber gerne etwas mit ihr besprechen möchte, was sehr persönlich ist. Ich sagte ihr, dass es ein Thema sei, was am Telefon aufgrund fehlender Mimik evtl. schiwerig werden könnte. Sie lud mich spontan zum Brunch ein. Also fahre ich morgen gegen 11 Uhr zu ihr und rede von Angesicht zu Angesicht.


    Sie war ganz ruhig und irgendwie nicht überrascht, fragte auch nicht nach. Ich denke, sie weiß bereits worum es geht, sie kennt mich ja nun auch. ;-)

    Zum Thema konkret: Ich würde an Deiner Stelle mit Deiner Patentante sprechen und ihr sagen, dass Du Dir Sorgen machst und sie das Fahren abends Deiner Meinung nach lassen sollte. Mehr kann und sollte man da meiner Meinung nach nicht tun, außer dem, was Du schon gemacht hast - Übernachtungsmöglichkeit anbieten. Sie muss das selbst wissen. Dir steht es natürlich frei zu sagen, dass Du nicht mehr bei ihr mitfahren möchtest.

    @ StatusQuoVadis:

    Danke auch für Deine sachlichen Beiträge.


    Ich finde das schwierig, eine Alkoholfahrt traut fast jeder sich zu unterbinden und das sollte auch wirkolich angezeigt werden. Aber ist es strafbar nachts schlängelnd auf Lanstraßen zu fahren, weil man nichts sieht? Schwierig. Ich finde die Idee auch gut regelmäßig, sagen wir ab 60 Sehtests und Reaktionstests zu machen. Das hat für mich nichts mit Diskriminierung zu tun.


    Sonst könnte man ja auch 12jährige bereits fahren lassen, da es sonst auch eine "Altersdiskriminierung" wäre...;-)


    Das mit den Höchstgeschwindigkeiten ist schon klar, aber stehen bleiben ist für mich eine andere Hausnummer. Ich saß ja mit drin (und nein beim nächsten mal würde ich tatsächlich nicht mehr einsteigen sondern entweder selbst fahren oder (wenn ich denn doch einen Wein trinken möchte) ein Taxi rufen.). Ich jedenfalls konnte die Straße und ihre Begrenzung gut erkennen.


    Es ist ja schon bezeichnend, dass sie selbst sagt sie fähr nicht (mehr) gern im Dunkeln, also weiß sie, dass das nicht mehr so ist wie früher.

    @ Pythonist

    Dein Aspekt der technischen Seite ist durchaus relevant. Gerade stand in der Zeitung, dass bei der (für 2017 gerade zu Ende gegangenen) kostenlosen Beleuchtungsprüfaktion des KFZ-Handwerks rund 1/3 aller untersuchten Fahrzeuge Mängel zeigte. Es dürften real noch viel mehr sein, denn wer sich sonst wenig um den Fahrzeugzustand kümmert, nimmt auch nicht an dieser Aktion teil. Mir kamen allein gestern in der Dämmerung vier solche Lichtspezis entgegen: Ein Hauptscheinwerfer finster, der andere wirkte wie stark gedimmt (also Massefehler oder schwarzer Kolben), und als Kompensation leuchteten die Nebelscheinwerfer (die aber eine ganz andere Strahlcharakteristik als Abblendlicht haben).


    Deine Ideen wie Fernlichtassistent mögen gut sein, setzen aber Kauf eines neueren/neuen Autos voraus.

    Zitat

    Ich finde das schwierig, eine Alkoholfahrt traut fast jeder sich zu unterbinden und das sollte auch wirkolich angezeigt werden.

    Ja, das sehe ich genauso. Ich wäre auch für die 0,0 Promille-Grenze. Für alkoholisiertes Fahren gibt es zum Einen Gesetze, die das regeln und zum Anderen ist das ein selbstverschuldeter, kurzzeitiger Zustand des Nichtkönnens, wo man sehr fahrlässig handeln würde, sich an das Steuer zu setzen. Ein alkoholisierter Mensch ist in meinen Augen nicht mehr voll mündig. Deshalb hätte ich da auch weniger Hemmungen, ihm Grenzen zu setzen. Alkoholisierte Fahrer neigen außerdem auch eher dazu, zu schnell+riskant zu fahren, als zu kriechen ;-)


    Aber da hat der Gesetzgeber ja auch klare Grenzen gesetzt. Es geht also anscheinend. Dann sollte es diese auch für ältere Menschen geben. Das ist nur in meinen Augen nicht Sache der Angehörigen.

    Zitat

    Aber ist es strafbar nachts schlängelnd auf Lanstraßen zu fahren, weil man nichts sieht? Schwierig. Ich finde die Idee auch gut regelmäßig, sagen wir ab 60 Sehtests und Reaktionstests zu machen. Das hat für mich nichts mit Diskriminierung zu tun.

    :)^

    Zitat

    Aber ist es strafbar nachts schlängelnd auf Lanstraßen zu fahren, weil man nichts sieht?

    Strafbar nicht, aber verboten. Du musst fahrtauglich sein, wenn du fährst, so einfach ist das. Und ja, ich sehe, dass es schwierig ist, sich in die Angelegenheiten eines anderen einzumischen. Aber ich würde es dennoch tun, einfach, weil ich nicht will, dass jemand aus meiner Familie nachher schuld ist, wenn andere verunglücken bzw. sterben.


    Und ja, ich denke, ich würde mich selbst als 70-80jährige wehren, wenn man mir so begegnen würde. Aber ich würde mir trotzdem wünschen, dass man mir die Verantwortung für solche Dinge entzieht, wenn ich selbst nicht mehr verantwortlich genug bin, selbst die Grenzen zu erkennen. Genau deshalb hoffe ich ja darauf, dass wir viel strengere gesetzliche Regeln entwickeln, die es mir in meinem älteren Ich einfach verbieten werden, da nur aus Eigeninteresse zu entscheiden.

    Und, entschuldige liebe TE, aber stell dir die Frage doch noch mal selbst: Darf man in Deutschland Autofahren, wenn man nichts sieht? Die Antwort darauf kannst du dir doch selbst geben, oder? Ich glaube, das fällt dir (und jedem anderen) einfach nur deshalb schwer, so "hart" zu urteilen, weil deine Patentante ne liebe und nette Person ist.


    Aber das spricht ihr ja auch keiner ab! Fahren, wenn man nichts sieht, ist aber dennoch nicht erlaubt.