Schwierigkeiten mit Brillenfolie – Okklusionstherapie

    Hallo,


    Wir haben jetzt testweise so eine trübe Brillenfolie für unseren Sohn bekommen. Bisher hatten wir stundenweise mit Pflastern angeklebt.


    Allerdings fällt mir jetzt auf, dass das Auge mit der Folie stark zu schielen anfängt...


    Auserdem klagt mein Sohn über verschwommenes Sehen! Ist das Anfangs normal?


    Hat vllt schon Jemand Erfahrungen mit diesen Brillenfolie oder sonstige Tips?


    Danke schon im Voraus ;-)

  • 20 Antworten

    **Hallo Libori,**


    ich habe bei meinem Sohn auch 5 Jahre lang immer im Wechsel diese Folien anwenden müssen. Bei ihm war es die ersten Tage so, dass er solche Probleme nur auf dem rechten Auge hatte (wenn das rechte abgeklebt war). Nach ein paar Wochen Wechseltherapie war aber alles in Ordnung?


    Schielt Dein Sohn beidseitig und wie alt ist er?


    Liebe Grüße

    In dem Alter sollst Du noch Kleben? Mein Sohn ist zwei Mal operiert, inzwischen 12 1/2 und macht täglich lediglich Augenübungen, damit ihm das Wechseln des "sehenden Auges" in Fleisch und Blut übergeht/bleibt.


    Soviel ich weiß, macht das Kleben in diesem Alter gar keinen Sinn mehr. Auch ist es die Frage, ob ein Kind in diesem Alter (vorpubertär) es sich überhaupt "antut", ein auge verklebt zu haben? Zieht Dein Sohn das tatsächlich durch? Meiner hat schon mit 10 einen regelrechten Horror davor gehabt, vielleicht mal wieder kleben zu müssen. Aus diesem Grund macht er auch freiwillig das Training ganz konsequent morgens und abends im Bad.


    Ist Dein Sohn auch operiert?

    Ja doch das Kleben hat eigentlich meistens ganz gut geklappt. Waren ja auch nur ein paar Stunden am Nachmittag. Und Erfolg hat es auch noch. Also wir konnten die Sehkraft wieder gut steigern...


    Die Orthoptistin war zufrieden und wollte ihn halt mit der Folie entlasten... Die Folie ist ja auch nicht wirklich auffällig, aber das das Auge darunter jetzt so schielt, sieht man halt schon deutlich :( Und ich glaube das könnte in der Schule ein Problem werden...


    Ja operiert wurde er auch, mit 6.

    Wenn damals das linke auge auch operiert wurde und er vor der Op ein Außenwinkel-Schielen hatte, dann würde ich vermuten, dass eine Nach-Op nötig geworden ist.


    Bei meinem Sohn wurde die zweite Op nötig, weil bei der ersten die Muskeln nur überlappend eingekürzt wurden. 3 Jahre später war erst die eine Naht aufgegangen und dann kurz danach die andere, so dass er auf beiden Seiten erneut operiert werden musste.


    Ich will Dir/Euch keine Angst machen. Ich berichte nur meine Erfahrungen und kann natürlich nicht beurteilen, ob es bei Deinem Sohn anders ist/sein kann. Aus heutiger Sicht würde ich mir eine zweite Meinung holen. Leider war bei meinem Sohn die erst Orthoptistin nicht sehr klug und die erste Klinik war auch nicht ok.


    Damals wollte man mir sogar einreden, dass mein sohn gar nicht schielen würde bzw. sich das Schielen noch "verwachsen" würde. - Welch ein schwachsinn von einer angeblichen Fachkraft? Die zweite Orthoptistin hat uns direkt in eine Klinik geschickt. Leider war es dort eine Massenabfertigung, so dass bei meinem Sohn die falsche Methode gewählt wurde.


    Die Nach-Op war von Anfang an klar, nur der Zeitpunkt konnte eben knappe 4 Jahre hinausgeschoben werden.

    Nein damals wurde nur das Rechte Auge operiert. Ich hoffe nicht, dass wirklich eine Op nötig wird... Wir hatten ja mit den Pflastern auch prima Erfolg, nur für den Sommer schlug die Orthoptistin jetzt die trübe Folie vor. Ich bin jetzt ziemlich unsicher :( Sollen wir die Folie drauf lassen, oder wäre Kleben dann doch die beste Lösung? Hat bei Euch das Folietragen denn Erfolg gehabt und wie hat es Dein Sohn so aktzeptiert?

    Als wir kleben mussten, ging es mit Folie besser, als mit diesen Pflastern. Er war aber ein harter Kampf, bis er es akzeptiert hatte. Spätestens zu dieser Zeit habe ich graue Haare gekriegt, aber ich war absolut konsequent.


    Die Frage ist ja, ob Dein Sohn wirklich so schlimm und von Geburt an geschielt hat? Wenn dem so ist, dann guckt er sowieso nur mit einem Auge, da das Gehirn nie gelernt hat mit beiden Augen zu kommunizieren. Ein "normaler" Mensch guckt ja mit beiden Augen gleichzeitig. Er hätte Doppelbilder, wenn er schielt. Ein Schielkind guckt nur mit einem Auge. Seine 3-D-Bilder sind reine Erfahrungen aus dem täglichen Leben, aber NEIMALS richtige 3-D-Bilder. Das kann man auch ganz leicht mit sogenannten Suchbildern testen, wo Dein Sohn tatsächlich steht. Ein echtes Schielkind findet bei diesen Bildern nie das gesuchte Objekt.


    Der nächste Punkt ist die Frage, wie groß ist der Unterschied in der Sehkraft der beiden Augen? Bei 0,5 Dioptrin sollte man sich keine Sorgen machen. Kaum ein Mensch sieht mit beiden Augen gleich gut. Jeder hat ein "Lieblingsauge".


    Ich würde an Deiner Stelle den Jungen einfach fragen, was ihm lieber wäre. Wenn ihm Pflaster besser bekommen, dann würde ich diese auch nehmen. Der gewünschte Effekt ist derselbe. Ob Folie oder Pflaster ist eigentlich nur eine kosmetische Frage, da die Folie diskreter ist.

    Um Deine eigentliche frage zu beantworten: Wir mussten nur bis zur zweiten Op überhaupt kleben. Inzwischen braucht mein Sohn auch keine Brille mehr.


    Heute sehen nur noch "Insider", dass er eigentlich schielt. Ganz wichtig ist aber das Augentraining, damit er weiterhin ständig die Augen wechselt. Hier gilt: Wer rastet, der rostet!


    Ich glaube, dass Dein Sohn genau deshalb wieder kleben soll. Er wechselt offensichtlich nicht ständig das auge, sondern er guckt immer nur mit dem linken Auge. Wurde dein Sohn denn zum Augentraining geschult?

    Ja er hat von Geburt an und recht stark geschielt. Ein 3D Sehen ist auch nicht vorhanden... Aber der Unterschied zwischen den beiden Augen ist mit über 3 Dpt doch hoch. Deswegen auch das Abkleben.


    Naja wirklich lieber sind ihm die Pflaster auch nicht. Aber es kam einfach nach der Schule drauf... Es war so üblich und er hatte sozusagen keine Wahl ;-)


    Aber mit dem auffälligen Schielen unter der Folie möchte ich ihn morgen wirklich nicht gerne zur Schule schicken :(

    3 Dioptrin sind bei Kindern nicht viel, aber mit 12 wird es dann doch ziemlich bedenklich. In diesem Fall würde ich eher zum Pflaster raten, weil ja noch "Restlicht" durch die Folie kommt. Er versucht unbewusst wahrscheinlich trotzdem durch die Folie zu gucken und darum schielt er jetzt mit dem linken Auge. Das Auge "will" an der Brille vorbei sehen.


    Darf ich fragen, woher Du kommst? Wenn es eine Großstadt ist, dann würde ich tatsächlich die Orthoptistin mal wechseln. Mein Sohn hat, ähnlich wie bei einer Physio-Therapie nach der letzten Op alle zwei Tage ein richtiges Training in einer Gruppe erlernt. Es klingt lustig, aber die haben richtige Augengymnastik gemacht. Einige Übungen habe ich mir inzwischen für meine Computer-Arbeit abgeguckt. Inzwischen kriege ich kaum noch Kopfschmerzen vom Pc.


    Bestimmt findet man auch im I-Net solche Übungen. Ich würde mal googeln.

    Ja das klingt Alles sehr plausibel ;-)


    Ich glaube ich werde ihn gleich wieder zum Pflaster "überreden" wenn er nach Hause kommt...


    Meinst Du denn, dass einige Stunden nachmittags reichen? Weil die Orthoptistin die Folie ja jetzt auch zur Schule, also ganztags verschrieben hat...


    Aber das mit den Übungen klingt wirklich klasse. Da werde ich am Ball bleiben! Wir kommen übrigens aus Paderborn, also keine wirkliche Großstadt :D

    Ich würde ihm auch erst einmal das Pflaster ganztäügig geben. Das Auge muss erst einmal wieder aufhören nach außen zu rutschen, dann kann man auf einige Stunden am Tag reduzieren.


    Vielleicht würde ich auch erst einmal ein paar Tage einfach das rechte Auge abkleben, damit er sich linkst wieder stabilisiert und dann erst das linke komplett abkleben?


    Fakt ist, dass er trainieren muss und dass das linke Auge ein "Eigenleben" führt. Es gilt in meinen Augen jetzt, das linke Auge zur Ordnung zu rufen und dann das rechte Auge in der Sehkraft zu trainieren. So würde ich es bei meinem Sohn machen.

    Leider muss ich mich gleich ausklinken. Falls Du noch Fragen haben solltest, dann stell sie mir bitte per Pn. Ich bin manchmal tagelang nicht hier, aber meine Mails rufe ich täglich ab.


    Einen schönen Sonntag noch und alles Gute für Dich und Deine Familie

    Wie auch hier in diesem Faden zu lesen wird die Dioptrienzahl leider immer wieder mit der durch das schielen entstehenden Amblyopie gleichgesetzt ! ! ! Die Gleichsetzung der Dioptrienzahl mit der Amblyopie (Fachausdruch für eine mit nichs korrigierbaren Sehschwäche) ist das fatalste was es beim schielen überhaupt geben kann, nur leider tun dies die meißten Eltern ! ! !


    Die Hauptursache des schielens ist die Benachteiligung eines Auges gegenüber dem anderen, meißtens lediglich durch zwei ungleiche optische Brechungsfehler bedingt. (z.B. linkes Auge +3, rechtes Auge +4 Dioptrien). Das benachteiligte Auge wird vom Gehirn zur Unterdrückung von Stöbildern einfach ignoriert, sozusagen abgeschaltet und es wird vom Gehirn nur noch das bessere Bild des "besseren" Auges verarbeitet. Dies führt, insbesondere wegen den Brechungsfehlern welche fast immer im Plusbereich liegen in der Regel zum Innenschielen. Jetzt würden im Grunde sogar Doppelbilder entstehen, durch die Abschaltung des "schlechteren" Auges ist dies allerdings nicht der Fall.


    Das abgeschaltete Auge wird in der Folgezeit leider nicht richtig mit dem Sehzentrum des Gehirns verschaltet wodurch eine funktionelle Einäugigkeit resultiert. Das schlechtere Auge kann nur dann schlecht sehen wenn es durch abdecken des guten zum sehen gezwungen wird was im Grunde auch schon die einzige Therapie darstellt, nämlich es zum sehen zu zwingen um somit eine Verschaltung im Gehirn zu erreichen. Unbehandelt resultiert ansonsten eine lebenslange funktionelle Einäugigkeit.


    Die Brille ist unabdingbar um die Brechungsfehler zu korrigieren was meißt auch den Schielwinkel erheblich reduziert oder sogar ganz aufhebt, nützt allerdinigs definitiv nichts gegen die Amblyopie welche wiederum einzig und alleinie durch abkleben gebessert werden kann.


    Eine wirkliche Zusammenarbeit beider Augen wird in der Regel jedoch nicht mehr erreicht, meißt lediglich ein wechselseitiges sehen, jedoch bei beidseitig guter Sehfähigkeit.


    Die Dioptrienzahl sagt definitivstens nichts über die Amblyopie aus.


    Mit zunehmendem Alter wird die Dioptrienzahl meißt geringer womit die Eltern meißt denken daß alles in Ordnung sei, die Amblyopie kommt dann erst wieder beim Führerschein aufs Trapez.


    Kleben gegen die Dioptrienzahl - Oh nein, wer sowas denkt muß noch viiieeel lernen !!!

    **Hallo NicolaiNicolai,**


    gegen Deine Aussagen lege ich ein teilweises Veto ein.


    Auf Grund einer massiven bakteriellen Bindehautentzündung musste nach der ersten Op meinem Sohn für fast 3 Monate das "bessere Auge" abgeklebt werden. Es traf völlig zu, dass seine Sehkraft unter dem Abkleben massiv gelitten hat. (s. "Wer rastet, der rostet.") Plötzlich hatte er um 2 Dioptrien schlechtere Werte auf dem besseren Auge.


    Mir wurde auch gesagt, dass ein Kind, welches von Geburt an geschielt hat, **niemehr** gleichzeitig beidseitig sehen wird, weil es das Gehirn von Anfang an "gelernt" hat nur ein Auge wahrzunehmen. Der oder die Betroffene kann es aber lernen bewusst wechselseitig zu gucken und genau dafür ist das Augentraining gedacht. Der "Trick" besteht darin, dass mein Sohn sehr wohl beide Augen "mitnimmt", wenn er leicht seitlich etwas erfassen will. Gemeinsames Augenrollen klappt auch. Es mag sein, dass die Masse ein Innenschielen aufweist. Im Falle meines Sohnes war es ein Innen- und Außenschielen. Mein großer Neffe hat auf der einen Seite ein Innenschielen gehabt, auf der anderen Seite ein Außenschielen.


    Es ist auch gut möglich, dass es verschiedene Ursachen für´s Schielen gibt. In unserer Famillie wird vermutet, dass es an den jeweiligen Entbindungen liegt, da mein Neffe eine schwere Zangengeburt war und mein Sohn erst nach 3 h (!) Presswehen auf der Welt war. Beide Kinderneurologen haben es sofort vermutet, dass die Augenmuskeln "ein Ding mitgekriegt" haben. GsD war es so, denn Sauerstoffmangel im Gehirn wäre viel schlimmer gewesen.


    Dass +3 Dioptrien bei weitem nicht so schlecht einzustufen sind, wie bei einem Erwachsenen, ist natürlich klar. Solche Werte haben auch oft Kinder, die eine ganz normale Brille brauchen.


    Was ich sagen will ist, dass ein untrainiertes Auge sehr wohl an Sehkraft verliert. Mit Sicherheit wird es nicht erblinden, aber die Sehkraft lässt doch deutlich nach - wie in unserem Fall bewiesen.


    Eine Freundin hat übrigens ein Mädchen, welches auch beidseitig schielt, aber gar keine Brille braucht. Ihr wird das Auge mittels Fenster-Glas-Brille abgeklebt. Sie mit ihren 6 Jahren leider auch schon 2 mal operiert, hatte aber in meinen Augen absolut keinen Erfolg. Im Gegenteil. Für meine Begriffe ist sie überkorrigiert.


    Viele liebe Grüße