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    Zusammenhang Sehkraft im Sehtest und Legasthenie

    Situation:

    Mann, Anfang 50, Lese-Rechtschreib-Problematik seit der Kindheit, keine offizielle Legasthenie-Diagnose, wirkt nach außen aber so. Es wurde allerdings auch übersehen, dass eine starke Weitsichtigkeit vorliegt.

    Seit Jahren Verschlechterung der Sehkraft, v.a. im Nahbereich. Nun Feststellung, dass eine Gleitsichtbrille erforderlich ist.

    Mit dieser neuen Brille ergibt sich nun folgendes Bild:

    Sehtest mit Buchstaben liefert monokular eine Sehkraft von 50 bzw. 70; binokular 80. Dieses Ergebnis wurde nun im Kontext mit beruflicher Tauglichkeit problematisch. Es wurde nun erneut getestet; statt Buchstaben-Sehtest nun aber mit den Landolt-Ringen, die eigentlich ja sogar als schwieriger gelten. Ergebnis: Binokular 100 Prozent, also volle und mehr als ausreichende Sehkraft.

    Im Zusammenhang mit dieser 2. Testung wurde am selbern Gerät, selber Untersucher, selber Raum/Zeit BEIDES getestet und die verblüffenden Unterschiede lassen sich somit auch nicht auf andere Faktoren schieben.


    Kurzum:

    Gibt es Erfahrungswerte bzgl. Legasthenie oder Sehfähigkeit allgemein, die dieses Phänomen (schlechtere Sehkraft bei Buchstaben-Test) erklären können?

  • 8 Antworten
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    Interessante Beobachtung. Direkte Erfahrungswerte im Sinne von vergleichbaren Messungen in beiden Testsystemen kann ich nicht bieten, nur ein diffuses Klicklick beim Lesen deines Beitrags.


    Wenn ich mir die Auswertung des Tests beim Beobachten richtig zusammengereimt habe, kommt es nicht nur auf die richtige Antwort sondern auch auf die Antwortzeit sowie Geschwindigkeit an. Wenn das stimmt kann ich mir sehr gut vorstellen, das "rechts", "links", "oben", "unten" viel schneller im Kopf umgesetzt wird als "ist das nun ein 'P', ein ' R' oder vielleicht doch ein 'D'" oder noch schlimmer mit den Kleinbuchstaben q,p,b,d.


    Bin selbst Legastheniker.

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    Schließe mich Larus da an. So würde ich mir den Unterschied auch erklären.

    Was allerdings bedeutet, dass die Sehschwäche im Bezug auf 'schnelleres lesen' nicht zu beheben/verbessern ist. Als 'normal Kurzsichtige' ohne Legathenie kann ich ohne Brille noch durch die Form interpretieren - mitunter dadurch dass das Gehirn ja fehlendes durch Erfahrung ersetzt. (So wie man auch 8E5EN als das Wort in einem bestimmten Kontext auch als BESEN lesen kann)

    Ich schätze das ist bei Legasthenie nicht so gegeben, weil das Gehirn es einfach nicht macht.

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    Sunny_3176  

    Analphabetimus ist VÖLLIG ausgeschlossen. Es ist ein Mensch mit mehreren Berufsabschlüssen im technischen Bereich, Weiterbildungen, Meistertitel. Aber eben eher langsames Lesetempo, wobei auch schwierige Texte (anspruchsvolle Zeitungen etc.) gelesen und verstanden werden. Schriftkram und Formalien eigenständig, aber gehemmt aufgrund der Rechtschreibfehler, die halt immer wieder passieren. Lässt Briefe (wenn wichtiger) Korrekturlesen bzw. profitiert sehr von Rechtschreibkorrektur am PC. Das Gespür, wann ein Wort "falsch" aussieht, fehlt irgendwie.


    Bearbeitungszeiten bei psychologischer Eignungstestung sind extrem schnell und gut, wenn es um Figuren etc. geht. Bei zwei quasi gleichen Wörtern ("Wasserweg" / "Wasserwäg") den Unterschied zu finden, kostet hingegen relativ viel Zeit.


    Larus :

    Nein, es erfolgte keine Erkennung unter Zeitdruck. Sondern lediglich die optische Überprüfung, ob Dinge noch erkannt werden. Er hatte alle Zeit der Welt, sowohl bei den Buchstaben als auch den Landolt-Ringen.


    @ Eleonora:

    Ich erkläre mir das Ganze eben auch mit den allg. Problemen bei der Buchstabenerkennung. Dieses "Wort zusammenreimen" bei Ersetzungen und Verdrehungen gelingt dieser Person nur äußerst mühsam, wenn überhaupt.

    Letztlich ging es auch nicht um Verbesserung des Lesetempos (das ist halt so und war 50 Jahre kein Problem). Angesichts wirklich starker Brillengläser und der im ersten Anlauf nicht bestandenen betriebsärztlichen Untersuchung (mit entsprechend drohenden, negativen Folgen für Job & Existenz) war es einfach nur verblüffend, dass bei Buchstaben der Visus nicht ausreichte (und man somit annahm, die Sehkraft ist miserabel) - und bei den Landolt-Ringen dann ein perfektes Ergebnis resultierte mit dem Fazit, dass die Sehkraft gar nicht das Problem ist. Da muss man ja auch irgendwie erstmal drauf kommen...

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    Zitat

    Da muss man ja auch irgendwie erstmal drauf kommen...

    Das war ein Betriebsarzt oder eine Augenärztin? Bei Letzteren müsste man erwarten, dass sie auf so etwas kommen, weil sie wahrscheinlich sehr häufig damit konfrontiert sind. Besonders bei Kindern, die Schreib- oder Leseprobleme irgendwelcher Art haben, wird doch sofort auch eine Augenärztin konsultiert. Und die müssen doch grundsätzlich sensibel für die Frage sein, ob jemand eine Seh- oder eine Leseschwäche hat.


    Ich habe einmal zufällig eine Untersuchung eines Mädchens mit dieser Problematik miterlebt (zufällig, weil ich bei einer Netzhautuntersuchung fast bewusstlos wurde und dann fünf Minuten länger auf dem Bett in der Praxis mit hochgelagerten Beinen liegen blieb). Die hat sehr viele Buchstaben falsch gelesen. Aber da sich das weder mit Korrekturen änderte, noch große Korrelationen mit der Schriftgröße bestanden (also die hat sich bei größeren Zeilen beinahe ebenso oft geirrt wie bei kleinen), hat die AA geschlossen, dass es mit den Augen nichts zu tun hätte.

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    Es war ein betriebsärztlicher Dienst. Extern, vom Arbeitgeber mit der Untersuchung (relativ umfassend nach best. Richtlinien des Berufsfeldes) beauftragt. Also die erste Untersuchung, wo der Visus nicht ausreichte.

    Man schlug als "Problemlösung" dann vor, ein Attest vom Arzt oder Optiker einzureichen - und die verblüffende Testung erfolgte beim Optiker. Augenarzttermin erst in mehreren Monaten möglich (und somit zu spät). Und die Optikerin (allgemein eigentlich wirklich kompetent) war verblüfft - hat aber immerhin ihrerseits selber die Landolt-Testung initiiert.

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    Sunflower_73 schrieb:

    Larus :

    Nein, es erfolgte keine Erkennung unter Zeitdruck. Sondern lediglich die optische Überprüfung, ob Dinge noch erkannt werden. Er hatte alle Zeit der Welt, sowohl bei den Buchstaben als auch den Landolt-Ringen.

    Ich meinte nicht Zeitdruck, der das Gehirn stresst und die Leistungsfähigkeit mindert, sondern das die Antwortgeschwindigkeit in das Ergebnis mit einfließt.

    Wenn zwischen den einzelnen genannten Buchstaben mehrere Sekunden vergehen, kann das so wirken, als müsse man sich anstrengen und genauer hinsehen. Wenn man lange schaut und ein wenig kneift sieht man meist mehr als, wenn man direkt nach dem ersten Blick antwortet. Meine Erfahrung und Interpretation. Natürlich ohne Garantie.

    Wenn man mit Buchstaben eh unsicher und wenig intuitiv umgeht, braucht man vielleicht auch mehr Details für eine sichere Zuordnung als bei einem Kreis, der bis auf die Lücke immer gleich aussieht.

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    Es wurde ja lange geschaut, aber einfach zu wenig klar erkannt. Zu viele Fehltreffer, zu viele Buchstaben falsch. Ohne jeglichen Druck. Es wurde regelrecht nicht gut gesehen. Egal wie viel Zeit er sich genommen hat.

    Bei den Landolt-Ringen kamen die Antworten hingegen wie aus der Pistole geschossen - und ohne jegliche Fehler.