Anerkennung einer Schwerbehinderung - wie geht es jetzt weiter?

    Liebe Community,


    im Oktober habe ich beim Versorgungsamt einen Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis gestellt, da bei mir diverse chronische Erkrankungen vorliegen.


    Letzte Woche erhielt ich nun einen Bescheid, dass der Grad der Behinderung bei mir 50 beträgt. Für die Ausstellung eines Ausweises muss ich noch ein Foto einreichen.


    Heute war ich beim Jobcenter und habe die Mitarbeiterin an der Rezeption über den Bescheid informiert. Gleichzeitig reichte ich eine Kopie von der ersten Seite ein. Sie aber meinte, dass die Arbeitsvermittlung auch die zweite Seite benötige, wo meine Einschränkungen aufgeführt sind. Ich soll nun den kompletten Bescheid einreichen.


    Bin ich wirklich verpflichtet, das Jobcenter im einzelnen darüber zu informieren, welche Erkrankungen bei mir alle vorliegen?


    Ich wurde zwischenzeitlich mal von der Reha-Abteilung betreut und dort wusste man von meiner psychischen Erkrankung und meinem Bronchialasthma.


    Doch den Schwerbehindertenausweis bekomme ich jetzt u.a. wegen einer psychischen Behinderung und Epilepsie.


    Man würde bei der Arbeitsvermittlung also sehen, dass sich mein psychischer Zustand verschlechtert hat. Von der Epilepsie war bisher nichts bekannt, da ich die Diagnose erst vor einem halben Jahr bekommen habe. Als ich einen zweiten Facharzt aufsuchte, hat dieser die Diagnose widerlegt! Daher habe ich die Erkrankung auch im Antrag auf Schwerbehinderung gar nicht angegeben.


    Natürlich ist jetzt meine Angst groß, dass ich in Zukunft von der Arbeitsvermittlung aufs Abstellgleis abgeschoben werde, wenn ihnen eine psychische Behinderung und auch noch Epilepsie bekannt ist!


    Muss ich wirklich alle Einschränkungen dort angeben oder ist es ausreichend, wenn ich eine Kopie meines Schwerbehindertenausweises einreiche sobald mir dieser vorliegt?


    Liebe Grüße,


    Brighterday

  • 24 Antworten

    Du bist NICHT verpflichtet, die Art deiner Behinderung anzugeben! Der Schwerbehindertenausweis muss reichen, dafür ist er da.


    Wieso wirst du denn jetzt nicht mehr von der Reha-Abteilung betreut?

    Zitat

    t. Von der Epilepsie war bisher nichts bekannt, da ich die Diagnose erst vor einem halben Jahr bekommen habe. Als ich einen zweiten Facharzt aufsuchte, hat dieser die Diagnose widerlegt! Daher habe ich die Erkrankung auch im Antrag auf Schwerbehinderung gar nicht angegeben.

    Hast du jetzt Epilepsie oder nicht? Hast du den Arzt, der diese Diagnose gestellt hat, von der Schweigepflicht entbunden? Oder wie kommt das in den Bescheid?

    Zitat

    Natürlich ist jetzt meine Angst groß, dass ich in Zukunft von der Arbeitsvermittlung aufs Abstellgleis abgeschoben werde, wenn ihnen eine psychische Behinderung und auch noch Epilepsie bekannt ist!

    Das wäre Diskriminierung und damit unzulässig, der Behindertenstatus soll dir helfen und keine Nachteile bringen.

    Zitat

    Bin ich wirklich verpflichtet, das Jobcenter im einzelnen darüber zu informieren, welche Erkrankungen bei mir alle vorliegen?

    Da ich die Gesetze dazu nicht kenne (Mitwirkungspflichten), wäre es gut wenn Du dir vom Jobcenter diesbezüglich einen Nachweis aus dem Gesetzbuch aushändigen lässt.

    Zitat

    Natürlich ist jetzt meine Angst groß, dass ich in Zukunft von der Arbeitsvermittlung aufs Abstellgleis abgeschoben werde, wenn ihnen eine psychische Behinderung und auch noch Epilepsie bekannt ist!

    Aufs Abstellgleis stellen würde ich so nicht sehen. Dir sollte nur klar werden, dass Du insbesondere durch deine Epilepsie nicht in allen Berufen tätig werden kannst. Deine psychischen Probleme können sich ja verändern durch eine Therapeutische Behandlung.


    Oh, gerade noch gelesen: Wenn ein anderer Arzt die Epilepsie widerlegt hat, musst Du das dem Amt mitteilen, da sich dadurch u. U. der Grad der Behinderung verändern kann. Lies dir mal den Bescheid genau durch unter Mitwirkungspflichten.

    Nun ja, ansatzweise ist man schon verpflichtet. Der Hintergrund ist, dass man mit anerkannter Schwerbehinderung im Arbeitsamt von einem anderen Team betreut wird, welches auf Schwerbehinderung spezialisiert ist. Man wird nicht aufs Abstellgleis geschoben, sondern versucht, die Einschränkungen angemessen zu berücksichtigen. Bei mir hat diese Abteilung weniger Druck gemacht und war hilfreicher als die reguläre Betreuung, die eben keinerlei Rücksicht nimmt.


    Auskunft geben musst Du nicht; man kann dann aber einfordern, dass Du zum medizinischen Dienst gehst bzw. dessen fragebogen ausfüllst. Da ist die Herausgabe der 2. Seite deutlich einfacher...


    Und ob nun Erkrankung oder Behinderung: Welche Formulierung erwartest Du bei einer anerkannten Schwerbehinderung? Das ist leider unser Beamtendeutsch...

    Danke für eure Antworten.

    @ Spinnerin

    Normalerweise werden von der Reha-Abteilung nur die ALG II-Empfänger betreut, die zumindest einen Behindertengrad von 30 haben.


    Ich hatte aber bisher gar keinen Behindertengrad, sondern es waren nur gewisse Einschränkungen wie psychische Probleme und Bronchialasthma bekannt.


    Daher wurde ich in diesem Jahr wieder der "normalen" Arbeitsvermittlung zugewiesen.


    Ich gehe davon aus, dass ich keine Epilepsie habe.


    Ich habe weder die Epilepsie noch die Namen der beiden Neurologen, die die Diagnose gestellt bzw. widerlegt haben, im Antrag auf einen Schwerbehindertenausweise angegeben.


    Allerdings musste ich den Namen und die Anschrift meines Hausarztes nennen. Von diesem muss das Versorgungsamt an die Auskunft gekommen sein, dass bei mir ein "Anfallsleiden" vorliegt.


    Ich habe alle im Antrag genannten Ärzte von der Schweigepflicht entbunden.

    @ Fizzlypuzzly

    Danke für den Hinweis auf die Mitwirkungspflicht.


    Ich werde morgen beim Versorgungsamt nachfragen, wie ich jetzt vorgehen muss, da ja bei mir ganz offensichtlich keine Epilepsie vorliegt.

    @ Sunflower_73

    Du scheinst dich auszukennen.


    Da man also die notwendigen Informationen zu den bestehenden Einschränkungen eh einfordern wird, werde ich besser die zweite noch fehlende Seite des Bescheids nachreichen.


    Ich finde, psychische Erkrankung würde sich positiver anhören. Behinderung klingt so sehr nach etwas bleibendem, nicht heilbarem.

    Ich habe selber einen GdB von 40 und bin gleichgestellt; war ein längerer Kampf und krankheitsbedingt war ich auch mehrfach arbeitslos (Kündigung in Probezeit wg. OP's). Gleichzeitig habe ich damit auch beruflich zu tun, indem ich gelegentlich selber vom Versorgungsamt befragt werde.


    Die bessere Betreuung im Reha-Team ist meine subjektive Erfahrung; taste Dich da mal vorsichtig ran. Bei mir war der Termin beim medizinischen Dienst des Arbeitsamtes vom Tisch, nachdem ich das Schreiben vom Versorgungsamt vollständig eingereicht hatte. Den Fragebogen des Med. Dienstes hatte ich schon liegen und fand ihn schon sehr intim. Intimer, als ein Schreiben, was ich bspw. auch beim Finanzamt vorlege (bei GdB 40 hat man keinen Ausweis, sondern nur den Bescheid).


    Und sagen wir es mal so: Man will ja auch was mit dem GdB bezwecken, sonst würde man den Antrag nicht stellen. Dazu gehört dann halt auch, zu den vermerkten Dingen zu stehen.


    Du kannst natürlich Widerspruch einlegen und die Epilepsie rausnehmen lassen. Da würde ich aber wetten, dass dann der GdB deutlich sinkt und der Ausweis weg ist. Wie wichtig ist Dir dieser Ausweis im Vergleich zu einer generellen Anerkennung mit einem GdB von 30 oder 40? Das solltest Du überlegen...

    Zitat

    Ich finde, psychische Erkrankung würde sich positiver anhören. Behinderung klingt so sehr nach etwas bleibendem, nicht heilbarem.

    Tja, Beamtendeutsch halt. Der Fakt, dass es bei Dir so schnell ging und direkt zu GdB 50 & Ausweis geführt hat, zeigt schon eine gewisse Schwere... Diese 50er-Hürde nimmt man oft nicht so einfach. Ist der Ausweis denn erstmal befristet oder schon direkt unbefristet?

    @ Sunflower_73

    Danke, dass du noch mal so ausführlich geantwortet hast.


    Gut zu wissen, dass der Fragebogen vom Medizinischen Dienst so intim ist und es auch aus diesem Grund ratsamer ist, den vollständigen Bescheid vom Versorgungsamt beim Jobcenter einzureichen. Dann werde ich das gleich morgen machen.


    Ich stehe auch zu den vermerkten Einschränkungen und war eigentlich positiv überrascht, die 50er-Hürde auf Anhieb genommen zu haben.


    Ich könnte mir auch vorstellen, dass der GdB sinkt, wenn die Epilepsie rausgenommen wird.


    Es ist ja auch nicht so, dass ich mich für diese Erkrankung schämen würde. Nur könnte es nicht irgendwann zu Ärger führen, wenn ich das jetzt einfach so laufen lasse, ohne das Versorgungsamt in Kenntnis zu setzen, dass beim Einholen einer zweiten Meinung vor Monaten die Diagnose Epilepsie widerlegt wurde? Denn ich bin ja jetzt weder in Behandlung noch nehme ich Medikamente.


    Der Ausweis ist erst einmal befristet auf drei Jahre.

    So ganz unproblematisch ist eine Diagnose, die letztlich nicht behandelt wird (und Epilepsie erfordert ja definitiv eine medikamentöse Behandung), sicherlich. Wenn Dich das zu sehr beschäftigt: Anrufen und klären. Bzw. fragen, von welchem Arzt die Diagnose geliefert wurde im Rahmen des Verfahrens - und ggf. aufklären bzw. es als "noch nicht endgültige Verdachtsdiagnose" darstellen.


    Wenn Du da eher ein dickes Fell hast: Laufen lassen. In drei Jahren wird dann eh geprüft. Wobei eine Epilepsie ja normalerweise nicht verschwindet... Schwierig...


    Das musst Du jetzt wirklich für Dich entscheiden. Ich persönlich bin da eher schissig und würde zumindest erfragen, wo die Diagnoe herkommt, da man "immer noch unsicher sei". Wärst damit sicherlich ein ungewöhnlicher Fall, da Leute eher Diagnosen berücksichtigt haben wollen statt rausgenommen.

    Schwierig...aber Du verstößt schon gegen Deine Mitwirkungspflicht, wenn Du eine Diagnose stehen lässt, die so nicht richtig ist. Steht zumindest in der Rechtsbelehrung des Bescheides drin. Danach ist man ja auch verpflichtet, gesundheitliche Veränderungen mitzuteilen.


    Ob Deine psychische Erkrankung dann allerdings noch ausreicht für die Schwerbeschädigung hängt sicher von deren Ausmaß ab.

    @ sunflower_73

    Ich war schon sehr an der Feststellung eines Schwerbehindertengrades bei mir interessiert, weil damit meine große Hoffnung verbunden war, auf dem Weg einen Arbeitsplatz im geschützten Rahmen vermittelt zu bekommen.


    Doch letztlich habe ich Angst, die Sache einfach so laufen zu lassen.


    Ich müsste da wohl mit Ärger rechnen, wenn sich in zwei Jahren herausstellen würde, dass ich wegen der Epilepsie nie in ärztlicher Behandlung war. Selbst wenn man beim Versorgungsamt nie von der Widerlegung der Diagnose durch einen zweiten Neurologen erfahren würde.


    Ein ungewöhnlicher Fall wäre ich sicherlich, da sich durch die Rausnahme eine der Diagnosen mein Behindertengrad wahrscheinlich erheblich reduzieren würde.

    @ Schmidti70

    Das ist eben das Problem. Ich würde gegen die Mitwirkungspflicht verstoßen.


    Es bringt mir ja auch nichts, wenn ich die ganze Zeit bangen muss, was auf mich zukommt, wenn man beim Versorgungsamt dahinterkommt.

    Zitat

    Ein ungewöhnlicher Fall wäre ich sicherlich, da sich durch die Rausnahme eine der Diagnosen mein Behindertengrad wahrscheinlich erheblich reduzieren würde.

    Die Diagnosen summieren sich nicht zu einem Gesamt-GdB. In dem Fall kann er wegen der Epilepsie, die einen GdB von mindestens 40 bei SEHR seltenen Anfällen einbringt, so hoch sein. Eine psychische Erkrankung muss entsprechend schwerwiegend sein.

    @ Spinnerin

    Umso wichtiger scheint es da wohl zu sein, dass ich beim Versorgungsamt Widerspruch gegen den Bescheid einlege.


    Denn ich glaube auch, dass dann die milde Form von Epilepsie, die bei mir diagnostiziert wurde (Absencen-Epilepsie) zumindest einen GdB von 30 gebracht hat. Würde diese Diagnose wegfallen, würde mir kein Schwerbehindertenausweis zustehen.


    Zwar könnte man jetzt sagen, ein Neurologe hat die Diagnose gestellt, ein anderer hat sie widerlegt. Vielleicht hatte ja der Neurologe, bei dem ich eine zweite Meinung eingeholt habe, Unrecht. Doch da ich nicht in Behandlung bin, ist das ganze sehr fragwürdig.


    Für mich wäre es auch kein gutes Gefühl, im Besitz eines Schwerbehindertenausweises zu sein, der mir aufgrund meiner tatsächlich vorhandenden Einschränkungen wohl gar nicht zustehen würde.

    Ich habe noch mal in meinen Unterlagen nachgesehen. Ich habe einen GdB von 30 (unbefristet) und die Gleichstellung. Im Gleichstellungsbescheid steht drin, dass ich unverzüglich mitzuteilen habe, wenn sich der GdB auf unter 30 oder über 50 verändert. Im Bescheid vom Versorgungsamt steht nichts dergleichen drin.


    Allerdings hat man als Schwerbeschädigter im Falle einer Beschäftigung auch mehr Urlaub und so, keine Ahnung, ob das problematisch ist, wenn man wissentlich den Ausweis zu Unrecht hatte. Das muss ja auch erst mal nachgewiesen werden, dass es wissentlich war.


    Ich wüßte auch ehrlich gesagt nicht genau, wie ich mich verhalten würde. Ich habe die Gleichstellung beantragt, um mein langjähriges Beschäftigungsverhältnis zusätzlich abzusichern, weil ich nicht weiß, was noch gesundheitlich und an Fehlzeiten so auf mich zukommt. Und mir dadurch auch ein entsprechender Arbeitsplatz zusteht (hinsichtlich Ausstattung...Stuhl statt den ganzen Tag stehen zu müssen...so was halt).

    In meinem Bescheid steht es drin, also dass man eine "wesentliche Besserung oder Wegfall einer Gesundheitsstörung" unverzüglich mitzuteilen hat.


    Gut, dass ihr mich darauf gebracht habt, denn da steht auch, dass man eine Wohnortänderung sofort mitteilen muss (ich bin umgezogen).

    Bei mir nicht, allerdings steht bei mir auch, dass es sich um einer dauerhafte Einschränkung der körperlichen Beweglichkeit handelt, vielleicht fehlt deswegen dieser Passus?

    @ Spinnerin

    Hast Du einen GdB ab 50? Vielleicht sehen die Bescheide da auch noch mal anders aus als bei unter 50.