Behindert und partnerlos – ein Schicksal?

    Hoi hoi,


    also ich hab da mal ein Problem, wobei mir klar ist, dass das vielleicht nicht so wirklich hier her gehört.


    Ich bin von Geburt an "behindert", ob ich eher sagen würde, ich hab ein Handicap.


    Mir fehlen an der linken Hand alle Finger und an der rechten hab ich nur 3 deformierte. Ich komme damit relativ gut klar, brauche aber immer ein klein wenig Hilfe, was nicht weiter schlimm ist.


    Ich studiere gerade zu Ende und lebe auch in dem Bereich gut damit. Aber irgendwie bin ich jetzt 28 und hab schon soviel versucht eine nette und verständnisvolle Partnerin zu finden, bekomme aber immer nur extreme Ablehnung.


    Mit extremer Abelehnung meine ich, dass die Frauen, mit denen ich Kontakt komme, teilweise aus allen Wolken fallen, wenn ich von meinem Handicap erzähle.


    Bisher hab ichs übers Internet versucht. Und dann auch beim Zeitraum, bei dem ich es erzählte herumprobiert.


    Ich sehe dabei 4 möglich Zeiträume:


    Gleich ins Profil schreiben: Führt dazu, dass mich niemand kontaktiert oder nur sowas wie "du wirst nie eine finden, so abartig wie du bist" oder einfach nur irgendwelche dämlichen Sprüche


    Gleich von Anfang an erzählen, nachdem der erste Kontakt hergestellt ist: Führte bisher in allen Fällen dazu, dass Frauen den Kontakt abbrachen.


    Irgendwann zwischendrin erzählen, wenn die Sympathie durchaus da ist: Entweder Kontaktabbruch oder eben Beleidigung und Demütigungen. Sowas wie, dass ich nen Lügner wäre und sicher auch mit so einer Behinderung über mein Studium lügen müsse.


    Erst erzählen, wenn sich ein Treffen ergibt: Grundsätzlich treffen sich zwar manche, aber man merkt halt von vorn herein, dass es für mich nicht wirklich ne Chance gibt.


    Aber der größte Prozentsatz will dann einfach nichts mehr mit mir zu tun haben. Demütigungen, Beleldigungen und kindisch-dummes Verhalten sind dann an der Tagesordnung.


    Nun gut. das heißt eben auch, ich hatte noch nie ein Date, was irgendwie sehr schmerzlich ist. Sex gabs logischerweise auch noch nie. kein Knutschen, kein Händchen halten. naja.....


    Das schlimmste ist aber, dass bei einer Vielzahl von Frauen sich die Ausreden oder Gründe, warum sie mich nicht mal treffen können, sich oft gleichen:


    1. Freunde und Familie müssen dann komisch reagieren und sich kollektiv abwenden


    2. ich kann nicht zärtlich sein oder Frauen wollen von meinen abartigen und ekelhaften Händen nicht berührt werden, weil ich ja nicht zärtlich kein kann.


    3. ich bins nicht wert eine Partnerin zu haben


    4. eine körperliche Beeinträchtigung müsse auch eine geistig mit sich bringen und deswegen wollen sie nicht


    5. vielen lehnen es auch einfach ab mit mir gesehen zu werden


    6. Frauen finden es unmännlich ihrem Partner zu helfen. oder der Partner verliert an Männlichkeit.... was auch immer das heißen mag.


    Im Grunde würde ich sagen, dass das nur dumme und vorgeschobene Vorurteile sind, um sich damit nicht mehr beschäftigen zu müssen. Was aber über den Partnersektor hinaus auffällt, ist das Frauen in meinem Umfeld meistens in viel viel größeres Problem mit meinem Handicap haben, als Männer. auch wenn ich mal ne Frau frage, ob sie mir hilft.


    zB


    - ich war mal mit einer Kommilitonin, die ich länger kannte und mit der ich auch schon was unternommen hatte, mal beim Frühstücken. sie hat mich eingeladen und wollte da gerne mit mir hingehen. dann fragte ich sie, ob sie mal n Brötchen schmieren könne. da guckt sie mich verständnislos an und hat gesagt, dass sie das nicht machen würde. ihr Blick dabei war richtig angewidert und angeekelt.


    - ich war mal mit Kollegen aus dem Institut, an dem ich arbeite, essen in ner Kneipe. die Kellnerin war ne Frau. ich bestellte und fragte, ob man mir das Essen nicht gleich schneiden könne. sie ging dann weg. dann kam ein männlicher Kellner und nahm die Bestllung nochmal auf. als ich fragte, ob die weibliche Kellnerin Feierabend machte, meinte er nur so, dass sie den Tisch nicht mehr bedienen mag. auf die Frage, ob das mit mir zu tun haben könnte, nickte er und war ziemlich verlegen.


    - gleich Situation, nur diesmal war ich alleine und in einem anderen Lokal. weibliche Kellnerin, besttelt, gefragt. ging weg, kam wieder und meinte, dann ich solle gehen. auf die Frage warum, gabs keine Antwort. die Cola bezahlte ich natürlich nicht und ging.


    - in der Bank, wiebliche Angestellt. Bedient den Kunden vor mir scheiß freundlich. Ich komme dran, plötzlich völlig schnippisch und zickig. wollte mir auch nicht helfen. ich fragte dann nach ihrem Vorgesetzten, der sich 5 mal entschuldigte. ich meinte dann noch, wenn sie ein Problem mit Menschen mit Behinderungen hätte, dann solle sie nicht in ner Bank arbeiten. Auch da meinte ihr Vorgesetzer dann, dass das bei ihr wohl so sei.


    Und ich könnte noch viele solche Beispiele bringen, wo es ganz klar nicht um Beziehung oder Anbahnung einer Beziehung geht.


    Neulich war ich auf einer Party. Ein Bekannter stellte mich allen vor. Nach einiger Zeit setze ich mich zu einer jungen Frau an den Tisch. da ich wusste, wie sie heißt, fragte ich danach, was sie denn studiert. guckt mich an, guck auf meine Hände und dreht sich auch angewidert um. einen Tag später fragte ich meinen Freunde, warum sie denn so dumm reagierte. da er nicht wirklich n Blatt vor den Mund nahm, ging er zu ihr und fragte (die wohnen auf einem Flur im Studi-Wohnheim). sie meinte dann, dass sie meine Hände einfach abstoßend und ekelig fand.


    Auch von ihr wollte ich nix sondern mich nur unterhalten. gut, niedlich war sie schon.


    Ich könnte nochviele sehr demütigende Erlebnisse posten, die zeigen, dass ich aufgrund meines Handicaps immer so richtig niedergemacht werde von Frauen.


    Männern ist das eigentlich immer ziemlich gleich. ich wurde sogar schon von schwulen Männern angegraben. immer auf eine sehr höfliche und freundliche Weise.


    Was sagt ihr dazu?

  • 275 Antworten

    was ich noch vergessen hab: gibts hier vielleicht betroffene Männer, die mir sagen können wie ihr eure Behinderung soweit in den Hintergrund bringen konntet, dass eine Frau euch liebt?


    ich hab immer das Gefühl, dass das Handicap an sich immer zu sehr im Vordegrund steht.

    Ich glaube, dass diese Tussis an einem Gotteskomplex leiden. Sie unterstellen dir Interesse an/in ihre Person, weil sie so besonders toll sind, dass jede Person Interesse haben muss. Dieses unterstellte Interesse fassen sie dann als (Gottes-) Beleidigung auf.


    Die Männer hingegen werden dir kein sexuelles Interesse unterstellen, sodass sie sich nicht "beleidigt" fühlen.


    Gut möglich, dass du die gleichen Reaktionen bei Männern ernten würdest, wenn du stattdessen eine Frau wärst.


    Was kann man tun? Naja, ich kann dir sagen, was man nicht tun kann: Menschen ändern. D.h. ich sehe folgende drei Möglichkeiten:


    1) Irgendetwas an der Situaton, sprich deinem Handicap, ändern. Gibt es Operationen oder Prothesen?


    2) Andere Frauen ansprechen. Wie siehts denn mit Frauen mit Behinderungen aus? Das dürfte die vielversprechendste sein. Fakt ist, dass die meisten ("normalen") Frauen trotz allem Gutmenschentum à la "Egal, ob Schwul, Ausländer, behindert (..) alle Menschen sind gleich wert und morgen regnet es Regenbögen und uns allen scheint die Sonne aus dem Arsch" dein Handicap als eklatanten Makel, der dich für eine Beziehung, anscheindend sogar für eine normale Interaktion, dusqualifiziert, ansehen. Das durftest du ja bereits erfahren.


    3) Auf Zufalltreffer hoffen

    Sorry, aber ich frage mich gerade was du für bekloppte Leute in deinem Umfeld hast.


    Mich würde eine körperliche Behinderung nicht stören.


    Tips kann ich dir leider keine geben, ausser auf ein anderes Umfeld auszuweichen.


    Ich weiss aber, dass das leicht daher gesagt ist.


    Ich verstehs trotzdem nicht. Keiner kann mir eine Garantie fürs Leben geben, dass ich oder mein Mann für alle Zeit meine Gliedmaßen behalte.


    Deine Erfahrungen machen mich echt wütend!

    Außerdem würde ich die Moderation um eine Verschiebung in das Beziehungsforum bitten, da 1) in diesem Unterforum nicht viel los ist und 2) eine Verschiebung auch inhaltlich gerechtfertigt ist/sein kann.

    Das klingt heftig und unglaublich verletztend. Ich glaube trotzdem, dass deine beste Chance im echten Leben und nicht übers Internet sein wird. Im Internet wird zunächst mal nach vielen oberflächlichen Kriterien gefiltert, also Aussehen, Alter, Beruf, usw. Da scheidest du wahrscheinlich bei vielen Frauen schon wegen der "Formalqualifikation" aus.


    Ich denke, wenn du eine Frau näher kennenlernen kannst, bevor es darum geht, ob ihr ein Paar werden könntet, hast du bessere Chancen. Wenn sie sich in den Wesen, deine Art verlieben kann.


    Ich finde es übrigens toll, dass du dich trotz der ganzen Beleidigungen, Anfeindungen und Frechheiten noch nicht aufgegeben hast, eine Frau finden zu wollen. Du machst das schon richtig: Dranbleiben.


    Ich würde halt versuchen, Leute dort kennenzulernen, wo die Menschen meist weniger oberflächliche Kriterien bei ihrer Partnersuche an den Tag legen: Also vielleicht nicht unbedingt im Internet, Kneipe, Club, usw. sondern eher an der Uni, im (Sport)verein, über den Freundeskreis. Und du wirst eine selbstbewusste Frau finden müssen, der es egal ist, was die "Familie und Freunde" sagen. @:)

    Also mir wären, wenn sonst alles passt fehlende Finger oder andere Körperteile egal. Niemand ist perfekt und früher oder später lernen das die meisten Menschen. Kopf hoch, die Frau kommt sicher irgendwann ganz unverhofft.

    Ich kann die Reaktionen dieser Frauen wirklich nicht nachvollziehen. Ich kenn jetzt zwar niemanden mit weniger als 10 Fingern, nur einen mit einem Arm, den find ich aber alles andere als eklig, sondern eher interessant. Mit dem hab ich schon viele spannende Gespräche geführt und ich denke, dass es mir mit dir nicht anders gehen würde. Ob ich dann allerdings ein romantisches Interesse an dir hätte, wäre eine andere Frage, die aber sicher nicht von deiner Fingeranzahl abhängt.


    Warum die Frauen es als so unmöglich ansahen dir zu helfen, finde ich besonders unverständlich. Mein Freund kann grad wegen gesundheitlicher Probleme keine schweren Sachen heben. Ich hab die Kraft und helfe ihm dann natürlich. Warum sollte ich mich auch hinstellen und sagen "ich bin eine Frau und kann Männern nicht helfen, sieh zu wie du den Bierkasten anderweitig in den 5. Stock bekommst."


    So ein Blödsinn und dann scheinen das ja noch alles erwachsene Frauen zu sein und keine pubertierenden Teenies.


    Gib die Hoffnung nicht auf, ich bin mir sehr sicher, dass es da auch noch anders gestrickte Frauen da draußen gibt.

    Das zu lesen ,macht mich echt betroffen und verärgert mich auch zugleich. Einerseits kann ich es zwar schon ein wenig verstehen, aber dumme ,beleidigende Sprüche sind da einfach das allerletzte!


    Mir fällt gerade ein;


    Kann es sein, dass Du recht selbstbewusst bist? Irgnedwie kommt das bei mir gerade so rüber. Das ist ja schon mal gut, aber der Gedanke bei mir war, vielleicht interpretierst Du einiges auch falsch und es liegt ja vielleicht eher an Deine Art, wie Du so bist, schaust, kommunizierst, etc. Verstehst was ich meine?


    Menschen mit Behinderungen jeglicher Art, habens sicher meistens schwerer, als alle anderen, aus welchen versch. Gründen auch immer. Mit Händen wird halt meist auch unterbewusst viel assoziert. Der erste Blick, wenn dieser dann auf die Hände fällt, macht wohl erst mal erschrocken und da kommen dann automatisch viele Fragen auf, die dann im Hirn mehr oder weniger bewusst ablaufen.


    Ich persönlich könnte mir aber schon vorstellen, dass es sicher nicht verkehrt wäre, jemanden ,wenn möglich, erst einmal so kennen zu lernen (Internet), ohne explizit nun gleich von anfang an auf das Handycap aufmerksam zu machen.


    Gemeinsamkeiten, Symphatie etc. machen beim kennen lernen eh die meisten Punkte, die Dir aber wohl leider meistens verwehrt bleiben, wenn das mit Deinen Händen sofort ins Auge fällt.


    Wenn Du allerdings jemanden im Internet kennen lernst und Ihr Euch eine Zeit lang unterhaltet, chattet, schreibt oder telefoniert, wo dann auf Grund dessen, tatsächlich Interesse entstehen sollte, dann kann man ja vorsichtig anführen, dass Du leider gehandycapt bist.


    Aber eine Garantie dafür gibts natürlich auch nicht.


    Hast Du auch weibliche Freundinnen? Wie sehen die das ganz allgemein?

    Zitat

    Ich kann die Reaktionen dieser Frauen wirklich nicht nachvollziehen. Ich kenn jetzt zwar niemanden mit weniger als 10 Fingern, nur einen mit einem Arm,

    Was, nur einen Arm und trotzdem hat der Kerl 10 Finger? :-o


    Sorry ;-D


    zum Thema: Ich frage mich auch, was für bekloppte Leute du kennst. Dass man eventuell weniger/kein sexuelles Interesse wegen einer Behinderung hat kann ich ja noch irgendwo nachvollziehen. Was du beschreibst geht darüber aber weit hinaus, das ist beleidigend und unterstes Niveau. Vielleicht triffst du wirklich die falschen Frauen?

    Das Leben hält mehr aus nur eine Partnerschaft und Familie bereit. Klar ist es erstrebenswert, he aber was solls. Kultur, Natur, Reisen, ein spannender Arbeitsplatz, gutes Essen, es gibt noch so viel unbekanntes, Fragen und neue Situationen zu meistern.


    Du kannst dich als ausgemustert ansehen oder einen Schritt weiter gehen und mit Neugier und Selbstsicherheit vorrankommen.

    @ deep blue sea

    Stimmt, der hat wohl wirklich nur fünf. ;-D


    Aber ich verbringe meine Zeit auch selten damit die Finger meiner Freunden und Bekannten zu zählen. Wozu auch? ":/

    Hallo lieber dePosa,


    das klingt ja wirklich schrecklich, wie diese Frauen dich behandelt haben!! :-o


    Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass es für Menschen mit Handicap nicht unmöglich ist, einen Partner zu finden. Mein Freund hat auch ein Handicap, nur dass es bei ihm "schlimmer" ist als bei dir, und dass mein Freund längerfristig daran sterben wird :-( . Trotzdem hatte er nie Probleme, eine Freundin zu finden und er hat auch seine Ansprüche an eine Partnerin nicht gesenkt, nur weil er eine Behinderung hat.


    Es ist wirklich traurig, dass das Wort "behindert" ständig als Beleidigung verwendet wird, und dass es in unserer Gesellschaft immer noch so viele Menschen gibt, die trotz dass sie objektiv gesehen gebildet erscheinen, eine körperliche und eine geistige Behinderung gleichsetzen. Und selbst geistige Behinderungen machen einen Menschen weniger liebenswürdig und senken seinen Wert als Individuum nicht herab!


    Es muss noch viel getan werden, bis "Inklusion" in Deutschland wirklich angekommen ist und sich nicht nur auf ein paar Rampen für die "armen Rollstuhlfahrer" beschränkt. :|N

    Zitat

    1) Irgendetwas an der Situaton, sprich deinem Handicap, ändern. Gibt es Operationen oder Prothesen?


    2) Andere Frauen ansprechen. Wie siehts denn mit Frauen mit Behinderungen aus? Das dürfte die vielversprechendste sein. Fakt ist, dass die meisten ("normalen") Frauen trotz allem Gutmenschentum à la "Egal, ob Schwul, Ausländer, behindert (..) alle Menschen sind gleich wert und morgen regnet es Regenbögen und uns allen scheint die Sonne aus dem Arsch" dein Handicap als eklatanten Makel, der dich für eine Beziehung, anscheindend sogar für eine normale Interaktion, dusqualifiziert, ansehen. Das durftest du ja bereits erfahren.


    3) Auf Zufalltreffer hoffen

    viel ändern kann man nicht.


    wo findet man "normale" Frauen? ;-D oder sagen wir anders: ich habe noch kein Kriterium gefunden, was mir gezeigt hätte, ob jemand eben so oberflächlich ist oder nicht


    Zufall.-... tja, manchmal denk ich mir, dass es nur so gehen dürfte.

    Zitat

    Tips kann ich dir leider keine geben, ausser auf ein anderes Umfeld auszuweichen.

    mein Umfeld ist durchaus gut, wenn auch sehr klein. deswegen ist ja das Onlinedating bisher so richtig die einzige Möglichkeit gewesen. ich weiß, da tummeln sich wohl nur die oberflächlichen...

    Zitat

    Außerdem frage ich mich, was an deformierten Händen eklig sein soll. Wieso EKLIG? Die stinken doch nicht, sind auch nicht mit Scheiße behaftet, also wieso eklig?

    Frag ich mich auch öfters. Auch wenn ich manchmal in der Bahn oder im Bus sitze. Es kommt manchmal vor, dass Frauen auf meine Körpermitte starren, angewidert das Gesicht verziehen und sich woanders hinsetzen.


    Manche Lächeln mich sogar an, gucken mir runter und sehen dann irgendwie nicht mehr so fröhlich auss mal milde auszudrücken)

    Zitat

    Ich denke, wenn du eine Frau näher kennenlernen kannst, bevor es darum geht, ob ihr ein Paar werden könntet, hast du bessere Chancen. Wenn sie sich in den Wesen, deine Art verlieben kann.


    Ich finde es übrigens toll, dass du dich trotz der ganzen Beleidigungen, Anfeindungen und Frechheiten noch nicht aufgegeben hast, eine Frau finden zu wollen. Du machst das schon richtig: Dranbleiben.


    Ich würde halt versuchen, Leute dort kennenzulernen, wo die Menschen meist weniger oberflächliche Kriterien bei ihrer Partnersuche an den Tag legen: Also vielleicht nicht unbedingt im Internet, Kneipe, Club, usw. sondern eher an der Uni, im (Sport)verein, über den Freundeskreis. Und du wirst eine selbstbewusste Frau finden müssen, der es egal ist, was die "Familie und Freunde" sagen. @:)

    sagen wir so, wenn ich jemanden kennengelernt hatte und intensiveren Kontakt hatte, wars halt trotzdem so, dass alleine die Tatsache der Behinderung alle abgeschreckt hat.


    Ich würde sogar soweit gehen, dass ich für eige der perfekte Partner gewesen bin, was allerdings nach der "Beichte" dahin war. Es gab Frauen, die sich wünschten mit mir zusammen zu sein, bevor sie "es" wussten.


    Ich hab vor zwei Jahren mit einer echt knuffigen Medizinstudentin fast 6 Monate geschrieben. Sie war im Ausland und wir konnten uns erst spät treffen. Hatten richtig viel tollen, intensiven und so schönen Konakt. Sie erzählte mir noch, dass sie auf ner Kinderstaion ganz viele "spezielle Kinder" betreute und ihr das so sehr Spaß bereitet. Tja, als ich ihr davon erzählte, meinte sie als Antwort, dass sie kein Problem damit hat. Aber sie wolle nicht mehr soviel Kontakt. Dass ist ihr just in dem Moment eingefallen und hatte nichts mit meinem Handicap zu tun.


    Glaubt das jemand? Ich jedenfalls nicht.


    Oder dann mal ne angehende Kinderkrankenschwester, die auf ner ähnlichen Station gearbeitet hat und das so toll fand. Deren Mutter sogar ne Behinderung hatte. Und, wass hab ich zu hören bekommen "meine Freunde und meine Familie (jaja, die behinderte Mutter wird sicher kein Verständnis haben) werden das nicht akzeptieren, deswegen will ich dich nicht."


    sie hat mich dann aber immer wieder warm gehalten und mir was vorgegaukelt, was ich echt Scheiße fand. wir haben uns zwar mal getroffen, aber ich nenne es das 20-Minuten-Treffen. Sie hat angefangen zu heulen, weil sie mir keine Chance geben konnte. gut, sie hat eh fernsehen geguckt, als ich bei ihr war, aber was solls. ich bin dann zu ihr, hab ihr sogar noch zärtlich übers Knie gestreichelt und abgehauen – ohne noch n Wort zu sagen. später kam dann "du bist so ein toller Mensch"..... ach verdammt, das hätte sie sich auch schenken können..... und dafür bin ich damals 2 Stunden und 2 SAtunden zurück gefahren.


    im Dezember schrieb ich mit einer Pädagogie-Studentin. zwischen Mitte Dezember und Mitte Januar haben wir fast 1700 SMS ausgetauscht. sie hat davon geschwärmt, wie schön das wäre, wenn ich nächstes Weihnachten mit ihr nach Hause fahren würde. wenn das und dies zusammen machen würden. Es war schön daran zu denken, aber ich wusste, wenn sie Bescheid wissen würde, würde sie mir das nicht schreiben. vor allem war es schön, weil ich das genau so haben wollte. es wäre perfekt gewesen. dann meinte ich irgendwann zu ihr, dass ich bevor wir uns treffen ihr noch was sagen wollte. tja, getroffen haben wir uns. vom zeitlichen her war das Treffen bisher unübertroffen. wir trafen uns an einem größeren Bahnhof. sie taxierte mich von irgendwoher wohl. kam dann auf mich zu, fing zu heulen an, stammelte "ich kann das leider nicht" und schon stand ich alleine da. der 35-Sekunden-Bullshitbingo-Treffen. nie wieder was von ihr gehört.


    ich habs mal einer, die sich sehr früh treffen wollte, mal nicht erzählt. als sie es dann sah, hat sie versucht mich zu bespucken. keine Sorge, sie war auf dem Weg Lehrerin zu werden.... die armen Kinder.....


    ich könnte noch so weiter machen, aber es ist einfach so bitter.

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    Warum die Frauen es als so unmöglich ansahen dir zu helfen, finde ich besonders unverständlich. Mein Freund kann grad wegen gesundheitlicher Probleme keine schweren Sachen heben. Ich hab die Kraft und helfe ihm dann natürlich. Warum sollte ich mich auch hinstellen und sagen "ich bin eine Frau und kann Männern nicht helfen, sieh zu wie du den Bierkasten anderweitig in den 5. Stock bekommst."

    ich hab mal kurz mit einer geschrieben, die ein Kind hatte. die meinte mal, sie würde mir unter keinen Umständen helfen.


    einmal, um ihr nicht zur Last zu fallen. und zweitens weil sie meinte, ihr Sohn (3 Jahre) würde durch probieren auch immer selbstständiger werden und Lernen Dinge so z tun, wie er es kann. ich fand das zwar unmöglich, hab die dann auch schnell abgewürgt und ihr nicht mehr geschrieben, aber es zeigt was: sie zog ne Parallele zum Kind und zur Last jemandem immer helfen zu müssen. es war in ihren Augen einfach unmännlich. ein Mann muss alleine klarkommen und darf sich nicht von seiner Partnerin helfen lassen, weil er kein Mann dann ist. ich hielt das zwar für dämlich, aber ich glaube in unser ach so toleranten Welt ist die Denke vielleicht mehr in Köpfen, als man das noch denkt oder sich wünscht. es scheint wohl ein Problem mit der Augenhöhe zu geben, wenn man jemandem hilft.

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    Kann es sein, dass Du recht selbstbewusst bist? Irgnedwie kommt das bei mir gerade so rüber. Das ist ja schon mal gut, aber der Gedanke bei mir war, vielleicht interpretierst Du einiges auch falsch und es liegt ja vielleicht eher an Deine Art, wie Du so bist, schaust, kommunizierst, etc. Verstehst was ich meine?

    ich bin durchaus selbstbewusst, richtig. und darin liegt auch ein Problem. ich habe schon öfters mal zu hören bekommen, dass Frauen denken, ich würde das ganze nur vorspielen. ihre Begründung: ich habe nichts, worauf ich mein Selbstbewusstsein aufbauen könnte,l ich ja nur ein "Behinderter" bin. ich müsste also eher ruhig und zurückhaltend sein.


    ich gehe halt im täglichen Leben eher als jemand durch, der mehrheitlich nach vorne geht und sich nicht so ziert oder zurückhält. manchmal kommen dabei auch blöde Sprüche raus, aber das kommt eben vor. ;-D

    Zitat

    Ich persönlich könnte mir aber schon vorstellen, dass es sicher nicht verkehrt wäre, jemanden ,wenn möglich, erst einmal so kennen zu lernen (Internet), ohne explizit nun gleich von anfang an auf das Handycap aufmerksam zu machen.


    Gemeinsamkeiten, Symphatie etc. machen beim kennen lernen eh die meisten Punkte, die Dir aber wohl leider meistens verwehrt bleiben, wenn das mit Deinen Händen sofort ins Auge fällt.


    Wenn Du allerdings jemanden im Internet kennen lernst und Ihr Euch eine Zeit lang unterhaltet, chattet, schreibt oder telefoniert, wo dann auf Grund dessen, tatsächlich Interesse entstehen sollte, dann kann man ja vorsichtig anführen, dass Du leider gehandycapt bist.

    wie schon gesagt, hab ich versucht, klappt auch nicht. ich denke aber, dass das Problem dabei ist, das man sich einen Menschen aus dem Internet immer zurechtdenkt. man nimmt lediglich die positiven Eigenschaften und stellt sich ein Bild zusammen, dem niemand wirklich gerecht werden kann. und wenn du dann eben noch das Handicap erzählst, ist das eben der Todesstoß für dieses Bild.

    Zitat

    Hast Du auch weibliche Freundinnen? Wie sehen die das ganz allgemein?

    so richtig als Freundinnen würde ich keine bezeichnen. die, die mit meinem Handicap ein Problem haben, hab ich aussortiert. und die mit denen ich losen Kontakt hatte, erzählten mir dann immer von ihren super tollen Freunden oder das sie heiraten. ich kam mir vor, wie ein Tier hinter ner Glasscheibe, dem man mit nem Leckerli die Nase langzieht. aber ich konnte das Leckerli eben nie bekommen.


    das ist halt das Schlimme daran. überall sehe ich Pärchen. und oft sehe ich Prächen wo ich mir denke, dass ich sicher nicht weniger einen objektiven Wert habe, wie der Typ, den ich da sehe. aber dann muss ich wohl doch akzeptieren, dass mein Handicap einschneidender in dem Bereich ist, als ich mir das wirklich eingestehen mag.


    Hände sind wohl wichtiger, als ich das dachte. sie drücken Intimität aus, Zusammenhalt, Zärtlichkeit. und wenn man eben keine normalen Hände hat, dann scheint sich das negativ auszuwirken.


    ich hab mal im Internet gesucht und finde immer wieder, das Hände sehr wichtig sind.


    aber nein, wirkliche weibliche Freunde hab ich keine.

    Zitat

    Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass es für Menschen mit Handicap nicht unmöglich ist, einen Partner zu finden. Mein Freund hat auch ein Handicap, nur dass es bei ihm "schlimmer" ist als bei dir, und dass mein Freund längerfristig daran sterben wird :-( . Trotzdem hatte er nie Probleme, eine Freundin zu finden und er hat auch seine Ansprüche an eine Partnerin nicht gesenkt, nur weil er eine Behinderung hat.

    das tut mir schon Leid für euch. klar ist es nich unmöglich, aber es hängt eben vielleicht doch an der speziellen Form meiner Behinderung. wie sagen viele Frauen immer: "du kannst bestimmt nicht zärtlich sein. und deine Berührungen müssen sich ja komisch anfühlen" oder "von dir würde ich mich sicher nich anfassen lassen".

    Zitat

    Es ist wirklich traurig, dass das Wort "behindert" ständig als Beleidigung verwendet wird, und dass es in unserer Gesellschaft immer noch so viele Menschen gibt, die trotz dass sie objektiv gesehen gebildet erscheinen, eine körperliche und eine geistige Behinderung gleichsetzen. Und selbst geistige Behinderungen machen einen Menschen weniger liebenswürdig und senken seinen Wert als Individuum nicht herab!

    für viele Menschen sind "Behinderte" einfach nichts wert. überflüssig. oder wie sagte mal jemand zu mir "sowas wie dich, hätten sie früher in die Gaskammer gesteckt". tja.... da fällt einem nichts mehr ein.

    Zitat

    Es muss noch viel getan werden, bis "Inklusion" in Deutschland wirklich angekommen ist und sich nicht nur auf ein paar Rampen für die "armen Rollstuhlfahrer" beschränkt. :|N

    oh ja, Inklusion in der Schule.... könnte ich ja jetzt n Romane drüber schreiben.


    ich wurde teilweise sogar von Lehrern übelst behandelt.... in einer Schule musste ich immer zum Direktor, wenn die anderen mich im Unterricht mit Mülleimern oder anderen Dingen bewarfen. Begründung: ich bin daran Schuld gemobbt zu werden. seltsamerweise hatte der Direktor, der schon verdammt alt war, irgendwie die Lage eher gecheckt, als seine jungen Kollegen. aber gemacht hat der Mistkerl auch nix. wir haben dann immer über Politik diskutiert... abstruse Situation.


    oder von einer Schülerin in der Oberstufe als ihr Charity-Projekt ausgenutzt. sie war nett zu mir und zeigte sich vor den Lehrern mit mir, damit in ihrem Zeugnis nachher steht "XY ist besonders sozial kompetent/engagiert"... alle wussten davon, bloß ich nicht.