• Behindert und partnerlos – ein Schicksal?

    Hoi hoi, also ich hab da mal ein Problem, wobei mir klar ist, dass das vielleicht nicht so wirklich hier her gehört. Ich bin von Geburt an "behindert", ob ich eher sagen würde, ich hab ein Handicap. Mir fehlen an der linken Hand alle Finger und an der rechten hab ich nur 3 deformierte. Ich komme damit relativ gut klar, brauche aber immer ein klein wenig…
  • 275 Antworten

    @ slowgan

    Du hast Recht, ich habe nicht bedacht, dass man es auch so betrachten kann. Klar um Hilfsbereitschaft zeigen zu können brauchen wir nicht ausschließlich Menschen mit Behinderungen.


    Aber es wurde ja hier im Faden schon das Beispiel mit der Frau mit Gips am Arm erzählt. Ihr wurde bereitwillig geholfen, nachdem sie ihren Gips gezeigt hat. D.h. es scheint in unserer Gesellschaft etwas auszumachen, ob man nur zeitweise oder permanent behindert ist.


    Es scheint mir eine Eigenschaft der Menschen zu sein, dass ab einem gewissen Grad des Anderssein, manche Menschen nicht mehr damit klar kommen. Selbst Baldurhh schreibt ja:

    Zitat

    Alles was anders ist, wird erstmal mit Distanz und vielleicht sogar Abscheu betrachtet. Ich habe einmal in einer U-Bahn einen Jungen mit ganz schlimmen Brandverletzungen gesehen. Ich musste immer wieder verstohlen hingucken und dachte: Wie fuchtbar, der arme Kerl.

    Und ich gestehe, dass mir das auch so geht.


    Ich kenne die Ursache für dieses, unseres Verhalten nicht. Vielleicht werten wir in solchen kurzen Momenten einfach in dem wir uns in die Rolle des betrachteten Menschen versetzen und befinden, dass wir selber mit so einer Behinderung nicht leben wollten/könnten. Diese Wertung führt dann zu einem Gefühl als Ergebnis. Bei Baldurhh und mir ist's Mitleid, bei anderen könnte es Abscheu oder auch anderes negatives Gefühl sein. Ich denke Menschen mit einer Behinderung wollen weder das eine noch das andere. Alles was sie wollen ist nicht ausgegrenzt zu sein. Sie wollen als normale Menschen, wie jeder andere auch, angesehen werden.


    Durch die wohlmeinende Exklusion, die wir betreiben, sehen wir gar nicht wieviele Menschen mit Behinderung es eigentlich gibt. Ich stelle mir halt vor, dass wenn wir als Kinder von vorne herein Umgang mit Menschen mit Behinderung hätten, wir weit weniger Probleme hätten, wenn so ein Mensch in unserem Blickfeld auftaucht. Statt dann anzufangen bewußt oder unbewußt zu werten, ob ein solches Leben lebenswert ist oder nicht. Durch den Umgang mit diesen Menschen wüßten wir bereits, dass jedes Leben lebenswert ist. Und wir könnten, falls nötig unsere Hilfsbereitschaft unter Beweis stellen und einfach den Kinderwagen oder den Rollstuhl helfen ein paar Treppenstufen hoch oder runter zutragen.


    Ob die Inklusion auch das Problem der Partnersuche oder besser des Partnerfindens lösen oder wenigstens leichter machen würde/wird, vermag ich nicht zu sagen.

    Es hat sehr viel mit Respekt zu tun und Anstand, jemanden, der eine Behinderung oder Narben hat nicht anzustarren. Jeder hat sich soweit unter Kontrolle so etwas nicht zu machen! Man sollte nämlich sich dann nur in die Lage dieses Menschen versetzen – wer würde gerne angestarrt werden! Das kann unheimlich verletzend sein und hat nichts mit Neugier oder Mitleid zu tun. Das braucht so jemand nämlich sicher nicht. Derjenige braucht Toleranz, Akzeptanz und Normalität. Die Gesellschaft hat schuld dass sich viele Menschen mit äußerlichen Auffälligkeiten verstecken ja sogar schämen. Und sie haben keinen Grund sich zu schämen. Es kann jeden Tag jeden treffen. Die wirklich Starken sind die Leute die sich so nehmen wie sie sind und rausgehen am Leben teilnehmen und sich auch mit Narben schön und attraktiv fühlen, oder Behinderte die ihr Handicap nicht als sowas sehen. Es sind Menschen mit Charakterstärke. Die, die wirklich wichtigen Dinge im Leben sehen, welche man nicht mit den Augen sehen kann sondern mit den Herzen!

    Zitat

    Respekt, Anstand

    Es kommt immer darauf an, wie die Leute schauen. Sauna, Baggersee, Rollstuhl ins Auto stellen; natürlich falle ich da auf und viele Leute schauen auch (zu). Bsp. Wenn mir jemand zuschaut wie ich den Rolli ins Auto stelle, schaue ich freundlich zurück und bevor die Frage wg. Hilfe kommt, sage ich: Wenn ich ihn alleine ins Auto stelle, steht er so dass er nicht wackelt, zudem geht es schneller als wenn ich ihnen erkläre wie das geht. Oftmals entwickeln sich daraus sehr offene schöne Gespräche. Auffallend auch,die Nichtbehinderten verlieren nach wenigen Minuten ihre Unsicherheit.


    Jeder Behinderte sollte gelernt haben, dass er eben außergewöhnlich ist, ich sage selbst oftmals auch "nicht normal". Daher die Behinderung ist kein Tabu, welches man nicht ansprechen darf. Sollte es jemanden interessieren wie eine Handbedienung funktioniert – einfach hingehen und fragen im Sinne von:Dass sie autofahren können ist mir klar, aber wie funktioniert so eine Handbedienung.

    unkompliziert


    :)z :)^

    Zitat

    Jeder Behinderte sollte gelernt haben, dass er eben außergewöhnlich ist...(....)...

    Das betrifft ja auch bei Weitem nicht nur ganz offensichtliche "Behinderungen" (?), sondern auch nicht sofort erkennbare UND ich würde mal behaupten die meisten Menschen haben generell so ihre Besonderheiten.


    Ich z.B. litt jahrelang massiv an einer Panikstörung. Da ich dieser zeitweise trotz Kampfes unterlag, war ich nicht wirklich frei in meinen Entscheidungen. Als ich aber lernte damit selbstbewußt umzugehen, dazu zu stehen wurde es insgesamt, in der Interaktion mit anderen Menschen viel leichter. Sicher gab es da welche (nicht wenige), die damit nicht umgehen konnten/können. Aber diese Menschen gibt es immer – egal um was es sich handelt. Sei es eben eine Erkrankung/(körperliche) Behinderung/Homosexualität/zu dick/zu dünn/zu alt/zu sehr geschminkt/Brillenträger/wenige Muskeln/zu viele Muskeln/zu arm....ich könnte noch ewig so weitermachen, deshalb lieber: usw...... ;-)


    Sicher sind diese Dinge, Attribute, direkt nicht vergleichbar – aber schon in dem Sinne, dass nicht jeder Mensch gleichermaßen darauf reagiert.


    Mit der Denke: "Alle Menschen lehnen mich ab weil ich XY...." schaufelt man sich sein eigenes Grab – wie man hier und auch in vielen, vielen anderen Fäden sieht.

    Zitat

    Es hat sehr viel mit Respekt zu tun und Anstand, jemanden, der eine Behinderung oder Narben hat nicht anzustarren.


    Miss Delicious

    Was ist denn "anstarren"? Längere Zeit hinsehen?


    Ich bin als Kind oft ermahnt worden "da guckt man nicht hin", wenn Menschen mit Behinderung in der Nähe waren. In den NAchkriegsjahren gab es viele amputierte Männer auf Krücken.


    Ich musste mir selbst beibringen, Menschen mit Anstand und Sympathie anzuschauen, wo die anderen wegschauen.


    Auch eine Bettlerin, die vor dem Supermarkt kauert, ist ein Mensch und verdient es, "gesehen" zu werden. Da kommt oft ein kleines Lächeln zurück.


    Menschen mit Behinderungen sind keine Peinlichkeit, sondern Lebewesen wie du und ich :)z

    anders_als_andere


    Ich selbst habe einen Schwerbehindertenausweiss ich zähle also auch zu den Behinderten so gesehen. Glaub mir ich weiß dass ich ein Mensch bin wie jeder andere, ohne Behinderung. Und ich bin mir bewusst nicht peinlicher zu sein als jeder "Normalo". Danke für den Hinweis ;-)


    Muss ich jetzt ernsthaft erklären was anstarren ist? Na gut bin ja nicht so ;-) Richtig, länger hinzusehen und immer wieder hinzusehen. Jemand beobachten und sich schnell wegdrehen wenn man denjenigen ansieht. Von der Sorte gibt es viele. Es gehört zum Anstand so etwas nicht zu machen man selbst möchte das doch auch nicht!


    Du musst eine Betroffene nicht aufklären;-D

    Zitat

    Ich bin als Kind oft ermahnt worden "da guckt man nicht hin", wenn Menschen mit Behinderung in der Nähe waren.

    Interessante Erziehungsfrage. Wenn man einen Behinderten ansieht, könnte er sich angestarrt fühlen. Also sieht man lieber gleich weg. Dann hat man keinen Ärger. Der Reaktion M!ss_Delicious entnehme ich, dass dieser Erziehungsgrundsatz durchaus seine Berechtigung hat. Denn über die Frage, ob es jetzt ok war, wenn man jemanden zum Beispiel neugierig angesehen hat, oder ob man es als anstarren bezeichnet, lässt sich streiten.


    Da man sich nicht mit fremden Menschen streiten möchte, soll man lieber gleich wegsehen.


    Nachvollziehbar und verständlich. Dennoch bin ich Deiner Meinung.

    Neugier – bestes Beispiel Autounfall, da gibt es immens viele neugierige Menschen, die nur kucken aber nicht helfen. So ist das mit einem "Behinderten" – kucken tun viele, fragen die wenigsten. Richtig ich wurde gut erzogen von meinen Eltern und noch dazu Betroffene die weiß wie es ist angestarrt zu werden! Es kommt darauf an wie man jemanden begegnet. Aber wie schon so oft hier geschrieben, welche die nicht betroffen sind können sich wahrscheinlich nicht in die Situation hineinversetzen!

    @ M!ss_Delicious

    Warum kannst Du nicht akzeptieren, dass es Menschen gibt, die Dich anstarren?

    Zitat

    welche die nicht betroffen sind können sich wahrscheinlich nicht in die Situation hineinversetzen!

    Kannst Du Dich in die Situation der Menschen hineinversetzen, von denen Du Dich angestarrt fühlst?

    mond+sterne


    Ich wünsche dir bei Gott nicht dass du jemals einen Unfall hast von dem du Narben davon trägst oder eine sichtbare Behinderung!


    Aber die Menschen wissen erst dann wenn ihnen was passiert ist wie es ist angestarrt zu werden.


    Da du kein sonderlich starken Charakter aufweist, alleine schon deine Schreibweise, würdest du sicherlich nicht damit klarkommen und dich verstecken. 'Und dann würde ich dich fragen "Na, kommst du klar mit den Menschen die dich anstarren?" ;-D


    Da gibt es nichts sich in solche Menschen die andere blöd ankucken hineinzuversetzen! Meinst du deine 2 Fragen da oben ernst? Naja die Gesellschaft macht einen halt dazu, du kannst sicherlich noch nicht mal was dafür.

    Kompliziert; ein einziges Minenfeld ...


    Um zu erkennen, dass jemand Hilfe brauchen könnte, muss man hinschauen. Schaut man hin, könnte sich der andere angestarrt fühlen. Erst recht, wenn man unschlüssig ist, wie man die Situation einschätzen soll und an sich einen längeren Blick/mehrere Blicke benötigen würde. Bittet man keine Hilfe an, heißt es wieder wie ignorant und egozentrisch Mitmenschen wären. Bietet man seine Hilfe an und die wird nicht benötigt, könnte sich der andere "belästigt" oder "positiv diskriminiert" fühlen (weil man ihm ja nicht sicher zutraut es alleine zu schaffen). Aufdringlich sein möchte man auch nicht.


    Was tun?


    -> Wegschauen/schon gar nicht ins Gesicht oder auf auffällige Körperpartien. Andere ausblenden aus der eigenen Wahrnehmung. Hilfe erst anbieten, wenn der andere es nicht alleine hinbekommt (und selbst da erst noch mal abwarten, vielleicht möchte derjenige keine Hilfe und es alleine schaffen; am besten derjenige fragt von sich aus nach Hilfe, dann ist alles klar).

    Snaiperskaja [VSS]


    So ähnliche Gedanken habe ich beim Lesen der letzten Beiträge auch ;-).


    Sicher gibt es die "starrenden" Menschen die eben einfach nur aus "Sensationsgier" starren. Aber ich glaube da sind eben auch nicht wenige drunter die sich wirklich einfach nur Gedanken machen, unsicher sind. Ich habe auch mond+sterne mit seiner Frage:

    Zitat

    Kannst Du Dich in die Situation der Menschen hineinversetzen, von denen Du Dich angestarrt fühlst?

    so verstanden, dass er damit sagen will, dass die Menschen eben nicht immer aus den gleichen Motiven heraus "starren".


    So ähnlich wie ich es oben auch mit der Aussage:

    Zitat

    Sicher sind diese Dinge, Attribute, direkt nicht vergleichbar – aber schon in dem Sinne, dass nicht jeder Mensch gleichermaßen darauf reagiert.

    M!ss_Delicious


    Hast Du es schon mal damit probiert, die Menschen die "starren" einfach anzulächeln?


    Manchmal ist es auch so, dass eben nur gedankenverloren gestarrt wird. Dieser Mensch Dich vielleicht gar nicht wirklich sieht.....ich kann verstehen, dass man mit einem besonderen Aussehen sofort denkt es läge daran – muß es aber ja nicht zwingend. ":/

    @ M!ss_Delicious

    Einen schwachen Charakter hat mond+Sterne sicher nicht, man sollte nicht ruhig und bedacht mit schwach verwechseln.


    Die Antworten auf die beiden Fragen würden mich zB auch interessieren.

    M!ss_Delicious

    Angestarrt werden ist ätzend. Snaiperskaja [VSS] hat den Konflikt in dem sich viele befinden ganz gut skizziert. Ich würde noch hinzufügen, dass es leider immer noch wenig alltäglichen Umgang und Kontakt mit Behinderungen in Deutschland gibt und deshalb viele es nicht wirklich gewohnt sind. Mal außen vor gelassen, dass es immer und überall Arschlöcher gibt; Ich denke vielen sind einfach zwei Dinge völlig klar: Zum einen das jeder Mensch mal Hilfe braucht und Menschen mit Behinderungen sind halt öfter auf Hilfe angewiesen und zum anderen das Autonomie unglaublich wichtig für die eigene Psyche ist. Da bleibt einem letztendlich nichts anderes übrig als zu schauen um es für sich erst einmal zu klären. Das kann durchaus ein innerer Konflikt sein, da vielen auch klar ist, dass die Grenze zwischen schauen und starren fließend ist.

    Klar, einen behinderten Menschen Hilfe anzubieten hat auch nichts mit Starren zu tun. Ich rede von Menschen die im Rollstuhl sitzen, oder jemand der nen Blindenstock hat so in der Art.


    Aber Menschen mit Brandnarben brauchen so eine Unterstützung nicht. Mir ist bewusst dass der Umgang sicher schwer ist. Aber es gibt dezentes unauffälliges Hingucken, oder das andere Hingucken.


    Klar lächel ich auch viele an, aber das bringt nicht viel. Sind verschämt und schauen gleich woanders hin.


    Mitleid braucht man genauso wenig. Man möchte normal behandelt werden. Aber mir ist auch klar dass heutzutage wo das Aussehen so enorm wichtig ist, wichtiger für viele als alles andere, dass das wohl nie gelingen wird.


    Naja so wie das mond+sterne ausgedrückt hat, ist das nicht gerade die richtige Wortwahl. Ich muss wohl und viele andere auch diese Leute akzeptieren die einen ankucken, aber recht ist mir das noch lange nicht. Bin doch auch nur nen Mensch, mit nen paar Narben halt. Und man ist halt sehr sensibel durch gewisse Erfahrungen.