2020 - Danke für nichts! (Mobbing und Eigenbedarfskündigung)

    Hallo zusammen,


    nachdem ich lange hier als unangemeldet mitgelesen habe, habe ich nun ein eigenes Anliegen und daher auch ein Account angelegt.


    Ich weiß gar nicht wo genau ich anfangen soll, denn derzeit ist es eine Aneinanderreihung von persönlichen Herausforderungen in diesem Jahr. Ich schreibe es einfach mal herunter in der Hoffnung, dass mir das schon ein wenig hilft.


    Seit September 2019 hat sich meine berufliche Perspektive aufgrund eines Wechsels in der Geschäftsführung (GF) verändert. Ich war bis zu dem Zeitpunkt als Stabsstelle der GF für eine befristete Projektstelle eingesetzt - langfristig sollte ich eine Führungsposition bekommen. Was ich nicht wusste ist, dass zum Zeitpunkt meiner Einstellung mein alter GF ein ziemlich unbeliebter Zeitgenosse war, der im Hintergrund schon einige Probleme angehäuft hatte. Nach dem Wechsel der GF (alter GF wurde aufgrund seines Fehlverhaltens in der Vergangenheit abgesägt) hatte nun der neue GF keine Ambitionen meine Position zu fördern. Kurzum, nachdem er mir erst keine Aufmerksamkeit geschenkt hatte und ich immer noch nicht von selbst gekündigt habe, hat er aktives Mobbing betrieben. Nachdem dieses Verhalten zu massiv wurde, hatte ich zuerst den Betriebsrat eingeschaltet und mir nachträglich juristische Unterstützung geholt. Seit März bin ich außerdem krank geschrieben, da ich mich der Situation nicht mehr aussetzen werde bis zum baldigen Vertragsende. Parallel habe ich begonnen mich zu bewerben, dann kam Corona und gefühlt stand der Arbeitsmarkt still. Ich bin immer noch auf der Suche und aktuell auch in Bewerbungsprozesse eingebunden. Ich muss dazu sagen, dass ich aufgrund eines Kleinkindes "nur" Teilzeit arbeiten gehen kann, wodurch sich der Arbeitsmarkt nochmals anders darstellt.


    Unser Kleinkind darf nun endlich wieder in den Kindergarten, sodass ich nun dachte, dass ich nochmal massiver auf den Arbeitsmarkt schauen kann. Außerdem wollte ich mich auch der Verarbeitung des Mobbings, welches insbesondere zu einem verzerrten Selbstbild geführt hat, widmen. Eine Therapiezusage habe ich bereits, eine Therapeutin auch. Ich wollte aber auch wieder mehr Sport machen, Ausmisten, Entspannungsmethoden durchführen usw. Doch es kommt noch dicker.


    Seit April 2020 stehen wir in einem Konflikt mit unseren Vermietern (wir wohnen seit Mitte 2019 dort). Wir haben ein Einfamilienhaus gemietet, welches ursprünglich lt. Zeitungsanzeige auch langfristig zum Kauf gestanden hätte. In diesem Frühjahr haben sie sich nicht mehr an gemeinsam getroffene Vereinbarungen gehalten. Unsere Vermieter zeigten eine Haltung, die von Rechten der Vermieter und Pflichten der Mieter ausgeht. Wir haben dann begonnen unsere Rechte freundlich aber deutlich klarzustellen. Letztlich führte dieses Einfordern zu einer Konstruktion einer Eigenbedarfskündigung mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten. Wir haben uns natürlich schon einen Anwalt an unsere Seite geholt, der uns eine Hohe Aussicht auf zumindest mal eine Verzögerung von vielleicht einem Jahr und somit mehr Zeit für uns gegeben hat.


    Nun sind wir auf der Suche nach Immobilien als Eigenheim, da das eh unser ursprünglicher Plan war.


    Ich versuche mir jeden Tag einzureden, dass diese Krise eine Chance ist den Weg ins Eigenheim zu gehen. Ich versuche es mir wie ein Mantra stündlich aufzusagen. Aber innerlich bin ich durch. Mein Mann und ich erleben schon auch starke Existenzängste, Wut und Rachegefühle den Vermietern gegenüber, Wut und Trauer über die Mobbingsituation. Wenn ich an die nächsten Monate denke weiß ich nicht, wie das alles funktionieren soll. Ich rechne (hoffe) nicht mit einem Auszug zum geforderten Zeitpunkt, aber ich überdenke jetzt schon meine hoffentlich bald erfolgreiche Arbeitssuche. Wie soll ich Energie in eine neue Arbeit stecken, wenn im Hintergrund sowas läuft? Ich habe mich auf Positionen mit Verantwortung beworben, d.h. performen ist erforderlich. Leider haben wir vor Ort keine Familie, die uns unser Kleinkind auch mal abnehmen kann. Es existiert nur der Kindergarten (einen Babysitter hatten wir jetzt anvisiert, aber nun....).


    Wie viel kann man aushalten? Wie kann ich das sortieren und vor allem, wie können wir das als Familie gesund überstehen? %:|


    Danke schon mal fürs Durchlesen! @:)

  • 58 Antworten

    Hallo,


    sorry. für mich klingt das echt nach Jammern. Alle sind Schuld, nur ich nicht.


    cloudwatcher schrieb:

    der neue GF keine Ambitionen meine Position zu fördern. Kurzum, nachdem er mir erst keine Aufmerksamkeit geschenkt hatte und ich immer noch nicht von selbst gekündigt habe, hat er aktives Mobbing betrieben


    Sorry, wenn du für ein Projekt zuständig bist, würd ich von DIR Updates und den Stand der Dinge erwarten und nicht das der GF dir Aufmerksamkeit schenkt!




    cloudwatcher schrieb:

    In diesem Frühjahr haben sie sich nicht mehr an gemeinsam getroffene Vereinbarungen gehalten. Unsere Vermieter zeigten eine Haltung, die von Rechten der Vermieter und Pflichten der Mieter ausgeht.


    An was für Vereinbarungen hat er sich nicht mehr gehalten? Und Ihr seid doch Mieter, oder nicht? Warum soll sich dann der Vermieter anders verhalten?

    Erstmal danke für die Antwort. Ich muss vielleicht nochmal ausführen, wollte es nur nicht zu lang machen.


    Ich habe bei der GF natürlich direkt alle Sachstände in den Projekte offengelegt und gefragt, wie er sich die Zusammenarbeit vorstellt (kurz- und mittelfristig). Er hat einfach jede Kommunikation mit mir vermieden, E-Mails und Anfragen komplett ignoriert. Dies hat er nicht nur mit mir so gemacht, sondern auch mit anderen Personen.

    Ich war motiviert alles zu tun, wäre auch mit einer kompletten Veränderung meiner Aufgaben einverstanden gewesen, habe das auch kommuniziert - ohne Erfolg. Bis ich verstanden habe, dass er mich loswerden will, musste ich mich leider erst in einem Jour Fixe (ja, es gab dann doch mal eines) bedrohen lassen. Das war dann der Moment, wo ich die Reißleine gezogen habe.


    Zu den Vermietern:


    Hausfriedensbruch und Diebstahl, nachgewiesen durch Kameras, die wir laut Anwalt auch aufstellen dürfen.


    Ich hoffe, dass das Bild wird klarer.


    Jammern ist eher nicht so mein Ding, sondern eher Lösungsorientierung und Kräfte sammeln. :)z

    cocosun_75 schrieb:

    Okay, das kommt in deinem ersten Beitrag nun garnicht so rüber...


    Dann entschuldige ich mich!

    Kein Problem *:)


    Ich gebe dir auch recht, mein Eingangsbeitrag enthält hier und da zu wenig Hintergrundinfos.

    cloudwatcher schrieb:

    Hausfriedensbruch und Diebstahl, nachgewiesen durch Kameras, die wir laut Anwalt auch aufstellen dürfen.

    Und da wolltet ihr länger wohnen bleiben? Ich wäre wohl direkt ausgezogen.


    Das mit der Arbeit verstehe ich nicht. Hattest du keine Aufgaben mehr? Was ist in dem Meeting passiert?


    Ansonsten seid lieber froh, dass es euch gesundheitlich und finanziell wenigstens so super geht.

    Das mit dem direkt ausziehen kann ich verstehen, aber so leicht ist das auch nicht. Wir haben unsere Rechte natürlich eingefordert und uns gedacht, dass wir zügig aber nicht überstürzt, jetzt an dem Eigenheim-Thema arbeiten. Wohnungen und auch Mietshäuser sind hier auch rar und teuer, sodass das nur eine Notlösung wäre. Aber du hast recht, hier will man nicht bleiben..


    Ja, tatsächlich wurden mir nach und nach Aufgaben entzogen und auf andere übertragen. Da ich diesbezüglich in Reflexion gehen wollte habe ich auch gefragt, woran es liegt bzw. was ich ändern kann. Es wurde dann viel erläutert in Richtung: das ist ein schlechtes Projekt; dieses brauchen wir nicht; das kann jemand anderes machen. Das alles kann und darf natürlich GF so entscheiden. Ich bin letztlich zur These gelangt, dass der alte GF zu viel verbrannte Erde hinterlassen hat und ich als „künstlich konstruierte Stelle“ nicht benötigt wurde. Künstlich konstruiert deshalb, weil der alte GF mir „bis mein Kind älter ist und ich mehr arbeiten kann in der anvisierten Führungsposition“ eine befristete Projektstelle gegeben hat. Der neue GF fand das wohl unsinnig und hat mich dann mehr als unsanft angestoßen. Tja, übrig ist halt ein verzerrtes Selbstbild :-/

    Verhueter schrieb:
    cloudwatcher schrieb:


    Ansonsten seid lieber froh, dass es euch gesundheitlich und finanziell wenigstens so super geht.

    Das ist der Punkt: gesundheitlich bin ich angeknackst, zumindest psychisch. Finanziell geht es uns so, dass wir sicher sind. Aber so grundsätzlich wäre jetzt der Moment „durchzudrehen“ %:| im Sinne von „meine Güte, was ein sch. Jahr“. Wir müssen stark für unser Kleinkind sein, neue Bleibe suchen, Job suchen, Umzug planen, Rechtsstreit führen. Das ist parallel einfach sehr viel Druck. :-|

    ... aber ihr seid ja zu 2 und könnt euch Halt geben. Ja, ihr habt momentan mehrere Baustellen, aber anstatt panisch im Kreis zu laufen und durch zudrehen, seht es lieber als harte Zeit. Lästig, aber es geht vorbei.

    cloudwatcher schrieb:

    Wie viel kann man aushalten?

    Viel, vor allem wenn man nicht alleine und körperlich gesund ist.


    Ich möchte deine Ereignisse keinesfalls kleinreden, aber du bist hier in einem Medizinforum, wo viele seit Jahren mit schweren Krankheiten kämpfen. Es ist sicherlich unschön, im Job rausgeekelt worden zu sein und die erwünschte Führungsposition nicht erhalten zu haben und sicherlich gibt es Besseres als eine Kündigung wegen Eigenbedarf zu erhalten.

    cloudwatcher schrieb:

    Wie kann ich das sortieren und vor allem, wie können wir das als Familie gesund überstehen?

    Schriftlich zusammen ordnen und sortieren, Prioritätenpläne machen, neue Perspektiven besprechen und auflisten, etc. Und immer die Relationen im Auge behalten...

    Jetzt mal ganz ruhig. Das was du so beschreibst sind Geschichten die das Leben schreibt. Halt auch mal in der negativen Variante.

    Mach dich Gedanklich mal etwas frei das immer alles Reibungslos und perfekt ablaufen muss. Es gibt solche Zeiten eben aber es gibt auch für alles eine Lösung. Wohnung lässt sich finde auch wenn es evtl für den Anfang nur wsd zum überbrücken ist. Auch ein Job last sich finden. Vorallem wenn ihr finanziell sicher seid. Tut mir leid wenn ich das so sage aber es gibt leute die finanziell bei jobverlust vor den Abgrund stehen und nicht mehr wissen von was sie am Ende Monats essen kaufen sollen.


    Fahr innerlich ein bisschen runter. Nix wird so heiss gegessen wies gekocht wird

    wichtig ist, dass ihr eure wohnsituation regelt und zwar zur miete. in deiner psychischen verfassung würde ich das risiko eines Eigenheims nicht angehen.


    mit ist beruflich so ziemlich das gleiche passiert. meine ex-chefin und förderin wurde versetzt, der neue ist eine pfeife. ich habe mir was neues gesucht.


    so gesehen, neue Wohnung und neue Arbeitsstelle sind ganz normale dinge.


    was mich stutzig macht ist deine anforderung an deine arbeitsstelle. in deiner Verfassung würde ich kleinere Brötchen backen

    Erstmal danke ich euch für euer Feedback und den Hinweis auf die Relation. Natürlich halte ich mir die Situation vor Augen und vor allem, dass es Leuten viel schlechter geht. Aber das hilft ja oftmals nur begrenzt, denn die Sorgen sind nun mal da und die Ängste vorhanden.


    Ich habe das Vertrauen, dass wir eine Lösung finden. Das mit dem Eigenheim ist unser Ziel, aber nicht überstürzt. Zeichnet sich ab, dass wir nix finden hinter dem wir beide stehen, dann ist das halt so.


    Die Jobfrage und die Anforderungen das ist so ein Thema. Ich brauche nicht unbedingt die Herausforderung von Führung oder so. Ich möchte einfach etwas machen, was langfristig sinnvoll ist. Die aktuellen Bewerbungen sind nun mal mit Verantwortung. Das ist für mich erstmal positiv, aber nun ist halt die Gesamtsituation rundherum schwierig geworden. Ich werde daher natürlich nicht die Gespräche absagen, zumal ich halt trotz sehr guter Qualifikation nicht die Auswahl habe, da nur Teilzeit möglich. Suche ich außerhalb meiner Komfortzone habe ich die Erfahrung gemacht nicht eingeladen zu werden. Dies erklärt sich scheinbar damit, dass ich noch kurz vor der Geburt unseres Kindes neben einem

    Vollzeitjob ein Masterstudium abgeschlossen habe. Da wurde ich auch schon mal im Interview gefragt, warum ich mich denn auf diese Stelle bewerbe mit der Idee, dass ich mich mittelfristig auf was anderes bewerben würde. Was vollkommener Quatsch ist, aber scheinbar wird das auch mal so angenommen. %-|


    Ich frage mich allerdings, wie andere Menschen solche Situation mit Druck und ähnlichen Emotionen aushalten. Gedanklich frei machen wurde geraten. Das finde ich gut, aber wie macht man das ???":/

    Fokus nicht auf das "Warum?" etc. legen, sondern auf "Okay, ist jetzt so, was kann ich AKTIV tun, damit es besser wird, ein Problem gelöst wird,...?".


    Und ganz ehrlich: Die Situation ist Mist, aber m.M.n. noch ziemlich alltäglich und lösbar. Gut, vielleicht kriege ich zu viel Drama mit und habe selber auch immer mehr als genug Probleme um die Ohren, aber Deine Situation ist eben nicht sooo dramatisch und ausweglos, dass man deswegen komplett überlastet reagieren muss.

    Nur, weil man nicht gleich am Hungertuch nagt, heißt das nicht, dass man keine Sorgen haben dürfe. Und Mobbing abzutun, weil man ja schließlich viel Geld hätte und nicht mit einem Bein im Grab steht ... als würde Geld/körperliche Gesundheit vor Verletzung schützen.


    Also ja, durchaus, man muss nicht durchdrehen. Die Welt geht nicht unter. Aber dennoch... manchmal braucht ein Mensch einfach etwas Zuspruch. Für "Lappalien".


    @TE:
    Ich finde es gerade nicht: nimmst du psychologische Hilfe in Anspruch, vor allem wegen dem Mobbingthema? Damit du wieder ein gesundes Selbstbild von dir bekommst.


    Den Ansatz, die Ereignisse als Chance zu sehen, finde ich gut. Und es ist okay, mal durch zu sein. Es kommt gerade viel für euch zusammen. Versuch(t), etwas für dich/euch zu machen. Stress rausnehmen, runterkommen und Kleinigkeiten genießen. @:)