Abstellgleis nach Elternzeit? Nichts zu tun!

    Hallo,


    mich schreibe unter einem Alias, da ich nicht möchte, dass zuviele Details meines Privatlebens unter meinem eigentlichen Usernamen Rückschlüsse auf mich zulassen (nur falls hier doch mal jemand mitliest, der mich aus dem Real Life kennt).


    Ich bin seit gut 2 Monaten aus der Elternzeit zurück. Ich arbeite Vollzeit und bin im konzeptionellen Bereich tätig. Operatives Geschäft gibt es kaum. Mehr möchte ich zu meiner Arbeit aus Anonymitätsgründen nicht preisgeben.


    Bis Ende letzten Jahres hieß es noch, dass ich meinen alten Arbeitsbereich wiederbekomme. Am ersten Tag nach der Elternzeit wurde mir verkündet, dass das nun nicht mehr ginge. Meine Vertretung solle die Aufgabe übernehmen. Ich bekam einen anderen Aufgabenbereich zugewiesen und arbeitete mich rd. 2-3 Wochen ein. Mir passierte in der Zeit kein Fehler und ich habe mir auch nichts zu Schulden kommen lassen, außer paar Tage Abwesenheit wegen einer Erkältung. Danach wurde mir erneut verkündet, dass ich die zuvor übernommene Aufgabe nicht mehr weiter bearbeiten soll, das würden nun andere Kollegen machen. Was genau aber in Zukunft meine Aufgabe ist, wurde mir nicht mitgeteilt.


    Das Gespräch dazu fand erst 2 Tage später statt. Hier erhielt ich jedoch auch keinen langfristigen Aufgabenbereich. Ich bekam nur paar wenige temporäre Aufgaben, die in der Vergangenheit liegen blieben und langsam mal erledigt werden sollten.

    Nun ist es so, dass ich wieder schwanger bin. Aufgrund der besonderen Situation in Bezug auf meinen Arbeitseinsatz habe ich meinen Chef zeitnah davon unterrichtet.


    Ich erwarte natürlich nun nicht mehr, dass mir wichtige, spannende oder tolle langfristige Aufgaben übertragen werden, aber ich möchte meine Zeit auch nicht einfach nur absitzen.


    Ich habe schon mehrfach klargestellt, dass ich Arbeit brauche, da ich nicht ausgelastet bin und mir meine Kollegen Bescheid geben sollen, wenn ich ihnen unter die Arme greifen kann, weil ich nicht ausgelastet bin. Da kommt aber nichts bei rum 8-(


    Corona erschwert die Lage zusätzlich. Zum einen sind wir technisch nicht so gut ausgestattet, dass wir alle Besprechungen online stattfinden lassen können, sodass die Besprechungen aufgrund der Raumkapazitäten auf die wirklich wichtigen Personen beschränkt sind (und dazu gehöre ich nicht, ich wurde aus allen Besprechungen gekickt) und zum anderen arbeite ich auch viel aus dem Home Office heraus, da wir wegen Corona keine Kinderbetreuung haben.


    Ich fühle mich in dieser Situation unwohl, da ich nicht mal ansatzweise ausgelastet bin und aktuell Aufgaben erledige, die eher auf dem Niveau eines besseren Azubis oder einer studentischen Hilfskraft sind (ich habe 5 Jahre Berufserfahrung in meinem eigentlichen Aufgabengebiet, welches auch einen Masterabschluss verlangt(e)) und nun bin ich auf dem Abstellgleis gelandet und habe weder fachlich noch menschlich Anschluss in der Arbeit. Die Stimmung zwischen mir und meinem Chef und meinen Teamkollegen ist aber eigentlich gut, wenn auch bisschen distanziert. Ich hab nur das Gefühl, dass es sie nicht großartig tangiert, ob ich da bin und ob ich was zu tun habe.

    Ich weiß nicht, wie ich mit der Situation umgehen soll. Ich habe meinen Arbeitswillen mehrfach gezeigt und um Arbeit gebeten.


    Nach der Elternzeit fällt es mir auch schwer, mir selber Arbeit zu suchen. Es hat sich bei uns in der Abteilung viel verändert. Aufgabenzuschnitte, Teammitglieder, etc. Zudem arbeiten wir grundsätzlich eher isoliert in Teams von 2-3 Personen. In meinem Mini-Team gibt es offensichtlich nicht genügend Arbeit, dass es auch für mich reicht. Und bei den anderen fehlt mir der Einblick bzw. auch das Fachwissen.


    Es ist einfach so zermürbend und anstrengend, den Tag rumzubekommen.


    Hat jemand einen Rat für mich? :-(

  • 9 Antworten

    Ich denke, dass du einem Erklangsgesprach (ggf. über Zoom), über wie es weitergeht.

    Du wirst ja wieder für 1-3 Jahren demnächst ausfallen.

    Wenn man keine Aufgaben übertragen kriegt, sollte man direkt fragen, ob sie in der Richtung Kündigung aus betrieblichen Grund gehen.

    Also direkt handeln, vor sie es tun.

    Ich würde auch das Gespräch mit der Führungskraft suchen. Möglicherweise kannst du auch konkrete Vorschläge machen? Und weiß dein Chef, welche Perspektive du hast? Sprich, wie lange du Elternzeit nimmst (kann sich ändern, klar, aber zumindest eine Hausnummer zumindest).


    Für deine FK wird diese Situation insofern nicht so einfach sein, weil du ja maximal 8,5 Monate da sein wirst. Anhängig von den Aufgaben ist es eventuell gar nicht so einfach, dir ein eigenes Arbeitsfeld wiederzugeben.

    Ich bin FK und mich würde es nicht begeistern wenn jemand kurz nach der Elternzeit wieder schwanger ist.

    Dennoch würde ich ehrlich sein und deutlich kommunizieren.

    Luci32 schrieb:

    Ich denke, dass du einem Erklangsgesprach (ggf. über Zoom), über wie es weitergeht.

    Du wirst ja wieder für 1-3 Jahren demnächst ausfallen.

    Wenn man keine Aufgaben übertragen kriegt, sollte man direkt fragen, ob sie in der Richtung Kündigung aus betrieblichen Grund gehen.

    Also direkt handeln, vor sie es tun.

    Eine Kündigung ist ausgeschlossen. Das wird nicht passieren.

    Hatschepsut_ schrieb:

    Ich würde auch das Gespräch mit der Führungskraft suchen. Möglicherweise kannst du auch konkrete Vorschläge machen? Und weiß dein Chef, welche Perspektive du hast? Sprich, wie lange du Elternzeit nimmst (kann sich ändern, klar, aber zumindest eine Hausnummer zumindest).


    Für deine FK wird diese Situation insofern nicht so einfach sein, weil du ja maximal 8,5 Monate da sein wirst. Anhängig von den Aufgaben ist es eventuell gar nicht so einfach, dir ein eigenes Arbeitsfeld wiederzugeben.

    Mein Plan war erstmal die Blödi-Aufgaben so schnell es geht, zu Ende zu bringen und wenn sich dann nicht mehr Aufgaben ergeben haben, nochmal das Gespräch suchen. Ein Kollege hat mich vor Kurzem angesprochen und hatte einige Ideen für mich. Ich hab ihm hoffentlich ausreichend signalisiert, dass ich seine liegen gebliebene Aufgaben liebend gerne auch noch übernehmen würde.

    Mein Chef kennt meine Elternzeitpläne. Ich komme nach einem Jahr wieder.


    Mir ist auch bewusst, dass es keinen Sinn macht, dass ich jetzt noch was richtig Eigenes und vorallem Dauerhaftes bekomme. Aber meine Arbeitskraft einfach so verpuffen lassen, kann doch auch nicht der richtige Weg sein ":/

    nanchen schrieb:

    Ich bin FK und mich würde es nicht begeistern wenn jemand kurz nach der Elternzeit wieder schwanger ist.

    Dennoch würde ich ehrlich sein und deutlich kommunizieren.

    Wäre es wirklich besser, wenn ich erst ein Jahr da und dann wieder schwanger wäre? Aktuell reiße ich noch kein großes Loch ins laufende System durch eine erneute Elternzeit. Die Zeit, die ich jetzt durch 2-3 Kinder wegen der Elternzeit ausfalle, ist irgendwann ein kleiner Bruchtteil meines Arbeitslebens in dieser Abteilung (ich möchte da wirklich gerne noch einige Zeit bleiben und hab kein Bedürfnis mich wegzubewerben).

    Das was kommuniziert wird ist: Dass es für die Abteilung ein Verlust ist, dass ich wieder ein Jahr ausfalle, da wir sooo viel zu tun haben, sich aber natürlich alle für mich freuen.
    Meine bisherige Arbeit wurde stets gelobt. Es fiel noch nie ein negatives Wort zu meinem Arbeitsstil /-verhalten 8-(

    Jetzt ist es doch eh Wurst, du bist bald wieder für ein Jahr weg also wirst du jetzt sowieso keinen Mega wichtigen Aufgaben bekommen

    Wenn du normalerweise konzeptionell arbeitest, kannst du nicht einfach von dir aus Ideen entwickeln, die vielleicht für die Projekte der Kollegen nützlich sein könnten? Und dann einfach ohne Erwartungshaltung den Kollegen schicken und schreiben, dass es selbstverständlich an ihnen liegt, ob sie es lesen und ob sie etwas davon nützlich genug finden, um es aufzugreifen.


    Wenn du ein paar gute Ideen hast, werden sie eventuell aufgegriffen und du kannst auf diese Weise beweisen, dass deine Anwesenheit sehr wohl einen Mehrwert bietet.


    Wenn du jetzt nichts lieferst, dann wirst du auch nach der 2. (oder gar 3.?) Elternzeit erst recht keine substantiellen Aufgaben bekommen. Weil es dann ja wirklich egal ist, ob du da bist oder nicht.

    Insofern bist du wahrscheinlich etwas in der Bringschuld, deine Motivation und dein Köpfchen zu demonstrieren, wenn du nicht als hauptberufliche Mutter wahrgenommen werden willst.

    Limose schrieb:

    Jetzt ist es doch eh Wurst, du bist bald wieder für ein Jahr weg also wirst du jetzt sowieso keinen Mega wichtigen Aufgaben bekommen

    Es geht mir nicht um wichtige Aufgaben. Es geht mir einfach um Beschäftigung. Ich würde sogar im Service aushelfen, wenn ich dann wenigstens ausgelastet wäre. Ich kann doch jetzt nicht Monate lang nur 10-20% meiner Arbeitszeit tatsächlich was tun.



    Die Idee an sich ist gut, aber da hier jeder für sich vor sich hin arbeitet, habe ich gar keinen Einblick in das operative Geschäft oder etwaige Projekte meiner Kollegen. Corona macht es auch nicht einfacher, da einen Einblick zu bekommen. Die Kollegen, die ich unterstützen kann, vertrösten mich immer von Tag zu Tag, weil es ihnen gerade nicht passt mir was abzugeben. Selbst Berechtigungen für Laufwerke und das DMS werden hinausgezögert.


    Die Aufgaben, die ich übertragen bekommen habe, sind auch recht zäh, die kann ich nur in Teilschritten abarbeiten und bin dann wieder auf Zulieferung von anderen angewiesen und muss warten. Also mal eben ranklotzen und in einer Woche ist die Sache vom Tisch ist nicht drin.


    Die Situation ist sehr frustrierend.

    Zitat

    Die Idee an sich ist gut, aber da hier jeder für sich vor sich hin arbeitet, habe ich gar keinen Einblick in das operative Geschäft oder etwaige Projekte meiner Kollegen.

    Das ist wohl das Problem. Du bist erst seit 2 Monaten wieder da und hast keinen Einblick in die laufenden Projekte. Vielleicht war erstmal geplant, dass du dich wieder reinfinden kannst. Also auf die Kollegen zugehen und auf Stand bringen lassen, was die laufenden Projekte betrifft oder warten, bis ein neues reinkommt und dich direkt einbinden lassen. Je nachdem, was aus dem alten gewohnten Arbeitsprozess heraus günstiger erscheint. Die Frage ist, ob das Sinn macht, wo du aktuell wieder schwanger bist und nach dieser Schwangerschaft vielleicht noch eine planst.

    Das aktuell von den Kollegen nicht viel kommt, kann vielleicht auch an der generellen Auftragslage derzeit durch Corona liegen. Wenn ihr weniger Aufträge habt und die Kollegen auch gerade mal so ausgelastet sind, geben die natürlich ungern was ab. Und die Aussicht, dass Corona sich vielleicht noch eine Weile hinzieht und du dann bald wieder im Mutterschutz/Elternzeit bist, macht es nicht leichter.

    Zitat

    Die Idee an sich ist gut, aber da hier jeder für sich vor sich hin arbeitet, habe ich gar keinen Einblick in das operative Geschäft oder etwaige Projekte meiner Kollegen.

    Dann vielleicht ein komplett eigenständiges Initiativprojekt? Irgendetwas, das für interne oder externe Kunden nützlich ist oder nützlich sein könnte.
    Oder eine Szenarienanalyse wie sich verschiedene Corana-szenarien im 2. Halbjahr auf euch auswirken würden und was dann getan werden kann, um sich anzupassen.


    Oder ganz banal auf deine Situation bezogen ein Konzept, wie man Karenzrückkehrer möglichst rasch und produktiv wieder in Arbeitsabläufe einbindet (bzw. wie man während der Karenz Kontakt halten kann, um zu vermeiden, dass man nach der Rückkehr komplett ahnungslos über die aktuellen Projekte ist.)