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    ein eher femininer Mann wirkt doch nicht verkleidet, wenn er keine Frauenklamotten trägt

    Es geht eher darum, ob sich der jeweilige Mensch verkleidet vorkäme und unwohl fühlen würde. Ich versuche mir hier von Anfang an schon vorzustellen, wie es mir damit ginge, wenn ich mich in "Männermode" bewerben sollte, also wenn man mir (aus welchen Gründen auch immer) nahe legen würde, meinen (nach aktuellem Verständnis) feminin wirkenden Kleidungsstil zu überdenken und doch bitte ein Hemd aus der Herrenabteilung zu tragen und die hohen Schuhe gegen flache Halbschuhe aus der Herrenabetilung einzutauschen. Ich würde mich tierisch unwohl fühlen dabei.


    Nun habe ich das Glück, als Frau zur Welt gekommen zu sein und im Großen und Ganzen das schön zu finden und gerne zu tragen, was derzeit viele Frauen tragen (wobei ich mich auch selbst frage, warum ich es eigentlich schön finde – wirklich aus freien Stücken oder bin ich selbst nicht frei in meiner Wahl, sondern wie gesagt auch nur ein Produkt meiner Erziehung und Sozialisation). Aber sei's drum, es könnte ja auch anders sein oder sich ändern. Wenn die Mehrheit plötzlich der Meinung wäre, die Kleidung, die mir gefällt, sei eher oder nur etwas für Männer, hätte ich auch ein "Problem".


    Vielleicht können es einige, bei denen sich das aktuelle Verständnis von Geschlecht+Mode derzeit mit ihrem eigenen Empfinden deckt, besser nachvollziehen, wenn sie sich mal vorstellen, wie es ihnen damit ginge, plötzlich nicht mehr in der Abteilung einzukaufen, die ihrer Meinung nach zu ihnen passt, sondern auf ganz andere Mode umzusatteln (die sie z.B. ganz "eindeutig" dem anderen Geschlecht zuordnen).

    ich scheine da echt eine ganz andere Weltsicht zu haben...... es geht um Vorstellungsgespräche, um einen Job zu bekommen.


    Ich kann viele Gründe akzeptieren, wieso man keinen Job bekommen /finden kann, aber die Versteifung darauf, dass man lieber Bluse als Hemd in diesen 30 Min tragen will, gehört für mich nicht dazu. Wieso es nicht einfach mal versuchen und gucken, ob es dann mit dem Job klappt?


    Die öffentlichen Gelder sollten dort verwendet werden, wo wirkliche Not herrscht.

    Zitat

    Nun habe ich das Glück, als Frau zur Welt gekommen zu sein und im Großen und Ganzen das schön zu finden und gerne zu tragen, was derzeit viele Frauen tragen (wobei ich mich auch selbst frage, warum ich es eigentlich schön finde – wirklich aus freien Stücken oder bin ich selbst nicht frei in meiner Wahl, sondern wie gesagt auch nur ein Produkt meiner Erziehung und Sozialisation). Aber sei's drum, es könnte ja auch anders sein oder sich ändern. Wenn die Mehrheit plötzlich der Meinung wäre, die Kleidung, die mir gefällt, sei eher oder nur etwas für Männer, hätte ich auch ein "Problem".

    Genauso war es ja auch früher.... und daher finde ich Dumals Kommentar sehr passend.


    Das gewisse Kleidung "nur für Frauen" ist, ist im Endeffekt doch ein Beweis dafür, dass Frauen heute quasi alles anziehen dürfen, Männer allerdings nicht.


    ??Das ist mir erst so richtig bewusst geworden seit ich einen kleinen Sohn habe der auch gerne mal einen Rock angezogen hätte??

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    Vielleicht können es einige, bei denen sich das aktuelle Verständnis von Geschlecht+Mode derzeit mit ihrem eigenen Empfinden deckt, besser nachvollziehen, wenn sie sich mal vorstellen, wie es ihnen damit ginge, plötzlich nicht mehr in der Abteilung einzukaufen, die ihrer Meinung nach zu ihnen passt, sondern auf ganz andere Mode umzusatteln (die sie z.B. ganz "eindeutig" dem anderen Geschlecht zuordnen).

    Himmel, ich meine doch nicht, dass er nie wieder und auch im Privatleben nie wieder Frauenkleidung tragen soll, es geht um 30min Vorstellungsgespräche.


    Vor über 20 Jahren hatte ich in einem erzkonservativen Berech gearbeitet. Ich brauchte die Zeit im Rahmen meiner Qualifikation auf dem Weg zu meinem Karriereziel. Zum Vorstellungsgespräch ging ichals Fräulein Rottenmeier verkleidet, bekam den Job, überzeugte nach und nach durch Leistung, und saß am Ende mit angewetzter Jeans und Nasenpiercing in den heiligen Dekanatshallen-und es störte niemanden.

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    Zum Vorstellungsgespräch ging ichals Fräulein Rottenmeier verkleidet, bekam den Job,

    Dann freu dich darüber, dass dir das Talent gegeben wurde überzeugend in eine Rolle zu schlüpfen, die dir nicht liegt. Das Glück hat nicht jeder Mensch.


    Ich als Frau fühle mich beispielsweise in Strumpfhosen, Röcken, Kleidern, femininen Schuhen wie Ballerinas, Pumps & co so unwohl als hätte mir jemand Juckpulver in die Klamotten getan. Überspiel das mal.


    Glücklicherweise werden bei Frauen heutzutage meist auch flache schicke Schuhe und Hosenanzüge akzeptiert. Diesen Vorteil genießt der TE in Hinblick auf seine bevorzugte Kleidung leider nicht. Dafür hat er mein herzliches Beileid. Ich finde in Sachen Gleichberechtigung und Toleranz muss sich auch für Männer noch so einiges tun.

    Zitat

    Glücklicherweise werden bei Frauen heutzutage meist auch flache schicke Schuhe und Hosenanzüge akzeptiert. Diesen Vorteil genießt der TE in Hinblick auf seine bevorzugte Kleidung leider nicht. Dafür hat er mein herzliches Beileid. Ich finde in Sachen Gleichberechtigung und Toleranz muss sich auch für Männer noch so einiges tun.

    Genau das ist der Punkt den ich eben auch bemängele.


    Es fängt ja gerade erst an so zu sein, dass Männer wenigstens mal ein rosa Hemd tragen "dürfen" - und auch das sehen noch viele Menschen ungern.


    Ganz krass aufgefallen ist mir das wirklich seitdem ich Mutter eines Jungen bin und gemerkt habe wie stark alles immer sehr geschlechtsspezifisch "aufgeteilt" ist in Sachen Kleidung. Selbst bei Dreijährigen ist es schon "wichtig" auf welcher Seite die ansonsten komplett gleichgeschnittene Hose schließt %:|


    Ich hoffe echt das es sich in die Richtung weiterentwickelt das irgendwann auch ein Mann der im eleganten Rock in der Bank arbeitet nicht mehr blöd angestarrt wird.

    Zitat

    Glücklicherweise werden bei Frauen heutzutage meist auch flache schicke Schuhe und Hosenanzüge akzeptiert. Diesen Vorteil genießt der TE in Hinblick auf seine bevorzugte Kleidung leider nicht. Dafür hat er mein herzliches Beileid. Ich finde in Sachen Gleichberechtigung und Toleranz muss sich auch für Männer noch so einiges tun.

    Genau das ist der Punkt den ich eben auch bemängele.


    Es fängt ja gerade erst an so zu sein, dass Männer wenigstens mal ein rosa Hemd tragen "dürfen" - und auch das sehen noch viele Menschen ungern.


    Ganz krass aufgefallen ist mir das wirklich seitdem ich Mutter eines Jungen bin und gemerkt habe wie stark alles immer sehr geschlechtsspezifisch "aufgeteilt" ist in Sachen Kleidung. Selbst bei Dreijährigen ist es schon "wichtig" auf welcher Seite die ansonsten komplett gleichgeschnittene Hose schließt %:|


    Ich hoffe echt das es sich in die Richtung weiterentwickelt das irgendwann auch ein Mann der im eleganten Rock in der Bank arbeitet nicht mehr blöd angestarrt wird.

    Zitat

    Vor über 20 Jahren hatte ich in einem erzkonservativen Berech gearbeitet. Ich brauchte die Zeit im Rahmen meiner Qualifikation auf dem Weg zu meinem Karriereziel. Zum Vorstellungsgespräch ging ichals Fräulein Rottenmeier verkleidet, bekam den Job, überzeugte nach und nach durch Leistung, und saß am Ende mit angewetzter Jeans und Nasenpiercing in den heiligen Dekanatshallen-und es störte niemanden.

    Das ist in etwa die Entwicklung, die sternchen28 auch beschrieben hat und den Ansatzpunkt finde ich übrigens nicht schlecht. Ich kann mir gut vorstellen, dass es bei Catsdream ähnlich laufen könnte. Er hat ja auch schon gesagt, dass er, wenn er eine Chance bekam, durchaus positives Feedback von den Kunden erhalten hat im Supermarkt. Analog zu euren Beispielen (Piercing, zerschlissene Jeans) wäre das für mich in etwa damit vergleichbar, dass Catsdream irgendwann auch in Hello-Kitty-Shirts arbeiten kann. Die Anpassung erfolgt von seiner Seite aus ja nämlich jetzt schon, indem er durchaus schlichte "Frauenmode" trägt.


    Die Frage ist halt, hättest du dir genau so gut vorstellen können damals nicht als stereotypes Fräulein Rottenmeier, sondern als sinnbildlicher Herr Rottenmeier mit weitem Sakko und Schlips und klobigen Treten aufzutauchen? Ist natürlich überspitzt ausgedrückt, aber wie "falsch" sich das für einen persönlich anfühlen kann, wird vielleicht deutlich, wenn man sich einfach mal vorstellt, man werde als Mann, der sich sonst gerne klassisch "männlich" kleidet, gebeten, es beim nächsten Vorstellunsgespräch doch einfach mal mit einem Kleid zu versuchen. Erscheint den meisten natürlich absurd, aber so ähnlich kann es sich anfühlen, wenn man etwas tragen soll, was gefühlt so gar nicht zu einem passt (ganz grundsätzlich vom Geschlecht her und nicht "nur" vom "Stil" wie flippig, alternativ, konservativ o.ä.).

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    Ich kann viele Gründe akzeptieren, wieso man keinen Job bekommen /finden kann, aber die Versteifung darauf, dass man lieber Bluse als Hemd in diesen 30 Min tragen will, gehört für mich nicht dazu. Wieso es nicht einfach mal versuchen und gucken, ob es dann mit dem Job klappt?


    Die öffentlichen Gelder sollten dort verwendet werden, wo wirkliche Not herrscht.

    Den Job wird dann jemand anderes bekommen, also werden so oder so nicht mehr öffentliche Gelder vergeben. Außerdem wissen wir ja nicht, ob ein Catsdream im Hemd den Job bekommen würde, das ist nur die Hoffnung seiner Arbeitsvermittlerin.

    Zitat

    Den Job wird dann jemand anderes bekommen, also werden so oder so nicht mehr öffentliche Gelder vergeben. Außerdem wissen wir ja nicht, ob ein Catsdream im Hemd den Job bekommen würde, das ist nur die Hoffnung seiner Arbeitsvermittlerin.

    :)z

    Ich bin jetzt meinen kompletten Freundeskreis und Bekanntenkreis durchgegangen und hab überlegt, wer in seinem Privatleben und Berufsleben die gleichen Klamotten anhat. Und es sind durchaus welche, die Werber nämlich. Alle anderen (von Theologen über Ingenieure, Bänker, Lehrer bis Jobcentermitarbeiter) ziehen sich berufsangepasst an. Alle. Ubd keiner macht ein Drama raus. Es ist mir bisher nichtmal aufgefallen.


    Und hier findet eine seitenlange Diskussion statt über etwas völlig normales? Warum zum Geier? Wenn es ein dermaßen großes Problem für den TE ist, sich so anzuziehen, dass sich seine Jobchancen evtl verbessern könnten, dann muss er die bescheuerte Bluse halt anlassen und arbeitslos bleiben. Dann aber aufhören zu heulen und damit leben, dass er die Arbeitsvermittlerin noch sehr lange sehen wird und er dort und hier und da aneckt.

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    Außerdem wissen wir ja nicht, ob ein Catsdream im Hemd den Job bekommen würde, das ist nur die Hoffnung seiner Arbeitsvermittlerin

    stimmt, deshalb schrieb ich ja

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    Wieso es nicht einfach mal versuchen und gucken, ob es dann mit dem Job klappt?

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    Zum Vorstellungsgespräch ging ich als Fräulein Rottenmeier verkleidet, bekam den Job, überzeugte nach und nach durch Leistung, und saß am Ende mit angewetzter Jeans und Nasenpiercing in den heiligen Dekanatshallen

    Das ist super beschrieben, find ich :-)


    Vielleicht hast Du Dich ja auch aus der Sicht des Menschen, der Dich eingestellt hat, gar nicht verkleidet, sondern nur dem Anlass entsprechend angezogen, und er hat es gewürdigt, indem er Dir den Job gegeben hat, obwohl er vielleicht trotzdem gemerkt hat, dass Du Dich evtl. nicht grundsätzlich so anziehen wirst.

    Zitat

    Die Frage ist halt, hättest du dir genau so gut vorstellen können damals nicht als stereotypes Fräulein Rottenmeier, sondern als sinnbildlicher Herr Rottenmeier mit weitem Sakko und Schlips und klobigen Treten aufzutauchen? Ist natürlich überspitzt ausgedrückt, aber wie "falsch" sich das für einen persönlich anfühlen kann, wird vielleicht deutlich, wenn man sich einfach mal vorstellt, man werde als Mann, der sich sonst gerne klassisch "männlich" kleidet, gebeten, es beim nächsten Vorstellunsgespräch doch einfach mal mit einem Kleid zu versuchen. Erscheint den meisten natürlich absurd, aber so ähnlich kann es sich anfühlen, wenn man etwas tragen soll, was gefühlt so gar nicht zu einem passt (ganz grundsätzlich vom Geschlecht her und nicht "nur" vom "Stil" wie flippig, alternativ, konservativ o.ä.).

    ich verstehe schon, was du meinst. aber wenn man nicht transsexuell ist, wird man sich nicht übermäßig genötigt fühlen, wenn man Kleidung trägt, die üblicherweise von Menschen des selben Geschlechts getragen wird. Und selbst noch nicht geoutete Transsexuelle leben privat und beruflich 2 unterschiedliche Leben und ertragen das. Hier geht es nur um ein Vorstellungsgespräch, mehr nicht.


    Auf mich persönlich bezogen:wenn es mir, meiner Karriere und der Erreichung meiner persönlichen Ziele dienlich ist, würde ich im Job (nur für eine gewisse Zeit) sogar in Ordenstracht rumlaufen-auch wenn ich nichtmal Mitglied in einer Kirche bin.