@ kiarani

    Zitat

    aber ich will mich halt nicht ausbeuten lassen...

    Das spielt eigentlich keine Rolle, denn in deiner Situation bist du verpflichtet, jede zumutbare Arbeitsgelegenheit anzunehmen. Mit 850 € netto hättest du nach Abzug der Fahrtkosten noch 100 € mehr Einkommen im Monat. Natürlich ist das im Verhältnis zur erbrachten Arbeitsleistung wenig, aber letztendlich musst du von eurem monatlichen Gesamteinkommen inklusive Arbeitslosengeld II ausgehen und das ist für eine arbeitende Person ein durchaus vernünftiges Einstiegsgehalt. Jeder, der argumentiert, die 100 € mehr würden sich für ihn nicht lohnen, ist per definitionem ein Schmarotzer - so hart das auch klingen mag. Und ich verstehe in dem Punkt auch absolut keinen Spaß, weil diese völlig falsche Anspruchshaltung anderen Niedrigverdienern über kurz oder lang die Existenzgrundlage zerstört.

    Guten Abend,


    Kiarani, deine Informationen über besagte Stelle,


    Sind diese Informationen direkt vom Arbeitgeber innerhalb eines Gesprächs oder sind das Informationen, welche dir in schriftlicher Form als Arbeitsangebot der Arge vorliegen ?

    Genauso ist es! Wenn es Löhne gibt, die noch unter H4-Niveau liegen, heißt das nicht, dass H4 zu hoch sondern der Lohn zu niedrig ist.


    Anstelle, dass der kleine Mann sich solidarisiert gegen Ausbeuterei, lässt er sich lieber auf seinesgleichen hetzen. Teile und herrsche funktioniert doch immer wieder.... :-(


    Zur speziellen Situation der TE:


    Nimm den Job an. Es ist richtig, er ist schlecht bezahlt, daran gibt es nichts zu rütteln, und ich hoffe, dass Du rechnen kannst, so dass Du feststellen kannst, ob Du mit dem Job finanziell schlechter dastehst oder nicht. Falls es so sein sollte, dass Du ungefähr gleich dastehst wie mit H4, dann stelle nicht das Geld in den Vordergrund sondern die Chancen, die sich daraus ergeben können. Vielleicht kannst Du Dich fortbilden und über Qualifizierungsmaßnahmen in der Hierarchie hochklettern, was auch mit mehr Geld verbunden wäre. Du kommst unter Leute. Du nimmst wieder am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teil und bekommst ein ganz anderes Selbstbewusstsein. Als H4 bist Du für alle der Fußabtreter, jeder, der mit seinem Job unzufrieden ist, wird sich über Dich aufregen und seinen Jobfrust an Dir auslassen, sieht man ja. Du bist noch jung, und ich wünsche es Dir, dass Du in die Pötte kommst und die Sackgasse H4 in umgekehrte Richtung wieder verlassen kannst. Nimm den Job, wenn Du finanziell nicht gravierende Einbußen hast und fange an, darauf Deine berufliche Zukunft aufzubauen.

    Ich trete dagegen an, dass Menschen als "Schmarotzer" diskreditiert werden.


    Und wenn, dann doch wohl zuerst die, die hier "legal" keine Steuern zahlen, weil sie die Gewinne an eine Firmen-Mutter oder -Tochter ins Ausland abführen, wo keine oder lächerlich geringe Steuern anfallen.


    Der deutsche Staat kann z.Z. nur existieren, wenn die Arbeitslosen hier bleiben und konsumieren. Wir hätten die schönste Wirtschaftskrise, wenn die Mehrzahl der "Schmarotzer" auswandern würde.


    Zum Thema: Ich würde ähnlich rechnen. Die 160 Std. Nichtstun (ohne Fahrtkosten) zuhause würde ich gegenüberstellen gegen - wieviel jetzt genau? - Stunden ausser Haus, abzüglich entstehende Kosten.


    Wenn untern Strich 3.60 € die Stunde mehr bleibt, würde ich es machen.

    Zitat

    Vielleicht kannst Du Dich fortbilden und über Qualifizierungsmaßnahmen in der Hierarchie hochklettern, was auch mit mehr Geld verbunden wäre. Du kommst unter Leute.


    Smaragdauge

    Fortbilden wann - wenn man Schichtdienst hat? Und dass man in einer Hirarchie vom Tellerwäscher zum Konzernchef "hochklettern" kann, gibt's nur in amerikanischen Märchen. Na gut, mancher Konzernchef hat als Kind zuhause beim Geschirr mitgeholfen, das zählt dann mit.


    Und unter Leute kommen, wenn man die windeln, wenden und waschen muss?


    Ich habe ja nichts dagegen, jemandem Mut zu machen, aber doch nicht so praxis-untauglich.


    Und ob man als bezahlter Underdog wirklich seine Selbstsicherheit trainieren kann ...

    Zitat

    Fortbilden wann - wenn man Schichtdienst hat? Und dass man in einer Hirarchie vom Tellerwäscher zum Konzernchef "hochklettern" kann, gibt's nur in amerikanischen Märchen. Na gut, mancher Konzernchef hat als Kind zuhause beim Geschirr mitgeholfen, das zählt dann mit.

    Warum nicht? Der Freund ist zu Hause und kann den Haushalt machen. Sie kann diesen Job machen und nebenbei z.B. einen Schulabschluß nachholen, vielleicht, wenn ihr der Job vom Arbeitsumfeld gefällt, auch einen Pflegeberuf erlernen, so dass es nicht bei Hilfskraft bleibt.

    Zitat

    Und unter Leute kommen, wenn man die windeln, wenden und waschen muss?

    Klar, man hat Kollegen, das wäre ein erster Schritt, auch mal wieder mit anderen Leuten ins Gespräch zu kommen, dann steht da vielleicht auch mal eine Weihnachtsfeier an oder Geburtstage, wo man zusammensitzen und reden kann.

    Zitat

    Ich habe ja nichts dagegen, jemandem Mut zu machen, aber doch nicht so praxis-untauglich.

    Finde ich nicht.

    Zitat

    Und ob man als bezahlter Underdog wirklich seine Selbstsicherheit trainieren kann ...

    Ich habe mit 20 mal - trotz kaufmännischer Ausbildung - eine Zeitlang im Dreischichtsystem in einer Produktionshalle gearbeitet. Später dann wieder im Büro, zu meinen besten Zeiten auf einer Bank. Die Zeit in der Produktionshalle war für einen Personaler einer Rechtsanwaltskanzlei später DER Grund, mich zu einem Bewerbungsgespräch einzuladen, er sagte mir, anhand meiner Entwicklung hätte er sehen können, dass ich eine Kämpfernatur bin ??(leider fiel die Wahl dann auf einen Bewerber, dennoch hat mich der Personaler noch mal eingeladen, er wollte unbedingt, dass ich dort unterkomme, aber auch beim zweiten Anlauf wurde es nichts, die Entscheidungen treffen halt die jeweiligen Anwälte, die eine Sekretärin suchen. Dennoch hat es mir gezeigt, worauf Personaler wirklich achten)??


    Ja, ich denke tatsächlich, dass der Lebenslauf einiges über die Persönlichkeit aussagt. Wenn man zeigen kann, dass man sich aus H4 herausgezogen hat, wenn man anfängt, sich bilden, dann hat man definitiv bessere Chancen als wenn man zu Hause sitzenbleibt.

    Job annehmen.


    Und bzgl. Aufstiehgschancen: Im Gesundheits- bzw. Altenpflegebereich gibt es bekanntermaßen Personalmangel. Klar, die Löhne sind niedrig und die Arbeit hart, was ein wesentlicher Grund ist.


    Aber: Wenn sich jemand als Nachtwache gut schlägt, gibt es bestimmt Möglichkeiten zu Aus- & Fortbildungsmaßnahmen. Anderen Schichten, die das dann ermöglichen.


    Es ist zumindest ein Einstieg in die Arbeitswelt und zeigt, dass man gewillt ist, Arbeit nicht scheut, es auch mit Kindern hinbekommt,...


    Fahrtkosten können am Jahresende auch steuerlich geltend gemacht werden (oder direkt beim Finanzamt angegeben werden), so dass ein wenig mehr Netto bei rauskommt.

    @ anders_als_andere

    Zitat

    Der deutsche Staat kann z.Z. nur existieren, wenn die Arbeitslosen hier bleiben und konsumieren. Wir hätten die schönste Wirtschaftskrise, wenn die Mehrzahl der "Schmarotzer" auswandern würde.

    Wie süß, das beweist doch nur, dass du von makroökonomischen Zusammenhängen nicht ansatzweise Ahnung hast. Der Staat gibt an der Stelle nämlich nur Geld aus, dass er schon mal vereinnahmt hatte, d. h. es handelt sich um reine Umverteilungsprozesse ohne Nutzengewinn, sondern sogar mit Wohlfahrtsverlusten für alle anderen außer die betreffenden Arbeitslosen. Das Geld könnte man genauso gut in Subventionen stecken, wenn die Nachfrage schwächelt, und dann hätten alle anderen trotzdem mehr davon, als wenn einfach noch welche beim Konsumieren "helfen" und sonst nix dafür leisten.

    Zitat

    Zum Thema: Ich würde ähnlich rechnen. Die 160 Std. Nichtstun (ohne Fahrtkosten) zuhause würde ich gegenüberstellen gegen - wieviel jetzt genau? - Stunden ausser Haus, abzüglich entstehende Kosten.

    Sagte ich bereits: 850 € netto machen 250 € Freitbetrag, abzüglich Fahrtkosten 100 € mehr. Und die Erwägung, ob diese 100 € mehr sich lohnen oder nicht, steht den Leistungsempfängern überhaupt nicht zu, denn das zugrundeliegende Gesetz knüpft den Leistungsbezug an bestimmte Bedingungen wie den vorrangigen Einsatz von Arbeitskraft. Außerdem fangen Nichtbedürftige jeden Monat bei 0 € an und nicht bei 2 x 353 € + Kosten der Unterkunft und Heizung, bevor sie auch nur 1 € durch Arbeitsleistung verdient haben.

    Zitat

    Wenn untern Strich 3.60 € die Stunde mehr bleibt, würde ich es machen.

    Das ist offensichtlich nicht der Fall. Lies dir unter Umständen mal § 11b SGB II durch, denn dann weißt du, was übrig bleibt.

    Zitat

    Wie süß, das beweist doch nur, dass du von makroökonomischen Zusammenhängen nicht ansatzweise Ahnung hast.


    DoN_

    Dass ich von Nichts keine Ahnung habe, höre ich immer wieder gern. Verdächtig sind mir jene, die mir ihre Argumente verkaufen wollen mit der Einleitung "Sie sind doch ein kluger Kopf, also ..."


    Als vollkommen Ahnungsloser wüsste ich aber gerne, warum die Bildzeitung einem "armen" Hartz IV Empfänger den sparsamen Aufenthalt in Mallorca nicht gönnt (Schlagzeile vor einigen Jahren, habe ich mir gut gemerkt) und der Staat eine "Bleibepflicht" anordnet. Jetzt erzähl mir aber nicht, dass über Nacht Arbeit auf ihn hereinbrechen könnte * * frechgrins * *

    @ anders_als_andere

    Zitat

    Dass ich von Nichts keine Ahnung habe, höre ich immer wieder gern. Verdächtig sind mir jene, die mir ihre Argumente verkaufen wollen mit der Einleitung "Sie sind doch ein kluger Kopf, also ..."

    Tue ich das? Ich habe lediglich ein Problem damit, wenn Leute ihre persönliche Meinung vor nicht interpretierbare Fakten stellen.

    Zitat

    Als vollkommen Ahnungsloser wüsste ich aber gerne, warum die Bildzeitung einem "armen" Hartz IV Empfänger den sparsamen Aufenthalt in Mallorca nicht gönnt (Schlagzeile vor einigen Jahren, habe ich mir gut gemerkt) und der Staat eine "Bleibepflicht" anordnet. Jetzt erzähl mir aber nicht, dass über Nacht Arbeit auf ihn hereinbrechen könnte * * frechgrins * *

    Arbeitslosengeld-II-Empfänger haben 21 Tage Urlaubanspruch im Jahr. Wenn sie damit nicht haushalten können bzw. die damit einhergehenden Formalitäten nicht einhalten - sorry. Im Übrigen sind das Einschränkungen, denen jeder Erwerbstätige genauso unterliegt, nur dass bei Arbeitslosengeld-II-Empfängern demgegenüber eine erhebliche Dunkelziffer an nie gemeldeten Ortsabwesenheiten gegeben ist, die man eigentlich noch zu dem Urlaubsanspruch hinzurechnen müsste. Insoweit sind das medial aufbereitete Halbwahrheiten. Oder weißt du, ob die Betroffenen in dem konkreten Fall noch Resturlaubanspruch hatten?

    Noch eine Ergänzung zu der angeblichen "Bleibepflicht": Das wäre logischerweise verfassungswidrig. Gemeint ist, dass der Leistungsanspruch für nicht genehmigte Urlaubstage bzw. Ortsabwesenheiten entfällt. Und irgendwie ist das keine Schlechterstellung gegenüber Erwerbstätigen, die nämlich genau das gleiche Problem hätten, wenn sie ihrer Arbeit einfach fern blieben.

    Zitat

    Jetzt erzähl mir aber nicht, dass über Nacht Arbeit auf ihn hereinbrechen könnte * * frechgrins * *

    Na dann kann man ja sorglos die Biege machen, wenn in den Augen desjenigen über Nacht eh nichts kommt, merkts ja keiner.

    Zitat

    Und irgendwie ist das keine Schlechterstellung gegenüber Erwerbstätigen, die nämlich genau das gleiche Problem hätten, wenn sie ihrer Arbeit einfach fern blieben.


    DoN_

    Ich war einige Jahre im Außendienst tätig und konnte "frei" herumfahren, auch fern übernachten. Zuhause oder im Büro hätte ich mein Geld nicht verdienen können. Angenommen, ich werde dann arbeitslos, muss ich den Außendienst dann zuhause machen?


    Der Hintergedanke ist für mich, das erhaltene Geld auch hier wieder ausgeben zu müssen. Damit der Staat dann u.a. gleich die Mehrwertsteuer zurückbekommt. Und andere Menschen Arbeit haben.

    Zitat

    Ich war einige Jahre im Außendienst tätig und konnte "frei" herumfahren, auch fern übernachten. Zuhause oder im Büro hätte ich mein Geld nicht verdienen können. Angenommen, ich werde dann arbeitslos, muss ich den Außendienst dann zuhause machen?

    ??? Wenn du arbeitslos wirst, was willst du dann noch für Aussendienst machen?

    @ anders_als_andere

    Zitat

    Ich war einige Jahre im Außendienst tätig und konnte "frei" herumfahren, auch fern übernachten. Zuhause oder im Büro hätte ich mein Geld nicht verdienen können. Angenommen, ich werde dann arbeitslos, muss ich den Außendienst dann zuhause machen?

    Außendienst fällt nicht unter Ortsabwesenheit. Außerdem ist Außendienst und arbeitslos irgendwo ein Widerspruch.

    Zitat

    Der Hintergedanke ist für mich, das erhaltene Geld auch hier wieder ausgeben zu müssen. Damit der Staat dann u.a. gleich die Mehrwertsteuer zurückbekommt. Und andere Menschen Arbeit haben.

    Nein, die einmal rechtmäßig erhaltene Leistung kann frei verwendet werden. Nach der Logik wäre auch die Abwrackprämie komplett ins Leere gelaufen, da schwerpunktmäßig eben nicht die teuren deutschen Autos gekauft wurden. Für die Gesamtwirtschaft der EU war es hingegen förderlich (ohne damit zu behaupten, dass die Maßnahme an sich sinnvoll war).

    Zitat

    Mir ging es um die die soviel verdieen dass sie nicht wie manch ein Hartz 4 Empfänger überlegen müssen, wo das dringend benötigte Geld für die Reparatur der Waschmaschine geborgt werden kann.

    Ich habe jahrelang per Hand oder im Waschsalon gewaschen (bzw. falls kein Geld mehr dafür war, alles was ging wieder per Hand), gebrauchte/umverteilte Möbel (im Familien-/Freundeskreis ausgemustert) gehabt usw. Mnef kennt auch ähnliche Erfahrungen.


    Automatisch davon auszugehen, dass Hartz-4-Empfänger, die in einem Faden schreiben, automatisch die finanziell ärmsten Schweine sind, die sich am wenigsten leisten können, ist ebenso vermessen wie diese zu beschuldigen, sie seien nur sesselpupsende Schmarotzer.


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    Bevor hier großartig argumentiert und diskutiert wird, müsste die TE eigentlich vorher mal genau klar stellen, ob jetzt 100 oder 160 Stunden, ob die 850 € wirklich netto waren und wie sie auf die 3,60 € kommt.


    Natürlich rechnet jeder, der im staatlichen Versorgungsnetz aufgefangen ist, so herum, was im Monat nach Abzug aller Kosten übrig bleibt. Man muss ja wissen, ob ein Minus macht, ob man in die Gehalts-Grenzen fällt dass man dieses Minus mit anderer staatlicher Versorgung ausgleichen kann oder ob man eben ein (kleines?) Minus in Zukunft haben wird.


    Dennoch geht man nicht für das, was am Ende absolut unterm Strich bleibt, arbeiten. Wenn mir von dem Stundenlohn 8,50 € nach Rausrechnung der Stütze, Fahrtkosten und was auch immer nur noch 3,60 € über bleiben, dann gehe ich trotzdem nicht "für 3,60 € arbeiten."


    Das klingt so nach einem generellen Stundenlohn von 3,60 € und ja, das kann sich evt die TE nicht vorstellen, es gibt Leute, die gehen für einen Netto-Stundenlohn von 3,60 € arbeiten, was absolut unmöglich und ausbeuterisch ist, und deswegen protestieren hier soviele Leute, diese Arbeit solltest Du nicht annehmen und die sei ja scheiße.


    Weil sie, insbesondere durch diese Überschrift, denken, dass es 3,60 € sind, die Du überhaupt verdienen wirst und von denen alle Lebenshaltungskosten abgehen.


    Wenn man jedoch die grundsätzlichen Kosten rausrechnet und nur berücksichtigt, was in der Haushaltskasse (oder gar in der "Geld zur freien Verfügung"-Kasse) landet, dann werden viele Leute, gerade die mit Kindern und Haustieren, auch bei geringen Stundenlöhnen landen.


    So ist das Leben nunmal. 100 % Netto-Lohn zum Ausgeben und Verjubeln hat keiner.