Arbeitsverhätnis bald vorbei, kaum dass es begonnen hat?

    Hallo liebes Forum,


    ich habe am 01.02., also letzten Freitag, meinen Job als Betreuungskraft in einem Altenheim angetreten. Es ist meine erste Stelle in dem Bereich. Ich habe keine Berufserfahrung, habe nur im Rahmen der Weiterbildung ein Praktikum von 2 Wochen gemacht.


    Es ist wirklich eine Tätigkeit, die ich unbedingt ausüben möchte, da ich - nach meinem Empfinden - sehr gut mit älteren Menschen umgehen kann. Ich bin einfühlsam, geduldig und fürsorglich, aber auch sehr sensibel und ziemlich schüchtern.


    Als ich die Zusage bekam, habe ich mich total gefreut! Doch leider bin ich nach nur ein paar Arbeitstagen sehr ernüchtert und habe Angst, dass mir schon bald gekündigt wird.


    Mir wurde vor Arbeitsantritt eine gründliche Einarbeitung von einigen Wochen zugesagt, da bekannt war, dass ich unerfahren bin. Ich begleite also eine Betreuungskraft, die schon lange dort arbeitet und komme ganz gut mit ihr klar. Nur habe ich an meinem ersten Dienstwochenende schon zweimal einen Anpfiff von einer Mitarbeiterin vom sozialen Dienst bekommen.


    Am Samstag begann mein Dienst um 14.30 Uhr und ich war schon eine Viertelstunde eher im Haus. Ich legte in dem Büro vom sozialen Dienst meine Sachen ab und begrüßte die Mitarbeiterin vom sozialen Dienst, die ich am Freitag noch nicht kennengelernt hatte. Da meine Mentorin ein paar Minuten vor Dienstbeginn noch nicht in Sicht war, beschloss ich, schon in den zuständigen Wohnbereich raufzugehen.

    Wenige Minuten später kam die Mitarbeiterin vom sozialen Dienst in den Wohnbereich und machte mich in frechem Ton an, was ich da oben schon wolle. Ich habe doch eine Mentorin und auf die habe ich zu warten! Ich musste also wieder mit runtergehen.


    Am Sonntag bin ich wieder negativ aufgefallen. Eine Pflegefachkraft fragte, ob ich einem dementen Bewohner das Essen anreichen könne. Mir war nicht bewusst, dass ich das nicht darf, weil man nicht darauf aufmerksam gemacht hatte und es in meinem Praktikum sogar von mir erwartet hatte!

    Als meine Mentorin vorbeiging, guckte sie etwas seltsam, sagte aber nichts. Später sah ich sie sehr lange zusammen mit der besagten Dame vom sozialen Dienst in einem Raum sitzen. Ich hatte gleich ein ungutes Gefühl, weil ich mir denken konnte, dass sie auch über mich sprachen.

    Als ich Feierabend machte, sprach mich diese Mitarbeiterin an. Sie wollte wissen, ob ich den Weiterbildungsschein noch nicht lange habe, was ich bejahte. Dann meinte sie in sehr vorwurfsvollem Ton, dass es nicht gehe, dass ich Essen anreiche. Bei Bewohnern mit Schluckstörungen könnte das böse enden, was für mich ja auch verständlich war.


    Am Montag hatte ich ein Gespräch mit der Leiterin vom sozialen Dienst, die mich eingestellt hatte. Sie sagte, sie würde mir den Tipp geben, mehr aus mir rauszugehen. Ich versprach, an mir zu arbeiten. Sie meinte, man würde jetzt sehen, was die nächsten beiden Wochen bringen.

    Mir war bewusst, dass sie mir damit sagen wollte, dass dann schon eine Entscheidung FÜR oder GEGEN mich getroffen wird, obwohl meine Probezeit noch bis zum 31.07. dauert.


    Heute fühlte ich mich von der Mitarbeiterin, von der ich am Wochenende den Anpfiff kassiert habe, sehr beobachtet. Egal, wo ich im Wohnbereich war, allein oder mit meiner Mentorin, kreuzte sie plötzlich auf. Sie grüßte mich nicht einmal, sondern fragte einmal nur, wie es klappe. Ich antwortete, dass es von Tag zu Tag besser würde.


    Heute wurde mir auch mitgeteilt, dass ich in den kommenden Wochen auf keinen Fall selbständig dokumentieren dürfe. Ich müsse die Dokumentation vorschreiben und müsse das Geschriebene an besagte Mitarbeiterin vom sozialen Dienst zur Kontrolle weitergeben.


    Ich fühle mich schlecht dabei, weil ich das Gefühl habe, dass man schon nach wenigen Tagen den Eindruck gewonnen hat, dass ich mich für den Job nicht eigne. Dabei hat man doch gewusst, dass ich noch keinerlei Berufserfahrung in der Altenhilfe habe. Trotzdem muss ich gleich zu Beginn schon locker auf die Bewohner zugehen, sie zu beschäftigen wissen. Ich aber muss die vielen fremden und zum Teil auch dementen Menschen erst einmal kennenlernen.


    Meint ihr, ich habe da überhaupt noch eine Chance oder kann ich den ersten Eindruck von mir als stilles Mäuschen nicht mehr wettmachen, indem ich jetzt offener auf die Bewohner zugehe?

    Habe ich schon verloren?


    Liebe Grüße,

    Liandrah

    Ich fand dieses Verhalten echt unangemessen, denn es bedeutet doch nichts anderes als dass ich mich nicht frei im Haus als Angestellte bewegen darf!

    Was würdet ihr jetzt denken? Dass sie mich nicht leiden kann?

    Könntet ihr das locker sehen?

  • 156 Antworten

    Bitte schreibt mir doch mal, welchen Eindruck ihr nach meiner Schilderung habt.


    Jedenfalls tut mir die Situation an meinem neuen Arbeitsplatz nicht gut. Ich fühle mich unwohl, denn ich gebe mein Bestes und brauche einfach als Anfängerin eine Chance mich entwickeln zu können.

    Vielleicht haben sie Hausregeln wie die Einarbeitung zu laufen hat.


    Sie wissen, dass du unerfahren bist - klar kriegst du Kritik. Nur so kannst du lernen. Ich kann nicht vorstellen, dass du gekündigt wirst.

    hallo, in der tat doof, allerdings musst du dich dort erst beweisen und auch mal kritik einstecken können. die ist vielleicht nicht vorwurfsvoll, die leute wollen dich in die richtige spur lenken, schliesslich müssen sie sich auf dich verlassen können.


    dass du als anfängerin, beobachtest wirst, finde ich jetzt normal.


    ich habe es auch fertig gebracht zwei parientinnen den katheter unabsichtlich zu ziehen oder mit einem gipsfuss patienten gegen die wand zu fahren :-o fehler passieren, aber daraus kannst du lernen und es nächstes mal besser machen. so kannst du dich auch weiterentwickeln.


    wie ist es um deine psyche bestellt, ich hatte den bewerbungs-faden verfolgt.


    glaub an dich um deinen fähigkeiten

    Manches scheint etwas blöd zu laufen; bzw. man hat offensichtlich klare Vorgehensweisen die man nicht kommuniziert. Da könntest Du ganz offensiv auf die Zuständigen zugehen und fragen, ob es weitere Dinge gibt, die Du berücksichtigen sollst, umsetzen kannst,...

    Tatsache ist aber, dass Du neu und unerfahren bist, und man bei best. Dingen (Dokumentation vorschreiben) einfach sicher gehen muss, dass es korrekt läuft. Wie anders als durch Kontrollen und Feedback soll das funktionieren?



    Kurzum:

    Sei selbstbewusster und frage bei Unsicherheiten aktiv nach - aber sehe best. Vorgaben nicht als "Kontrolle", sondern halte Dich an die Vorgaben und gut ist. Es geht jetzt auch nicht darum, alles perfekt zu machen. Sondern zu zeigen, dass Du Entwicklungspotenzial hast und Dich langsam aber sicher einarbeitest. Und weißt, was Du darfst/nicht darfst.

    Man hat schon den Eindruck, dass krampfhaft nach Fehlern gesucht wird, und natürlich ist es nicht wirklich schön und auch nicht ganz fair, wenn du einen Anpfiff bekommst, nachdem die Pflegefachkraft dich schließlich angewiesen hatte, den Patienten zu füttern.

    Mir würde es auch schwer fallen, da drüber zu stehen. Vor allem, wenn ich den Job einfach brauche.


    Aber Augen zu und durch - es kann nur besser werden!! Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie dir wegen im Prinzip nichts gleich kündigen.

    Wenn es wirklich ein "Anpfiff" ist - der Interpretationsspielraum ist ja recht groß, wenn man nicht selbst dabei war - dann würde ich direkt, aber natürlich höflich, um einen respektvolle(re)n Tonfall bitten. Kritik, konstruktiv und mit gebotenem Respekt vorgetragen, musst du aber aushalten können. Wenn du einen Fehler begehst, dann laufen die Angehörigen der Patienten nämlich bei denen auf, nicht bei dir. Und die sind ganz oft nicht respektvoll, sondern schlagen da mit Fackeln und Heugabeln auf.

    Du solltest dir echt ein dickeres Fell zulegen, in dem Business geht es hinter den Kulissen oft rauh zu. Als Sensibelchen gehst du da ganz schnell unter. Nicht nur im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten, die kein Blatt vor den Mund nehmen, sondern auch mit schwierigen Patienten.

    Als erstes: denke nur nicht, dass du es mit sozialen Menschen zu tun hast, nur weil du im sozialen Bereich arbeiten möchtest. Sprich: Leg dir am besten ein dickes Fell zu.

    Aber was mir sofort aufgefallen ist, ist, dass du dich offensichtlich nicht wehrst und das ist in meinen Augen einfach völlig falsch.
    Beispiel:
    "Wenige Minuten später kam die Mitarbeiterin vom sozialen Dienst in den Wohnbereich und machte mich in frechem Ton an, was ich da oben schon wolle. Ich habe doch eine Mentorin und auf die habe ich zu warten!" - warum sagst du nicht "Entschuldigung, hat mir niemand gesagt. Nun weiß ich es ja, wird nicht wieder vorkommen."

    Oder auch hier

    "Dann meinte sie in sehr vorwurfsvollem Ton, dass es nicht gehe, dass ich Essen anreiche. Bei Bewohnern mit Schluckstörungen könnte das böse enden..."
    Warum sagst du nicht, dass dich xy explizit angewiesen hat, das zu tun, dass du das auch in deinem Praktikum tun musstst und dir niemand gesagt hast, dass du das nicht darfst?

    An deiner Stelle würde ich zu Beginn des nächsten Dienstes um ein Gespräch mit deiner Mentorin und der Dame vom sozialen Dienst bitten und um die expliziten Vorschriften dieses Hauses bitten, da dir aufgefallen ist, dass hier wohl einiges anders gehandhabt wird, als in deinem Praktikum und du ja nichts falsch machen willst.
    Nimm ihnen den Wind aus den Segeln.




    Genau das meinen sie wohl auch mit "aus sich rausgehen". Die kompliziertesten Mitarbeiter sind die, die nicht sprechen. Die nicht fragen, ob das was sie gleich machen wollen ok ist, die nicht sagen, was sie vorhaben, die glauben dass sie alles vom ersten Tag wissen müssen. Warum nicht einfach "ich geh dann schon mal hoch" sagen? Warum nicht "Danke für den Hinweis, Frau XY hat mich explizit darum gebeten das Essen zu geben"? Warum nicht "Können Sie mir bitte eine genauere Einführung geben, was ich zum jetzigen Zeitpunkt eigenständig machen kann und was nicht?" Es ist wahnsinnig wichtig, dass du das, was du wahrnimmst und meinst das nötig ist, mit der Wahrnehmung deines Umfeldes abgleichst. Dass du dann halt nach 10 Minuten wieder auf der Matte stehst und fragst, "Was wäre Ihrer Meinung nach jetzt zu tun?"

    Ich sehe das wie AnneKarma und kleiner_drachenstern.

    Aber das ist immer leicht gesagt und nicht für jeden so einfach machbar.

    Danke für eure hilfreichen Antworten und die Anregungen!


    Ich glaube, ein großes Problem von mir ist, dass ich mich selbst zu sehr unter Druck setze. Ich habe zu große Angst, zu viel zu sagen oder zu fragen, weil ich nicht total dumm und unwissend rüberkommen will.

    Dabei ist sowohl den Mitarbeiterinnen vom sozialen Dienst als auch meiner Mentorin bekannt, dass ich noch unerfahren in diesem Job bin. Doch ich habe schnell den Eindruck, dass ich lästig erscheine. Klar, viele haben auch nicht die Zeit, alles haarklein zu erklären. Sie wissen von meiner Unerfahrenheit, erwarten aber eben, dass man selbst den Verstand einschaltet und intuitiv richtig handelt.


    Genauso fällt es mir schwer, auf Vorwürfe adäquat zu reagieren, aus der Angst heraus, ich könnte mich damit unbeliebt machen. Doch alles über sich ergehen zu lassen, ist auch der falsche Weg.


    Im nachhinein betrachtet, ist es wirklich schade, dass ich nicht so agiert habe, wie AnnaKarma geschrieben hat.

    Ich finde es auch eine gute Idee, was kleiner_drachenstern geschrieben hat.

    Dass ich Missverständnisse aus der Welt schaffen kann, indem ich um die expliziten Vorschriften dieser Einrichtung bitte.


    Heute begann mein Dienst auch nicht gerade erfreulich. Als ich kam, wies mich meine Mentorin darauf hin, dass zwei Listen mit Erläuterungen im Anhang von mir abzuzeichnen sind. Als ich den Anhang durchblätterte wurde mir klar, dass ich mit mehr als der Hälfte des Geschriebenen überhaupt nichts anfangen konnte.

    Die Leiterin vom sozialen Dienst hat mir bis dato nur die Urlaubsregelung, korrekte Krankmeldung und Verhalten im Notfall erklärt.

    Man wird dort regelrecht mit Unterlagen erschlagen und fast alles ist ja Neuland für mich.


    Zum Glück war heute eine wirklich nette Mitarbeiterin vom sozialen Dienst im Büro. Obwohl es mir unangenehm war, bat ich sie um nähere Informationen zu den Unterlagen. Gleichzeitig entschuldigte ich mich für meine Unwissenheit.

    Ich war echt dankbar, dass sie sich etwas Zeit für mich nahm.

    Nur hatte ich vorher im Beisein von ihr einen Rüffel von meiner Mentorin bekommen. Ich wusste nicht mehr, wie ein bestimmtes Formular aussieht, was beim Einzug eines neuen Bewohners auszufüllen ist. Sie meinte sehr ungehalten, dass sie mir das doch gezeigt habe. Sie forderte mich auf, mir mehr Notizen zu machen. Da ich in dem Moment etwas überfordert war und mich rechtfertigen wollte, antwortete ich, dass dafür nicht immer Zeit sei. Was natürlich nicht so gut ankam. Später sagte sie mir auch noch, dass dieser Kommentar sehr undiplomatisch von mir gewesen sei, da ich die Notizen schließlich auch zu Hause nachholen könne.


    Außerdem gab es das Problem, dass die Mitarbeiterin vom sozialen Dienst Betreuungskräfte sucht, die Planungen für Bastelprojekte vornehmen. Sie fragte mich, ob sie meinen Namen auf die Liste setzen dürfe. Ich gab etwas ungeschickt zur Antwort, dass ich in diesem Bereich leider nicht so kreativ bin und wollte wissen, ob die Teilnahme ein Muss sei. Die Mitarbeiterin sagte, dass für die Planung keine Verpflichtung bestehe, aber basteln müsse am Ende jede Betreuungskraft. Was für mich schwierig wird, da ich wirklich zwei linke Hände habe. Da ich mich als neue Mitarbeiterin nicht gleich verweigern wollte, habe ich mich jetzt auf die Liste für die Planung der Projekte setzen lassen, wenn auch mit Bauchschmerzen.


    Manche von euch mögen jetzt denken, dass ich für diesen Job absolut ungeeignet erscheine.

    Dabei möchte ich so gerne dort arbeiten, denn der Umgang mit den Bewohnern macht mir so viel Freude! Viele von ihnen habe ich schon ins Herz geschlossen. Es macht mir Spaß, mich mit ihnen zu beschäftigen, Spiele zu spielen, mich mit ihnen zu unterhalten, ihnen vorzulesen. Auch habe ich ein offenes Ohr für ihren Kummer. Ich spreche auch gern mit den Demenzkranken, wenn ich sie im Rollstuhl rumfahre, auch wenn ich weiß, dass sie das Gesagte gar nicht aufnehmen und kaum reagieren.


    Daher wäre ich sehr traurig, wenn es bald zur Kündigung käme!

    Ich möchte den Job so gern behalten und hoffe, dass ich es irgendwie schaffen werde, selbstbewusster aufzutreten und mich nicht unterkriegen zu lassen.

    Ich denke, dass aller Anfang schwer ist. Du setzt dich wirklich sehr unter Druck, willst möglichst perfekt kommunizieren und keine Fehler machen. Es dauert aber seine Zeit bis man auf einer neuen Arbeit richtig ankommt. Du bist die Neue, du wirst anfangs beobachtet, das ist leider so. Wichtig ist, dass fragst, fragst, fragst und nochmal fragst. Auch wenn der Befragte davon genervt scheint. Auch so eine Antwort ignorieren, von wegen, dass das schon erklärt worden sei.

    Irgendwann wirst du die Routine merken, wirst lockerer, kannst über Missgeschicke lachen. Aber vorerst stehe zu dir.


    Und wenn es die Arbeit nicht ist, dann ist es die nächste!!!!!!!

    kauf dir ein kleines notizbuch, dass du immer bei dir hast.


    du hast einen verantwortungsvollen job, deine aufgabe als neuling ist es fragen zu stellen, zuzuhören, anzupacken.


    deine mentorin ist schon komisch, es gibt auch eine wertschätzende kommunikation. aber leider sind die menschen zu unterschiedlich und man kann diese nicht immer einfordern (hier brauchst du mit der zeit ein dickeres fell).


    du wirst nicht gekündigt. wenn diese angst bei dir immer mitschwingt machst du erst recht fehler.


    versuch dich mal auf die positiven seiten deiner arbeit zu konzentrieren

    Jetzt sind inzwischen wieder einige Tage vergangen und ich versuche, etwas lockerer auf die Bewohner zuzugehen. Ich habe schon ein Gespür dafür, zu wem ich leichter einen Zugang finden werde und zu wem eher nicht.


    Heute wurden mir von meiner Mentorin einige Bewohner zugeteilt, um die ich mich kümmern sollte. Das verlief zuerst etwas enttäuschend.

    Eine Bewohnerin hatte bei unserem letzten Gespräch den Wunsch geäußert, mal wieder Mensch-ärgere-dich- nicht zu spielen. Ich bot ihr also ein Spiel an und sie nahm das Angebot an. Nur kam während des Spiels leider kein Gespräch zustande, so sehr ich mich auch darum bemühte. Vielleicht hätte sie sich eher die Betreuung durch meine Mentorin gewünscht, denn es ist "ihre" Bewohnerin.

    Beim nächsten Versuch, bei einem dementen Herrn, bekam ich gleich eine Abfuhr. Er hatte keine Lust, sich etwas von mir vorlesen zu lassen.

    Anschließend besuchte ich einen sehr alten Herrn von Ende 80 in seinem Zimmer. Er ist ein echt lieber Opi, ich mag ihn sehr, weiß aber auch, dass ich keine enge Bezugsperson für ihn werden sollte.


    Er begrüßt mich jedes Mal ganz überschwänglich, weil er dankbar für Besuch ist. Er ist einsam, möchte aber keinen Kontakt zu den anderen Bewohnern und lebt zurückgezogen in seinem Zimmer.

    Heute war er besonders überschwänglich. Er freute sich über die Rückenmassage mit dem Massageroller und nahm anschließend meine Hände in seine und wärmte sie, weil sie so kalt waren. Dann strich er mir noch über den Arm. Außerdem machte er mir das Kompliment, dass ich ja so schön schlank sei.


    Ehrlich gesagt war es mir schon fast unangenehm.

    Kann es sein, dass er vielleicht so etwas wie eine Enkelin in mir sieht, weil er recht distanzlos war?

    Sollte ich eine Grenze ziehen oder ihn einfach lassen?

    Das ist aber schon eine "Mentorin" und kein Feldwebel?

    Meine Güte, die Frau versteht ihren Job aber schlecht. Sie soll Dir helfen und Dir den Rücken stärken, Dir emotional beistehen und Dich einfach unterstützen.

    Such´ das Gespräch mit ihr und frage sie, wann sie anfangen will, ihren Job zu machen.