• Arbeitsverhätnis bald vorbei, kaum dass es begonnen hat?

    Hallo liebes Forum, ich habe am 01.02., also letzten Freitag, meinen Job als Betreuungskraft in einem Altenheim angetreten. Es ist meine erste Stelle in dem Bereich. Ich habe keine Berufserfahrung, habe nur im Rahmen der Weiterbildung ein Praktikum von 2 Wochen gemacht. Es ist wirklich eine Tätigkeit, die ich unbedingt ausüben möchte, da ich - nach…
  • 435 Antworten

    Ich finde deiner Kontakt mit den Mitbewohner überschreitet einige Grenzen. Das muss aufhören. Es ist überhaupt nicht professionell!


    Er ist nicht da, um dir aufzubauen.


    Wirst du wirklich attackiert oder nur kritisiert? Du strahlst vermutlich Unsicherheit aus. Das kommt nicht in dem Bereich gut an. Man darf nicht alles hinterfragen, sonst wird es immer schlimmer.

    ich denke jeder hat so seinen „lieblingspatienten“, es darf aber nicht sein, dass du dich auffällig lange bei deinem alten herrn aufhälst.


    ich denke du machst das schon richtig, einzig die unsicherheit muss raus, aber mit der zeit bekommst du routine, dann wird es auch wieder besser.


    nur mut und durchhalten!

    Danke für eure weiteren Antworten.

    Ihr helft mir echt weiter, klarer zu sehen!


    Braunesledersofa


    Du hast schon Recht. Ich habe mich übertrieben ausgedrückt, als ich geschrieben habe, dass ich von der Mitarbeiterin attackiert worden bin. Sie hat mich ja nicht angeschnauzt, sondern mich lediglich in einem zickigen Ton zurechtgewiesen.


    Für die Karnevalsfeiern hatte ich mir fest vorgenommen, mich auch unters Volk zu mischen. Ich wollte mir vor Dienstbeginn vorletzten Sonntag einen Piccolo genehmigen, um lockerer auftreten zu können. Da ich aber in der Nacht schlecht geschlafen hatte, hatte ich die Befürchtung, dass es mich bei der Feier umhauen könnte. Manchmal vertrage ich nämlich schon geringe Mengen Alkohol schlecht. Also ließ ich es, aber so stocknüchtern konnte ich einfach nicht zwischen den Tischen rumhüpfen, und schunkeln ging nur am Rande des Geschehens.

    Wir waren alle verkleidet, ich hatte allerdings kein besonderes Kostüm, da ich nie Karneval feiere. Ich hatte lediglich ein karnevalistisches Oberteil an und einen Hut.

    Diese Feier dauerte drei Stunden, während die am Donnerstag zum Glück nur eine Stunde dauerte.


    Mir ist bewusst, dass ich mich von dem alten Herrn distanzieren muss.

    Zuerst habe ich noch geglaubt, dass er in mir so etwas wie eine Enkelin sieht. Seit er aber gestern meinen Hals geküsst hat, weiß ich, dass dem nicht so ist. Als ich mich auf einen Stuhl neben ihn setzte, sagte er, dass ich mich doch auch auf seinen Schoß setzen könnte. Ich habe geantwortet, dass das nun wirklich nicht geht.


    Ich kann auch gar nicht mehr entspannt sein, wenn ich ihn besuche. Da ist jetzt immer die Angst, jemand könnte bemerken, dass ich ihn täglich besuche. Das möchte ich nun wirklich nicht als Kündigungsgrund liefern, auch wenn in der Probezeit bei einer Kündigung keine Gründe genannt werden müssen.


    TimFaber


    Ja, der alte Herr ist wirklich mein Lieblingsbewohner, auch wenn ich einige andere auch sehr ins Herz geschlossen habe. Doch ich habe mir jetzt ganz fest vorgenommen, ihn nicht mehr jedes Mal zu besuchen, wenn ich gerade Leerlauf habe. Denn ich habe schon eine Grenze überschritten.


    Ich weiß nur nicht, ob die Unsicherheit mein einziges Problem ist. Während ich nach dem Dienst am Samstag aufgrund verschiedener Einzelbetreuungen mit einem positiven Gefühl nach Hause ging (trotz der Kritik der Mitarbeiterin vom sozialen Dienst), habe ich nach dem gestrigen Dienst ein mulmiges Gefühl.


    Leider habe ich es nicht geschafft, eine echt liebe Bewohnerin abzuwimmeln und habe mich daher 2 Stunden lang mit ihr beschäftigt. Ich habe auf ihren Wunsch hin mit ihr Mensch-ärgere-dich-nicht gespielt. Nach 2 Spielen wollte ich aufhören, um noch andere Bewohner zu betreuen. Doch sie hatte so strahlende Augen und bat mich um weitere Spiele, so dass ich nicht NEIN sagen konnte! Das haben einige natürlich mitbekommen, was sicherlich nicht positiv für mich war. Auch wenn auf einem Sonntagnachmittag viele Angehörige zu Besuch waren.


    Außerdem gab es noch einen unangenehmen Vorfall.

    Als die Bewohner mit dem Abendessen begannen, zog ich mich für die Dokumentation ins Büro zurück. Als ich damit fertig war, war es aber noch keine 18.30 Uhr und mein Dienst endete um 19 Uhr. Die meisten waren schon auf dem Weg in ihre Zimmer und ich stand etwas unschlüssig rum. Nur an einem Tisch saßen noch 3 Bewohner. Eine Bewohnerin fragte mich sehr laut, so dass es auch das Küchenpersonal hörte, ob ich denn nichts mehr zu tun habe, was ich bejahte. Sie meinte, das sei doch unmöglich und es gebe um die Zeit nun mal niemanden mehr zu betreuen. Lautstark versuchte sie mich zu überreden, das unbedingt beim sozialen Dienst anzusprechen. Ich antwortete, dass es mir nicht zustehe, Dienstzeiten zu kritisieren, da ich erst seit einem Monat dort beschäftigt bin. Sie maulte noch eine Weile weiter und ein Bewohner schloss sich an und schimpfte über das ganze Altenheim.


    Hoffentlich gibt es keine Beschwerden über mich, denn dann ist mein "Verehrer" wirklich das kleinere Problem für mich.

    Oje, sei froh, dass du die Idee mit dem Piccolo verworfen hast!

    Alkoholisiert am Arbeitsplatz zu erscheinen geht gar nicht.


    Ausserdem kannst du in eine negative Schiene rutschen, wenn du Alkohol als Lösungsmittel betrachtest. Geht schneller, als man denkt.

    nicht so viel hinterfragen, arbeit machen, fragen stellen, offen sein für neues. dann wirst du zurückblicken und denken, ah ja, so läuft die arbeit also. nebenbei lernst du noch etwas und bist auch insgesamt reifer.


    such dir auch eine psychotherapeutin oder mobbing-selbsthilfegruppe, damit sie dich begleiten können

    Ich habe mir schon fast gedacht, dass das Wort Attacke zu heftig ausgedrückt war. Kann es sein, dass du andere unangenehme Situationen auch zu extrem interpretierst? Dies zu ergründen, ist meiner Meinung nach das wichtigste überhaupt, um festzustellen, wie ernst die Lage ist. Nicht, dass du schwarz malst und dich schon gekündigt siehst, deine Kollegen und Vorgesetzten doch einigermaßen zufrieden sind mit dir, bis auf die paar Fehler, die man während der Lernphase so macht.


    Wobei wir beim nächsten Punkt sind. Du bist zwar keine Auszubildende im klassischen Sinne, allerdings trotzdem in dem Lernstatus eines Azubis. In Folge dessen ist Kritik, auch zickige Kritik, nunmal an der Tagesordnung. Damit musst du umgehen können.


    Zu Karneval nochmal. Sollte das Gespräch darauf kommen, dann kannst du sagen, dass du viel im Hintergrund agiert hast. Glaubst du denn, dass da was kommt?


    Ich würde dir ganz dringend abraten, dir Lieblingsbewohner "anzulegen". Diesen Punkt finde ich viel bedenklicher als zb das Karneval Thema. Es mag vielleicht Bewohner geben, die du lieber hast als andere, das ist menschlich, aber kein Bewohner darf zu deinem Freund oder Ersatz für irgendetwas werden. Warum bist du da so anfällig für?


    Die Bewohnerin, die rum gemeckert hat, weil du da rum gestanden hast, hatte wahrscheinlich Langeweile. Wieso bist du auf ihr Gespräch eingegangen? Beim nächsten Mal sagen, dass du natürlich noch was arbeiten musst, schönen Abend wünschen und die letzte halbe Stunde meinetwegen auf dem Klo verbringen. Warum lässt du dir so die Fäden aus der Hand nehmen?

    Braunesledersofa


    Danke, deine Antwort hat mich wieder zum Nachdenken gebracht.


    Ich reagiere schnell überempfindlich bei Kritik und empfinde sie als Angriff auf meine Person. Dabei ist das teilweise sicherlich gar nicht böse gemeint. Das hat wohl leider mit meinem geringen Selbstwertgefühl zu tun. Sobald ich kritisiert werde, kommt sofort bei mir der Gedanke, klar, ich kann eh nichts recht machen. Daran muss ich wirklich arbeiten, denn solche Gedanken hemmen mich unwahrscheinlich in meinen Leistungen.


    Das Problem ist jetzt eben, für mich rauszufinden, wie ernst die Lage ist. Eigentlich befürchte ich jeden Tag, dass es zur Kündigung kommt, obwohl ich ja weiß, dass Fehler in der Anfangsphase normal sind. Trotzdem habe ich ein ungutes Bauchgefühl, das mir sagt, dass man mit mir nicht zufrieden ist.


    Ich glaube zwar nicht, dass man mich noch mal auf meine Zurückhaltung während der Karnevalsfeiern ansprechen wird, aber es wird in den Köpfen der Mitarbeiterinnen vom sozialen Dienst als dicker Minuspunkt haften bleiben.


    Heute bin ich mit den besten Vorsätzen zur Arbeit gegangen. Ich habe mir bewusst gemacht, dass es nicht in Ordung ist, den alten Herrn so oft zu besuchen. Schließlich geht die Zeit, die ich bei ihm verbringe von der Zeit ab, die ich für andere Bewohner aufwenden könnte.


    Leider aber fing der Morgen nicht so gut an. Als ich ins Büro kam, teilte mir die Leiterin vom sozialen Dienst mit, dass eine Bewohnerin in "meinem" Wohnbereich verstorben sei. Ich wollte wissen, wer denn die Gedenkminute abhält, von deren Einführung bei der Teambesprechung die Rede war. Sie fragte mich, ob ich mir das zutraue, was ich ehrlicherweise verneint habe. Ich habe keine Ahnung, wie man da vorgeht (es soll z.B. ein Tisch mit bestimmten Gegenständen drappiert werden) und was ich hätte sagen sollen.

    Die Leiterin hat es so hingenommen, nur hat es bestimmt keinen positiven Eindruck gemacht, oder?


    Ich habe mich dann mit verschiedenen Bewohnern beschäftigt und das Ganze anschließend dokumentiert. Ich darf die Dokumentation noch nicht selbständig in die Akten eintragen, sondern muss es vorschreiben und von jemandem vom sozialen Dienst prüfen lassen. Ich zeigte der Leiterin meine Dokumentation, da sonst niemand im Büro war. Sie war mit dem Geschriebenen überhaupt nicht einverstanden und gab mir das mit einem Kopfschütteln deutlich zu verstehen. Ich hatte z.B. geschrieben, dass sich eine Bewohnern anfangs etwas abweisend gegeben habe, als ich anbot, sie mit dem Rollstuhl spazieren zu fahren.

    Die Leiterin meinte vorwurfsvoll, warum in aller Welt man dann jemanden spazieren fährt, der im Grunde gar nicht will. Ich habe wahrheitsgemäß geantwortet, dass eine Pflegekraft gesagt hat, ich solle die Bewohnerin ruhig mitnehmen, da sie immer "nein" sage.

    Auch der Rest meiner Dokumentation wurde zerpflückt.

    Da war ich gleich schon wieder am Boden zerstört, weil ich es nicht besser gekonnt habe.


    Ich werde den alten Herrn jetzt auch viel weniger besuchen. Er gab mir die Zuneigung, die mir sonst im Leben fehlt. Nur ist mir ja auch bewusst, dass ich mir diese Art von Zuwendung nicht im Berufsleben holen darf.


    Du hast Recht und ich sehe es im nachhinein auch so, dass es ungeschickt von mir war, mich überhaupt auf ein Gespräch mit der resoluten Bewohnerin einzulassen. Ich hätte mich einfach ins Büro zurückziehen sollen, auch wenn es dort nichts mehr zu tun gab. Trotzdem besser als in der Gegend rumzustehen, weil manche sich dann natürlich fragen, wofür man bezahlt wird.


    Es gibt wohl noch einiges zu tun. :-/

    Das Probem mit dem alten Herrn ist doch nicht, dass Du da zu viel Zeit verbringst, sondern dass Du zugelassen hast, dass das Verhältnis auf eine völlig unpassende Ebene geglitten ist. Da hätten Deine Alarmglocken viel früher anschlagen müssen. Schon dass er Deine Hände wärmt, wenn sie kalt sind und das Geknuddel, das vor dem Kuss auf den Hals passiert ist, war nicht in Ordnung, und ganz ehrlich, das hättest Du merken müssen, und ich finde das Verhalten jetzt auch abgesehen vom Betreuuns-patientenverhältnis sehr grenzüberschreitendend. Ist Dir das denn gar nicht unangenehm gewesen, dass ein praktisch Fremder Dir körperlich so nahe kommt?


    Das mit der Gedenkminute finde ich nicht schlimm, Du hättest allenfalls sagen können, dass Du es Dir NOCH nicht zutraust, aber nach zwei, drei mal zugucken schon selber machen würdest.


    Das mit der Kritik an der Dokumentation habe ich nicht ganz verstanden. Wird Deine Art zu dokumentieren kritisiert oder eher, was Du mit den Bewohnern machst oder nicht machst? Das sind ja zwei verschiedene Dinge. Bei der Bewohnerin, die zuerst nicht geschoben werden wollte,fehlt dann vielleicht ein Fazit, wie, dass sie die Fahrt trotz anfänglicher Weigerung trotzdem genossen hat, oder wenn nicht, kann man ja auch schreiben, dass Du es trotzdem versuchen wolltest, dann aber abgebrochen hast, weil sie wirklich nicht wollte? Oder hast Du einfach geschrieben, dass Du sie gegen ihren Willen die ganze Zeit geschoben hast? Darüber würde ich auch stolpern.

    BeataM hat recht, es ist auch wichtig, wie man etwas formuliert. Zb hättest du sagen können, dass du ganz genau beobachtest wie die Gedenkminute funktionierst, dir Stichpunkte notierst und dann selber mal probieren möchtest. Und die Dokumentation würde ich an deiner Stelle auch immer möglichst positiv formulieren.


    Und wenn wir schon bei positiv formulieren sind, was klappt denn eigentlich gut auf der Arbeit? Vielleicht notierst du dir nach der Schicht in Stichpunkten was schief gelaufen ist, wie du das verbessern willst und auch, was gut gelaufen ist. Sodass du schwarz auf weiß stehen hast, was Sache ist. Vielleicht hört dann auch das Gedankenkarussel auf.


    Ich glaube mittlerweile auch, dass du begleitend Hilfe brauchst, um dein Selbstbewusstsein aufzubauen. Du wirst immer wieder an deine Grenzen stoßen, gerade in deinem Job.

    Wenn Du etwas Leerzeit hast, könntest Du Dir zum Beispiel mal die Dokumentation der Kollegen angucken und Dich daran orientieren. Lernen durch Lesen und "Nachahmen".


    Und ganz ehrlich, ich würde mir an Deiner Stelle auch mal überlegen, wie Du Dein Selbstwert steigerst oder steigern könntest. Du wirkst bei ganz vielen Beschreibungen von Dir wie ein verhuschtes Mäuschen, was kurz vor dem Tränenausbruch steht.


    Liandrah schrieb:

    Er gab mir die Zuneigung, die mir sonst im Leben fehlt.

    Ganz gefährliches Terrain! Arbeite dringend an Deiner Eigenliebe, ich fand den Hinweis auf eine Therapie nicht den schlechtesten.

    Ich finde du kannst deine Situation sehr gut einschätzen (kann nicht jeder). Auch ich rate dir zu einer begleitenden Therapie, damit du mehr Selbstsicherheit gewinnst.


    Wobei du kannst die Wartezeit auf einen Therapieplatz mit einem Kurs bei der VHS überbrücken oder du machst einen Onlinekurs. Google mal nach "zeitzuleben projekt innere stärke". Habe selbst mitgemacht, hatte einen Artikel in der Focus entdeckt. Hat mir sehr geholfen. Oder du gehst du einer Mobbing-Selbsthilfegruppe, die kann dich auch unterstützen.

    Hallo,

    Ich habe ein ähnliches Problem auf meiner Arbeit(Quasi mein erster Arbeitgeber nach dem Studium), und meine Chefin die mich in der Regel gut Coacht gab mir den Rat, einmal in der Woche für mich selbst zu reflektieren was gut lief, und was nicht.

    Sieh ihre Anmerkungen auch nicht als persönliche Kritik, sondern als Erfahrung. Es ist frustrierend zu hören klar, aber diejenigen die am meisten kritisieren sind auch diejenigen von denen man am meisten lernt. (Man lernt mehr von seinen Feinden als von seinen Freunden.:-D)


    Frag beim nächsten Mal wie du es aus ihrer Sicht besser machen kannst. Was sie dir für Konstruktive Hilfe anbieten kann. Ebenfalls orientiere dich an deinen Kollegen beim Schreiben der Dokumentation, oder wie du gewisse Situation handhaben musst.


    Ich denke du wirst deine Arbeit toll machen. Gib dich nicht auf :)_.


    @:)

    Vielen Dank für die weiteren Antworten und eure Anregungen!


    BeataM


    Im nachhinein ist mir auch bewusst, dass das Verhältnis zu dem alten Herrn auf eine völlig unpassende Ebene abgeglitten ist. Bevor es zu dem Kuss am Hals gekommen ist, habe ich ehrlich gesagt noch gedacht, dass er so etwas wie eine Enkelin in mir sieht. Vor allem das Wärmen der Hände habe ich nicht mit erotischen Gefühlen in Verbindung gebracht.

    Es war mich nicht einmal unangenehm, dass er mir körperlich so nahe gekommen ist, weil ich einfach einen lieben und einsamen Mann in ihm gesehen habe. Manchmal wollen einige Bewohner auch kurz mal gedrückt werden, weil sie es als wohltuend empfinden.


    Die Dokumentation empfinde ich noch als schwierig, weil mir die Erfahrung fehlt, was man schreiben darf und was man besser positiv formuliert, obwohl es sich nicht so dargestellt hat. Das hat die Leiterin vom sozialen Dienst kritisiert. Denn die Aktivitäten, die ich mit den Bewohnern durchführe, entnehme ich dem Maßnahmeplan und ich würde auch nie etwas gegen den Willen einer Person durchsetzen. Die Bewohnerin, die anfangs abgeblockt hat, hatte plötzlich gar nichts mehr dagegen, dass ich sie im Rollstuhl spazieren fahren wollte.


    Braunesledersofa


    Danke für deinen Rat, mir jeden Tag nach der Schicht zu notieren, was gut und was eher negativ gelaufen ist. Es ist bestimmt hilfreich, die Ereignisse des Tages schwarz auf weiß zu sehen. Ich fane noch heute damit an.


    Ja, ich glaube inzwischen auch, dass ich deinen und den Rat von TimFaber annehmen sollte, mir professionelle Hilfe zu suchen, um mehr Selbstbewusstsein aufzubauen.


    TimFaber


    Danke auch für den Tipp mit dem online-Kurs!


    Was den alten Herrn betrifft, so wird sich ab jetzt eh einiges ändern, und zwar in der Hinsicht, dass ich leichter auf Distanz gehen kann.


    Zum einen hilft mir dabei die Erkenntnis, dass er doch mehr dement ist als ich bisher angenommen habe. Heute habe ich ihn nach seinem Alter gefragt. Die Frage konnte er mir nicht beantworten, sondern nur sein Geburtsjahr nennen.

    Auf seinem Tisch entdeckte ich zwei uralte Fotos einer Schulklasse. Ich wollte wissen, ob er mir sagen könne, welcher von den Jungen denn ER ist. Er konnte es mir nicht sagen und tippte immer wieder auf einen Jungen und meinte, dass er den doch von irgendwoher kenne. Er konnte gar nicht erkennen, dass das überhaupt ein Klassenfoto war.

    Ihm schien es heute auch nicht so gut zu gehen. Er hatte kaum etwas gegessen und war auch mir gegenüber viel zurückhaltender. Er hielt auch nicht wie sonst die ganze Zeit meine Hand, meinte aber traurig, wie lange wir wohl noch so zusammen sitzen können.


    Mir ist heute bewusst geworden, dass es mir aufgrund der Erkenntnis seiner wohl doch fortgeschrittenen Demenz leichter fallen wird, auf seine Zuneigung und "Zärtlichkeiten" zu verzichten. Denn er meinte ja im Grunde dabei gar nicht MICH als Person, sondern vielleicht erinnerte ich ihn nur an jemanden aus seinen jungen Jahren oder etwas an mir erinnerte ihn an seine verstorbene Frau.


    Gegen Dienstschluss bekam ich eine neue Liste der Bewohner, die ich ab jetzt betreuen soll. Dabei wurden auch Wünsche der Betreuungskraft, die mich eingearbeitet hat, berücksichtigt. Leider habe ich fast nur sehr schwierige Bewohner zugeteilt bekommen. Fast alle sind schwer dement und die wenigen, die noch geistig fit sind, sind sehr schwierig im Umgang. Einer dieser Bewohner ist Alkoholiker und zwei andere werden schnell laut und frech.

    Als es um die Frage ging, wem denn jetzt der besagte alte Herr zugeteilt wird, sprach sich sofort die andere Betreuungskraft dafür aus.

    Ich werde also in Zukunft eh keine Zeit mehr mit ihm verbringen können. Vielleicht ist es für mich besser so. Wie ich allerdings mit der neuen Herausforderung umgehen werde, wird sich zeigen.

    Naja, für diese neuen Herausforderung arbeitest du doch dort und dafür hast du deinen Arbeitsplatz komplett gewechselt. Wieso diese extreme Unsicherheit? Mit soetwas, also neuen Zuteilungen musst du öfter rechnen, da die Bewohner nunmal leider kommen und gehen. Du bist ja jetzt auch kein kompletter Neuling mehr.

    Es gibt in der Tat jede Menge neuer Herausforderungen und heute war ich so überfordert, dass ich den Job am liebsten hingeschmissen hätte!


    Wir sollen mit den Bewohnern Frühjahrsdekoration für die Fenster basteln. Man bekommt überhaupt keine Informationen, was genau gebastelt werden soll und wo sich das Arbeitsmaterial befindet. Alles musste ich im einzelnen bei einer Betreuungskraft erfragen, die mir schon genervt Auskunft gab. Nur kann ich nicht hellsehen!

    Nachdem ich nun das Arbeitsmaterial zusammgengetragen und mir die Vorlagen fürs Basteln angesehen hatte, fragte ich die noch geistig fitten Bewohner, ob sie Lust zum Basteln haben. Leider bin ich nur auf Ablehnung gestoßen, außer bei der sehr resoluten Bewohnerin, die es sich noch überlegen möchte. Nur kann ich mich nicht allein hinsetzen und alles basteln, was bei mir jede Menge Zeit in Anspruch nehmen wird, da ich da absolut talentfrei bin. Wir haben ja eine Frist bis übernächste Woche, und am Montag habe ich frei und am Dienstag muss ich zu einer Fortbildung.


    Eigentlich sollte ich mich heute intensiv mit den Maßnahmeplänen der ganzen Bewohner beschäftigen, dir mir gestern zugeteilt worden sind. Doch dazu bin ich kaum gekommen. Zwischendurch musste ich zu der Mitarbeiterin vom sozialen Dienst, die mit mir eine Akte zerpflückte und mir jede Menge Fragen dazu stellte. Leider wusste ich ganz vieles nicht, teilweise, weil es mir nicht erklärt worden ist und teilweise auch, weil ich dachte, dass gewisse Dinge gar nicht in meinen Zuständigkeitsbereich fallen wie die jeweiligen Pflegegrade oder Palliativgespräche! Sie hat mir jede Menge Formulare erklärt und ich habe mir vieles notiert, aber ich fühlte mich erst mal überfahren von den ganzen Informationen.

    Dann kam sie noch mit irgendwelchen Fachausdrücken, die ich auch noch nie gehört hatte. Ich kam mir so etwas von doof vor und das im Beisein der Leiterin vom sozialen Dienst. :-(


    Als "Hausaufgabe" gab sie mir nun, in dem Ordner der großen Teambesprechungen die Protokolle zum Thema "Hospiz" und noch was dahinter, was ich in der Aufregung nicht verstanden habe, zu lesen. Sie sagte mir, in welchem Schrank sich der Ordner befinde. Als Krönung war der Ordner nicht auffindbar. Da war ich aber allein im Büro und konnte niemanden fragen. Gegen Feierabend fragte ich eine andere Betreuungskraft danach und die meinte nur unwirsch, sie habe jetzt keine Zeit, nach irgendwas zu suchen. :-/


    Nach der Belehrung sollte ich eine neue Bewohnerin begrüßen und durchs Haus führen. Ehrlich gesagt war ich froh, dass sie erst mal "ankommen" wollte und daher den Rundgang ablehnte. Denn leider habe ich keinen Schimmer mehr, wo sich die Kapelle befindet. Sie wurde mir an meinem ersten Arbeitstag gezeigt und danach war ich nie wieder dort. Auch habe ich heute erst erfahren, dass es auf meinem Wohnbereich einen Raum für die Fußpflege gibt. Schöner Mist!


    Ja, und dann gab es noch eine unangenehme Situation. Einer der Bewohner, der mir zugeteilt worden ist, ist erst knapp über 60 und schon ziemlich dement. Man sagte mir, er spreche erst, wenn er Vertrauen gefasst hat.

    Ich traf ihn im Aufenthaltsraum an und sprach ihn freundlich auf sein Lieblingsthema Fußball an. Er antwortete kaum, aber ich hatte nichts anderes erwartet. Er stieg dann in den Fahrstuhl und ich ging hinterher, weil ich auch ins Erdgeschoss musste. Kaum war die Tür zu, lachte er plötzlich so komisch und kam mir bedrohlich nahe. Ich hatte Angst, dass er nach mir grabschen wollte und war froh, als der Aufzug Sekunden später hielt, weil er erst nach oben gefahren war.


    Ich bin gerade nervlich ziemlich am Ende.

    Es ist wohl der ganz normale Wahnsinn in einem Altenheim oder überhaupt in einem neuen Job, aber ich bin im Moment einfach überfordert.


    Sehe ich das Ganze vielleicht übertrieben?