Betriebsarztuntersuchung verweigern möglich?

    Ich fange bald meinen ersten Job an. Dieser ist im sozialen Bereich, allerdings ohne Kontakt zu Blut, sollte das wichtig sein.


    Jetzt habe ich erfahren, dass ich bald nach Arbeitsbeginn zum Betriebsarzt muss. Laut Google läuft es ja wie folgt ab:

    - Gespräch

    - körperliche Untersuchung mit Abhorchen und Bauchabtasten

    - Gewicht, Blutdruck

    - Blutabnahme, ggf. Urinuntersuchung

    - notwendige Impfungen


    Jetzt ist mein Problem, dass ich meinem Arbeitsgeber nicht über meine chronische Krankheiten informiert habe, weil ich das nicht möchte. Nur die Schwerbehinderung ist bekannt. Da das ganze in meinen Augen keine Auswirkungen auf meine Arbeit hat, möchte ich es nicht sagen und bin dazu ja auch nicht verpflichtet. Jetzt habe ich allerdings Angst, dass der Betriebsarzt nach Schema F vorgeht und mir die Tätigkeit untersagt, sollte er von meinen Krankheiten erfahren. Daher möchte ich meine Krankheiten auch vor ihm verheimlichen. Soweit ich mich jetzt informiert habe, darf ich meine Vorerkrankungen auch vor dem Betriebsarzt verschweigen. Meine Krankheiten sind Colitis Ulcerosa und Typ1 Diabetes, falls es wichtig wäre für meine Frage. Allerdings habe ich den Typ1 Diabetes sehr gut im Griff dank Sensor und Insulinpumpentherapie, daraus ergeben sich auch sehr wenige Hypos, die ich recht frühzeitig erkenne. Die Colitis ist dank Immunsuppression auch in Remission.


    Jetzt ist nur das Problem, dass diese Krankheiten bei der Untersuchung ja auffallen würden. Dank Colitis habe ich leichtes Untergewicht, das würde also beim Wiegen auffallen und ich darf nur in bestimmten Abständen und nur manche Impfungen bekommen aufgrund der Immunsuppression. Die Insulinpumpe würde sofort beim Bauchabtasten auffallen, genauso wäre bei einer Blutabnahme ja auch der Blutzucker deutlich erhöht.


    Daher jetzt meine Frage, darf ich die körperliche Untersuchung inkl. Labor und Impfungen beim Betriebsarzt verweigern und nur das Gespräch wahrnehmen? Die Kosten der Impfungen werden laut Aussage des Arbeitgebers nur bei diesem Betriebsarzt von ihnen übernommen. Laut einem Artikel im Ärzteblatt gibt es allerdings jetzt eine neue Regelung, dass die Krankenkassen die Kosten der Impfungen bei beruflicher Indikation übernehmen würden, wenn man diese beim Hausarzt statt Betriebsarzt vornehmen lässt. Somit wäre zumindest dieses Problem gelöst. Nur die körperliche Untersuchung und Labor wäre noch ein Punkt.


    Wer hat damit Erfahrungen?

  • 39 Antworten

    Sofern ich informiert bin, soll der Betriebsarzt ja abschätzen, inwieweit du für den Arbeitgeber eine "Belastung" darstellen könntest, weil du irgendwelche körperlichen Dispositionen mitbringst, die zu Ausfällen oder chronischen Beschwerden führen könnten. Wie stellst du dir denn das ohne körperliche Begutachtung vor?

    der betriebsarzt ist ja nicht dein feind, er hat auch schweigepflicht.


    und ja, er stuft dich als arbeitsfähig ein.


    aber inwiefern behindern dich deine leiden im berufsalltag?

    Zitat

    Prima Situation, in die du dich da manövriert hast.

    Ich bin gespannt, wie das ausgeht.

    das ist doch quatsch

    ich musste auch zum betriebsarzt, gleich am ersten arbeitstag.


    die unterlagen, ob du arbeitsfähig bist gehen an die personalabteilung


    aber nochmal, der betriebsarzt ist nicht dazu da, die einstellung rückgängig zu machen


    bist du der herausforderung gewachsen? wenn ja, würde ich mir nicht so einen kopf machen

    TimFaber schrieb:

    der betriebsarzt ist ja nicht dein feind, er hat auch schweigepflicht.

    Bist Du sicher? Der Betriebsarzt handelt im Auftrag des AG und ist verpflichtet Auskunft zu geben, ob eine Belastung für den AG besteht oder nicht. Da fallen unter die Schweigepflicht nur die festgestellten Erkrankungen, mMn.

    Schliesslich rollt u. U. sein Kopf, wenn er nicht gründlich untersucht.

    Ihr macht mir gerade echt etwas Angst.


    Dass der Arzt theoretisch nicht mein Feind ist und theoretisch auch Schweigepflicht hat, weiß ich. Allerdings leider nur theoretisch. Ich habe nicht nur einmal erlebt wie leichtfertig mit der Schweigepflicht umgegangen wird. Deshalb möchte ich es auf keinen Fall risikieren.


    Ich weiß nicht, wie genau die rechtliche Vorgaben zur Betriebsarztuntersuchung sind. Leider finde ich da unterschiedliche Angaben. Daher wollte ich hier ja fragen. Vorsorgen darf man anscheinend auf jeden Fall verweigern, eine Eignungsuntersuchung allerdings anscheinend nicht. Ich weiß auch gar nicht, was das genau für eine Untersuchung bei mir wäre. Es geht insbesondere um notwendige Impfungen, usw.


    Beim Diabetes habe ich sehr große Angst, dass das rauskommt. Ich habe eine Frage in einem anderen Forum gesehen, wo es auch um Diabetes und Betriebsarzt ging in einem ähnlichen Beruf. Derjenige hatte auch Angst, allerdings Typ2 und nicht insulinpflichtig, jedoch übergewichtig. Da hieß es dann, das sei bei ihm kein Problem. Nur bei Insulin sei es ein Problem wegen der Unterzuckerungsgefahr.

    Meine Diabetesberaterin meinte damals, dass ich keine Einschränkungen in der Berufswahl hätte, außer Berufs-Taucher. Aber sonst dürfte man mittlerweile auch Schichtdienst, gewerblich LKW fahren und Dachdecker werden. Wenn ich jetzt allerdings einen Betriebsarzt vom alten Schlag bekomme, dann kommen gleich die Vorurteile. Insulin, Hypogefahr, nicht arbeitsfähig in dieser Stelle...

    Im Grunde sehe ich nur die Chance, wenn Du dich auf alles einlässt und ehrlich bist.

    Ausserdem weisst Du nicht, was deinem evtl. zukünftigem AG wichtig ist.


    Ein Betriebsarzt ist auch nur ein Angestellter und bekommt sein Entgelt genau von diesem AG. Er muss sich an Anweisungen halten, da spielt es keine Rolle ob der alt oder jung ist.

    Zitat

    Insulin, Hypogefahr, nicht arbeitsfähig in dieser Stelle...

    ist das so? wie oft kommt das bei dir vor?


    ich glaube du hast mehr angst vor der untersuchung, als es tatsächlich ist

    ich habe wahrheitsmässig angegeben, dass ich antidepressiva nehme. ich wurde auch nicht als psycho abgestempelt

    Ganz einfach, hast du bereits den Vertrag unterschrieben, kann er Dir wegen einer Krankheit auch nicht so einfach kündigen.


    Ist die Untersuchung vor der Vertragsunterschrift, könnte er es sich theoretisch noch anders überlegen bzw. sagen, dass aktuell doch kein Bedarf besteht, denn aufgrund einer Krankheit dürfte er Dich nicht ablehnen, aber ob er auch so ehrlich wäre und man ihm das nachweisen könnte, ist eine andere Sache.


    Anders Verhält es sich, wenn du z.B. Medikamente einnehmen müsstest, die Dich so beeinflussen, dass du in deinem Job für Dich selbst und auch für andere eine Gefahr darstellst, aber sowas müsste man auch kommunizieren.


    Ich musste z.B. auch zum Betriebsarzt -vor Vertragsunterschrift- und wenn ich mit der Umschulung fertig bin, ist jedes falsches Verhalten nicht nur für mich selbst sondern auch täglich für hunderte von Menschen lebensgefährlich, daher war auch ein Drogen- /Psychotest usw. in der Untersuchung enthalten. Wäre einer der Tests positiv gewesen, dann hätte mich mein AG auch nach bereits erfolgter Unterschrift kündigen können, da ich schließlich das Leben von vielen Menschen durch unachtsames Verhalten gefährden kann.


    Ich gehe davon aus, dass bei Dir eher auch eher ein Drogentest usw. gemacht werden wird... eigentlich müsstest du auch ein Formular bekommen haben, da man dem tatsächlich schriftlich zustimmen muss, dein Arbeitgeber kann bei Verweigerung allerdings... ich zitiere mal:


    "Eine abgelehnte Pflichtuntersuchung erlaubt keine Beschäftigung an Arbeitsplätzen mit besonders gefährdenden Tätigkeiten. Für den Arbeitgeber bedeutet dies, dass er im Wiederholungsfall eine Kündigung aussprechen kann. Das Ablehnen von Angebotsuntersuchungen ist ohne arbeitsrechtliche Konsequenz.


    und


    Keine Pflicht für Arbeitgeber zur Beschäftigung bei fehlendem Tauglichkeitsnachweis"


    Zwar kannst du eine Untersuchung ablehnen, aber dein potentieller Arbeitgeber kann dann auch nicht feststellen, ob eine Beschäftigung Risikofrei ist und somit einer Anstellung Widersprechen oder gar die Kündigung aussprechen.


    https://www.haufe.de/personal/…sk_PI42323_HI7695678.html

    Also ich musste damals beim Betriebsarzt auch unterschreiben, dass ich meinen Hausarzt von der Schweigepflicht entbinde. Inwiefern davon Gebrauch gemacht wurde, weiß ich nicht.

    Das sind aber auch zwei verschiedene Themen: Die Schweigepflicht des Arztes und die Frage, ob eine körperliche Untersuchung verweigert werden darf. Das zweite kann ich mir beim besten Willen nicht ohne Konsequenzen irgendeiner Art vorstellen. Wie soll der Arzt zu seinem Urteil kommen, wenn er nicht untersuchen darf.

    Zitat

    Beim Diabetes habe ich sehr große Angst, dass das rauskommt.

    Hallte ich auch im eigenen Interesse für sehr unklug es zu verheimlichen. Es ist sehr viel klüger wenn dein Umfeld davon weiss.