Darf ein Gerichtsvollzieher sich so verhalten?

    Ich habe eine Frage und da mir das etwas peinlich ist, stelle ich sie als Alias.

    Bei mir hat heute unangekündigt (ich weiß, die dürfen das) der Gerichtsvollzieher geklingelt und ich habe ihm auch aufgemacht. Da ich psychisch krank und momentan nicht in der Lage bin einen Termin wahrzunehmen, habe ich ihm ein Attest geschickt, mit der Bitte, eine andere Lösung zu finden. Das ging jetzt iwie über Monate. Auch eine körperliche Erkrankung hat mich aus der Bahn geworfen und das wurde im Attest mit erwähnt. Jedenfalls stand er dann heute Morgen vor der Tür, nur leider war ich nicht alleine, weil mein Sohn später Schule hat wegen Corona. Er hat ALLES mitbekommen! Wie der Gerichtsvollzieher mit mir geredet und mir gedroht hat. Wie er mir seinen Nichtglauben (ich weiß, die erleben viel Scheisse mit ihren Klienten) über meine Krankheiten an den Kopf geworfen hat und mir diesen rosa Haftbefehl unter die Nase gehalten hat. Kenne das so nicht, habe ich zum erstenmal erlebt. Das bitterste daran ist, dass es nicht mal meine eigenen Schulden sind, aber das ist eine andere Geschichte. Ich habe die Verantwortung dafür übernommen. :-(

    Auch hat er mir gedroht, mein Auto wegzunehmen, welches vielleicht noch einen Wert von 100 Euro hat. Ich bin aber durch meine Psyche drauf angewiesen und habe jetzt natürlich Bammel davor.

    Das einzig Gute an dem Besucht ist, dass ich das jetzt endlich unterschreiben konnte und 2 Jahre Ruhe habe. Aber ich fühle mich furchtbar erniedrigt und das vor meinem minderjährigen Sohn. Ich war so perplex, dass ich gar nicht dran gedacht habe ihn rauszuschicken. Der Gerichtsvollzieher war ohnehin ziemlich laut. Ich finde schlechte Erfahrungen dürfen nicht dazu führen, dass man dann aus Prinzip alle Menschen mit Schulden schlecht behandelt und ihnen unterstellt, sie würden lügen. Er hat sogar zu mir gesagt, dass er ausrastet, wenn er merken würde, dass ich zum einkaufen gehe, aber den Termin bei ihm nicht wahrnehmen könnte. Habe ihm dann ehrlich gesagt, dass ich natürlich einkaufen gehe, weil das hier um die Ecke ist und ich nicht weit fahren muss und wir ja auch leben müssen. Selbst das fällt mir oft schwer, wenn es so voll ist und wegen Corona. Ist alles sehr schwierig im Moment und ich bin erstmal froh, dass ich das hier loswerden konnte.

    Aber mich beschäftigt jetzt halt, ob der so mit den Menschen umgehen darf? Und kann man sich gegen sowas wehren?

  • 118 Antworten
    Alias 976558 schrieb:

    Aber mich beschäftigt jetzt halt, ob der so mit den Menschen umgehen darf? Und kann man sich gegen sowas wehren?

    Ob er das darf, oder Du es nur so schlimm empfunden hast, kann ich natürlich nicht beurteilen. Es war auf jeden Fall im Beisein Dritter unangemessen.


    Es gibt eine Beschwerdestelle, an die Du dich wenden könntest.

    Ein Gerichtsvollzieher kann mit einem Haftbefehl kommen, um die Abgabe der eidesstattlichen Versicherung zu erzwingen. Und mit Sicherheit ist es das, was die TE unterschrieben hat; eigentlich sollte man jetzt drei Jahre Ruhe haben.

    Zitat

    Was hast du unterschrieben? Haftbefehl? Was zur Hölle? Kann es sein, dass das kein Gerichtsvollzieher war?

    Bisschen übertrieben deine Reaktion, oder?

    Also wenn er so mit Dir geredet hat, dass er Dich persönlich angegriffen, vor Deinem Sohn erniedrigt und bloßgestellt hat, und dass trotz dessen er weiß, dass Du nachweislich psychische Probleme hast würde ich mich in jedem Fall beschweren.
    Gerade weil Dein Sohn es mitbekommen hat, sollte er eben nun auch mitbekommen, dass niemand so mit jemandem reden darf und Du Dich zur Wehr setzt.

    Der Gerichtsvollzieher scheint seinen Beruf verfehlt zu haben.

    Verhueter schrieb:

    Was hast du unterschrieben? Haftbefehl? Was zur Hölle? Kann es sein, dass das kein Gerichtsvollzieher war?

    Doch, war der Gerichtsvollzieher, mit dem ich auch vorher telefoniert habe und er schon am Telefon genauso unfreundlich war und mich nicht aussprechen lassen hat.

    Unterschrieben habe ich die Eidesstattliche Versicherung, denn um diese ging es ja.

    diese Menschen kriegen nichts als Ausreden zu hören, irgendwann stumpft man vermutlich ab


    ich würde das nicht persönlich nehmen, er wird bei allen so handeln, du kannst dich auch beschweren

    Gerichtsvollzieher sind so. Seit schon immer. Nichts daran überrascht mich. Als Kind hab ich die auch miterlebt. Das gibt einem immerhin einen realistischen Blick aufs Leben.

    Madame Charenton schrieb:

    diese Menschen kriegen nichts als Ausreden zu hören, irgendwann stumpft man vermutlich ab


    ich würde das nicht persönlich nehmen, er wird bei allen so handeln, du kannst dich auch beschweren

    das würde ich so unterstreichen und: bevor der Gerichtsvollzieher kommt, hat man 100000 Möglichkeiten , die Dinge zu klären. Verpasst man alle diese Möglichkeiten, ist halt irgendwann auch mal Schluss mit lustig und es werden dann halt auch keine Wattebällchen mehr geworfen.

    Wenn du dich seit Monaten gesundheitlich nicht in der Lage fühlst, deine Dinge zu regeln, hattest du genügend Möglichkeiten, dich um jemanden zu kümmern, der es für dich regelt. Es gibt da verschiedene Möglichkeiten von Hilfe vom Jobcenter, über die Hilfe vom Jugendamt, Sozialamt, Diakonie.....bis zu letzt der gesetzliche Betreuer.


    Man kann erkranken, psychisch wie physisch, aber man kann sich auch Hilfe holen. Und nun sag nicht, dazu warst du nicht in der Lage. Selbst in der Psychiatrie (solltest du da gewesen sein) kann man diese Hilfe veranlassen.


    Das Leben ist kein Ponyhof, so Leid es einem tut. Die Gerichtsvollzieher kennen all diese Geschichten und schuld sind bei allen immer nur die Anderen.


    ich wünsche dir, dass du es jetzt schaffst, deine Dinge zu regeln und das mein ich ernst:)*:)*:)*:)*:)*

    ich kann alias schon verstehen, wenn man ausgelaugt ist, kann man sich zu nichts mehr aufraffen.


    ich konnte nicht mal mehr zähne putzen oder duschen, so bleiern war die last.


    auf der anderen Seite sollte man Hilfe zulassen.


    eine Beschwerde ist sicher angebracht, dem eigenen Seelenheil zuliebe

    TimFaber schrieb:

    ich kann alias schon verstehen, wenn man ausgelaugt ist, kann man sich zu nichts mehr aufraffen.


    ich konnte nicht mal mehr zähne putzen oder duschen, so bleiern war die last.


    auf der anderen Seite sollte man Hilfe zulassen.


    eine Beschwerde ist sicher angebracht, dem eigenen Seelenheil zuliebe

    So schlimm war/ist es bei Alias ja nicht, Einkaufen geht ja auch noch - und ich schließe mich dem Beitrag von Mietzli an.

    Ja es gibt Situationen im Leben, die sind unheimlich schwer. Aber es gibt eben auch Situationen im Leben, die müssen geregelt werden, gerade wenn oder weil das Leben so schwer ist. Damit man in einem Fall, wo man derart ausgelaugt ist, nicht auch noch die Kraft aufbringen muss, sich durch solche Dinge zu wuseln,. gibt es Hilfen (zu Hauf). Man muss sie nur in Anspruch nehmen.


    Wenn man all das verpasst, kommt halt irgendwann der Gerichtsvollzieher.


    Das ist wie bei Zahnschmerzen. Vorsorge verpasst. OK. Leichtes puckern ignoriert. OK. Starke Schmerzen lassen sich irgendwann nicht mehr ignorieren. Fakt.

    Es geht hier ja nicht darum, darüber zu urteilen, DASS der Gerichtsvollzieher kommt. Die Gründe dafür sind doch gar nicht Gegenstand der Ausgangsfrage.

    Ich finde es immer unangebracht mit Menschen in herabsetzender Weise zu reden. Egal von welcher Institution jemand geschickt wurde. Es klingt ja fast so, als sei es ok, dass sich da ein Fremder in der eigenen Wohnung so respektlos verhält.

    Es ist nicht ok, aber man muss auch immer in Relation setzen was zu erwarten ist. Und wer erwartet, dass immer alles fair und lieb zugeht bei Amtshandlungen, der muss mit Erwartungsenttäuschungen rechnen.

    Meine persönliche Meinung (!!!) ist, dass Menschen, die ein gewisses Maß an Macht haben, sich oft (nicht immer!) über andere Menschen stellen. Sei es der Typ vom Ordnungsamt, der Polizist, der Gerichtsvollzieher oder die Frau beim Arbeitsamt. Natürlich müssen Regeln eingehalten werden und Rechnungen müssen bezahlt werden, ich persönlich (!) habe an mir selbst und auch in meinem engsten Kreis schon oft festgestellt, dass diese Menschen, die das Gesetz "vertreten" und "verteidigen" menschlich oft (nicht immer!) eine Voll- Katastrophe sind.


    In diesem Fall hat sich der Gerichtsvollzieher rechtlich korrekt verhalten, menschlich jedoch total versagt. Er hätte auch einfach die Unterschrift einfordern und wieder gehen können?! Warum dieses Theater dabei?