Doktor der Biologie - Bin das ich?

    Hallo :)


    Ich bin diese Woche noch aufgrund einer Operation krank geschrieben und habe endlich mal Zeit, mir etwas von der Seele zu schreiben.


    Vorne weg: natürlich habe ich schon alles mit Freunden, der Familie durchgekaut, aber ich glaube manchmal, sie verstehen mich nicht, da sie nicht aus dem Selben Berufszweig stammen (Biologie).


    Kurz von Anfang an: Ich habe immer alles recht akribisch durchgezogen. Abitur, Ausbildung, Studium. Abitur 2006, 2008 hatte ich die Ausbildung in der Tasche, 2008 habe ich mein Bachelorstudium begonnen, 2011 meinen Master. 2013 landete ich dann bei einer Doktorandenstelle. Ich dachte damals, das macht man einfach so. Es hat mir auch eigentlich Spaß gemacht etc. und es war das erste "richtige" Gehalt, was ich mit meinem Beruf verdient habe. 2013 war ich bereits 26. Ich war nie im Ausland, habe nie ein Jahr gebraucht, um mich zu finden, aber ehrlich gesagt, bin ich nicht viel weiter gekommen…Mittlerweile lebe ich in einer Stadt, die mir nicht gefällt. Ich habe kaum soziale Kontakte oder ein soziales Leben.


    Jetzt ist Ende 2016 und rein formell sollte ich im März 2017 mit meiner Doktorarbeit fertig sein. Also laut Vertrag, da laufen nämlich die 3 Jahre in meinem Institut aus. Nunja, fertig bin ich aber noch lange nicht.


    Nun stellt sich mir manchmal die Frage, wieviel mir das eigentlich wert ist? Spreche ich mit Kollegen, Post-Docs oder wem auch immer "Ja, das ist nunmal so, fast keiner schafft das in 3 Jahren!" Und ich: "Ja und dann?". "Tja, dann sitzt man eben noch 1 ½ Jahre länger da…".


    Ok, aber wenn ich das nicht will? Unbezahlt oder für ein HIWI-Gehalt von A nach B angeln, damit ich den Doktortitel kriege und mich dann von Postdoc zu Postdoc Stelle hangel? Boa, irgendwie, echt nicht…


    Und selbst wenn ich den Doktor machen will. Das kann ich ja. Nur kann mich doch das Institut nicht dazu zwingen, tagtäglich da weiter ohne Bezahlung "rumzuhocken", nur damit ich anwesend bin? Wenn die mich nicht zumindest eine Weile weiter bezahlen, suche ich mir einen anderen Job, ganz ehrlich und schreibe nebenbei.


    Ist das so verwerflich?


    Nur weil immer alles so war?


    Auch jetzt, wo ich krankgeschrieben bin. Bin ich übrigens fast nie, manche kommen wegen ihrer Periode nicht zu Arbeit, naja egal. Okay, ich sagte meiner Vorgesetzten selbst, schreiben kann ich ja vielleicht trotzdem und das mache ich auch und will ich auch. Ist ganz angenehm, mal nicht die nervigen Kollegen um sich zu haben ;-) Aber heute die Mail: "Schick mir doch bitte bis Freitag dann die erste Version, damit ich am Wochenende drüber sehen kann!" Öhm ja. Wenn sie selber oder eines ihrer Kinder krank ist, checkt sie noch nicht mal Mails!!!


    Was mich am meisten stört sind einfach auch Kollegen…Die gucken halt doof, wenn man nach 8 Stunden Arbeit geht. Ich werde aber nur für ca 5 Stunden am Tag bezahlt. Wenn die über sind, kann ich doch mal eher gehen!! "Gehst du schon?" Wie ich diesen Satz hasse. Und ganz ehrlich, um 4 Stunden der Arbeitszeit bei Facebook zu hängen oder Videos anzuschauen? Nur damit ich DA bin und alle denken "Ach, guck mal die ist immer solange da? Sehr fleißig die Gute." Am Arsch. Sry ;-)


    Ich weiß garnicht, was mich manchmal mehr aufregt. Die Anderen oder ich mich ;-)


    LG @:)

  • 2 Antworten

    Du hast da mehrere Baustellen.


    1. Frag' Deinen Chef was er mit Dir vorhat, wenn Du bis März nicht einen Plan zur Fertigstellung hast. Er wird das schon gemerkt und was überlegt haben.


    2. Die meisten Kollegen in den Instituten arbeiten tatsächlich bei halben Stellen Vollzeit. Das ist nicht nur bei Euch so und ist auch für Institutsleiter vollkommen normal geworden, so normal, dass ein Arbeiten nach Vertrag halt auffällt. Zumindest bei uns kommt erst so langsam ein Wandel, abe ich kenne auch die Fälle, in denen sich Professoren in der Vewaltung beschweren, dass ihre halben Stellen tatsächlich mittags nach Hause gehen.An sich hast Du Recht, aber Du musst halt einen Weg lernen damit umzugehen, dass Du eben Recht hast. Weil egal, ob Recht oder nicht, die Gepflogenheiten sind andere.


    3. Du musst Dir darüber klar werden, was Du willst. Kurz vor Schluss würde ich nicht aufgeben, schon gar nicht ohne Alternativen. Promostellen in Bio sind rar, evtl. kannst Du Deine Arbeit abspecken und dann Augen zu und durch.


    4. Solltest Du nicht weiter übernommen werden, besteht natürlich die Möglichkeit als Externer, machen ja viele,


    aber auch da musst Du allmählich mal ein Gespräch mit dem Chef führen.


    5.

    Zitat

    Und ganz ehrlich, um 4 Stunden der Arbeitszeit bei Facebook zu hängen oder Videos anzuschauen? Nur damit ich DA bin und alle denken "Ach, guck mal die ist immer solange da? Sehr fleißig die Gute." Am Arsch. Sry ;-)

    Machen das die anderen?

    Zitat

    Was mich am meisten stört sind einfach auch Kollegen…Die gucken halt doof, wenn man nach 8 Stunden Arbeit geht. Ich werde aber nur für ca 5 Stunden am Tag bezahlt. Wenn die über sind, kann ich doch mal eher gehen!! "Gehst du schon?" Wie ich diesen Satz hasse. Und ganz ehrlich, um 4 Stunden der Arbeitszeit bei Facebook zu hängen oder Videos anzuschauen? Nur damit ich DA bin und alle denken "Ach, guck mal die ist immer solange da? Sehr fleißig die Gute." Am Arsch. Sry ;-)

    Meinem Mann ging es mal ähnlich. Nachdem er zwei Jahre lang Überstunden gemacht hat, weil es die anderen auch gemacht haben, hat er dann irgendwann das Spiel nicht mehr mitgespielt. Das fiel natürlich auf, als er nach der vertraglich festgelegten Arbeitszeit seinen Stift hat fallen lassen. Wenn er von den Kollegen darauf angesprochen wurde, sagte er ihnen rotzfrech: "Ich schaffe meine Arbeit in der mir vertraglich festgelegten Arbeitszeit. Wenn du das nicht schaffst, ist das nicht mein Problem sondern deines.", auch solche Kommentare wie "Dann mache weniger Raucherpausen" oder "Dann surfe während der Arbeitszeit nicht so viel im Internet." Können sich die anderen anhören. Danach hatte er Ruhe vor blöden Kommentaren Seitens seiner Kollegen.


    Wenn dir die Kommentare der anderen und dein Ansehen im Institut so wichtig sind, dann mache eben weiter sinnlos Überstunden. Ansonsten leg dir ein dickes Fell zu und sitze eben nur die vertraglich vereinbarte Zeit ab. Es liegt allein in deiner Hand.

    Zitat

    Auch jetzt, wo ich krankgeschrieben bin. Bin ich übrigens fast nie, manche kommen wegen ihrer Periode nicht zu Arbeit, naja egal.

    Wie oft man krank ist, kann man nur schwer beeinflussen. Sei doch froh, dass du nicht so oft krank bist und dich auch nicht krank schreiben lassen musst. Was die Periode betrifft... ich weiß nicht, ob dir bewusst ist, dass manche Frauen tatsächlich nicht arbeitsfähig sind während ihrer Periode. Meine Mutter hatte sich während der Zeit auch regelmäßig krank schreiben lassen müssen, weil sie sehr heftige Schmerzen hatte und häufig sogar ohnmächtig geworden ist.

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    Okay, ich sagte meiner Vorgesetzten selbst, schreiben kann ich ja vielleicht trotzdem und das mache ich auch und will ich auch. Ist ganz angenehm, mal nicht die nervigen Kollegen um sich zu haben ;-) Aber heute die Mail: "Schick mir doch bitte bis Freitag dann die erste Version, damit ich am Wochenende drüber sehen kann!" Öhm ja. Wenn sie selber oder eines ihrer Kinder krank ist, checkt sie noch nicht mal Mails!!!

    Die Aufregung verstehe ich jetzt wirklich nicht. Du hast doch deiner Vorgesetzten gesagt, dass du auch während deiner Erkrankung zu Hause weiter schreibst bzw. arbeitest. Und da verwundert es dich allen Ernstes, dass sie dir eine E-Mail schreibt und dich dann um etwas bittet? Dich hat keiner gezwungen zu Hause etwas zu schreiben während du krank bist, genauso wenig ist deine Vorgesetzte gezwungen, E-Mails zu checken, wenn sie krank ist. Warum sollte sie das auch tun?