Elendsfall im Haus - Presse verständigen?

    Hallo,


    es ist schwierig, die Sache zu beschreiben, ohne allzusehr in die Details zu gehen, ich versuche es aber trotzdem in der Hoffnung, dass jemandem was dazu einfällt.


    Es gibt eine Person bei uns im Haus (alleinstehend), die hier total verwahrlost vor sich hin vegetiert, und nicht nur ein bisschen, sondern richtig schlimm (es ist von einer "Durchseuchung der Wohnung mit Exkrementen" die Rede). Die fragliche Person bräuchte Pflege, hat aber leider auch brachiale Vorurteile gegen Hilfe von offizieller Seite und verweigert sich entsprechend (weiter möchte ich darauf momentan nicht eingehen), obwohl sie angeblich unbedingt Hilfe will (begreift aber anscheinend nicht bzw. sieht nicht ein, dass dazu die Zusammenarbeit mit entsprechden Stellen unumgänglich ist).


    Die zweite Baustelle ist, dass der Vermieter der Wohnung sich - ohne Übertreibung - seit Jahrzehnten nicht um die Wohnung kümmert. Der scheint den Besitz einer Wohnung mit einem Immobilienfonds zu verwechseln >:( . D.h. dass z.B. ein Wasserhahn in jener Wohnung seit x Jahren defekt ist usw. usf. Ohnehin ist er überhaupt kaum zu erreichen.


    Obwohl die bewusste Person mittlerweile entmündigt ist, hat sich praktisch gesehen nichts geändert - sie hat kaum Hilfe und lt. Aussage des Vormunds kann er nichts unternehmen, wenn keine Zustimmung des Mündels vorliegt (wobei die Problemperson behauptet, nicht danach gefragt worden zu sein, was ich aber nur unter Vorbehalt glaube).


    Es sagt also jeder irgendwo, er kann oder darf nicht und der Vermieter interessiert sich überhaupt nicht. Die Polizei, die einmal von einem Handwerker angerufen wurde (der tatsächlich mal in der Wohnung war), soll gesagt haben "der Mensch hat ein Recht auf Verwahrlosung".


    Es ist halt nur so, es ist nicht ein bisschen Verwahrlosung, sondern ein Leben in der eigenen Sch...., und zwar buchstäblich. Es ist richtig, richtig krass, was ich so weiß, und wenn der Mensch einmal durchs Treppenhaus geht (was selten der Fall ist), riecht man natürlich auch im Flur, was Sache ist...


    So wie die Sache ist, muss sich einfach etwas ändern. Ich will nicht warten, bis irgendwann die Bildzeitung titelt "Elendsfall in X - Behörden und Nachbarn wissen seit Jahren Bescheid". Ich weiß jetzt seit etwa einem Jahr von der Sache und habe mehrfach mit diversen Stellen telefoniert, nachgefragt und auf eine Änderung gehofft - nichts!


    Ich kann nicht täglich da vorbeilaufen und wissen, was los ist, ohne zu handeln. Es nützt nichts, dass alle nach eigener Angabe nicht können und nicht dürfen. Meiner laienhaften Einschätzung nach müsste ein Pflegeplatz gefunden werden und/oder (heikel, das zu vertreten, ich weiß) ggf. die Entmündigung so erweitert werden, dass der Vormund auch ohne Zustimmung des Mündels handeln kann, falls so etwas geht. Alleine wird sich der Mensch vermutlich nie aus der Sch.... rausbegeben, obwohl er ganz laut schreit, dass er drinsitzt (und natürlich immer alle andern schuld sind, auch klar...). So kann es nicht weitergehen...


    Ich bin echt am Überlegen, ob ich die Presse anrufen soll. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll, und es muss sich was tun, aber von anderer Seite tut sich ja nix oder darf nicht usw.


    Jemand einen Gedanken dazu?

  • 38 Antworten

    In vielen Städten gibt es einen psychosozialen/sozialen Notdienst.


    Wenn Du Ungeziefer/Parasitenbefall vermutest, kannst Du Dich an das Veterinäramt wenden. Du kannst auch den Schädlingsbekämpfer holen, und der sucht dann die Quelle .. und, so was aber auch :=o , stößt der auf diese Wohnung.. vielleicht ist sein Hebel länger als Deiner.


    Wenn sich der Vermieter nicht kümmert, Mieterbund vielleicht, da nachfragen.


    Solange von dieser Wohnung keine Gesundheitsgefahr ausgeht, wird es schwierig.. es nicht verboten, in seinem eigenen Dreck zu leben.

    Normalerweise ist eine derart verwahrloste Wohnung Grund für fristlose Kündigung des Mietvertrags.


    Nun, es ist korrekt, dass ein Mensch verwahrlosen darf, aber nur insoweit, als er andere Menschen nicht belästigt (v.a. Geruchsbelästigung auch außerhalb der Wohnung). Hast Du schon mal an den Vermieter geschrieben, dass es im Treppenhaus massiv nach Exkrementen riecht? Ansonsten ist es keine schlechte Idee, der Presse einen Wink zu geben.


    Ich erinnere mich an einen ähnlichen Fall in einem Berliner Hinterhaus. Die Hauswartsleute wohnten in einer kleinen Wohnung im EG. Sie wirkten nicht nur mental behindert, sie waren auch extrem ungepflegt. U.a. trugen sie über viele Monate ein und dieselbe Kleidung. Sie hatten auch einen sehr verwahrlosten Schäferhund. Ging man an der Wohnung vorbei (ich wohnte im 1. OG), stank es entsetzlich ... ein Cocktail aus Kot, Urin und Verwesung. Viele Monate lang konnten wir nichts tun. Die Vermieterin reagierte auf unsere Schreiben nicht, Mietminderung brachte auch nichts, und mit den Hauswartsleuten konnte man nicht reden.


    Eines Tages kam ich abends von der Arbeit nach Hause, da sah ich, dass der Schäferhund von Tierheim-Wagen abgeholt wurde. Ich kam ins Hinterhaus und stolperte über einen Herrn, der sich gerade in der Ecke übergab. Die Tür zur Hauswartswohnung stand sperrangelweit offen. Von dem Gestank, der aus der Wohnung drang, wurde ich schier ohnmächtig.


    Am Tag darauf erfuhr ich, dass die Hauswartsleute in eine psychiatrische Klinik gebracht worden waren. In der Wohnung befanden sich viele lebende und tote Katzen, daneben auch Ratten und jede Menge Tauben. Das WC war unbenutzbar, weil sich dort ca. 1 m hoch Tierkadaver türmten, der Fußboden und das Bett der beiden war von Extrementen bedeckt und uringetränkt.


    Leider kann ich Dir nicht sagen, wer die Intervention schließlich veranlasst hatte. Ich bin wenige Tage später ausgezogen und hatte anderes im Kopf.


    Einige Jahre später ging ich nochmals in jenes Haus, um eine ältere Dame (wohnte mir gegenüber im der 1. Etage) zu besuchen. Die erzählte mir, dass man die Wohnung von Grund auf sanieren musste, inkl. Putz, Fenster, Fußböden und deren Unterbau. Erst nach drei Jahren sei sie wieder bewohnbar gewesen.

    Du könntest dich ans Amtsgericht, was die Betreuung angeordnet hat wenden und denen mitteilen, dass du um deinen Nachbrn Sorge hast und dass du auch davon ausgehst, dass er sich in Gefahr befindet.


    Wenn der Betreuer kein Recht zur Aufenthaltsbestimmung und Gesundheitsfürsorge hat, wird man das eventuell nachholen, falls der Betreuer keinen guten Job macht, hakt der zuständige Rechtspfleger vielleicht nach.


    Alternative wäre der sozialpsychiatrische Dienst in deiner Stadt.


    Ob ein persönliches Ansprechen Sinn macht, kannst du selbst am Besten abschätzen. Oft ist es, wenn jemand so abgestürzt ist, eher fruchtlos.

    Ist der Vermieter für die Mängel sicher verantwortlich? Sowas wie ein defekter Wasserhahn kann, je nach Mangel und Mietvertrag, alles Aufgabe des Mieters sein.


    Eine "Entmündigung" gibt es nicht (mehr). Man müsste also wissen, welche Diagnose es gibt und wie weit sich die gerichtliche Betreuung erstreckt. Kann sein, dass der Betreuer (Angehöriger? BErufsbetreuer? Wer?) eine Flasche ist; kann sein, dass sich darum zu kümmern nicht sein Verantwortungsbereich ist. Wohl merkwürdig wäre aber tatsächlich, dass er das ignoriert, was er da sieht :-/


    Gibt es Angehörige?


    Ich denke, du solltest dich erstmal ans Amtsgericht wenden. Als lediglich Bekannte kannst du keine Anträge stellen, aber Betreuung anregen bzw. die Erweiterung anregen und deine Eindrücke schildern.

    Hallo,


    danke für Eure Beiträge.

    @ EllaPropella

    Zitat

    In vielen Städten gibt es einen psychosozialen/sozialen Notdienst.

    Ja, mit dem habe ich am Anfang schon telefoniert. Also vielleicht nochmal, zu Beratungszwecken.

    Zitat

    Wenn Du Ungeziefer/Parasitenbefall vermutest, kannst Du Dich an das Veterinäramt wenden. Du kannst auch den Schädlingsbekämpfer holen, und der sucht dann die Quelle .. und, so was aber auch :=o , stößt der auf diese Wohnung.. vielleicht ist sein Hebel länger als Deiner.

    Interessante Idee. Jemand im Haus meinte mal zu mir, die Wohnung über und unter dem Problembären hätten mal Schädlingsbefall gehabt. Aktuell ist mir zwar nichts bekannt, aber falls ich da was höre, könnte das evt. relevant werden.

    Zitat

    Wenn sich der Vermieter nicht kümmert, Mieterbund vielleicht, da nachfragen.

    Tja, vielleicht - das mit diesem Vermieter ist leider ganz ganz schwierig.

    @ heute_hier

    Zitat

    Ist die/der Mieter/in nicht ansprechbar?

    Doch, aber der Mensch kapiert die Erfordernisse nicht. Nicht von der Intelligenz her (m.M.n. überdurchschnittlicher IQ), sondern wegen Vorbehalten und Eigensinn und wenn Du mich fragst, schlichtem Narzissmus. Heißt praktisch: Anträge stellen - mag man nicht, Leute reinlassen (insbesondere Gutachter oder Leute vom Sozialamt) - mag man nicht, zum Arzt gehen - mag man nicht, etc. pp. Alles, was nicht nach den eigenen Regeln geht, wird verweigert, und schuld sind natürlich die anderen, und alle Studierten sind böse und zu faul zum Arbeiten und alle Gutachter auch. So ungefähr. Das hat die Mama vor zig Jahren so erzählt und fertig. Und selbstverständlich hilft keiner (da wird dann einfach gelogen, narzisstentypisch die Tatsachen verdreht bzw. unterschlagen und sich dann beschwert, dass einem keiner mehr was glaubt - ja kein Wunder), dabei gab und gibt es Leute, die das wollten.

    Zitat

    Einen persönlichen Kontakt halte ich für die erste Stufe der Vermittlung. Behörden einzuschalten oder den Vermieter sollte der letzte Schritt sein. Das ist ein Mensch, der neben euch lebt.

    Den persönlichen Kontakt gibt es, aber wenn einer nicht verstehen will, was notwendig zu tun ist, dann nützt das alles nichts, da kannst du dir den Mund fusselig erklären. Was soll ich sagen? Das versuchen Leute seit Jahrzehnten, die Notwendigkeiten an den hinzukriegen.


    Deswegen sind die Behörden auch längst eingeschaltet und ich würde Gott danken, wenn sich der Vermieter endlich rühren würde, aber dem ist ja alles sch...egal! Die Wohnung muss entkernt werden, mein Gott, und der Vermieter stellt sich tot.


    Behinderungsbedingt ist es für den Mieter auch nicht einfach, seinerseits rechtliche Schritte einzuleiten einerseits und andererseits meint er, die Hausverwaltung hätte sich zu kümmern (woher immer er das hat %:| ), der Vermieter sei ja so weit weg. Ich habe ihm nachdrücklich erklärt, dass sich ein Vermieter um die Wohnung kümmern muss, egal wo er wohnt. Das hat er dann wenigstens so zur Kenntnis genommen. Was Anträge stellen und sowas betrifft, braucht man sich da aber keine Illusionen zu machen. :|N

    @ Monsti

    Danke auch für Deinen Beitrag. Klingt ja nach einem grauslichen Fall, den Du da kanntest.


    Bei uns merkt man im Treppenhaus eigentlich kaum was - bis er die Tür aufmacht - dann stinkt es schon bestialisch, irgendwie wie alter Käse und was weiß ich sonst noch alles. Wie gesagt, bei offener Tür. Tiere wohnen da (außer womöglich ein paar Kakerlaken :-/ ?) keine, gottseidank.


    Den Vermieter interessiert nichts, nichts und wieder nichts, das ist ja (mit) das Problem. Wenns gut läuft, reagiert der auf das zweite Einschreiben oder wiederholte Briefe vom Anwalt. Man sollte meinen, das A..... hätte ein Interesse am eigenen Besitz und dessen Zustand, aber - nichts!


    Nach einem Wasserschaden in der Wohnung war einmal die Rede von evt. Gefahr für die Statik des Hauses, aber ich glaube, dieser Verdacht hat sich nicht verfestigt.


    Von den gerufenen Handwerkern damals sind die ersten nicht wiedergekommen, die zweiten haben den Schaden beseitigt und mit einem davon habe ich gesprochen, fix und fertig war der. Die dokumentierenden Fotos des Badezimmers dienten in der Folge wohl als Grundlage für die Entmündigung des Mieters. Er kann nicht für sich selber sorgen und will aber auch nicht dafür sorgen, dass für ihn gesorgt wird (weil Gutachter sind ja alle böse usw.). Er erlebt das so, dass "immer nur geredet und nichts getan" wird %-| .

    @ tatua

    Ich glaube, das werde ich machen, danke, d.h. wenn ich die entsprechenden Leute beim Amtsgericht ausfindig machen kann, aber das muss ja möglich sein.

    Zitat

    Ob ein persönliches Ansprechen Sinn macht, kannst du selbst am Besten abschätzen. Oft ist es, wenn jemand so abgestürzt ist, eher fruchtlos.

    Genau, da haben sich nach allem, was ich weiß, schon viele Jahre Leute den Mund fusselig geredet. Hab ich auch probiert, als ich das noch nicht wusste...

    @ mnef

    Tja, zu den genauen Mietvertragsklauseln kann ich nichts sagen, aber ob sich ein Vermieter so gänzlich entziehen kann? Nach Angaben des Mieters hat der noch nie(!) mit dem Vermieter gesprochen... ??? %:|


    Der Betreuer ist Berufsbetreuer und Rechtsanwalt; Angehörige, die sich kümmern könnten, scheint es keine zu geben.


    Ich denke, ich wende mich tatsächlich als Nächstes ans Amtsgericht. Gründe gibt es weiß Gott genug, und wenn gar nichts hilft, dann muss die Presse her. Nicht dass ich davon begeistert wäre, aber es hilft ja nichts, und mir reicht es jetzt.


    Danke für Euren Input & vG.

    Den besten Kommentar hat in diesem Falle die Polizei gegeben:

    Zitat

    Die Polizei, die einmal von einem Handwerker angerufen wurde (der tatsächlich mal in der Wohnung war), soll gesagt haben "der Mensch hat ein Recht auf Verwahrlosung".

    Wenn die Person so leben will und dadurch nicht das Leben anderer gefährdet wird, dann darf sie so leben. Und ein bisschen Gestank im Flur muß hingenommen werden. Viel grösser ist der Gestank im Treppenhaus durch Raucher.


    Schlimm sind Leute, die immer nur dann helfen, wenn keine Hilfe erwünscht ist und eine Art von Hilfe aufzwingen, die die Betroffenen gar nicht wollen. Und das sind genau DIE Leute, die nicht helfen, wenn Leute um Hilfe in ihrem Sinne bitten. Es sind die Leute, die immer alles besser wissen, was für den Betroffenen gut ist, als der Betroffene selbst.


    Sowas nenne ich Hilfeterror.

    @ walkingangel

    Da verstehst du was falsch. Du solltest mal hören, wie sich der Mensch beschwert, dass ihm keiner hilft. Und dass er einen Pflegeplatz will. Und dass nichts passiert. Etc. pp.

    Zitat

    Es sind die Leute, die immer alles besser wissen, was für den Betroffenen gut ist, als der Betroffene selbst.

    Achso. Dann meinst du also, dass es "gut" ist, auf einer vom Wasserschaden feuchten Matratze zu schlafen und in hygienischen Verhältnissen zu leben, bei denen man schon fast von Gesundheitsgefährdung ausgehen muss, nicht zu erwähnen eine chronische Erkrankung, die medizinisch null überwacht wird? Ja ne, ist klar.


    Ich sehe einen Menschen, der besser leben möchte und das auch deutlich artikuliert, der aber wegen aller möglicher anerzogener Vorbehalte den Weg nicht findet, sich die Hilfe dafür geben zu lassen, bzw. durch die Maschen des Systems fällt, weil er gewisse Dinge nicht tut, die erwartet werden, einerseits weil er praktisch nicht kann und andererseits weil ihn anerzogene innere Widerstände daran hindern, dafür zu sorgen, dass für ihn gesorgt wird. Dass er Letzteres aber will, erklärt er eigentlich permanent. Nur, er findet den Weg dahin nicht selbst.


    Denk, was du willst, aber ich weiß, was ich zu tun habe. Leider.

    Zitat

    dann muss die Presse her. Nicht dass ich davon begeistert wäre, aber es hilft ja nichts, und mir reicht es jetzt.

    Das ist ein sehr zweischneidiges Schwert. Erstmal ist sehr fraglich, ob die berichten würden, die Faktenlage ist ja eher dünn und solche Schicksale gibt es viele. Und selbst wenn: Wäre es wirklich im Interesse des Betroffenen, wenn über ihn geschrieben würde? Auch, wenn es anonymisiert ist - ich fänds glaub ich übel.


    Den Vermieter würde ich da nun rauslassen. Wer sich nicht schert, der hat eben Pech gehabt und bekommt irgendwann mal ne Schrottbude zurück. Was eventuell vom Vermieter zu tun wäre, wäre in der Gesamtschau doch auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Was da schief läuft geht vor allem vom Mieter und seinen Personen aus, der Zustand ist ja nicht entstanden, weil der Vermieter ein paar Reparaturen verweigert (und wenn er das nachholen würde, wäre sie wahrscheinlich schnell wie vorher).


    Wenn der Mieter niemanden reinlassen will, ist es vielleicht auch in seinem (wenn auch unverständlichen) Interesse, dass nichts getan wird.

    Zitat

    besser wissen, was für den Betroffenen gut ist, als der Betroffene selbst.

    Grundsätzlich hast du nicht unrecht, aber wenn schon die Handwerker nicht mehr freiwillig wiederkommen und allein die Fotos vom Bad so krass waren, dass sie im Betreuungsverfahren eine Rolle spielten, kann man davon ausgehen, dass dort kein glückliches Ferkel lebt, sondern jemand, der die Kontrolle verloren hat.

    du glaubst nicht wie viele Menschen es gibt die Jahrzentelang so leben und jede Hilfe ablehnen.

    Zitat

    der aber wegen aller möglicher anerzogener Vorbehalte den Weg nicht findet, sich die Hilfe dafür geben zu lassen

    tja dann kann man ihm/ihr nicht helfen, ganz einfach.


    rechtlich gesehen gibt es keine Möglichkeiten außer die Zwangseinweisung in die Psychiatrie (ist aber nur dann möglich wenn besagte Person z.B. eine Kerze brennen lässt und sich selbst in irgendeiner Weise gefährdet - Schmutz und hygienische Zustände sind keine akute Gefährdung)


    wenn die Person Betreuung durch mobile Pflege etc. ablehnt bzw. denen die Tür nicht öffnet kann man nichts tun. du kannst auch nicht einfach eine Person besachwalten die alleine leben kann (egal wie hygienisch)!


    und was willst du mit der Presse erreichen? die Person lehnt jede Hilfe ab - entmündigen kann man (zum Glück) nicht einfach so jemanden....also wozu die Presse?um was zu tun?

    Hautproblem ist wohl wirklich, dass dem Vermieter das alles so egal ist. Dann kann man wohl wirklich nichts machen. Ansonsten ist das doch wohl eher ein Fall fürs Ordnungsamt.


    Ich würde aber darüber nachdenken, mir eine neue Wohnung zu suchen, um da nicht weiter mit unter einem Dach zu wohnen.

    @ mnef

    Zitat

    Das ist ein sehr zweischneidiges Schwert. Erstmal ist sehr fraglich, ob die berichten würden, die Faktenlage ist ja eher dünn und solche Schicksale gibt es viele. Und selbst wenn: Wäre es wirklich im Interesse des Betroffenen, wenn über ihn geschrieben würde? Auch, wenn es anonymisiert ist - ich fänds glaub ich übel.

    Dass die Faktenlage dünn ist, würde ich nicht sagen. Jedoch müsste ich das sicher mit der Person absprechen, und wenn die nicht will, wird es wohl nichts. :-/

    Zitat

    Den Vermieter würde ich da nun rauslassen.

    Der ist insofern betroffen, dass durch Wasserschaden Schäden am Gemeinschaftseigentum entstanden sind.

    @ Madame Charenton

    Zitat

    du glaubst nicht wie viele Menschen es gibt die Jahrzentelang so leben und jede Hilfe ablehnen.

    Doch, das glaube ich schon.


    In diesem Fall ist es allerdings so, dass ich schon x-mal vom Betroffenen gehört habe, dass er es anders will. Soll ich das dann einfach nicht glauben?

    Zitat

    rechtlich gesehen gibt es keine Möglichkeiten außer die Zwangseinweisung in die Psychiatrie (ist aber nur dann möglich wenn besagte Person z.B. eine Kerze brennen lässt und sich selbst in irgendeiner Weise gefährdet - Schmutz und hygienische Zustände sind keine akute Gefährdung)

    Einmal bin ich wegen lauter (Wut-)Schreie an die Tür und habe geklopft. Dann kam die Aussage: "Rufen Sie die Psychiatrie an, ich kann nicht mehr". Das war abends um halb sechs. Ich also zurück in meine Wohnung, Nummer vom sozialpsychiatrischen Dienst gewählt, keiner mehr da, leider(?) habe ich dann nicht die Psychiatrie-Notfallnummer von der Bandansage gewählt (das wäre wahrscheinlich die passende gewesen bzw. die gewünschte), sondern die allgemeine 110, Fall geschildert, Ergebnis war, dass zwei Polizisten kamen, um sich ein Bild zu machen. Denen wurde dann von x an der Wohnungstür erklärt, es sei alles schon wieder besser.


    Am nächsten Tag oder so hatte ich dann von x eine Nachricht auf dem AB mit einem hoheitsvollen Danke für meine Mühe und ich solle nicht "die Bullen" rufen, da gäbe es eine Akte und dagegen hätte man was usw. usf.


    Ja, so geht das - will sich einliefern lassen und wieder nicht, und ich soll daneben stehen und mit der Schulter zucken oder wie? Kann ich irgendwie auch nicht.


    Davor, dass jemand zuviel und gegen seinen Willen betreut werden könnte, braucht man m.E. nun eher keine Angst zu haben :-/ - eher passiert das Gegenteil, weil unser System das gar nicht zulässt! Bis eine solche Verwahrlosung als betreuungsbedüftig angesehen wird, dauert es anscheinend ziemlich lange, und ich habe wirklich was übrig für Individualismus! Aber das hier ist was anderes.


    Gruß und gN8

    Zitat

    entmündigen kann man (zum Glück) nicht einfach so jemanden....also wozu die Presse?um was zu tun

    Er hat eine rechtliche Betreuung, dass ist das moderne Gegenstück zur Betreuung.


    Es gibt leider Betreuer, die sich nicht so viel Mühe geben.


    Viele Menschen in einem desolaten Zustand sind ambivalent, was weitere Hilfen angeht.


    Das scheint hier der Fall zu sein. Das Problem ist, dass fachliche Helfer die Wünsche und Lebensentscheidungen ihres Klienten/Patienten respektieren müssen. Ausnahme ist, wenn er sich selbst gefährdet. Extreme Verwahrlosung kann aber in die Richtung gehen und da muss man manchmal eine Entscheidung zur stationären Unterbringung gegen des Willen des Betreuten treffen.


    Für den Berufsbetreuer ist das schlicht Arbeit und Nerv.. Überzeugungsversuche beim Klienten, Heimplatzsuche, Einrichtungen angucken, Gezeter und Gezerre, weil der Betreute will und dann wieder nicht, Einlieferung mit Polizeiunterstützung.


    Das macht wenig Spaß, ich hatte eine Expartnerin, die Berufsbetreuerin war, insofern habe ich das immer mal wieder mitbekommen.


    Manche Betreuer machen sich das leicht und gucken eher weg, weil hingucken o.g. Arbeit bedeutet.