Erfahrungen Praxissemester und Referendariat? Stress pur?

    Beides steht mir bald bevor und ich höre oft sehr viel Negatives über die Zeit.


    Es sei die schlimmste Zeit des Lebens etc.


    Was genau ist psychisch so belastend im Ref etc.? Hat jemand Erfahrung damit und möchte sich austauschen?

  • 4 Antworten

    Für mich wars die schönste Zeit des Lebens. ;-D Es hängt aber sicherlich von vielen Faktoren ab, z.B. von der Schule. Hätte ich an einer meiner Praktikumsschulen ein ganzes Semester oder gar das Ref zubringen müssen, hätt ich mich danach wohl einweisen lassen können, so ein besch... Arbeitsklima herrschte da. Sprich ich sollte am besten schon alles perfekt können, null Hilfe, konnte mir auch selber keine holen da ich das Lehrerzimmer nicht betreten durfte usw. :(v Ach und natürlich war nach 3 Wochen schon meine absolute Nichteignung festgestellt. Aber ohne jegliche sinnvolle Begründung... wie auch, wenn mit den Praktikanten praktisch gar keine Beschäftigung in irgendeiner Form stattfindet... ":/ Dass das einfach EINE blöde Schule war, wurde mir aber auch erst nach dem Wiederholungspraktikum an einer anderen Schule und im Ref klar.


    Meine Refschule war einfach super, viele andere nette Referendare mit denen wir auch ein super Team gebildet haben wo sich jeder drauf verlassen konnte und wo auch jeder nach dem Ref noch den anderen vermisst. ;-) Auch unter den Refis vom Seminar war und ist ein super Zusammenhalt und ich habe mich sogar in einen Ref verliebt (ist aber vorbei inzwischen).


    Meine Fachleiter waren auch total super, nur Hauptseminarleiter konnt ich nicht so leiden, aber der hat mich ja nicht benotet. ;-) Es gab sie auch, die Horror-Fachseminarleiter die unsach- und fachliche Kritik an Reffis geübt haben, aber selbst bei denen gabs Referendare, die mit ner 3 davongekommen sind oder gar mit ner 1. Die "Durchgefallenen" waren auch objektiv schlecht, also an meinem Seminar hab ich von keinem gehört, der völlig "willkülich" benotet worden wäre. Das war schon nachvollziehbar.


    Und man hört ja auch immer, dass die Fachseminarleiter sonstwas von einem wollen und wie Leute das doof finden. Da bin ich ehrlich gesagt so rangegangen, dass ich mir gesagt hab "hey, du machst ne Ausbildung und die benoten dich, also mach verdammt nochmal das, was die wollen, egal was du selbst davon halten magst". Vieles mach ich jetzt im Alltag nicht, aber wie gesagt, meine Fachleiter waren toll und ich hatte wirklich nicht das Gefühl, dass die irgendwas dummes oder sinnloses von mir wollen, sondern war mit denen fachlich eigentlich völlig auf einer Wellenlänge und wusste auch immer, was die von mir wollen. Die Umsetzung war manchmal nicht ganz leicht, aber naja, ist auch ziemlich komplex alles und braucht Übung. Die richtig guten Noten hatten eben fast nur die, die schon viel in Schulen gearbeitet hatten, ansonsten ist einfach die Zeit zu kurz.


    Ich finde vor allem, dass ich mich persönlich ziemlich entwickelt hab in der Zeit und ich habe das immer als etwas positives empfunden. Die Persönlichkeit muss eben bei den meisten zum "Lehrer" umgestaltet werden, dafür ist das da und das muss man wissen. Dass man eben nicht wie an der Uni fachliches lernt, sondern eher seine Persönlichkeit ausbilden/ändern soll und da gibts eben Leute, die können das nicht ab und es gibt Leute, die das als sinnvoll und notwendig ansehen oder zumindest mitmachen, bis das Ref vorbei ist. ;-) Obwohl selbst wenn man sich noch nicht komplett so entwickelt, wie die das haben wollen, wird einem immerhin die Bereitschaft dazu und wenn man erkennen lässt, dass man kapiert hat, dass man auch nach dem Ref noch viel an sich arbeiten muss, sehr hoch angerechnet. Als Lehrer ist man nie fertig, man muss immer dazulernen.


    Psychisch belastend ist die Prüfungssituation, aber das habe ich nicht schlimmer empfunden als jede andere Prüfungssituation. ":/ Ist halt immer doof, wenn man was leisten muss und wirklich was dran hängt. Ich hab mir am Prüfungstag am Ende einfach nur gedacht: "Danach ist der Tag vorbei". Vorher natürlich total verrückt gemacht usw. aber an dem Tag war mir alles so piepegal, ich hab mir einfach immer nur eingeredet, dass das stinknormale Stunden sind und einfach irgendwie in mir geruht, ich weiß auch nicht wie aber es war so. Die anderen Referendare sind in Panik ausgebrochen, weil ich in meinem Raum noch keinen OHP-Projektor hatte usw., war mir 2 Minuten vor Beginn völlig egal, haben das Ding halt noch geholt und gut. Damit bin ich ziemlich gut gefahren und hab den Prüfungstag besser überstanden als den ganzen Rest.


    Der richtige Mist ist doch dann die Jobsuche wenn man nicht so die idealen Fächer hat. ]:D

    Zitat

    Der richtige Mist ist doch dann die Jobsuche wenn man nicht so die idealen Fächer hat

    Deutsch und Geschichte oder Englisch und Deutsch? ]:D


    Das Ref und auch die praxissemester fand ich ganz angenehm im Vergleich zum Studium. :=o


    Hab aber auch Mathematik und Informatik für das Gymnasium studiert. Da hatten bereits die GrundschullehrerInnen beim ersten Praktikum schon Respekt. Dabei konnte ich damals selbst noch kaum etwas. ;-D Erst im Ref habe ich dann MINT-Lehrer auf Augenhöhe getroffen. ]:D


    Ich denke es hängt auch vom Studium ab, ob man das Ref als anstrengend empfindet. Eine Professorin meinte mal, dass die Geistis das Studium genießen sollten, da es nie weider so locker wird. Die MINTler hingegen sollten sich durchs Studium beißen, denn was danach kommt, sei Entspannung pur. Recht hat sie gehabt! :-D


    Es höngt also auch davon ab, was du durch dein Studium gewohnt bist.

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    Ich kann auch vollkommen bestätigen, dass es stark von der Schule abhängt. Wenn ich mir die Schulen meiner Kollegen/-innen ansehe, dann habe ich grosses Glück gehabt.


    Sicherlich hängt es aber auch stark von deinem persönlichen Zeitmanagement ab, wie stressig es wird. So habe ich für mich fest gemacht, dass ich maximal bis 21 Uhr am Rechner sitze und Unterricht vorbereiten. Ausserdem gönne ich mir mein tägliches Sportprogramm.

    Zitat

    Deutsch und Geschichte oder Englisch und Deutsch? ]:D

    Ja. ]:D


    Zeitmanagement ist auch ein guter Tipp, ich hab mir auch immer für Sachen neben dem Ref Zeit genommen. Klar, das bedeutete manchmal auch arbeitsreiche Wochen aber Sonntag abend oder Freitag abend und Samstag vormittag war dann eben frei. Je nachdem, wann ich frei brauchte, habe ich das arbeitsmäßig so geplant. Treffen mit Freunden halt immer nach den Unterrichtsbesuchen usw. Durch Zufall hatte ich auch die Luxussituation eines sehr kurzen Arbeitswegs, also wenn man viel Stress hat, ist vielleicht auch ein Umzug zu bedenken. ;-) Die meisten Referendare haben auch mindestens ein Hobby noch betrieben: einer ist Rad gefahren am WE, saß im Park oder ist zum Karneval gegangen, eine hat täglich 20 Uhr die Segel gestrichen und 4mal die Woche ihren Sport weitergemacht und eine hat weiter ihre Chorausflüge gemacht usw. Bei mir warens halt Konzerte, mal shoppen oder Freunde treffen, zur Familie fahren usw. Und wenn kein Lehrer dabei war (selbständiger Unterricht) hab ich nie im Leben ne komplette Unterrichtsplanung gemacht, sondern öfter mal "Schwellenpädagogik" (wo man sich den Unterricht auf der Türschwelle zum Klassenraum plant ;-)).