Gehalt als Krankenschwester?

    Hallo liebe Forenmitglieder,


    ich lese seit Jahren mit und habe nun beschlossen, mich selbst anzumelden. Und zwar überlege ich derzeit, ob ich nicht eine Ausbildung zur Krankenschwester machen soll... Mein letzter Abschluss ist das Abitur, dass ich im April 2019 geschrieben habe. Ich hatte eigentlich vor, Psychologie zu studieren, aber leider ''nur'' einen Schnitt von 1,7 geschafft. Ich muss zugeben, dass ich mich zwar sehr für Psychologie interessiere, mich aber auch zum Großteil der gute Verdienst gelockt hat. Ich möchte unbedingt einen Beruf ausüben, der sich für mich sinnvoll anfühlt, bei dem ich Menschen helfen kann, wodurch sie und auch ich mich gut fühlen kann. Aber mir ist auch ein guter Verdienst (fängt meiner Vorstellung nach bei 2000€ Netto an) wichtig. Ich plane jetzt nicht, mir mal ein Haus zu kaufen oder jedes Jahr auf die Seychellen zu fliegen, aber ich möchte kein Leben führen, bei dem ich jeden Cent zweimal umdrehen muss und aufgeschmissen bin, wenn man eine Waschmaschine kaputt geht oder am Auto was zu reparieren ist. Das bekomme ich in meinem Umfeld oft genug mit, und dort wird so um die 1200-1500€ Netto verdient. Klar, man muss auch immer was zurücklegen und gut wirtschaften, aber ich denke, ihr wisst, was ich damit meine, wenn ich über ein ''gutes Leben'' rede :)

    Jetzt frage ich mich halt, ob nicht der Krankenschwesterberuf optimal für mich wäre. Jedoch bin ich mir da bezüglich des Gehalts unsicher. Eine Bekannte meiner Cousine verdient laut ihr 2200€ Netto, aber vor nem Jahr hab ich in der Bahn mal eine Krankenschwester zufällig dabei gehört, wie sie sich mit einer Freundin unterhalten hat und überlegt hat, ihr Abitur nachzuholen, da sie als Krankenschwester so wenig verdient. Ich muss sagen, ich hätte echt Lust darauf, dauerhaft in einem Krankenhaus zu arbeiten und mich um die Menschen zu kümmern, aber wie ist es so mit dem Verdienst? Kann mir jemand dazu was sagen? Bei Google finde ich zu viele verschiedene Informationen, da weiß ich nicht, was ich glauben soll...

  • 58 Antworten

    Da musst du mal die Entgeldtabellen durchschauen. Als Berufsanfänger wirst du da auch erst ganz unten eingeordnet.

    Das große Geld wirst du m.E. nicht verdienen, es reicht zum Leben.


    Wenn du mehr Geld verdienen willst, vielleicht doch lieber Psychologie studieren.

    Erstmal: Ich finde es toll, dass du das machen willst! @:)

    Ich glaube das Gehalt variiert stark, je nachdem auf welcher Station und in welchem Krankenhaus man arbeitet.

    Laut meiner Freundin (Krankenschwester) kriegt sie in privaten Krankenhäusern deutlich mehr als zB in Uni-Kliniken... Aber da wirst du dich selbst wohl mal umhören müssen.

    Ich habe ein Grundgehalt von ca. 2800€. Dazu kommen Zulagen für Nachtdienste, Wechselschichten, Wochenenden und Feiertage. Insgesamt komme ich mit Steuerklasse 1 immer zwischen 2000€ und 2100€ Netto raus. Bin seit einem Jahr im Beruf.


    Es gibt auch viele Möglichkeiten mehr zu verdienen. Arbeitest du auf der Intensivstation oder in der Funktionspflege, wirst du höher eingestuft. Hast du eine Fachweiterbildung z.B. zur Anästhesieschwester, bist du Praxisanleiterin, hast du eine Leitungsfunktion auf der Station usw. verdienst du deutlich mehr als eine "einfache" Krankenschwester auf der normalen Station.


    Also genau wie in vielen anderen Berufen auch. Je mehr man sich weiterqualifiziert und spezialisiert und je mehr Führungsverantwortung man bereit ist zu übernehmen, desto mehr verdient man entsprechend auch.

    Der korrekte Ausdruck für diesen Ausbildungsberuf ist glaube ich

    Gesundheits- und Krankenpleger(in).

    Wie viel du am Ende verdienst hängt ein bisschen ab in welchem Bundesland du arbeitest (ich gehe mal von Deutschland aus) und ob der Arbeitgeber nach Tarif zahlt oder nicht.

    In der Ausbildung kannst du mit 1.000-1.200€ rechnen. Es kommt auch sehr darauf an bei welcher Einrichtung du anschließend arbeitest, ein privates Unternehmen zahlt am schlechtesten, bei kirchlichen und bei staatlichen Einrichtungen sieht das Gehalt deutlich besser aus. Der Durchschnittslohn liegt glaube ich irgendwo bei 2.800€ Brutto. Bei einem tariflichen Lohn steigt dieser auch mit zunehmendem Alter.

    Als Psychologin verdienst du schon nach ein paar Jahre mehr in Teilzeit und hast kein Schichtdienst. Mit 1,7 kommst du ggf. rein. Es wird nicht nur auf NC ausgewählt. Du musst nur im schlimmsten Fall ein paar Wartesemester im Kauf nehmen.


    Wenn du in der Zwischenzeit etwas näher verwandter machen willst - Ergotherapie.

    Einen Therapeutischen Beruf würde ich nicht wählen, denn da bist du im Niedriglohnbereich.

    Also da wirst du finanziell nicht glücklich.

    Viele Therapeuten, sei es Logo-Ergo-Physio müssen Zweitjobs annehmen um Leben zu können.

    Darum hören auch viele Therapeuten auf.

    ElafRemich0815 schrieb:

    Der Durchschnittslohn liegt glaube ich irgendwo bei 2.800€ Brutto. Bei einem tariflichen Lohn steigt dieser auch mit zunehmendem Alter.

    2800€ Brutto sind im TVÖD fast das Einstiegsgehalt für eine ganz normale Krankenschwester. Und das ist nur das Grundgehalt, da kommen dann noch die ganzen Zulagen dazu. Ich komme nach einem Jahr Berufserfahrung auf ca. 2100€ Netto mit Steuerklasse 1.


    Ich finde das gar nicht schlecht für einen normalen 3-jährigen Ausbildungsberuf. Wenn ich so höre, was Freunde im Einzelhandel oder im Handwerk so verdienen. Fast alle verdienen da weniger als ich.


    Und in der Pflege gibt es unendliche Möglichkeiten sich zu spezialisieren und aufzusteigen. Es gibt zig verschiedene Fachweiterbildungen in verschiedenste Richtungen und sogar mehrere Studiengänge im Bereich Pflege.

    Aber die Vorstellung, da kümmert man sich rührend um die Leute, ist einfach nur naiv.


    Egal in welcher Klinik, ich kenne nur gestresstes Personal, Hauptsache, die. verwaltungstechnischen Dinge werden geregelt, Protokolle über Protokolle und zum A..abwischen eines 92 jährigen brauchen sie 2 Stunden, um da überhaupt mal ins Zimmer zu kommen....


    Pflege oder mal Nahrung anständig zuzuführen, ja, das hätte was... Geh ruhig in den Beruf, vielleicht profitiert ja jemand davon.


    Pflegepersonal reicht auf dem Zahnfleisch. Das ist die Realität. die ich im Moment täglich erleben darf.

    Ich persönlich finde, deine Überlegungen richten sich etwas zu stark nach dem Gehalt aus. Sicherlich lebt es sich unbeschwerter und komfortabler, wenn man nicht jeden Cent umdrehen muss, aber wichtiger ist meiner Meinung nach, gerne zur Arbeit zu gehen. Du verbringst womöglich über 30 Jahre lang täglich die Hälfte der Zeit, die du wach bist, auf der Arbeit, das lässt sich viel schwerer aushalten, wenn du das, was du dort tust, nicht gerne tust.

    Außerdem ist Psychologie unter den Studienfächern jetzt nicht unbedingt das finanziell lukrativste. Ohne Weiterbildung landest du bestenfalls (!) im TVÖD Gruppe 13, meistens eher darunter, oder, noch schlimmer (aus finanzieller Sicht) auf Pädagogenstellen, also um TVÖD 10 rum. Da kommst als Krankenschwester mit ein paar Nachtdiensten und Wochenenden besser weg. Als Psychologe mit (therapeutischer) Weiterbildung sieht es etwas besser aus, zumindest wenn du selbstständig bist, aber das will ja auch nicht jeder. Angestellt hast du da aber wiederum quasi Null Aufstiegsperspektiven, denn es gibt so gut wie keine leitenden Psychologenstellen.

    Wenn du eine Mischung aus helfendem Beruf und guter Finanzperspektive anstrebst, ist vielleicht ein Medizinstudium das richtige? Dein psychologisches Interesse könntest du zB mit Facharztweiterbildung Psychiatrie befriedigen, und da hast du verschiedene Perspektiven als angestellte Stationsärztin, Oberärztin, leitende Oberärztin, Chefärztin (halt so weit, wie du Lust hast) oder eben auch Selbstständigkeit, aber die eben weniger "zwingend" als als Psychologin (sofern du eben wirklich "gut" verdienen willst).

    Ach, noch vergessen: die therapeutische Weiterbildung als Psychologin kostet dich nach dem abgeschlossenen Studium nochmal mindestens 3 Jahre und mindestens 20.000€. Vor 30 ist kaum einer fertig, und bis dahin ist die Bezahlung meistenteils ein schlechter Witz.

    Theoretisch hast du den Status eines Arztes in Facharztausbildung, wirst aber bezahlt wie eine Aushilfskraft, wohingegen die Docs von ihrem Gehalt in der Facharztausbildung schon ganz gut leben können, soweit ich weiß.

    Ich arbeite in Soz. Päd. Bereich als Psychologin. Da es ein wahnsinnigen Mangel an Fachkraft gibt, wenn man der richtige Träger findet, verdient man gar nicht so schlecht.


    Falsche Träger = Hungerlohn.

    KANNST Du Krankenpflege? Körperausscheidungen, Leute waschen, Erbrochenes wegputzen? Das gehört nämlich auch dazu und das könnte ich nicht.


    Ansonsten solltest Du "Psychologie" genauer definieren? Willst Du in die Unternehmenberatung? Oder klinisch-therapeutisch arbeiten?


    Ich bin Psychologin und schwanke in meiner Meinung zwischen Luci und Dorfnixe... Für unter TV-L 13 habe ich nie gearbeitet, aber eben jahrelang in Teilzeit und befristet. Und nein, auf 50% verdient man nicht so viel wie eine Krankenschwester in Vollzeit... ich bin bei Teilzeit mit 1000,-€ netto eingestiegen und hatte am Ende irgendwann man rd. 1600,-€ netto. Da war ich aber schon Psychotherapeutin und ohne formelle Gehaltsklasse irgendwo zwischen TV-L 14/15 eingruppiert.


    Und wie von Dorfnixe geschrieben:

    Wenn man Therapeut werden will, kommt die Pflichtweiterbildung hinzu. Das sind mind. 3 1/2 Jahre, davon 12 Monate Klinik und weitere 6 Monate in Ambulanzen o.ä. Wo man v.a. in Ballungsgebieten quasi umsonst arbeitet. Status "PiA" - Psychotherapeut in Ausbildung". Mich hat die Ausbildung mit Supervision, Prüfungsgebühren etc. rd. 25.000€ gekostet. Das ist ein langer harter Weg, den ich bspw. nicht mehr gehen würde. Im nächsten Leben würde ich Medizin studieren und dann ein begehrter Assistenzarzt für Psychiatrie sein, der ab Tag 1 nach dem Studium vernünftig verdient, seine Ausbildung nicht selber zahlt und noch hofiert wird. Böse formuliert.


    Hinzu kommt, dass es in Ballungsgebieten viele Psychologenstellen gibt, da aber eben auch viel Konkurrenz und teures Leben. Auf dem Land kann man die Kollegen in einer Kleinstadt quasi an einer Hand abzählen.


    Ich bin mittlerweile auf dem Land, in eigener Praxis mit Kassensitz. Im 3. Jahr jetzt. Momentan kann ich mir 2500€ im Monat auszahlen... für 60-Stunden-Wochen. Urlaub hatte ich dieses Jahr zwei Tage, jetzt kommen zwei Wochen und dann noch zwischen Weihnachten & Silvester. Anfangsphase halt. Es wird noch besser werden, sagt selbst meine Bank, die dem Anfangstief drei Jahre Zeit gibt. Mein Geld bekomme ich zu großen Teilen mit 6 Monaten Verzögerung (Ende Oktober gibt es das Geld für April-Juni). Man darf da auch Umsatz und übrigbleibendes Einkommen nicht verwechseln. Nicht unerhebliche Pflichtabgaben, diverse Versicherungen,...

    Aber angestellt in einer Klinik würde ich auch nicht bleiben wollen. Zumal es da auch gar nicht so viele Stellen gibt: Warum soll man jemanden nach Tarif und sogart Facharzt-Niveau bezahlen, wenn man die Stelle auch mit einem jährlich neuen Ausbildungskandidaten besetzen kann, der quasi nichts kostet? In der Klinik, in der ich mein Pflichtjahr absolviert habe, gab es 120 Betten. 7 Ausbildungs-Psychologen (jährlich wechselnd, monatl. Gehalt 300€) - und nur 2 ausgebildete Psychotherapeuten mit unbefristetem Vertrag, allerdings nur mit 30 Stunden-Vertrag.

    Meine Tochter ist auch Psychologin, arbeitet für eine Firma, die die Sachen abarbeitet, die das Jugendamt nicht schafft. 60 Stunden Arbeit, Familienarbeit eigentlich sinnlos, weil die Leute die Familienhilfe zwar gerne annehmen, kostet den Statt 6000 € monatlich, aber rein gar nichts tun, damit es auch was bringt....


    Überstunden werden nicht bezahlt. Meine Tochter kratzt immer am Burn out lang.


    Die Firma war letztes Jahr insolvent, weil der Geschäftsführer sich Geld abgezweigt hat. Nun anderer Geschäftsführer, zu noch mieseren Bedingungen als in der insolventen Firma. Wenn es ihnen nicht paßt, können sie ja gehen.... Da wird immer mehr geknechtet, und ansonsten gibt es auch keine Stellen drumrum, wo sie ausweichen könnte.


    Also für so einen Ausbeuterladen weiter Stunden machen.... Und immer dazu die Gefahr, dass das Jugendamt nicht aktiv wird, wenn sie Alarm schlägt, egal wie besch.ssen die Situation ist, dass vielleicht ein Kind totgeprügelt wurde. Was man dann in Zeitungen liest, wenn es zu spät ist. Man weiß von Missständen und gemacht wird nichts.


    Meine Tochter gibt akribisch jeden solchen Bericht ab, wenn sie Gefahr wittert. Um festzustellen, da tut sich nichts.


    Das ist die Realität.

    Mit den Risiken muss man leben lernen - und sich immer brav absichern. Auf gut Deutsch: Dokumentationswahn. Wenn irgendwo steht, dass der Patient nicht suizidal ist, kann man mir im Falle eines Falles nix. Wenn es nicht unter dem letzten Sitzungsprotokoll steht und der Pt. tut sich was an, habe ich die Staatsanwaltschaft an der Backe.


    Ich habe bisher in keinem Job die vereinbarte Stundenzahl gearbeitet... 30 Stunden in Klinik waren immer schon ohne Dokumentation gerechnet... über Uni-Jobs rede ich gar nicht erst.