Gleicher Arbeitsort wie Elternteil/Gut?

    Ich hab für mich überraschend das Angebot erhalten in der Firma unterzukommen, in der mein Vater auch arbeitet. Früher zu Schulzeiten hab ich dort immer gejobbt und kenne viele seiner Kollegen auch von Gartenpartys und Grillfeiern.


    Nun ist ein Kollege für ein Jahr ausgefallen und es wurde eine Krankheitsvertretung gebraucht. Ich hab dort auch mein Praktikum gemacht damals fürs Studium.


    Daraufhin kam ein Kollege meines Vaters dann auf mich und so wurde ich vom Chef gefragt ob ich nicht Lust hätte für ein Jahr als Vertretung einzusteigen. Ich hätte ja schon den Bachelor.


    Ich hab zu meinem Vater an sich einen guten Draht, aber ich sehe in dem Angebot auch Gefahren.


    Zum einen stört mich, dass wir uns dann ständig sehen und die Ebene Vater und Tochter dann immer noch besteht.


    Zum anderen, dass ich befürchte, dass seine Kollegen, die mich schon als 5 Jährige kennen nicht den nötigen Respekt vor mir haben und mich immer noch wie ein Kleinkind behandeln. Auch habe ich Angst, dass Einarbeitungsfehler dann sofort im Büro breit getreten werden. Ich würde dabei noch strenger beäugt werden als jeder andere Mitarbeiter.


    Dann der entscheidende Punkt ist auch der, dass ich in der Zeit, in der ich eigentlich meine Masterarbeit schreiben müsste schon dort anfangen soll. Ich könnte die Masterthesis nebenbei schreiben, aber ich habe die Befürchtung, dass ich darauf hängen bleibe, dass immer weiter vor mir her schiebe und das Jahr abgelaufen ist und ich keinen Schritt weiter bin. Dann hab ich vielleicht viel gearbeitet, bin mit dem Master aber immer noch nicht fertig.


    Knackpunkt 3 ist der, dass die Stelle nur befristet ist. Was mache ich nach dem Jahr? Dann stehe ich genauso da wie vorher?


    Mich lockt schon die Kohle. Ich hätte eben mehr Praxiserfahrung dadurch und bessere Chancen mich zu bewerben, aber es setzt auch tierisch unter Druck.


    Ich weiß nicht was ich mache und kann schon seit 2 Nächten nicht mehr schlafen deshalb. Ich grübele und weiß mir keinen Rat.

  • 61 Antworten

    Ich meine, es ist in erster Linie eine persönliche Entscheidung.


    Was die Perspektiven für Deine weitere Berufslaufbahn angeht, hätte ich eher gedacht, dass es schwer wird, noch woanders Fuß zu fassen, wenn Du Dich dafür entscheidest.

    Zitat

    Was die Perspektiven für Deine weitere Berufslaufbahn angeht, hätte ich eher gedacht, dass es schwer wird, noch woanders Fuß zu fassen, wenn Du Dich dafür entscheidest.

    Wie meinst du das jetzt?

    Zitat

    dass wir uns dann ständig sehen und die Ebene Vater und Tochter dann immer noch besteht.

    Eine Möglichkeit dein Status als Tochter zu überarbeiten. Du wirst immer die Tochter deines Vaters bleiben. Aber so kannst du eine erwachsene Tochter "werden" die auf eigenen Beinen steht.

    Zitat

    nicht den nötigen Respekt vor mir haben und mich immer noch wie ein Kleinkind behandeln

    Das bewußt zu erleben wird dich immens wachsen lassen. Ich sehe deine Bedenken und wenn du das/dich bewußt und offensiv da hin stellst wirst du immens voran kommen in deiner eigenen Entwicklung!

    Zitat

    aber ich habe die Befürchtung, dass ich darauf hängen bleibe, dass immer weiter vor mir her schiebe

    Das könnte fast Punkt 1 in deiner Hitliste sein. Was willst du? Nichts gegen Praxis und Arbeiten… Aber wenn du das als "Ausrede" nutzt dort nicht weiter zu kommen - dann hat das nichts mit diesem Job zu tun. Wenn du weiter kommen "willst" dann wird dir dieses Jahr Arbeit Geld und Erfahrung bringen – aber dich nicht von deinem Weg ab.

    Zitat

    dass die Stelle nur befristet ist. Was mache ich nach dem Jahr? Dann stehe ich genauso da wie vorher?

    Du bist sicherlich nicht schon 57 Jahre alt. Wenn es ein Jahr ist welches dich in deinem Leben weiter bringt, du es gerne machst, Erfahrung sammelst und dann weiter deinen Weg gehst – dann mach.


    Sicherheit ist etwas schönes. Sicher, eben. Aber du wirkst im Zweifel ob du "raus" in die Welt willst…


    Ich ahne deine Gefühle dazu. Und es ist schön dass du das hier teilst. Ich kann dir nur raten, traue dich. Aber hab deinen Plan und lass dich nicht davon abbringen. Wenn du jung bist und ein Jahr so lebst und arbeitest dann ist es nicht schlimm sondern auch einfach Praxiserfahrung. In dem Betrieb wo dein Vater ist – ja nun, Vitamin B eben, egal, du kommst auf Dauer eh nur weiter wenn du gut bist. Bleib nicht hängen sondern wandere weiter…. Ich wünsche dir alles Gute!

    Danke.


    Mein Problem ist halt auch, dass meine Masterarbeit dann immer noch nicht fertig sein wird.


    Ich wollte eigentlich erst dann arbeiten, wenn ich die Thesis abgegeben habe.


    Ich sehe für mich die Gefahr an dem Job, dass iich meine Masterarbeit immer weiter raus zögere.

    Zitat

    Wie meinst du das jetzt?

    naja, ich könnte es mir so vorstellen: Du bekommst da erstmal eine befristete Stelle, wirst anschließend übernommen und lässt den Master sausen.


    Dann hängst Du im Unternehmen Deines Vaters fest, und hast ohne Master kaum noch eine Chance, woanders was zu bekommen.


    Das sind so meine Assoziationen.


    Selbstverständlich gibt es auch Gründe, die dafür sprechen, dass Du damit Deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbesserst.

    Zitat

    Dann hängst Du im Unternehmen Deines Vaters fest, und hast ohne Master kaum noch eine Chance, woanders was zu bekommen.

    Das sehe ich auch als Gefahr. Muss dir aber auch sagen, dass ich auch ohne den Job befürchte in der Masterschleife zu hängen.


    Als ich heute wieder im Seminar saß dachte ich, ich bekomme diese Arbeit nie fertig und studiere in 5 Jahren noch im Master.


    Siehst du das jetzt als Gefahr oder gibst du mir den Rat den Master abzubrechen?

    Hi,


    ich kann dir da ein ganz gutes Beispiel geben (war bei mir nämlich 1:1 das selbe):


    Ich kam durch meinen Vater bei seinem Arbeitgeber unter (riesen Unternehmen mit 700+/- Mitarbeitern). Als ich dort anfing, hatte mein Vater noch gut 6 Monate zu arbeiten, stand also kurz vor der Pension. Nach diesen 6 Monaten endete dann auch meine Probezeit und was soll ich sagen? Ich würde es jederzeit wieder machen!


    Da wir in unterschiedlichen Abteilungen arbeiteten, haben wir nichts direkt miteinander zu tun gehabt. Da unser Nachname aber der selbe ist, habe ich mir allein dadurch in kurzer Zeit ein recht großes Netzwerk aufbauen können.


    Auch ich kannte, bevor ich überhaupt in der Firma anfing, schon einige Kollegen teils aus frühester Kindheit.


    Hat es mir persönlich um einiges erleichtert, da ich direkt immer "Ansprechpartner" in verschiedensten Abteilungen hatte. Niemand hat mich als "Kind" angesehen, ich wurde immer respektiert... Kommt immer bissl drauf an, wie man sich selbst gibt, denke ich.


    Das ist jedenfalls meine Erfahrung.

    Ich gehe da mit dir absoulut mit crissy.


    Was mich nur ängstigt ist die Sache, dass ich befürchte meine Masterarbeit nie fertig zu kriegen.


    Ich kenne mich. Wenn ich 40 Stunden die Woche arbeite, setze ich mich nicht nachmittags nochmal hin und schreibe an der Masterarbeit weiter.


    Ich sehe die Zeit ins Land gehen und dann stehe ich immer noch mit dem Bachelor da und muss meinem Arbeitgeber danach erzählen warum ich 7 Jahre studiert habe und noch keinen Master besitze.


    Das ist die Kehrseite und es ist ja nur ein Jahr befristet.