Hauptwohnsitz / Nebenwohnsitz / Steuererklärung

    Bei mir wird demnächst wohl ein kleines Problem auftauchen und ich weiß noch nicht genau wie ich es lösen soll. Kurz die Rahmendaten. ;-)


    Derzeit bin ich im Haushalt meiner Eltern gemeldet. Bewohne dort zwar eine eigene Etage, bezahle allerdings keine Miete. Mein Arbeitsweg beträgt 32 km für eine Strecke. Die lege ich mit meinem Auto zurück. Jetzt ist es so, dass ich ab März 2012 in meine Arbeitsstadt ziehe. Und nun frage ich mich, ob ich mich dort als Nebenwohnsitz oder Hauptwohnsitz anmelden soll. Ich würde trotzdem ungefähr zwei mal in der Woche und freitagas nach Hause fahren, weil hier mein Freund lebt.


    Nebenwohnsitz würde mich 10 % der Nettokaltmiete kosten. Das sind bei mir 250 Euro im Jahr. Jetzt habe ich aber gelesen, dass der Hauptwohnsitz bedeutet, dass man dort seinen Lebensmittelpunkt hat. Stimmt bei mir. Ich bin öfter in meinem Heimatort als in meinem Arbeitsort. Dort bin ich nur um zu arbeiten. Hauptsächlich geht es mir auch darum, dass ich die Fahrtkosten in der Steuererklärung angeben will. Kann mir jemand sagen, ob sich das für mich lohnt? Oder spielt es keine Rolle und ich soll einfach meinen Arbeitsort als Hauptwohnsitz angeben? Allerdings hätte ich dann wirklich keine Lust, mich umzumelden und bei sämtlichen Firmen anzugeben, dass ich umgezogen bin.

  • 42 Antworten

    Du erhoffst dir ein Berechnungsergebnis, ob sich das lohnt ?


    Also, das geht folgendermaßen:


    Du kannst nur die einfach Fahrstrecke von der Steuer absetzen, also nicht Hin- und Rückfahrt. Dann musst du die Anzahl der Tage kennen, an denen du zur Arbeit fährst. Nehmen wir an, du arbeitest von Mo-Fr. und hast 30 Tage Urlaub und warst nie krank:


    365 Tage im Jahr


    - 104 Tage Wochenenden (52 Wochen/Jahr Sa + So)


    - 6 Feiertage


    - 30 Tage Urlaub


    = 225 Arbeitstage


    Jetzt multiplizierst du die Anzahl der Tage mit den Strecken: 225 x 32km = 7200km absetzbare Fahrtstrecke. Das macht einen absetzbaren Betrag von 2160 Euro (30 Cent pro km) aus.


    Jetzt musst du dein Einkommen kennen. Nehmen wir an, du verdienst 36.000 Euro im Jahr, dann musst du bei Steuerklasse 1 ca. 6550 Euro Steuern, Soli, Kirchensteuer zahlen.


    Wenn du in einer anderen Steuerklasse bist, in Abhängigkeit von deinem Familienstand etc. dann ändert sich das stark.


    Wenn du absolut keine anderen Beträge für Versicherungen, Werbungskosten etc. absetzen kannst, werden die 2160 Euro Fahrtkosten von der zu versteuernden Summe abgezogen:


    36.000 Euro – 2160 Euro = 33840 Euro


    Auf ein Jahreseinkommen von 33840 Euro musst du aber nur ca. 5880 Euro Steuern pro Jahr zahlen, du hast also 670 Euro Steuerersparnis, die dann beim Jahresausgleich vom Finanzamt zurückerstattet werden.


    Das kann sich aber alles sehr stark ändern durch dein Einkommen, deiner Steuerklasse, ob du andere Beträge von der Steuer absetzen kannst usw. Am besten kann man es mit einem Computerprogramm kalkulieren, wie sie zur Abwicklung einer Steuererklärung an jeder Ecke verkauft werden (auch bei Aldi, Tchibo, etc).


    Bedenke aber: Wenn das Finanzamt durch eine einfache Anfrage bei der Gemeinde des Zweitwohnsitzes deinen zweiten Wohnort kennt, wird es annehmen, dass du von dort aus fährst und überführt dich der Steuerhinterziehung, weil du zuviele Kilometer angegeben hast. Dann musst du für viele Jahre rückwirkend die Steuer nachzahlen und vielleicht auch eine Strafe. Solche Nachfragen sind nicht selten ...


    Aber du kannst die Kosten eines Zweitwohnsitzes ("doppelte Haushaltsführung aus beruflichen Gründen") auch von der Steuer absetzen, aber die Bedingungen und Voraussetzungen kenne ich nicht näher. Das solltest du mal googeln, den Steuerbertaer fragen, Finanzamt anrufen ...


    Viel Erfolg !

    Erkundige Dich zu dem Thema "doppelte Haushaltlsführung". Dort erfährst Du auch was es steuerlich bedeutet seinen Lebensmittelpunkt an einem bestimmten Ort zu haben (Problematik Hausstand im Elternhaus). In der Regel lohnt sich eine doppelte Haushaltsführung, allerdings kann man dies im Einzelfall nur durch entsprechende Proberechnungen belegen.

    Doppelte Haushaltsführung zieht bei mir nicht, da ich im Haushalt meiner Eltern keine Miete zahle und dementsprechend auch keinen Mietvertrag habe.


    Was passiert eigentlich, wenn ich die Wohnung in meiner Arbeitsstadt gar nicht melde? Also mich nicht beim Einwohnermeldeamt anmelde? Der Vermieter wird ja kaum meine Daten irgendwo hin weitergeben oder?

    Zitat

    Was passiert eigentlich, wenn ich die Wohnung in meiner Arbeitsstadt gar nicht melde? Also mich nicht beim Einwohnermeldeamt anmelde? Der Vermieter wird ja kaum meine Daten irgendwo hin weitergeben oder?

    Dann ist das eine astreine Steuerhinterziehung.


    Mein Nachbar musste mal ein saftiges Bußgeld bezahlen, weil sie ihm drauf gekommen waren, dass er nicht mit dem höhere Kosten verursachenden Auto, sondern mit der Bahn zur Arbeit gependelt ist.


    Das war noch vor Einführung der Pendlerpauschale.

    Zitat

    Du arbeitest und wohnst dann dort, das ist schon der Lebensmittelpunkt, also Hauptwohnsitz.

    So streng würde ich das nicht auslegen. Der Lebensmittelpunkt wird durch Freunde, Lebenspartner, Vereinsleben etc.. bestimmt. Wenn sich das haupsächlich am WE abspielt, kann das ok sein meiner Erfahrung nach.


    - doppelte Haushaltsführung fällt aus (hast Du ja schon geschrieben)


    - in haligalileos Rechnung würdest du nicht unternommene Fahrten abrechnen. Ich will das nicht bewerten, aber das FA will bei so hohen Fahrtkosten Nachweise sehen: Plausible Kilometerstände am Auto, Tankrechnungen, Fahrkarten o.ä. Auch Nachfragen/-forschungen wie beschrieben sind denkbar.


    - Du rechnest nur die Fahrten ab, die Du machst. Dazu musst Du die 2.-Wohnsitzabgabe leisten und obige Argumentation mit Lebensmittelpunkt durchsetzen. Die genaue Rechnung kannst Du ja mit haligalileos Beispiel machen.