Herausfinden, was im Haus gegenüber vor sich geht

    Hallo an alle,

    meine Freundin und ich wohnen in einer deutschen Großstadt in einer bescheidenen Mietwohnung in einer Wohngegend, die man wohl am besten als "so la-la" bezeichnet. Verkehrstechnisch nicht sonderlich gut angebunden, wenig viertel-eigene Infrastruktur, usw. usf.

    Was mich allerdings im Moment wirklich zum Nachdenken bringt, ist die Situation im Haus gegenüber: Im EG sind mehrere Autowerkstätten und -verwerter untergebracht, die teilweise die komplette Straße mit ihren Schrottkarren zuparken. Ich habe selber kein Auto und demzufolge nimmt man mir keinen potenziellen Parkplatz weg, deswegen kann es mir eigentlich egal sein. Außerdem sind die Wagen zum größten Teil korrekt angemeldet (oftmals im Ausland), daher wird man auch rechtlich nichts machen können. Trotzdem macht es einen einigermaßen komischen Eindruck, wenn vorm Haus lauter Fahrzeuge mit eingedullten Dächern, rausgequollenen Airbags, teilweise auch mit gebrochenen Achsen herumstehen.

    Am schlimmsten finde ich aber, dass im Obergeschoss eine Art Sammelunterkunft für osteuropäische Montagearbeiter zu sein scheint. Man kann von außen durch die Fenster erkennen, dass in den Räumen dahinter mehrere Stockbetten stehen. Bei schönem Wetter hängen auch oftmals auch mehrere Menschen am Fenster. Am Wochenende lungern die Insassen entweder auf dem Hof der Werkstatt oder in den Eingängen der angrenzenden Häuser herum, gerne pöbelnd mit einer Flasche Wodka. In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist auch öfter mal Party angesagt. Letztens bin ich auf dem Weg zum Bäcker fast auf eine Schnapsleiche getreten, die quer über den Bürgersteig lag. Meine Freundin traut sich mittlerweile nicht mehr nachts alleine von der U-Bahn nach Hause. Polizei und Zoll waren auch schon öfter da (einmal in kompletter Sturm-Montur, das war ziemlich beeindruckend), aber geändert hat sich nichts.


    Meine Frage: Wie kann ich herausfinden, was das für Menschen sind, bzw. warum die dort sind? In der Werkstatt scheinen sie nicht zu arbeiten. Ich würde gerne mehr Informationen haben, um ggf. aktiv etwas unternehmen zu können. Gibt es für derartige Sammelunterkünfte irgendein Register o.ä., das man einsehen kann?


    Übrigens um das gleich mal zu sagen: Das alles hat für mich nichts mit Fremdenfeindlichkeit o.ä. zu tun. Unser direktes Nachbargebäude ist ein ehemaliges Hotel, das zum Asylbewerberheim umfunktioniert wurde. Mit den Jungs von da gab es noch nie Stress, ganz im Gegenteil.


    Würd mich freuen, wenn mit jemand weiterhelfen könnte.

  • 12 Antworten
    Panomo schrieb:

    Wie kann ich herausfinden, was das für Menschen sind, bzw. warum die dort sind?

    Du kannst sie ansprechen und fragen.

    Zitat

    Letztens bin ich auf dem Weg zum Bäcker fast auf eine Schnapsleiche getreten, die quer über den Bürgersteig lag.

    Auch die "Schnapsleiche" ist ein Mensch, die deine Hilfe verdient hat. Das mindeste ist ein Notruf.


    Sonst: Strafgesetzbuch (StGB) - § 323c Unterlassene Hilfeleistung

    Bis 1 Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe für dich.

    Wenn's zu laut wird und/ oder Schnapsleichen irgendwo rumliegen, würde ich die 110 oder 112 anrufen.


    Ansonsten geht's dich nichts an, was die da machen. Wie kommt es, dass du glaubst, dass dir Informationen zustehen, wer die Leute sind? Warum bist du nicht mutig genug persönlich nachzufragen?

    Das ist doch ein völlig normale Situation heutzutage. Da werden aus anderen Ländern Arbeitskräfte angeworben, die hier in übertreuerten Unterkünften wohnen, um für einem Hungerlohn zu arbeiten.

    in Norddeutschland findet man so was in der Fleischindustrie - ging ja groß durch die Medien. Bei Dir gegenüber scheint man das "Erfolgsmodell" auf die Autoreparaturbranche übertragen zu haben.

    Danke für die Antworten!

    Smilli2 schrieb:

    Warum willst du das wissen? Also, ich weiß nicht, ob du da was rausfindest. Geht dich ja im Grunde auch nichts an.

    Ich möchte das wissen, weil ich gerne abschätzen möchte, was ich tun kann kann, um diesen Zustand zu beenden. Und dazu wäre es gut erstmal zu wissen, womit man es eigentlich zu tun hat.

    Du hast Recht, "im Grunde" geht es mich nichts an. Genauso wie mich eine Drogenküche in der Nachbarwohnung oder ein Geldwaschsalon im Nebengebäude nichts angehen würden. Trotzdem betrifft es mich direkt und da wo ich wohne wär's halt schön, wenn man sich auch nachts auf die Straße trauen könnte.

    Braunesledersofa schrieb:

    Ansonsten geht's dich nichts an, was die da machen. Wie kommt es, dass du glaubst, dass dir Informationen zustehen, wer die Leute sind?

    Dass mir Informationen "zustehen" habe ich doch gar nicht gesagt. Aber da an jeder Artztpraxis, an jedem Hotel und sogar an dem Asylbewerberheim nebenan dransteht, welcher Art dieses Gebäude ist, dachte ich, dass hier vielleicht zufällig jemand weiß, ob Daten über Sammelunterkünfte und ähnliche Vorrichtungen zur Kasernierung von prekär Beschäftigten irgendwo zentral erfasst werden. Also vorausgesetzt, es handelt sich bei dem Haus gegenüber um eine solche. Sicher wissen tu ich es ja nicht.

    Braunesledersofa schrieb:

    Warum bist du nicht mutig genug persönlich nachzufragen?

    Vermutlich in erster Linie deswegen, weil es betrunkene, auf Krawall gebürstete Grobiane sind, mit denen ich keine gemeinsame Sprachbasis habe?

    DarkerShark schrieb:

    Sonst: Strafgesetzbuch (StGB) - § 323c Unterlassene Hilfeleistung

    Bis 1 Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe für dich.

    Danke für die juristische Stellungnahme :)^ Du hast mir damit ungemein weitergeholfen :)z

    Mehno schrieb:

    Das ist doch ein völlig normale Situation heutzutage. Da werden aus anderen Ländern Arbeitskräfte angeworben, die hier in übertreuerten Unterkünften wohnen, um für einem Hungerlohn zu arbeiten.

    in Norddeutschland findet man so was in der Fleischindustrie - ging ja groß durch die Medien. Bei Dir gegenüber scheint man das "Erfolgsmodell" auf die Autoreparaturbranche übertragen zu haben.

    Ja, vielleicht ist das der Grund, warum hier gerade das Thema so hochkocht. In erster Linie sehe ich da auch das Problem eher bei dem, der die Sammelunterkunft zur Verfügung stellt. Die Insassen tun mir teilweise auch eher leid. Eine Schande, dass sowas in einem so reichen Land offenbar normale Zustände sind. Besonders in Zeiten von Corona.


    Nunja, meine nächste Idee wäre jetzt ein Privatdetektiv. Ich werde mal mit den Nachbarn sprechen diesbezüglich. Weiß von einigen, dass sie sich mit der Situation auch unwohl fühlen.

    :)^

    Ich finde du solltest dich ans Ordnungsamt und die Polizei wenden und gut ist.


    Glaubst du ernsthaft ein Detektiv kann mehr ausrichten als die Behörden?


    Zumal die ja offensichtlich dran sind.


    Dass du gerne selbst was tun willst ist verständlich, die Frage ist nur, ob das nicht eher blinder Aktionismus ist. Mir erscheint es nicht sinnvoll.

    Paritu schrieb:

    Glaubst du ernsthaft ein Detektiv kann mehr ausrichten als die Behörden?

    Nein, das glaube ich natürlich nicht. Mir ging es ja auch - wie schon öfter gesagt jetzt - eher darum, erstmal selber ein Bild von der Lage zu bekommen, bevor man sich systematisch (will sagen: nicht nur auf Einzelfallebene) an die Behörden wendet, ggf. sich mal juristisch beraten lässt oder andere Maßnahmen ergreift, z.B. eine Bürgerinitiative gründet oder sowas in die Richtung.

    Aber vermutlich habt ihr Recht, wahrscheinlich muss ich einfach aushalten, dass ich im Glasscherbenviertel wohne. Früher oder später werden wir eh hier weg müssen, spätestens wenn wir Kinder möchten. Die würde ich nämlich ungern auf einem Besoffski-Schrottplatz aufwachsen lassen. Nur doof, dass man heutzutage selbst in solchen Wohnlagen wie der unseren mit 20 €/m² dabei ist.

    Panomo schrieb:
    Paritu schrieb:

    Glaubst du ernsthaft ein Detektiv kann mehr ausrichten als die Behörden?

    Nein, das glaube ich natürlich nicht. Mir ging es ja auch - wie schon öfter gesagt jetzt - eher darum, erstmal selber ein Bild von der Lage zu bekommen, bevor man sich systematisch (will sagen: nicht nur auf Einzelfallebene) an die Behörden wendet, ggf. sich mal juristisch beraten lässt oder andere Maßnahmen ergreift, z.B. eine Bürgerinitiative gründet oder sowas in die Richtung.

    Aber vermutlich habt ihr Recht, wahrscheinlich muss ich einfach aushalten, dass ich im Glasscherbenviertel wohne. Früher oder später werden wir eh hier weg müssen, spätestens wenn wir Kinder möchten. Die würde ich nämlich ungern auf einem Besoffski-Schrottplatz aufwachsen lassen. Nur doof, dass man heutzutage selbst in solchen Wohnlagen wie der unseren mit 20 €/m² dabei ist.

    Und genau dieses "selbst ein Bild machen" würde ich absolut sein lassen, denn ich gehe mal stark davon aus, dass das "Herumschnuffeln" deinerseits nur zu noch stärkeren Konflikten führen würde und weder der Polizei noch euch irgendwie helfen. Es wäre tatsächlich einfach nur ein Aktionismus.


    Ich habe selbst mal an einer "sozialen Grenze" gelebt - wir wohnten gerade noch so in einer guten Gegend, gegenüber begann sehr deutlich eine "schlechte". Kein schönes Gefühl und es war dreckig und gefährlich. Ich bin dann weggezogen als sich Nachwuchs ankündigte.

    Die Grenzen sind doch an sich bekannt:


    Zu den Autos:

    * Umweltschutz - wenn die Altautos dort z.B. Öl verlieren oder Kraftstoff

    * Fußgängerschutz - wenn die Altautos dort z.B. extrem scharfe Kanten haben, wo sich jemand im öffentlichen Raum dran verletzen kann

    * ansonsten darf auf öffentlichen Flächen halt ein zugelassenes Auto auch parken

    Du kannst sie aber gern "beschäftigen" mit z.B. der grünen Plakette, wenn das in deiner Großstadt nötig ist => Ordnungsamt.


    Aber ob da eine Achse gebrochen ist, oder Beulen im Dach oder ein Airbag ausgelöst raushängt => gefährdet dich ja erstmal nicht. Melden kannst du auch Autos, die extrem lange stehen und wo dann schon das Gras ringsrum wächst. Dort werden ja dann auch z.B. die ausländischen HU-Plaketten abgelaufen sein. Und immer dann ist das Parken auf öffentlichen Flächen auch nicht mehr erlaubt. Wieder => Ordnungsamt


    Pöbeln und Beleidigungen: musst du dir natürlich auch nicht gefallen lassen.


    Wenn sich andere betrinken: das ist was, was man leider aushalten muss.


    Erst wenn sich diese Person selbst gefährdet => kannst du den Paragraph zur unterlassenen Hilfeleistung auch zu deinen Gunsten nutzen.


    Es sei denn, jemand will so ein Fahrzeug fahren, dann ist wieder die Meldung bei der Polizei sinnvoll, um die Allgemeinheit zu schützen => Fremdgefährdung.


    Und sonst ist die Grenze natürlich Kriminalität => z.B. Drogenverkauf, Drogenkonsum, illegale Prostitution, geklaute Autos, geklaute Autoteile, Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit (=> Zoll), Asylrecht, Arbeitsrecht, Aufenthaltsrecht, Gewalt. Dann => Polizei.


    Und auch öffentliche Ruhestörung (nächtliche Parties) und Landfriedensbruch (Androhungen von Gewalt) sind mögliche Sachen, gegen die du vorgehen kannst.

    Oder Hausfriedensbruch gegen Personen, die deinem Haus zu nahe kommen. Auch hier: => Polizei.


    Sollten dort Kinder wohnen => Jugendschutz/Jugendamt.


    Im Prinzip hast du immer dann eine Handhabe, wenn das soziale Miteinander ernsthaft gestört ist.


    Um deine Chancen zur Informationsgewinnung: naja, Anwalt (rechtliche Beratung deiner oder eurer Position) oder Privatdetektiv (Informationsgewinn/Recherche im legalen Rahmen, ohne dass es deine Zeit und Mühe kostet, sondern nur dein Geld). Und die Presse: manchmal gibt's ja z.B. Berichte der Polizei nach solchen Einsätzen.