Kann meine Ausbildungsstätte verlangen dass ich als Risikopatient zur Präsenzausbildung erscheine?

    Hallo,


    ich habe folgendes Problem: Ich war jetzt wegen Corona über mehrere Monate im Home-Office, ich absolviere unfallbedingt eine überbetriebliche Ausbildung zum Fachinformatiker, dies hatte bisher auch gut geklappt. Nun erwartet meine Vorgesetzte dass ich wieder zur Präsenzausbildung erscheine, darauf hin habe ich den medizinischen Dienst bzw. Betriebsarzt angerufen, dieser meinte ich sei ja kein Hochrisikopatient und die Infektionszahlen sind relativ stabil, dem stimme ich auch zu, aber das Problem ist das ich ca. 400 Kilometer entfernt von der Ausbildungsstätte wohne und keinen Führerschein habe (unfallbedingt war mir dies bisher nicht möglich), das heißt ich müsste mit dem Zug fahren, dort steigt die Wahrscheinlichkeit einer Infektion. Diesen Grund lässt man aber nicht gelten. Der Betriebsarzt war dafür verantwortlich das ich nicht komme. wenn ich dort bin wohne ich zwar allein, aber unter schlechten Verhältnissen, die Wohnungen sind heruntergekommen, dies interessiert dort auch niemanden, ich sollte wenn ich wieder dort wäre, auch möglichst nicht heimfahren, obwohl bekanntlich dies für mich wie eine psychische Stütze ist, also unverzichtbar. Ich hatte damals vergessen mir das attestieren zu lassen das ich zur Risikogruppe gehöre als es losgegangen ist, da ich dachte es geht auch ohne, da dies gleich von der Ausbildungsstätte anerkannt wurde. Ich sehe dies als willkürliche Handlung, da ich Personen kenne die alleine leben und nur Asthma haben und Autos besitzen, also kein Wegerisiko haben und trotzdem Zuhause bleiben dürfen. Nun zu meinen Vorerkrankungen: Ich habe seit meiner Geburt Asthma, durch einen Unfall ein Schädel-Hirn-Trauma eine Hirnblutung erlitten und seit ca. 1 Jahr Bluthochdruck. Seit meiner Jugend leide ich an einer Depression, die sich durch den Unfall verstärkt hat, deswegen fahre ich jedes Wochenende heim, dies hängt unter anderem auch mit meiner Schwester zusammen, da bei ihr vor ca. 1 Jahr Leukämie diagnostiziert wurde, diese würde ich dann damit ebenfalls gefährden, wenn ich heimfahre, da sie in der Nähe meiner Familie lebt. Ich werden versuchen ein ärztliches Attest zu bekommen, jeder Arzt hat da leider eine andere Meinung. Kann man rechtlich gesehen erwarten dass ich als Risikopatient tatsächlich in der Präsenzausbildung erscheine, obwohl es eine Onlineform der Ausbildung gibt? Vielen Dank im Voraus.

  • 10 Antworten
    Max98 schrieb:

    Kann man rechtlich gesehen erwarten dass ich als Risikopatient tatsächlich in der Präsenzausbildung erscheine, obwohl es eine Onlineform der Ausbildung gibt?

    Frage hierzu doch einfach mal bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer nach.

    (oder wer auch immer deine Ausbildungsrichtung betreut)

    Es gibt Ausbildungsberater , mit denen könntest du sprechen. Ansonsten Personalrat....versuche Leute zu finden, die dich unterstützen.


    Ein Recht auf Home Office hast du nicht, man muss es mit dem Arbeitgeber vereinbaren.


    Im Zug könntest du eine FFP2 Maske tragen, gibt es in den Apotheken, die schützen dich gut und sind besser, als die Alltagsmasken, die ja nur andere schützen.

    Der Betriebsarzt hat dazu doch eine eindeutige Antwort gegeben und wenn du eine FFP 2 Maske trägst ist selbst im Zug das Infektionsrisiko äußerst gering.


    Der Tip mit dem Ausbildungsberater / Industrie / Handelskammer Mitarbeiter ist eine gute Idee.

    Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch hoch, dass sie sich der Meinung des Betriebsarzt anschließen.


    Viele Home Office´s werden Aktuell wieder aufgelöst und es wird immer mehr.

    Ohne dir zu nahe treten zu wollen würde ich empfehlen dir nochmal intensiv Gedanken zu machen ob du Wirklich ausschließlich bedenken um deine Gesundheit hast, oder ob du etwas "bockig" bist weil Home Office bequemer ist.

    Du solltest immer im Hinterkopf behalten, dass das sperren gegen die Anweisung wieder am der Präsenzausbildung teilzunehmen, keinen guten Eindruck hinterlässt.

    Max98 schrieb:

    obwohl es eine Onlineform der Ausbildung gibt?

    dann erkundige dich doch mal welcher Bildungsträger /Betrieb diese Onlineform der Ausbildung anbietet , vielleicht kannst du dahin wechseln.

    Dein jetziger Ausbildungsbetrieb muss dem nicht zustimmen, wenn er seine Ausbildung eben im Präsenzunterricht anbietet.

    Man kann seinen Lehrbetrieb auch wechseln, wenn man einen neuen Betrieb findet. Ist aber aufwendig. Auch dazu kann dir dein Ausbildungsberater mehr sagen.

    Hallo,


    danke für eure Antworten, ich gehe am Donnerstag zu meinem Hausarzt und werde mit ihm die aktuelle Situation besprechen.

    Max98 schrieb:

    deswegen fahre ich jedes Wochenende heim, dies hängt unter anderem auch mit meiner Schwester zusammen, da bei ihr vor ca. 1 Jahr Leukämie diagnostiziert wurde, diese würde ich dann damit ebenfalls gefährden, wenn ich heimfahre, da sie in der Nähe meiner Familie lebt.

    Das verstehe ich nicht. Du bist doch jetzt "daheim" im Home Office - ? Und nur weil deine Schwester "in der Nähe" wohnt, gefährdest du sie nicht.


    Max98 schrieb:

    wenn ich dort bin wohne ich zwar allein, aber unter schlechten Verhältnissen, die Wohnungen sind heruntergekommen, dies interessiert dort auch niemanden,

    Wen sollte das interessieren? Es ist doch nicht Sache deines Ausbildungsbetriebs, was für eine Wohnung du hast.


    Max98 schrieb:

    das Problem ist das ich ca. 400 Kilometer entfernt von der Ausbildungsstätte wohne


    Max98 schrieb:

    ich sollte wenn ich wieder dort wäre, auch möglichst nicht heimfahren, obwohl bekanntlich dies für mich wie eine psychische Stütze ist, also unverzichtbar.

    Wie hattest du dir denn deine Ausbildung ohne corona vorgestellt?

    naja, also mit Heimweh muss leider jeder umgehen; das ist der Preis für eine fluide Gesellschaft, die Dir halt aber auch alle Möglichkeiten bietet.

    Ich kann nicht Hunderte Kilometer von meiner Ausbildungsstätte wohnen und das als Argument anführen, dort nicht erscheinen zu wollen. Solche Dinge (Entfernung, Wohnsituation) entscheidet man doch zu Beginn. Nur dank Corona hattest Du offensichtlich überhaupt das Glück, so lange nicht hin zu müssen.

    weshalb genau meinst Du, ein Hochrisikopatient zu sein?! Hochrisikopatienten sind Patienten z B mit Immunsuppression, Krebs, HIV, nach Transplantation, Menschen mit kardiovaskulären Vorerkrankungen. Du hast Bluthochdruck und Depressionen. Asthma kann man ggf noch als Risiko gelten lassen, aber Hochrisiko ist es nicht.


    Zum Rest wurde viel geschrieben. Die Entfernung hast Du dir selbst ausgesucht. Corona kann nicht als Ausrede für alles gelten. Im Zug kann man eine Maske aufsetzen und Abstände einhalten.