Kann nicht mehr

    Zu mir selbst: Ich bin 26 und pflege seit 2 Jahren meinen hochbetagten Großvater (89).

    Mein Opa, mein Vater und ich leben in einem Haus. Meine Mutter lebt nicht mehr bei uns.

    Nachdem ich mein Studium beim 1. Versuch mit 22 abgebrochen habe (hab 3 Jahre Jura studiert), habe ich jetzt 3 Jahre meinen Bachelor in einem anderen Studiengang durchgezogen und jetzt fehlt nur noch die Bachelorarbeit.

    Mein Vater arbeitet als Versicherungsberater und weil ich eben studiert habe und dadurch noch flexibel war, fiel die Entscheidung schnell darauf, dass ich den Opa pflege. Meine Uni hat das auch berücksichtigt und ich hab schon etliche Erlassmöglichkeiten bekommen (mehr Zeit für die Abschlussarbeit etc.)


    Nun ist es aber so, dass ich merke, dass ich von den Kräften her nicht mehr kann.

    Die Pflege schlaucht mich und der Gesundheitszustand meines Opas wird auch immer schlechter. Er hatte vor 2 Jahren einen Schlaganfall von dem er sich gut erholt hat. Nun fangen aber andere Altersgebrechen an und er wird auch immer schwieriger.

    Er meckert an allem rum, nichts kann man ihm recht machen, nimmt ab, isst immer weniger, wenn ich sage, er soll essen und trinken, schnauzt er mich an und fängt an laut zu werden. In letzter Zeit hat er auch immer mehr Probleme mit der Verdauung. Der Arzt meinte, er könnte nicht ausschließen, dass dahinter mehr steckt, aber er ist eben hoch betagt und in dem Alter noch großartige Krebstherapien machen, ist eben eine Sache für sich.

    Leider ist mein Opa auch sehr dominant (ist so der Patriarch in der Familie) und hat ein hohes Mitteilungsbedrüfnis. Er informiert mich über jede Kleinigkeit. Wann er wie auf Toilette war, wie sein Urin aussieht, wie sein Kot aussieht, was er wann wie gesehen hat im Fernsehen. Der Fernseher läuft Tag und Nacht und er braucht eben rund um jemanden, der da ist, Essen macht und sowas.


    Das Problem ist, ich müsste eigentlich meine Abschlussarbeit schreiben, komme aber immer wieder raus, weil er entweder nach mir ruft, irgendwas anderes hat oder irgendwas haben will.

    Ich sitze also in meinem Zimmer und brüte über der Arbeit und er ruft nach mir. Reagiere ich nicht, redet er unbeirrt weiter.

    Es ist wie mit einem kleinen Kind. Ich komme nur mittags wenn er schläft zum scheiben.


    Mein Vater ist auf Arbeit und derjenige, der in der Familie aktuell das Geld verdient. Er verdient seinen Lebensunterhalt damit und bezuschusst mich mit einem überschaubaren Betrag. Dafür hatten wir den Deal, dass ich mich um meinen Opa kümmere.


    Ich bin mittlerweile allerdings mit den Nerven am Ende. Ich hab kaum Kraft für meine Arbeit, weil die Pflege so sehr zerrt.

    Ich bin halt rund um die Uhr zu Hause, weil ich mich um den Opa kümmere und an der Arbeit schreiben müsste.

    Leider ist auch mein Vater nicht der fitteste und oft am Rumjammern, was er alles für Gebrechen hat. Aktuell hat er Hämorrhoiden und redet sich Krebs ein und ist mir da moralisch keine Stütze.



    Mir ist das grad echt zu viel.

    Jetzt fragt ihr euch sicher, warum gebt ihr den Opa nicht ins Heim.

    Das Problem ist, dass dieser sich einerseits mit Händen und Füßen wehrt und das ihm andererseits das Haus gehört. Mein Vater hat noch einen Bruder, den er auszahlen müsste, wenn mal was mit dem Opa wäre. Das haben wir aber auch erst nach seinem Schlaganfall erfahren, dass das testamentarisch so festgelegt wurde. Davor hat er uns Jahre lang belogen, wir bekämen das Haus.

    Auch ansonsten ist der Opa sehr starrsinnig. Nur beim Thema Kurzzeitpflege geht er schon an die Decke. Er hat eine Pflegestufe, lehnt aber den Pflegedienst und jegliche Art von Heim ab.

    Ich war seit 5 Jahren nicht im Urlaub und eigentlich stände mir der Urlaub zu, aber das ginge gar nicht, weil ja der Opa da ist, der Betreuung braucht.


    Mittlerweile kann ich nicht mehr. Meine körperlichen und seelischen Kräfte sind runter.

    In meinem Umfeld gründen alle Familien, haben Männer, Partner und ich hänge hier fest, pflege meinen fast 90 jährigen Opa und meine Gesprächsthemen belaufen sich auf Urin, Kot, Mittagssendungen im Fernsehen und Verdauungsstörungen oder Darmtee.

    Andererseits tut mir eben auch mein Opa leid und durch die Bachelorarbeit wäre ich eh nicht mehr an der Uni.

    Nur komme ich auch nicht vorwärts. mit meiner Arbeit. Ich bin psychisch wirklich unten.


    Ich hab auch kein Geld für einen Auszug und wenn der Opa ins Heim käme, würde es eng werden das alles überhaupt finanziell zu stemmen. Mein Vater verdient auch nicht die Welt.


    Ich muss mir das einfach vom Herz schreiben. Vielleicht gibt es ja irgendwen, der schon mal in so einer Lage war und mir irgendwas raten kann.

  • 94 Antworten

    Mein Vater wird gerade pflegebedürftig und ich merke, dass es eine Menge Stress ist. Als Tochter übernehme ich für einige Dinge die Verantwortung, in anderen Bereichen muss ich mich mehr abgrenzen.


    Was mich an Deiner Situation erschreckt:

    Die Selbstverständlichlichkeit, mit der Du in die Pflegesituation Deines Opas gerutscht bist! Ich meine, Du bist dabei, Dir Dein Leben aufzubauen. Es kann nicht sein, dass Du auf die Pflegerolle reduziert wirst.

    Ich kann Dir dahr nur dringend dazu raten, Klartext zu reden. Über diverse Optionen die Tagespflege (da sind die Menschen tagsüber weg und kommen abends nach Hause) nachzudenken.

    Und Dich bzgl. alternativer Finanzierung schlau zu machen. Wenn Dir nur noch die Bachelor-Arbeit fehlt, könntest Du Dich bspw. bei der KfW-Bank bzgl. Studienabschlussdarlehen schlau machen. Ich habe damit auch mein Studium beendet.


    Was ist denn die Erwartungshaltung, wenn Du mit dem Bachelor fertig bist? Gar nicht arbeiten und weiter pflegen? Die Diskussion, wie es mit Deinem Opa weitergehen soll, steht ja eigentlich eh bevor.


    Bitte sprich' mit Deinem Vater, dass Du nicht mehr kannst und DEIN Leben zählt. Das gemeinsam über Alternativen nachgedacht werden muss. Das wird evtl. eh schwierig, weil es selbst bei einer Entscheidung für Tagespflege etc. nicht immer sofort Plätze gibt.


    Man kann aber nicht auf Dauer von Dir erwarten, Dein Leben, Deine Ausbildung und Deine berufliche Zukunft der Pflege Deines Opas zu widmen!

    hallo, ich denke mir es ist nicht deine aufgabe dich für deinen opa aufzuopfern. ich könnte auch keinen angehörigen pflegen obwohl ich mich in dem bereich auskenne.


    hat dein opa denn keine rente, finanzielle rücklagen? meine oma ist im altenheim und stark dement, es ist so dass zuerst ihr gespartes und rente aufgebraucht werden, erst dann müssen die kinder zahlen.


    ich denke dass es wichtig ist, hilfe vom pfegedienst zuzulassen, wie auch immer du das anstellst ":/


    es steht dir als pflegende angehörige sicherlich auch eine kur (?) zu.


    wünsche dir alles gute und dass du eine lösung findest dein leben zu leben @:)

    Ist eine gute Frage, wann und wie ich da rein geraten bin.

    Eigentlich ging alles mit dem Studium los, weil ich mir nicht leisten konnte auszuziehen und wohnortnahe studiert habe und dann öfters mal zu Hause war. Zuerst waren es nur kleine Sachen wie mal Medikamente aus der Apotheke holen und seitdem mein Opa den Schlaganfall hatte, hing ich dann voll drinnen. Parallel dazu hab ich dann kein Bafög mehr bekommen und mein Vater meinte, er zahlt mir 280 Euro, wenn ich mich um den Opa kümmere. So lief das und irgendwann war ich so in der Mühle, dass ichs gar nicht mehr gemerkt hab.


    Schlimm ist nicht mal die Pflege. Schlimm ist, dass ich diskutieren muss wie mit einem Kleinkind. Dass er was trinken soll, dass er was essen soll, dass er das feuchte Toilettenpapier schließen soll, weils austrocknet. Um Arzttermine. Ich sage, wir gehen um 11 Uhr zum Arzt. Er bockt rum und sagt nein, er geht um 16 Uhr. Es folgen ellenlange Diskussionen.


    Mein Plan ist nach dem Bachelor zu arbeiten, zu sparen und dann auszuziehen. Ich sehe da aber jetzt schon Probleme kommen, denn wenn ich arbeite, um zu sparen bin ich nicht zu Hause und kann mich nicht kümmern.


    Mein Vater resigniert und meint immer, er will davon nichts hören. Der Opa hätte sich als ich klein war ja auch oft um mich gekümmert.


    Tim Faber, er könnte den Heimplatz finanzieren, aber er ist starrsinnig. Ich würde den niemals ins Auto bekommen, um ihn ins Heim zu fahren.Und noch dazu sind die Heimplätze ja rar.

    Schwierig stelle ich mir auch vor, wie ich das meinem späteren Arbeitgeber erklären soll. Wenn das so weiter läuft wie jetzt, bin ich mit der Bachelorarbeit frühstens im April fertig. Da studiere ich aber schon 7 Jahre dann für den Bachelor.

    Ich weiß nicht, ob mein Arbeitgeber so das Verständnis hat, wenn ich ihm sage, ich musste einen Angehörigen pflegen.

    gibt es denn keine beratungsstellen für pflegende angehörige in der nähe?


    es schadet trotzdem nicht sich nach einem heimplatz umzuschauen, um für den fall dass er abbaut gerüstet zu sein.


    wie sieht es mit hilfe im haushalt durch eine fachkraft aus dem osten?


    du bist ja bereits im eimer, die ganze last auf deine schulter zu verteilen finde ich von deiner familie egoistisch

    Ich glaube, sooo schlecht steht man mit "Pflege" im Lebenslauf nicht da.


    Aber es kann nicht sein, dass alles auf Deinen Schultern lastet und Dein Vater resigniert. Und nur weil der Opa sich gekümmert hat, als Du klein warst, kannst Du nicht Dein Leben aufgeben! Meine Eltern haben mich auch großgezogen und waren in diversen schlechten Zeiten für mich da, ja. Ich tue jetzt auch einiges, aber ich bin mittlerweile selbstständig und würde NIE meinen Job komplett aufgeben. Ich kann hier und da mal Termine absagen oder umplanen, aber ich kann und werde keine Rundum-Pflege leisten.

    Dafür gibt es Tagespflege, osteärupäische Pflegekräfte,... Existiert denn wenigstens eine Pflegestufe? Bekommt Ihr Pflegegeld? Wenn nicht, wäre das ein erster Ansatzpunkt!


    Ich fürchte aber, ohne dass Du klar rebellierst und Dinge verweigerst, wird sich nichts ändern. Es sieht ja niemand die Notwendigkeit!


    Ich weiß selber, dass sich das als Außenstehender immer leichter sagt/schreibt, als wenn man selber in der Situation steckt. Das erlebe ich in meinem eigenen Faden zu dem Thema ja auch.

    Aber Du hast Dein ganze Leben vor Dir, Du musst Dir noch was aufbauen. Das dar nicht auf der Strecke bleiben! Was ist in 5 oder 10 Jahren, wenn der Opa nicht mehr ist - und für Dich wirklich der Zug abgefahren ist? Was will Dein Vater Dir dann sagen?


    Informiere Dich daher wirklich auch wg. KfW-Kredit und zieh' notfalls aus. Oder verweigere die Pflege zu Hause, weil Du dann ja doch eine andere Einkommensquelle hast.

    Man kann bei Pflege auch nicht trennen zwischen "Pflege geht, aber die Diskussionen und Gesprächsthemen nicht". Es ist ein Gesamtpaket.

    Nein, Beratungsstelle wüsste ich hier nicht.


    Zitat

    es schadet trotzdem nicht sich nach einem heimplatz umzuschauen, um für den fall dass er abbaut gerüstet zu sein.

    Haben wir. Minimum sind 5 Jahre Wartezeit.


    Zitat

    wie sieht es mit hilfe im haushalt durch eine fachkraft aus dem osten?

    Schlecht. Er will niemand fremdes im Haus. So lange er lebt. Wortwörtliches Zitat.


    Er hat eine Pflegestufe, ja.


    Zitat

    Ich fürchte aber, ohne dass Du klar rebellierst und Dinge verweigerst, wird sich nichts ändern.

    Das witzige ist: Mein Vater meinte, als ich schon einmal gesagt habe, dass das über mein Limit geht, ja dann würde er mir kein Geld mehr geben, wenn ich den Opa nicht pflege.


    Ich stecke kurz vor dem Abschluss. Mein Vater und mein Opa haben mich übertragen in der Hand, denn eine Wohnung kann ich mir nicht leisten und Geld hab ich wegen dem 1. abgebrochenen Studienabschluss auch nicht.


    Mein Onkel ruft nur einmal die Woche an.

    Kannst du irgendwo hin (Freundin etc) und da deine Arbeit fürs Studium fertig zu machen? Es wird Zeit dass die zu Hause mal sehen, was du alles leistest. Du musst da raus und dich um dich kümmern, wenn alles Reden nicht hilft. Dein Vater und dein Onkel und auch der Opa müssen das zu spüren bekommen.

    Wenn du so weiter machst, klappst du bald zusammen, und damit ist auch niemandem geholfen.

    Zitat

    Mein Vater resigniert und meint immer, er will davon nichts hören. Der Opa hätte sich als ich klein war ja auch oft um mich gekümmert.

    Das kann keine Lösung sein. Mir scheint es, du hast das ganze Thema von deinem Vater ferngehalten und er ist nicht bereit, sich mit der Situation mal auseinanderzusetzen.


    Mach deinem Vater klar, dass das jetzt nicht mehr geht. Du hast das jetzt 2 Jahre gemacht. Das ist toll und sicherlich sehr aufreibend. Aber es geht hier um deinen Berufseinstieg und die Bachelor-Arbeit. Dein Vater wird sicherlich ein Interesse daran haben, dass du dich auf diesen Abschluss konzentrieren kannst. Und dazu brauchst du den Rücken frei. Sobald du mal eine Stelle hast, könntest du ohnehin direkt ausziehen. Warum willst du erst lange sparen? Eine erste Wohnungseinrichtung kannst du auch von den ersten Gehältern kaufen.


    Ich drück dir die Daumen, dass du diese Mühle wieder verlassen kannst und dich durchsetzt. Das muss auch dein Großvater einsehen, dass das keine Sache auf Dauer ist.

    ganz schön günstig, für deinen Papa. 280 Euro für Vollzeitpflege. Normalerweise müsste auch in deine Rente eingezahlt werden, von der Kasse. Passiert das? Damit das wenigstens angerechnet wird.


    Ansonsten schliesse ich mich an. Es ist dein Leben. Du musst mit deinem Vater reden. Deine Zukunft sollte nicht versaut werden.


    Es muss ja auch irgendwie gehen, wenn Du arbeitest. Mach dich bitte gerade