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    Aber eben diese Sache, dass die Mütter nur die Frühschichten bekommen und alles anderen nur noch Spätschicht das geht eben nicht. Kinderlose haben eben auch ein Recht auf ein funktionierendes Privatleben.


    Und ich finde es nicht unter aller würde, sich für 1-2 Tage die Woche für die Spätschicht eine Betreuung zu engagieren

    Wenn man konkret unter den Bedingungen eingestellt wird: Sicherlich nicht.


    Wenn man aber bei der Einstellungs ganz grundsätzlich etwas anderes vereinbart, ist es NICHT das Problem des jeweiligen Mitarbeiters. Sondern des Chefs.

    nur mal am Rande: natürlich wollten alle 4 Mütter, die bei uns Halbtags sind, nur vormittags arbeiten. Die Personalabteilung informierte mich, dass sich der Mitarbeiter zwar die Stundenzahl aussuchen kann nach Elternzeit, nicht jedoch die Verteilung dieser Stunden, sprich, der AG kann auch festlegen, dass nachmittags, oder 2 volle Tage und ein halber etc gearbeitet wird. Die Betreuung des Kindes zu organisieren, ist nunmal die Aufgabe der Mutter, wenn sie wieder arbeiten möchte.


    In der Praxis konnte ich das jedoch nicht so vehement einfordern, da habe ich irgendwie eine "Beisshämmung".

    Ich finde die Situation ziemlich absurd. Kinder zu bekommen geht ja doch ein bisschen über ein normales Hobby und die totale Privatsache hinaus. Wenn niemand mehr Kinder bekäme, würden wir ruckzuck in einer schwer apokalyptisch anmutenden, sehr eigenartigen Welt leben, die reichlich schnell zusammenbricht – wenn keiner mehr häkeln oder skifahren würde, wäre das nicht so. Aber man ist im Allgemeinen derart auf die kleine Welt innerhalb des persönlichen Tellerrands fixiert, so von der scheinbaren Anonymität in der Masse geblendet, dass viele tatsächlich dazu neigen zu sagen (oder es auch tun): "Ich habe ja keine Kinder, ich hab mich dagegen entschieden, sollen die halt sehen, wie sie klarkommen, mir scheißegal." Dass man sich mit dieser Einstellung letztendlich "langfristig und gesamtgesellschaftlich" auf dem Rücken derer ausruht, die Kinder haben, trotz der Einschränkungen, die damit verbunden sind, wird nicht nur nicht wahrgenommen, sondern sogar ins Gegenteil verkehrt – man selbst ist derjenige, der "ausgebeutet" wird.


    Nicht, dass ich falsch verstanden werde – ich finde es mehr als verständlich, nachvollziehbar und so was von in Ordnung, wenn jemand keine Kinder bekommt, und ich finde es ganz und gar nicht okay, wenn jemand mit Gör(en) ständig die "Kinderkarte" zieht, um sich Vorteile zu verschaffen – gibt es ja tatsächlich auch, sagt man. Aber so ein grundlegendes Bewusstsein dafür, dass es Kinder und somit auch Eltern geben muss und dass die meisten Eltern arbeiten müssen (komplett mitfinanzieren will sie auch keiner, hm? ;-) ) und dass dementsprechend gewisse Strukturen auf dem Arbeitsmarkt und in der Infrastruktur vorhanden sein müssen respektive sollten, um dieser Situation Rechnung zu tragen – das ist schon etwas, das ich eigentlich von erwachsenen Menschen erwarte. Das Gezicke einiger Inselbewohner hier verwundert mich dementsprechend.

    @ Sunflower_73

    Zitat

    Wenn man konkret unter den Bedingungen eingestellt wird: Sicherlich nicht.


    Wenn man aber bei der Einstellungs ganz grundsätzlich etwas anderes vereinbart, ist es NICHT das Problem des jeweiligen Mitarbeiters. Sondern des Chefs.

    Da hast Du recht.


    Nachdem es hier dann massive Klagen von den Kollegen gab (die mussten das dann ja immer irgendwie auffangen), wird hier keiner mehr genommen der irgendwelche arbeitszeittechnischen Sonderbedingungen will.

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    Wenn niemand mehr Kinder bekäme, würden wir ruckzuck in einer schwer apokalyptisch anmutenden, sehr eigenartigen Welt leben,

    ich finde es nur in der Praxis nervig, wenn die Mehrzahl der Mütter es organisiert bekommen, regelmäßig und zuverlässig ihrer bezahlten Tätigkeit nachzukommen und sich reibungslos in ein Team eingliedern, und diejenigen, die es eben nicht hinkriegen, dann mit ähnlichen Sätzen kommen wie "Meine Kinder zahlen doch später ihre Rente".

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    Ja, absolut. Ich hatte auch mal so eine Kollegin und war auch extrem genervt, weil sie das Kind ständig als Ausrede bemüht hat. Ich vermute, hätte sie das Kind nicht gehabt, wäre es was anderes gewesen (war es auch immer mal wieder) – das ist unkollegial und scheußlich.

    solche leute gibt es und wird es immer geben, egal ob mit oder ohne kind.


    gibt ja auch genug leute ohne kind, die unkollegial sind, sich oft krankschreiben lassen usw.

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    hätte sie das Kind nicht gehabt, wäre es was anderes gewesen

    Als ich noch klein war, sagten meine Eltern auf ungeliebten Veranstaltungen "Oh, das Kind zahnt/wird krank/muss noch lernen/baden/ins Bett – wir müssen leider schon gehen!". Heute behaupten sie das Gleiche, nur sind es jetzt nicht mehr wir Kinder sondern die Katze die rein/raus/gefüttert werden muss ;-D

    Naja, die gemachten schlechten Erfahrungen prägen halt.


    Was mir gerade so einfiel:


    Die Mütter in meinem Bekanntenkreis haben nach Fehlzeiten wg. krankem Kind grundsätzlich ein so schlechtes Gewissen, dass sie sich auf allen Ebenen bemühen, diese Fehlzeit zu kompensieren. Was machmal dann sogar Züge von "ausgenutzt werden" annimmt.

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    Ob Hausfrau oder nicht – man kann sich ja mal abends oder sonntags verabreden zum Kennenlernen.

    %-| Wie oft soll ich mich denn im Schnitt mit jemandem verabreden, bis derjenige einfach so spontan mein krankes Kind mitnimmt? Ich kann doch hier kein Casting für Kindergarten-mit-Eltern veranstalten.


    Sonntag 10-11 Uhr: Kathrin, Mutter von Johanna


    11:30-13 Uhr: Petra, Mutter von Kai-Peter


    14-16 Uhr: Kerstin, Mama von Fynn Lukas (für die veranschlage ich eine halbe Stunde mehr, weil ich die im Gegensatz zu den anderen auf den ersten Blick ganz nett fand ]:D )


    etc. pp.


    Und das ziehe ich dann vier Monate mit unterschiedlichen Kostellationen durch, bis es dann der ein oder andere in die engere Auswahl geschafft hat. Und wenn wirklich ein Notfall eintritt rufe ich an... und erfahre, dass Fynn, Johanna oder Kai-Peter heute gar nicht im Kindergarten waren/von Oma abgeholt werden/man leider keinen weiteren Kindersitz übrig hat oder schlimmstenfalls niemand auf meinen Anruf reagiert, weil Petra, Kerstin oder Kathrin selbst bei der Arbeit sind und ihr Handy lautlos haben, während ich jetzt sofort zusehen muss, wie ich mein Kind mit Brechdurchfall schnellstmöglich aus der Kita schaffe.


    Tja, ich finde es ja auch immer toll, wie einfach das in der Theorie alles klingt, aber leider ist das in der Praxis nicht halb so unproblematisch wie dargestellt. Vielleicht bin ich auch einfach ein Sonderfall, weil ich keine Lust habe, mich im Kindergarten gegenüber anderen Eltern zu prostituieren, mit denen ich normalerweise nicht mehr als Hallo und Tschüß wechseln würde, weil ich ein oder zwei Mal im Jahr ihre Hilfe benötigen könnte und meine Kollegen meinen kurzfristigen Aufbruch nicht verkraften würden.


    Ich bitte doch dann aber darum, dass die kinderlosen Kollegen für den Notfall auch jemanden haben, der für sie zum Zahnarzt gehen kann. Ich finde es nämlich unzumutbar, mit dem Risiko zu leben, jemand könne unvermittelt einen Arztbesuch nötig haben. :=o