Langeweile auf der Arbeit, Erfahrungen? Tips?

    Ich hab mal eine Frage allgemein zum Arbeitsleben. Ich hab das Gefühl, bisher hab ich noch nie wirklich gearbeitet. Ich habe studiert und nach dem Masterabschluss dann in einem Job angefangen, wo ich schon als Student war. Damals hab ich mir gedacht, das ist wirklich chaotisch hier und zwar so sehr, dass ich dauernd genervt war. Es war wirklich 20 Jahre lang gewachsenes Chaos und man konnte immer nur die Symptome am Ende verschleiern. Richtig befriedigend war das nicht. Es hieß auch immer, es gibt ja so viel zu tun, die Aufgaben sind aber nie bei uns einfachen Mitarbeitern angekommen, weil davor schon so viel Chaos war, dass daraus einfach nichts entstanden ist. D.h. es gab sehr viel Zeit, in der ich rumsaß und ewig lange an einer Aufgabe rumgemacht habe, weil ich wusste, es muss nicht sofort fertig sein und dann gibt’s wieder nichts zu tun und man muss wieder suchen. Da ich neu war und mich im IT-Bereich noch nicht so toll auskannte, konnte ich mir auch nicht so schnell mal neue Aufgaben suchen. Das Produkt war auch sehr unansehnlich und unhandlich, weil es softwaretechnisch nie überarbeitet wurde, und das hat die Motivation auch runtergezogen.


    Also hab ich nach mehreren anderen Vorfällen, die eher auf die Unternehmensführung und der Umgang mit uns zurückzuführen waren, beschlossen zu gehen nach zwei Jahren. Hatte das Gefühl, mein Hirn ist dauerhaft auf Stand-By und in so einer Art Koma. Dann hab ich mir extra den IT-Consulting-Bereich gesucht, weil ich dachte, da geht’s richtig um was, Stress, viel lernen usw. Jetzt hab ich seit eineinhalb Monaten meinen ersten Einsatz und hab noch weniger zu tun als vorher, dafür allerdings 1000 netto mehr. Es gibt keine Deadlines, keine wirklichen operativen Aufgaben, kein Druck. Man könnte sagen, es ist ein bisschen wie während der Masterarbeit, wo man immer mal wieder was so 2 Stunden am Tag liest oder macht und in einem kleinen Anflug von Konzentration und Kreativität alles runterschreibt. Am Ende meiner Masterarbeit wurde mir gesagt, dass der Umfang eher 2 Masterarbeiten war (ich hab gefühlt pro Tag vllt 2 Stunden was gemacht durchschnittlich, allerdings hab ich mir auch 8 Monate Zeit gelassen), also mach ich mir jetzt nicht unbedingt Sorgen, dass ich extrem faul rüberkomme. Aber es ärgert mich einfach. Die Kollegen haben wohl schon etwas mehr zu tun, mein Teamleiter schläft aber glaub ich auch den halben Tag.

    Ich hab beschlossen, das Ganze positiv zu sehen, dass ich Zeit habe, langsam und ordentlich zu lernen. Was mir fehlt, ist allerdings, der Tritt in den Hintern. Vllt könnt ihr mir sagen, ob es euch auch mal so ging? Gibt’s hier Leute aus der IT Beratung? Ich hab beschlossen, die Methoden ordentlich zu verinnerlichen, es zu sehen wie im Studium, dass ich eben lerne und eventuell dann, wenn ich hier im Projekt thematisch besser durchblicke, vllt mehr machen kann, also eigene Ideen zur Optimierung einbringen und umsetzen. Hier ist das Projekt allerdings so extrem gut dokumentiert und aufgestellt, dass es tatsächlich auf den ersten Blick nicht besonders viel gibt, was man verbessert kann (Behörde...)


    Langsam hab ich das Gefühl, ich bekomme immer nur die Bullshit-Jobs. Außerdem hab ich Angst, dass ich vielleicht die Mitarbeiterin bin, die keine Aufgaben bekommt, weil sie als zu doof gilt oder die nichts kann. Letzteres kann aber jetzt auch nicht sein, meine letzte Firma wollte mir eigentlich eher immer mehr aufdrücken und Positionen zuschieben. Und hier wurde mir auch von den faulen letzten Kollegen erzählt, die rausgeworfen wurden und dass ich schon jetzt mehr gemacht hab als die (ich hab einfach nur den anderen Junior Consultant mit Fragen bombardiert, weil ich wusste, dass er geht und noch so viel Wissen wie möglich abgreifen?) Außerdem hab ich überlegt, mich persönlich privat weiterzubilden im Hinblick auf psychologischer Berater / Coaching, kann ja nicht schaden, interessiert mich sehr und dann benutz ich vllt auch mal wieder mein Hirn. Es fehlt mir einfach der Austausch, das Reden, Meetings,... wenn man den ganzen Tag nur sitzt und auf den Computer schaut, dann macht man ja irgendwie alles langsamer und sprechen und formulieren fehlt.

    Mir ist das dann auch etwas unangenehm, dass so viel staatliches Geld für mich verballert wird.


    Wie gehts euch mit euren Jobs? Kennt ihr die IT Branche auch so? Habt ihr eventuell Tips für mich?

  • 8 Antworten

    Ich kenne das leider auch! Die Verwaltung hat mich für viel Geld ausgebildet, bezahlte mir ein ziemlich gutes (staatliches) Gehalt und im Gegenzug musste ich mich etwa 90% meiner Arbeitszeit leider langweilen (das nennt sich Boreout, habe ich gelernt). Das waren ganz schreckliche Jahre! Ich war oft bei meinen Vorgesetzten und habe um mehr Aufgaben gebeten. Das ist leider nicht so gut angekommen und wurde mir negativ ausgelegt, denn alle anderen Kollegen haben (bei gleicher Arbeits"belastung") ständig und überall betont, dass sie viel zu viel zu tun hätten und gar nicht wüssten, wie sie das schaffen sollten (abgegeben haben sie mir trotzdem nichts). Manchmal haben mir die Vorgesetzten irgendwelche "Blödmannaufgaben" gegeben, um mich ruhig zu stellen. So richtig befriedigend war das natürlich auch nicht. Auch hier gab es eine miserable Organisationsstruktur, die kein Vorgesetzter in den Griff kriegen konnte/wollte.


    Irgendwann habe ich mich damit abgefunden, als Konsequenz dann Homeoffice beantragt und drei Tage in der Woche von zuhause aus "gearbeitet". Da ich kaum etwas zu tun hatte, habe ich mir die dienstlichen Aufgaben für die Präsenztage in der Dienststelle "aufgehoben" und während des Homeoffice meinen Haushalt erledigt und TV geschaut. Kurzzeitig habe ich auch überlegt, ein Fernstudium zu beginnen, denn Zeit hatte ich ja genug. Parallel dazu habe ich die Stellenanzeigen im Auge behalten und vor zwei Jahren dann endlich einen Dienstposten bekommen, in dem ich qualitativ und quantitativ optimal ausgelastet bin, bei dem die Strukturen gut funktionieren, wo ich einen Chef habe, der mein Potenzial erkennt und keine Schaumschläger als Kollegen.


    Gibt es in deiner Behörde denn die Möglichkeit, irgendwohin zu wechseln, wo du dich sinnvoller einbringen kannst?

    Das kenne ich auch! Ich habe eigentlich einen Beruf, der gemeinhin als „anspruchsvoll“ gilt, aber das gilt nur für bestimmte Phasen, die vielleicht 10% ausmachen. Heißt: ich langweile mich 90% der Zeit. Dabei muss ich 100% zeitlich flexibel sein, kann mir also nichtmal außerhalb des Jobs regelmäßig Dinge suchen, die mich erfüllen. Ein Rezept habe ich noch nicht gefunden, freue mich aber über den Faden:)D

    Ich arbeite auch bei einer Behörde. Bzw. ich habe auch keine Arbeit bei meiner Behörde.Habe dann auch vor 5 Jahren Homeoffice beantragt. Ich muss sogar nur noch einmal in der Woche für 2 bis 3 Stunden ins Büro. Habe dort auch schon lange keinen eigenen Arbeitsplatz mehr. Ich kann mich jetzt zu Hause perfekt auf mein in 15 Jahren beginnendes Rentnerleben vorbereiten. Wenn ich bedenke, was für eine Menge Schotter der Steuerzahler für mich bezahlen muss, habe ich aber ein sehr schlechte Gewissen.

    Murtel schrieb:

    Wenn ich bedenke, was für eine Menge Schotter der Steuerzahler für mich bezahlen muss, habe ich aber ein sehr schlechtes Gewissen.

    Ja, das kenne ich leider auch :-(

    Kein Wunder, dass Beamte oft das Image haben, faul zu sein. Dabei wollen wir ja gerne produktiv sein, werden aber daran gehindert :(v

    Hallo zusammen,

    Ich wollte mal fragen, wie es euch so ergangen ist das letzte Jahr. Hat sich an eurer Situation etwas geändert?


    Bei mir war es so, dass ich in der Behörde mich bemüht habe, ein zweites Projekt zu bekommen, zusätzlich zum ersten. Das hat auch geklappt, seit Januar habe ich zwei Projekte.

    Es war meistens OK mit der Arbeit so nach dee Einarbeitung eigentlich ab März bis August. Jetzt ist wieder nix zu tun im ersten Projekt und das zweite ist ins Rollen gekommen und plätschert so vor sich hin. Im Home Office kann man ja auch gut was anderes machen.

    Nebenbei suche ich nach Stellenanzeigen hier in der Stadt für den IT-Bereich. Ich hab allerdings auch schon von einigen Mitarbeitern der größeren Firmen z. B. Telekom mitbekommen, dass sie auch meistens auch so in den Tag reinchillen. Mittlerweile hab ich daher nicht mehr so große Angst, dass mich das nicht so viel tun an meiner Weiterentwicklung behindert, wenn das scheinbar gang und gäbe ist, auch außerhalb der Behörden.


    Ich versuche das Geld das ich bekomme eher so als Grundeinkommen zu sehen und kein schlechtes Gewissen zu haben. Bleibt einem ja fast nix anderes übrig

    Wieso solltest du ein schlechtes Gewissen haben wegen dem Geld? Du hast das ja nicht beschlossen, es ist nun mal so, dass du scheinbar gut Geld bekommst fürs Rumsitzen. Viele würden sagen, richtig gemacht ;-D


    Ich würde mir den Tag gut einteilen, sodass immer ein wenig Arbeit da ist. Soziale Kontakte mit Kollegen pflegen, Interesse zeigen, schlaubergerisch aus der Wäsche schauen und entspannt in der Feierabend starten ]:D An deiner Stelle würde ich da bleiben.

    Mir geht es ähnlich im Job. Oft ist es sehr ruhig.

    Ich tarne das (surfe halt viel im Internet) und bin froh dass ich keinen Stress habe.


    Habe allerdings von 38,5 auf 30 Stunden reduziert, so vergeht der Arbeitstag viel schneller.