Medizinstudium, aber Probleme mit Naturwissenschaften

    Hallo zusammen,


    Und zwar überlege ich mittlerweile, ob ich bald Medizin studieren soll. Dauert aber noch 2 Jahre, bis mein Abitur fertig ist (Abendschule). Ich bin Mitte 20 mittlerweile, werde so 27 sein, wenn ich mit dem Abi fertig bin.

    Ob ich Medizin wirklich studiere, weiss ich nicht genau, da ich wohl keinen 1,0 Schnitt schaffe, da ich starke Mathe- und Biologieprobleme habe. Was mich auch zu meiner Frage führt.


    Da hier sicherlich Mediziner unterwegs sind, frage ich mich halt schon, wie realistisch das für jemanden wie mich ist, solch ein Studium zu schaffen, wenn man zb schon in biologie in der Schule kaum die Zusammenhänge trotz viel lernen versteht? Mir gefällt der Gedanke, Menschen zu helfen, sie zu versorgen, zugegeben auch das Ansehen und der Verdienst. Würde, wenn ich in das Studium reinkommen würde, wohl ohnehin "nur" Assistenzärztin werden wollen, da ich mir glaub ich mit Mitte 30 zu alt wäre, um noch 5-6 Jahre Ausbildung dranzuhangen.


    Aber wie gesagt, vielleicht schaffe ich es ja nicht, weil ich hatte auch keine Lust, mit 27 die wartesemester abzuwarten. Mit meinen naturwissenschaftlichen Problemchen komme ich letztenendes wohl nicht unter 1,8 oder so (bio müsste ich leider zwangsweise als Lk nehmen, zählt also doppelt und ist mein schlechtestes Fach).


    Ansonsten würde mich noch Psychologie (problem ist dann wieder das gute Abitur, dass man schaffen muss und es ist ja sehr Mathelastig, wie ich gehört habe) interessieren, aber ansonsten nichts so wirklich an studienfächern.


    Wie sind denn eure Erfahrungen dazu? Meint ihr, dass jemand (rein theoretisch), der Probleme mit Naturwissenschaften und logischem Denken hat, ein medizinstudium schaffen könnte?


    Vielen Dank für eure Antworten. :)

  • 137 Antworten

    Wenn man biologische Zusammenhänge jetzt schon nicht verstehen kann, erübrigt sich doch allein schon der Gedanke an ein Medizinstudium, oder?


    Würdest du gerne zu einem Arzt In Behandlung gehen, der keinen Durchblick hat? Der komplexe Zusammenhänge nicht erfasst?


    Die romantische Vorstellung, lieb Patienten zu betüdeln ist nun fernab jeglicher Realität.

    Es geht um vermutlich knallhartes Können...


    Und Püschologie ? Hat viel mit Statistik zu tun, wenn du fertig bist, musst du noch kaum bezahlte Jahre dranhängen für eine Zusatzausbildung. Rechne mal 10 Jahre ohne Einkommen...

    Man merkt, dass du bisher nur eine grobe Vorstellung vom Medizinstudium hast. Du solltest dich auf jeden Mal nochmal gründlicher informieren.


    1. Zulassung: Wartesemester gibt es nicht mehr. Seit diesem Semester gibt es ein neues, komplexeres Zulassungssystem. Da spielen neben der Abiturnote noch einige andere Kriterien mit rein. Ein 1,0 Abitur ist (und war) nicht zwingend notwendig aber grundsätzlich gilt: je besser die Note, desto besser die Zulassungschancen.


    Im Detail kannst du dich über die Zulassungskriterien die einzelnen Universitäten unter hochschulstart.de informieren. Das Zulassungssystem ist sehr komplex und man sollte wirklich alles gründlich durchlesen.


    2. Studium: man muss kein Genie in den Naturwissenschaften sein. Die reinen Naturwissenschaften an sich (Biologie, Chemie, Physik) machen nur winzig kleinen Teil des Studiums aus. Die meistens Leute, die Schwierigkeiten in den Naturwissenschaften haben, haben diese weil sie schon mit einer "Oh-mein-Gott-ich-kann-keine Naturwissenschaften!!!111elf" - Einstellung an die ganze Sache rangehen und sich von vorne herein sperren obwohl die Naturwissenschaften im Medizinstudium weder besonderes anspruchsvoll sind noch ein wirklich relevantes Hindernis darstellen.

    Mathe an sich ist im Studium noch geringer vertreten und kommt als eigenständiges Fach gar nicht vor. Kein Vergleich zu dem, was einem im Psychologiestudium erwartet.

    AAAABER: Es macht einem das komplette Studium sehr, sehr, sehr viel leichter wenn man ein naturwissenschaftliches Grundverständnis hat und sich naturwissenschaftliche Zusammenhängen erschließen kann. Ja, man kann den ganzen Mist auch einfach stumpf auswendig lernen aber das macht einem das Leben einfach unfassbar schwer und kostet sehr, sehr viel Zeit, die man sinnvoller Nutzen kann. Wenn man ein Verständnis vom Großen und Ganzen hat, ist nicht nur das Studium sondern auch das spätere Berufsleben leichter. Medizin ist unterm Strich halt auch nur eine Naturwissenschaft.


    3. Arzt sein:

    Es gibt kein "nur" Assistenzarzt. Jeder, der das Medizinstudium beendet, ist im Anschluss Assistentarzt und man beginn automatisch mit der Facharztausbildung. Das ist einfach der Lauf der Dinge und keine aktive Entscheidung. Man entscheidet sich für ein Fach, arbeitet in diesem Fach und sammelt dabei Eingriffe, Untersuchunge, Erfahrungen. Je nach Fachgebiet macht nach 5-6 Jahren Facharztprüfung und ist danach spezialisiert auf ein Fachgebiet.


    In den Assistenzarztjahren arbeitet man ganz normal und eigenständig, bekommt ein volles Gehalt und halt sämtliche Pflichten und Rechte eines Arbeitnehmers. Man kann nicht einfach sagen, dass man "nur" Assistenzarzt sein soll und keine weitere Ausbildung machen. Man wird automatisch ausgebildet und je länger man arbeitet desto mehr lernt man dazu. Kein Arzt kann am Ende eines Studiums genug um von Anfang an alleine und komplett selbstverantwortlich zu arbeiten. Man hat immer Fach-, Ober- und Chefärzte im Hintergrund, die einen ausbilden und zur Seite stehen.


    Kein Mensch wird gezwungen jemals zur Facharztprüfung anzutreten. Man kann auch ewig als Assistenzarzt arbeiten aber davon hat man nur Nach- und keinerlei Vorteile. Man wird ewig an der "Front" verheizt, wird niemals komplett eigenständig arbeiten.

    Für manche Dinge ist eine absolvierte Facharztprüfung auch Vorraussetzungen und es gibt Dinge, die müssen immer Fach- oder Oberärztlich abgesegnet werden. Auf finanziell hat man als ewiger Assistenzarzt nur Nachteile.Eine Facharztausbildung hat auch mit dem Alter nichts zutun sondern ist einfach der normale Lauf der Dinge nach dem Studium. Es macht keinen Unterschied ob man als Assistenzarzt jemals die Facharztprüfung machen will oder nicht. Der Job/Aufgabenbereich des Assistenzarzes ist immer gleich.


    Also wenn Oberstufen-Biologie schon Probleme macht, dann würde ich wirklich abraten. Man muss kein Genie sein für ein Medizinstudium (eine Freundin von mir hatte "nur" ein Abi mit 2,7, dann Ausbildung, Wartezeit,... - mittlerweile promovierte Fachärztin für Intensivmedizin einer Uniklinik), aber sollte für biologischen Zusammenhänge schon Verständnis aufbringen.

    Da mittlerweile etliche Unis wieder zu individuellen Einstufungstests laden, dürfte spätestens dann für Dich eine Grenze erreicht sein, gerade wenn es auch nicht auf ein Abi mit 1,x hinausläuft.

    Zudem ist "nur" Assistenzärztin keine Perspektive. JEDE Klinik wird früher oder später den Facharzt erwarten oder zumindest die Teilnahme an der Qualifikation. Immerhin arbeitest Du dann regulär! Aber niemand ist auf Dauer interessiert an Menschen, die ständig die Verantwortung an Fach-/Oberäzte abgeben, nach dem Studium nicht an formeller Weiterbildung interessiert sind. Und zudem stellt sich die Frage, ob Du dann den Rest Deines Berufslebens als kleiner Assistenzarzt verbringen willst und Dir mit 60 dann 30jährige sagen was Du zu tun hast. Und für Dich als verantwortlicher Fach-/Oberarzt den Kopf hinhalten.


    Und Psychologie:

    Zugang ähnlich schwierig. Und dann? Welche Richtung? Therapeutisch? Da wurde gerade erst refomiert und die sauteure Weiterbildung nach dem Master in einen separaten Studiengang umgewandelt. Details habe ich gerade nicht auf dem Schirm. Jedenfalls musst Du da SOFORT entscheiden, welche Richtung es sein soll. Als ich 2000 mine Studium aufgenommen habe, gab es noch das Diplom. Man konnte 2 Schwerpunkte setzen - und hinterher fasst alles werden, von Therapeut bis Unternehmensberater oder Statistiker. Und ja, der Mathe- (bzw. Statistik-)Anteil in der Psychologie ist ordentlich. Ich hätte fast Mathe-LK genommen, hatte im Grundkurs durchgängig 14-15 Punkte - und musste mich dennoch durchbeißen. Mir hat es Spaß gemacht, ich mag Zahlen, ich habe danach länger wissenschaftlich gearbeitet, große Datenbanken aufgebaut und Analysen gerechnet. Aber es war noch anspruchsvoller als Oberstufen-Mathematik. Den Rest des Faches kann man sich erschließen, aber auch hier spielen Physiologie etc. eine Rolle. Pharma-Kram gehört nämlich auch dazu.



    BenitaB.

    Stop! Die Psychotherapie-Ausbildung wird refomiert in einen grundständigen Studiengang "Psychotherapie". Die Details (auch was Kosten angeht,...) kenne ich noch nicht, aber es soll besser werden. Angeblich.

    Aber ja, Stand jetzt: Bachelor mit klinischer Psychologie. Dann Masterstudienplatz in KlinPsych ergatter & Master. Dann Psychotherapeutenausbildung, mind. 3,5 Jahre. Mind. 20.000€ (eher mehr, 25.000-30.000€). In Ballungsgebieten 18 Monate unbezahlt arbeiten für die Pflichtstunden in Klinik/Ambulanz. Bei mir hat es 12,5 Jahre gedauert von Studienstart bis Approbationsprüfung. Am Anfang war ich 27, approbiert dann mit 40. Rückblickend würde ich den Weg so nicht mehr gehen, sondern Medizin studieren und dann Psychiatrie/Psychosomatik anstreben. Dann verdient man von Anfang an normal, hat keine Ausbildungskosten, einen anderen Stellenwert.

    Ich studiere aktuell im 10 Semester in Regelstudienzeit, habe mit 26 Jahren angefangen und hatte in Mathe immer unterirdische Noten. Bio war bei mir Lehrerabhängig. Ich gebe Liverpool recht! Man fängt von Null an, selbst die größten Luschen schaffen es.


    Realistisch 99%! Deine Zulassungschancen sind trotzdem aktuell mies ohne einen verdammt guten TMS usw. Du solltest dich dringend über die Zulassungsbedingungen informieren. Warten ist eh nicht mehr drin.


    Und Psycho hat viel Mathe. Dagegen hast du bei uns mal ein Dreisatz. Mehr habe ich bisher nicht gebraucht. Wichtig ist da mehr fleiß und der Wille es durch zuziehen.

    Najona_21 schrieb:

    Mir gefällt der Gedanke, Menschen zu helfen, sie zu versorgen, zugegeben auch das Ansehen und der Verdienst.




    Sind das wirklich Gründe, um Medizin zu studieren?


    Menschen helfen kann man auch in anderen Berufen, und das Ansehen im Ärzteberuf ist auch kein Grund mehr, die Zeit der "Halbgötter in weiss" ist bald vorbei. Der Verdienst ist bei einem Assistenzarzt auch nicht berauschend, besonders im Vergleich zur Arbeitszeit.


    Ich habe das Abitur (Matura) auch noch vor mir. Aber wenn ich mal Medizin studiere, dann besonders auch weil mir das Fach Biologie so gefällt.

    Menschen helfen möchte ich natürlich auch, oder jedenfalls nicht schaden ;-D

    In Medizin ist Biologie schon wichtig und man muss komplexe Zusammenhänge verstehen können.


    Auch wichtig ist organische Chemie. Ohne das kommst du nicht weit.


    Bei Narkosen musst du mathematischen Formeln verstehen und anwenden können.


    Also von was du schreibst, bist du genau falsch.

    Ich glaube zwar, dass man auch mit Bio-Schwäche das Medizinstudium schaffen kann (da kommst du mit Auswendiglernen schon recht weit, denke ich), aber ich verstehe überhaupt nicht, wie man auf die Idee kommt, Ärztin zu werden, wenn man Bio nicht mag / nicht kann.

    Geld und Ansehen kriegst du auch als Anwältin, Steuerberaterin oder Architektin.

    Den Menschen "helfen" zu wollen - gänge auch als Physiotherapeut, Ergotherapeut, Logopäde, ...


    ABER: Auch bei diesen Ausbildungsberufen - wobei zunehmend auch ein Studium möglich ist - spielt Biologie, das Verständnis von Zusammenhängen im Bereich des Körpers eine Rolle. Bei den Studiengängen spielt das auch eine Rolle, dort wird wohl aber auch Mathematik eine große Rolle in Bezug auf Forschung/Erprobung einnehmen.


    Was wäre mit Sozialarbeit?

    Das geht ja in eine etwas andere Richtung - man hilftvden Menschen ja auch, wenn nicht unbedingt körperlich.

    Musste jetzt ein wenig schmunzeln:


    Ein Bekannter von mir wollte zeitlebens Arzt werden .. alles war darauf ausgerichtet. Er hatte erstklassige Noten, Ehrgeiz usw... bis auf die erste Woche seines Studiums. Als der Pathologe den ersten Schnitt tat, lag er flach. Auch so kann es gehen.


    Im Übrigen ist er jetzt Staatsanwalt... hat somit auch alles was dir wichtig ist.

    Biologie wichtig? Nö. Biologie ist ein riesiges Feld und nicht umsonst auch ein eigener Studiengang, der mit Medizin nur geringe Überschneidungen hat. Die Biologie, die geprüft wird, ist grundlegendes Oberstufenniveau und meistens innerhalb der ersten zwei Semester abgehakt.


    Organische Chemie hat mich auch nach dem Bestehen des Physikums (vor mittlerweile 6 Jahren) nicht mehr wirklich tangiert und spielt für meine ärztliche Tätigkeit keine Rolle.

    Mathe für Narkosen? Grundrechenarten zum ausrechnen von Medikamentendosierungen. Die man im Zeitalter von Smartphones jederzeit in der Taschenrechner eintippen kann und bei regelmäßiger Anwendung ohnehin bald auswendig kann und oft individiell anpasst und nicht Miligrammgenau verabreicht. Und kein Arzt muss zwingend Narkosen machen, man kann sich auch andere Fachgebiete suchen.

    Dorfnixe schrieb:

    Ich glaube zwar, dass man auch mit Bio-Schwäche das Medizinstudium schaffen kann (da kommst du mit Auswendiglernen schon recht weit, denke ich), aber ich verstehe überhaupt nicht, wie man auf die Idee kommt, Ärztin zu werden, wenn man Bio nicht mag / nicht kann.

    Geld und Ansehen kriegst du auch als Anwältin, Steuerberaterin oder Architektin.

    :)^


    Machbar ist es auf jeden Fall und eine Medizinstudium fordert noch lange kein allwissendes Superhirn sondern ist einer der Studiengänge, in denen man mit Fleiß und Willen viel erreicht kann. Eben weil man viel einfach auswendig lernen kann und wenig verstehen muss. Macht natürlich weder das Studium noch den Beruf einfacher.


    Aber ich stimme Dorfnixe da zu: Die Gründe, die für dich ein Medizinstudium interessant machen, spreche nicht unbedingt für Medizin. Vor allem wenn man keinen Draht zu Naturwissenschaften hat. Da gibt es andere Bereiche, die ebenfalls Geld, Ansehen und in gewissem Maße auch "Gutes tun" beinhalten und weniger Überschneidungen mit den Fächern haben, die dir nicht liegen. Ein Medizinstudium ist vor allem zäh und der Weg auch nach Beendigung des Studiums lang und anstregend.

    Sommersonne80 schrieb:

    Musste jetzt ein wenig schmunzeln:


    Ein Bekannter von mir wollte zeitlebens Arzt werden .. alles war darauf ausgerichtet. Er hatte erstklassige Noten, Ehrgeiz usw... bis auf die erste Woche seines Studiums. Als der Pathologe den ersten Schnitt tat, lag er flach. Auch so kann es gehen.


    Im Übrigen ist er jetzt Staatsanwalt... hat somit auch alles was dir wichtig ist.

    Danke für den Lacher;-D


    Das ist ja filmreif. Da hätte ich gerne Mäuschen gespielt.

    Ja heute lacht er auch .. damals ist eine Welt zusammengebrochen.


    Aber er hat sich schnell gefangen und Plan B ist aufgegangen.

    Sommersonne80 schrieb:

    Ja heute lacht er auch .. damals ist eine Welt zusammengebrochen.


    Aber er hat sich schnell gefangen und Plan B ist aufgegangen.

    Klar, das war sicher hart...


    Aber besser als wenn es noch später passiert wäre. So konnte er ja noch schnell umschwenken und das wird nicht nur ihm so gegangen sein. Pathologie ist mit Sicherheit für so einige der Punkt an dem abgebrochen wird.


    Auch wenn ichs schon seltsam finde... Ist es nicht klar, dass man als Arzt auch mit dem Tod umgehen können muss und auch mit toten Körpern?


    Ich stelle es mir zumindest schwierig vor als Arzt da Beruhrungsangste in Sachen (lebendige oder tote) Körperlichkeit zu haben...


    Gut, dass er auf Jura umgeschwenkt ist und das unter Lebenserfahrung verbuchen konnte.