Mein Downshifting-Faden - der Weg in einen neuen Lebensabschnitt

    Hallo zusammen. Dieser Faden wird mich wohl eine ganze Weile begleiten - vielleicht sogar einige Jahre. Konkrete Fragen werden vermutlich gar nicht auftauchen, aber irgendwo zwischen den Zeilen stecken, auch wenn sie vielleicht in erster Linie an mich selbst sind. Aber natürlich ist jeder Input im Sinne eurer Kommentare oder Erfahrungsberichte ausdrücklich erwünscht, um meine Gedankenlandschaft zu bereichern. Vielleicht bietet sich hier sogar Platz für Fragen anderer, die sich möglicherweise ähnliche Gedanken machen.


    Um was geht's: Downshifting ist ja ein Trend, die berufliche Auslastung zu reduzieren und Lebensqualität zu gewinnen. Mein nächster Geburtstag läutet die 50 ein - ein Alter, von dem ich jung und kühn mal geträumt habe, vielleicht sogar schon ganz auf die Lohnarbeit verzichten zu können. Dass dies relativ utopisch ist, muss ich nicht weiter erläutern, und auch ich muss mich den Realitäten stellen ;-) . Ich habe also noch ein paar Jahre vor mir. Es ist aber schon klar, dass ich nicht bis zum gesetzlichen Rentenalter arbeiten werde. Ein früherer Ausstieg war und ist für mich immer noch ein Ziel.


    Meine berufliche Karriere war ungeplant, aber ich habe sie willkommen geheißen und ich hatte das unglaubliche Glück, in meinem Arbeitsgebiet relativ große Ziele zu erreichen. Ich habe einen eigenen Fachbereich in unserem Konzern begründet, als ich Ende 20 war. Man traute mir das zu, und ich habe die Chance ergriffen. Dieser Bereich wuchs, neben der fachlichen Leitung übernahm ich auch die personelle Leitung, und bald blicke ich auf 20 Jahre zurück, die ich als Vorgesetzter schaltete und waltete, und nebenbei noch Technologien mitbegründete, die unsere Konzern-IT maßgeblich mit prägten. Ich habe mir einen Namen gemacht (auch wenn ich nicht jedermanns Freund sein konnte/wollte), und stets aus Überzeugung gehandelt. Rückblickend bin ich schon stolz darauf.


    Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass zunehmende Verantwortung mich immer weiter von dem wegführt, was ich fachlich und leidenschaftlich tue. Mit wachsender Größe meines Bereichs wurde das Thema Personalführung immer anspruchsvoller und drängte das Ausleben meiner fachlichen Expertise immer weiter in den Hintergrund. Meine Kollegen machen mittlerweile die Arbeit und lösen Probleme, mit denen ich mich selbst immer gern beschäftigt habe. Ich koordiniere, organisiere, leite, sitze in Besprechungen und Gremien, betreibe Qualitätssicherung. Ich merkte schon vor einigen Jahren, dass mein Zenith erreicht ist und die Balance drohte zu kippen. Um nicht dem Peter-Prinzip anheimzufallen, habe ich zwei weitere Beförderungsangebote ausgeschlagen.


    So halte ich diesen/meinen "Zenith" nun schon einige Jahre auf gleichem Level und ich stehe zu meinem Entschluss, dass ich den Höhepunkt meiner Karriere mit Mitte/Ende 40 eingefroren habe. Damit war ich lange zufrieden. In letzter Zeit meldet sich aber in mir immer öfter eine Stimme, die mir sagt, dass man nach jedem Gipfel auch irgendwann mal wieder absteigen sollte, weil das Erreichte ausreichend genossen wurde, aber nun nichts Neues mehr bietet. Ich möchte mich auf neue Gipfel konzentrieren, aber nicht mehr im Berufsleben. Daher fange ich an, konkret über die Gestaltung meines Rückzugs nachzudenken, der sich sicherlich über einige Jahre hinziehen wird, aber ich möchte anfangen, ihn zu gestalten und mir sowie meinem Abteilungsbereich (zu dem ich emotional ja als Gründer eine starke Bindung verspüre) Perspektiven aufbauen, die den Interessen beider Seiten gerecht werden.


    So viel erst einmal für eine grobe Einführung - die Initialisierung einer Reise, auf die ich mich begeben möchte. Ich werde später nochmal ausführlich über die aktuelle Situation und Details eingehen und alles noch etwas ergänzen, wofür mir jetzt die Zeit gerade nicht reicht. Auch wenn sicher noch keine Antworten auf diesen Start-Beitrag kommen, freue ich mich über Leser, die diesen Weg von Anfang an verfolgen möchten. @:)

  • 87 Antworten

    Das klingt alles sehr pathetisch. So als würdest du nach dem tieferen Sinn des Lebens suchen und den nicht in der Arbeit bzw. der Jagd nach dem Ruhm und Geld sehen.

    darum geht es doch


    keine neuen Gipfel erklimmen, sondern sich auch an Tälern oder weniger hohen Bergen erfreuen ...

    ich bin dabei...jedenfalls hier bei dir. Bis zu meinem Downshifting dauert es wohl noch,bin ja "erst 38" aber in Planung ist dieses Projekt auch bei mir. Ich hatte auch so an 50-55 Jahre gedacht.


    Ich verfolge deinen Faden also gespannt und hoffe sogar dadurch noch etwas zu lernen.

    @ :) @:) @:) @:)

    Das klingt nach einer großen Herausforderung.


    Meine erster Gedanke ist, dass Du einen Nachfolger finden und diesen einarbeiten musst. Da Du planst, Deiner Abteilung verbunden zu bleiben finde ich es besonders wichtig, dass Du Deinem Nachfolger relativ schnell ermöglichst, seine eigenen Entscheidungen zu treffen. An irgendeinen Punkt wirst Du die Verantwortung ja komplett abgeben müssen und das stelle ich mir sehr schwer vor, wenn Du noch vor Ort bist. Bist Du dafür wirklich bereit? Gibt es überhaupt jemanden, dem Du diese Rolle voll und ganz zutraust? Darfst Du denjenigen auswählen?


    ??Du solltest darauf achten, dass dieser nicht nur fachlich kompetent ist, sondern besonders in Sachen Personalführung und Koordination/Organisation fit ist. Bei uns gibt es einige Abteilungsleiter, die "früher mal" auf Grund ihrer Fachkenntnisse Verantwortung übernommen haben, aber in Sachen Personalführung wirklich schlecht sind.??


    Generell denke ich, dass es viele Möglichkeiten gibt, Dich wieder mehr auf's Fachliche zu konzentrieren. Vielleicht kannst Du Deiner Abteilung weiterhin als Experte zur Verfügung stehen und Dich innerhalb der Projekte dort bewegen, wo Du gerade am besten gebraucht wirst. Eventuell kannst Du auch einen Schritt "seitwärts" gehen und in einer Art Vorentwicklung tätig sein, wo neue Produkte konzipiert werden.


    Ich bin jedenfalls gespannt, wo Dein Weg Dich am Ende hin führt und werde diesen gespannt mitverfolgen.

    Ich lese da ganz viel loslassen heraus . Meine Erfahrung ist, das Mann wenn die Zahl 50 anklopft da anfängt vieles zu hinterfragen. Ist Mann glücklich, was hat man erreicht, welche Ziele, Wünsche und Träume gibt es ?


    Ist das eventuell auch ein Grund oder habe ich da vielleicht was missverstanden?


    Ich bin jedenfalls auch gespannt wohin dich deine Reise führt.

    Ich bin sehr gespannt, was du mit der dann gewonnenen Zeit anfangen wirst. Ich plane zwar kein downshifting oder früher aufzuhören, aber irgendwann wird die Zeit "nach dem Beruf" kommen. Ich beobachte andere in dieser Phase inzwischen interessiert, und frage mich, was ich dann so machen werde.

    Hallo,


    vielen Dank für die ersten Beiträge, obwohl ich ja bisher erst mehr zurückgeblickt habe als in die Zukunft geschaut.


    Plüschbiest, interessant, dass du Pathos herausliest. Ich habe mich das danach auch gefragt, ob ich pathetisch bin. Nein, eher nicht. Eher will ich mich vor mir selbst rechtfertigen. Und nein, ich suche nicht den Sinn des Lebens - ich habe eine sehr konkrete Vorstellung vom Verlauf meines Lebens, die sich nicht jetzt plötzlich geändert hat. Uns (also mir und meiner Frau) war immer ein Anliegen, dass wir arbeiten, um zu leben. Nicht umgekehrt. Und wir sehen viele erfüllende Alternativen und werden nicht nach der Arbeit in ein Loch fallen. Ich habe den Faden auch absichtlich ins Beruf-Unterforum gesetzt, weil es mir tatsächlich um Veränderungen im Beruf geht nach relativ langer Zeit. Warum will ich mich vor mir selbst rechtfertigen? Trotz dieser Einstellung zum Beruf bin ich ein sehr verantwortungsbewusster Mensch. Ich kann nicht emotional einfach etwas hinwerfen, was ich mit aufgebaut habe. Ich suche den geregelten Ausstieg und nicht den "Verrat".


    Vielleicht hole ich noch ein bisschen aus, nicht dass man mir eine Midlife-Crisis unterstellt :-) . Tatsächlich besteht mein Lebensziel aus kreativen Dingen und Genuss. Ich bin ein aktiver Mensch und mache schon heute neben dem Beruf eine Menge Dinge. Ich mache Musik, filme und fotografiere, vieles davon auch gewerblich (aber ohne Zwang, solange das Finanzamt am Ende eine schwarze Null sieht). Ich habe mich auch schon an einem Buch probiert (was ich im Ruhestand mit mehr Zeit definitiv wieder aufgreifen möchte). Der gute Verdienst (sowohl meine Frau als auch ich haben Führungspositionen im Unternehmen) und unsere nachhaltige Lebensweise ermöglichen glücklicherweise einen früheren Ausstieg aus dem Berufsleben, ohne dass wir uns anschließend als Lebenskünstler durchschlagen müssen. Finanziell müssen wir uns keine Sorgen machen und unser Lebensstandard wird nicht sinken. Das ist ein Geschenk, was wir sehr schätzen und was nicht selbstverständlich ist. Daher haben wir nie so gelebt, dass wir unser Einkommen sinnlos verschleudern, sondern alles, was wir nicht brauchen, in zukunftssichernden Projekten angelegt. Unser Lebensziel war nie Reichtum, sondern Zeit (anstatt bis 67 einfach durchzuarbeiten und zu konsumieren). Und die möchten wir in paar Jahren ernten.


    BesagteFrau, genau das sind die Gipfel, die folgen sollen: das Gefühl zu haben, wieder komplett über unsere Zeit selbst zu verfügen. Uns mit unseren Hobbies und Leidenschaften vollends ausleben und aus dem Vollen schöpfen. Dinge wie Bücher schreiben ausprobieren. Mich musikalisch weiterentwickeln. Wir streben auch ehrenamtliche Tätigkeiten an und haben da schon einige Vorstellungen (bei mir wird es vermutlich der regionale Hospizverein sein). Das sind alles völlig andere Gipfel, die nichts mehr mit dem Lebensunterhalt zu tun haben.

    blucapart, für dich mache ich eine eigene Antwort auf, weil du die Brücke wieder zum eigentlichen Thema schlägst. Und viele Dinge ansprichst, die mitunter ein Grund für meine Überlegungen sind.

    Zitat

    An irgendeinen Punkt wirst Du die Verantwortung ja komplett abgeben müssen und das stelle ich mir sehr schwer vor, wenn Du noch vor Ort bist. Bist Du dafür wirklich bereit?

    Ja, bin ich. Und ich habe auch mit meinem Vorgesetzten immer offen darüber gesprochen, dass ich nicht mit Personalverantwortung in den Ruhestand gehen möchte. D.h. ich will die Leitung in ein paar Jahren abgeben und mich dann tatsächlich nur noch fachlich einbringen.

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    Gibt es überhaupt jemanden, dem Du diese Rolle voll und ganz zutraust? Darfst Du denjenigen auswählen?

    Jetzt kommst du zu einem ganz wunden Punkt. Diese Gedanken habe ich mir schon 2-3 Jahre gemacht. Ja, ich kann die Leute maßgeblich aussuchen. Das Problem ist, dass unser Bereich ziemlich nerdig besetzt ist. Führungskompetenz, kommunikatives Geschick und Motivationskünstler findet man in unseren Reihen nicht gerade reichlich besetzt. Ich hatte einen Kollegen, der Ambitionen hatte und den ich als meinen Nachfolger betrachtet habe. Er wurde in diese Richtung auch aufgebaut, hatte sich aber letztes Jahr entschieden, den Bereich zu wechseln. Es gibt zwei weitere Kandidaten, die beide fachlich gefördert wurden und bei einer Person darunter habe ich auch das Gefühl, dass sie auch imstande ist, meinen Bereich zu leiten. Die andere Person sollte mich parallel fachlich entlasten. Die aktuellen Entwicklungen mit diesen beiden Personen waren letztendlich auch ursächlich dafür verantwortlich, dass ich mich gerade wieder ganz stark gedanklich mit meinem Ausstieg beschäftige und auch diesen Faden eröffnet habe. Wir haben nämlich diese Aufbauarbeit ganz konkret verfolgt und offen mit den beiden Kollegen gesprochen, sie gefördert und auch Zeitplanungen für Beförderungen mit Titel gemacht. Person A hat seit einigen Wochen schon einen Titel, Person B hätte ihn im Herbst bekommen sollen. Ich war total happy, wir waren personell komplett und hatten eine gesunde Perspektive an Führungskräften unterschiedlicher Art. Eigentlich rundum sorglos.


    Wie das Schicksal nun will, hat sich wieder alles geändert. Person A hat starke Veränderungen im Privatleben durch Nachwuchs und Todesfälle und es ist aktuell nicht ganz absehbar, ob dies Auswirkungen auf die weitere berufliche Laufbahn hat. Person B hat gesundheitliche Probleme und hat aus eigenem Antrieb kürzlich entschieden, auf die Führungslaufbahn zu verzichten.


    Schlimmstenfalls bedeutet das, dass ich wieder da stehe, wo ich vor einem Jahr schon stand. Ich muss Verantwortungen wieder neu verteilen, Arbeiten umschichten, und habe eine sehr wackelige Perspektive, in welche Hände ich meinen Bereich in 2-3 Jahren mal legen kann. Nichts ist sicher.


    Das eine Extrem bedeutet, dass ich einfach durchleite bis zum letzten Arbeitstag. Das andere Extrem wäre, dass ich auch ohne Ersatz einfach meine Führungsaufgabe zurückgebe und unser Bereich dann kommissarisch mehr oder weniger verwaltet wird, möglicherweise sogar abgewickelt. Beides will ich nicht, aber auch bei einer Lösung dazwischen ist mir klar, dass meine Veränderungswünsche Konsequenzen haben werden. Ich kann natürlich auch darauf hoffen, dass Person A in 2-3 Jahren das Privatleben wieder in ruhigen Bahnen hat und belastbar genug für weitere Verantwortung ist. Aber aktuell hat es was von Pokern, und ich fühle mich unvorbereitet.

    Hallo Comran @:)


    Das Leben ist ja ein Komplex aus verschiedenen Säulen, auf denen es ruht. Wird eine Säule schwächer, kommt es auf die Tragfähigkeit der verbleibenden an, ob es anfängt zu kippeln. Bisher hast Du uns Einblick in Deine berufliche Haupttätigkeit gegeben.


    1) Wie steht Deine Partnerin zu Deinen Überlegungen?


    2) Warst Du nicht auch im tontechnischen Bereich unterwegs? Vielleicht könntest Du diesen Bereich dadurch etwas stärken?


    LG (und einen schönen Sonntag!) *:)

    Zitat

    Was hast du dir denn für eine zeitliche Perspektive für deinen Teilausstieg gesetzt?

    In 2-3 Jahren wollte ich die Personalführung komplett abgeben. Da schwimmen mir momentan die Felle davon, das ist mein Hauptproblem, dass ich mit den aktuellen Entwicklungen vermutlich niemand in diese Richtung konkret aufbauen kann. Und ob der eine Kollege dies in 2-3 Jahren übernehmen kann/wird, steht in den Sternen.


    Ab Mitte 50 würde ich vielleicht auch die Arbeitszeit verringern, aber auch schon ganz konkret über einen Kündigungstermin nachdenken. Ich möchte definitiv vor 60 komplett in den Ruhestand. Ob das mit 55 der Fall ist oder mit 58, das weiß ich noch nicht so genau.


    Das "Wie" ist genau die spannende Frage, wie gestalte ich das, was macht es mit mir (zumal der ideale anvisierte Weg mit meinen zwei Nachzüglern nicht so funktioniert wie geplant), wie egoistisch werde ich sein (möglicherweise auf Kosten des Teams), wird es meinen Bereich dann überhaupt noch geben (wo ich dann 20 Jahre Herzblut hineingesteckt habe).

    Zitat

    1) Wie steht Deine Partnerin zu Deinen Überlegungen?

    Wie gesagt ist es unser Plan. Wir machen das gemeinsam und werden auch gemeinsam kündigen. Der Unterschied ist, dass meine Frau ihre Führungsaufgaben vermutlich nicht abgeben wird. Sie wurde kürzlich nochmal befördert, während ich weitere Beförderungen nicht mehr in Betracht gezogen habe. Sie arbeitet aber auch in einem deutlich größeren Bereich, wo man mehr Chancen hat, neue Führungskräfte zu rekrutieren. Sie versteht aber auch, dass ich als Spezialist mit fachlicher Verantwortung die personelle Verantwortung zunehmend als Belastung empfinde und diese frühzeitig reduzieren möchte.

    Zitat

    2) Warst Du nicht auch im tontechnischen Bereich unterwegs? Vielleicht könntest Du diesen Bereich dadurch etwas stärken?

    Klar werde ich das tun. Aber nicht unter dem finanziellen Aspekt. Das Ziel ist klar, der Weg dahin ein emotionaler und verantwortungsbewusster Spagat, da ich eben der Meinung bin, dass ich "meinen Leuten" was schulde und sie in beste Hände geben möchte.

    @ Comram

    Ich will dir nur mal mitteilen, wie schön ich dein Verantwortungsbewusstsein finde und was für eine unglaublich angenehme und besonen Ruhe von deinen Beiträgen in diesem Faden ausgehen. Das berührt mich richtig und macht für mich seit langem mal wieder vorstellbar, festangestellt in einer Firma zu arbeiten, vielen Dank @:)

    Hallo Comran,


    ich hatte ja schon befürchtet, dass das Hauptproblem die Nachfolge betrifft. Schade, dass alles schon so schön geregelt war und jetzt in sich zusammen fällt. Du wirst wohl nicht umhin kommen, Dich weiter umzusehen. Habt ihr im Konzern vielleicht ein Traineeprogramm oder Talentpool, wo Du fündig werden könntest?


    Bei uns findet aktuell auch ein größerer Führungswechsel statt und viele jüngere Leute zwischen 30 und 40, meist ehem. Trainees, bekommen ihre Chance. In vielen Fällen ist das wirklich gut, weil damit zwar Chefs mit weniger tiefer fachlicher Tiefe nach kommen (einfach weil ihnen 10 oder 20 Jahre Erfahrung fehlen), aber häufig geht es im Bereich Kommunikation und Personalführung steil bergauf. Teilweise sind diese erst seit 6-7 Jahre in der Firma bis sie über mehrere Schritte zum Chef von 50-100 Leuten werden, aber aus meiner Sicht machen sie ihre Sache oft sehr gut. Sie nehmen sich selbst nicht so wichtig wie die "alten" und vertrauen viel auf die Erfahrung der Stammmannschaft. Wir haben auch einen neuen Chef bekommen und seitdem arbeiten wir viel "freier" und mit weniger Druck, weil wir nicht jede Entscheidung nochmal mit ihm durchkauen müssen. Der alte Chef wollte immer und überall dabei sein und das letzte Wort haben. Er war fachlich unglaublich gut, aber ich hab nie echtes Vertrauen gefühlt. Der neue Chef sagt quasi "ihr macht das seit 15 Jahren so, ihr kennt euch besser aus als ich - bei wichtigen Entscheidungen ladet mich bitte ein, aber euer daily business macht ihr bitte selbst!". Was ich damit sagen will und oben schon angedeutet habe: Vielleicht muss derjenige gar nicht aus Deinem Team kommen, sondern kann neu rekrutiert werden.


    Ich denke wirklich, dass Du diese 2-3 Jahre abwarten musst, ob Person A oder Person B Dir doch noch nachfolgen können oder Du eine Person C finden kannst. Ich war nie wirklich scharf auf Karriere und genieße es sehr, dass ich nicht unersetzlich bin, aber ich kann Dein Dilemma glaube ich gut nachvollziehen. Wenn man unsere Produktlinie einstellt oder gar unsere Abteilung auflöst und die Leute umverteilt wäre ich auch schwer getroffen. Ich glaube ohne Dein "Baby" in guten Händen zu wissen, wirst Du nicht wirklich glücklich in den Ruhestand gehen können, oder?