Meine Mutter will...

    Hallo liebe Forengemeinde,


    Long story möglichst short: Meine Eltern haben sich getrennt, als ich etwa drei Jahre alt war. Meine Mutter hat mich damals bei meinem Vater gelassen und ist 500 km weit weg gezogen. Meiner Halbschwester ging es ähnlich. Auch da ist sie lieber geflüchtet. Ich versuche wirklich neutral zu schreiben, aber vielleicht gelingt mir das nicht immer. Aktuell wohnt sie 200 km weit von meinem Wohnort entfernt, alleine auf dem platten Land. Schon vor Jahren habe ich versucht ihr klar zu machen, dass es einfacher wäre, sie würde in die Nähe ziehen da sie ja nicht jünger wird und mein Halbschwester und ich ihr dann zur Hand gehen könnten. Wollte sie nicht. Sie möchte in einem freistehenden Haus leben, ohne direkte Nachbarn und ihre Katzen müssen sich wohlfühlen. Das kann ihr hier keiner bieten, also bleibt sie wo sie ist. Im Laufe der Jahre und in zwei weiteren Ehen hat sie sich noch das ein oder andere Kind dazu adoptiert. Im Prinzip also Stiefgeschwister. Jetzt ist sie sehr krank und kann eigentlich alleine gar nicht mehr bleiben. Schlüssel, Unterlagen und alles was sie betrifft, liegt in den Händen meines Stiefbruders. Wir wissen eigentlich gar nichts. Davon ab, dass meine Mutter nie wirklich da war und ich eigentlich bis vor 10 Jahren immer auf der Suche nach einer Mutter war, dazwischen oft Sehnsucht nach ihr hatte, verstehen wir uns eigentlich ganz gut. Wobei ich immer das Gefühl hatte, ich komme bei ihr ganz zum Schluss. Das zeigt sich in vielen Kleinigkeiten. Vor zwei Monaten ist mein Auto verreckt (Motorschaden nach nur 5 Jahren und regelmäßigen Inspektionen) etwas womit ich, alleinerziehend mit einem Kind und einem Fulltimejob nicht gerechnet hätte. Also musste ein anderes Auto her. Sie hat sich vor einem knappen Jahr eins gekauft, dass sie jetzt aufgrund ihrer Krankheit nicht mehr fahren kann. Auf meine freundliche Nachfrage, ob sie mich finanziell ein wenig beim Kauf eines Gebrauchtwagens unterstüzen kann, oder mir ihres evtl. leiht, kam: Frag deinen Vater. Mein Auto bekommt deine Halbschwester, die hat ja schließlich zwei Kinder. (Ja und zwei Autos, verheiratet, Hausfrau). Okay... dann halt nicht. Sie hatte bisher einen Porsche Cayenne, den hat sie meiner Stifschwester geschenkt, weil die immer so viel für sie macht. Auch ok, ehrlich hab ich kein Problem mit. Jetzt hat sie sich bei meinem Vater beschwert... darüber das ich nicht komme und ihr helfe. Ich würde keine Verantwortung übernehmen. Ihn würde ich dann auch so hängen lassen wenn er mal krank wird, da sollte er sich lieber nicht auf mich verlassen und am Schluß wäre die Schreierei dann groß und ich würde mich dann noch wundern (heißt im Klartext: Erbe kann ich mir von der Backe putzen...okay von mir aus). Dass ich dann mit meinem Schräbchen (Auto) erst mal 200 km (also zusammen 400 km) Anfahrt habe, einen Fulltime Job habe, Kind und Tiere vergisst sie dabei völlig. Ich sehs auch irgendwie nicht ein. Stiefbruder hat alle Vollmachten, Entscheidungen etc.pp. Ich soll quasi zum putzen, kochen, einkaufen und waschen auflaufen. Natürlich habe ich ein schlechtes Gewissen, ich bin mir sicher, dass weiß sie auch. Wie würdet ihr an meiner Stelle reagieren?

    Danke fürs Zulesen.

  • 7 Antworten

    Sorry zu früh abgeschickt. Aber deine Mutter hat sich dein ganzes Leben nicht um dich gekümmert, weshalb solltest du dich nun um sie kümmern?

    Und so hart es klingt: Warum sollte sie sich JETZT kümmern (durch Auto, Geld,...), wenn sie genau das KÜMMERN bisher auch nicht getan hat?


    Ja, es ist bitter. Aber Du solltest Dir überlege, wie Du grundsätzlich mit der Situation umgehen willst. Was Du realistischerweise erwarten kannst. Wo das Risiko besteht, erneut verletzt zu werden, und ob Du es riskieren möchtest. Und wie Du Deinen Frieden finden willst trotz nachvollziebarem Neid und Ungerechtigkeit.


    MÜSSEN tust DU genau NICHTS. Außer selbstständig Dein auch nicht einfaches Leben bestmöglich zu wuppen.

    Schon mal vielen Dank für die Antworten:)_. Eigentlich bin ich recht frei von Neid und Unzufriedenheit. Sie darf ihre Sachen geben wem sie mag, sind ja ihre. Ich in nur ab und an enttäuscht, wie wenig sie bei all dem an mich denkt. Ich habe sie nie um etwas gebeten, also nie um Geld oder ähnliche Dinge. Vielleicht hält sie mich für so stark und unabhängig, dass ich gar keine Hilfe brauche (ohne meinen Vater wäre ich aufgeschmissen (gewesen) ... das nur nebenbei). Das Ganze war schon immer sehr kompliziert. Faktisch war sie allerdings selten bis nie da. Natürlich hat sie auch schon das ein oder andere "gut" gemacht. Es ist ja noch nicht mal so, dass ich ihr grundsätzlich nicht helfen möchte. Ich habe ihr nur ganz sachlich erklärt, dass ich regelmäßige Hilfe hauptsächlich aufgrund der Entfernung nicht leisten und somit auch nicht versprechen kann. Wenn ich da bin, helfe ich ihr natürlich. Auf der anderen Seite soll ich ja auch gar nicht kommen wg. Corona, hieß es vor ein paar Tagen noch. Ich arbeite in einer Klinik. Und ich könnte, wenn ich wollte am kommenden Feiertag auch zu ihr fahren. Aber mittlerweile widerstrebt mir das voll und ganz... ich habe einfach keinen Bock und das schockiert mich halt selbst. :-o. Schlimm ist halt noch, dass sie selbst so ähnlich mit ihrer Mutter "verfahren" ist. Und dass es eigentlich ein Wesensmerkmal von ihr ist, unangenehme Dinge möglichst zu vermeiden.

    Du nennst eine Frau, die Dich zwar geboren hat, aber Dich sonst Dein ganzes Leben im Stich gelassen hat, Mutter. Das ist für mich schon kaum vorstellbar.

    Dass Du ihr aber auch noch helfen möchtest obwohl Du selbst Hilfe brauchst, das verstehe ich nun gar nicht. Sie scheint es gut hinzukriegen allen Beteiligten ein schlechtes Gewissen zu machen. Wieso lässt Du so mit Dir umgehen? Du schuldest dieser Frau absolut gar nichts.

    Jeanne_Chaos schrieb:

    Ich soll quasi zum putzen, kochen, einkaufen und waschen auflaufen. Natürlich habe ich ein schlechtes Gewissen, ich bin mir sicher, dass weiß sie auch. Wie würdet ihr an meiner Stelle reagieren?

    Wer nicht will, der hat schon. Deine Mutter hat offensichtlich eine Entscheidung getroffen und dein Stiefbruder unterstützt sie. Ich sehe nicht, dass du da etwas zu tun hättest, im Sinne, dass du für sie putzt oder dergleichen. Das würde ich jetzt bei deinem Stiefbruder sehen. Sonst würde ich sie hin und wieder besuchen, mit ihr ab und zu telefonieren und wenn sie Hilfe braucht, ihr entweder sagen, dass sie es deinem Stiefbruder sagen soll bzw. du das gerne machst, sofern du Kontakt zu ihm hast oder sonst Hilfe für sie organisieren, sofern sie noch alle Entscheidungen selbst trifft.

    Anstonsten wäre es ja eigentlich ein Gespräch unter den Kindern, wie die Mutter unterstützt wird und dann wäre ein Gespräch zwischen Kindern und Mutter fällig, aber das scheint ja keine Option zu sein. Natürlich haben alle Kinder ihr Leben und nicht alle unterstützen die Mutter gleichermaßen. Das sollte normalerweise auch kein Problem sein, so lange sich eines findet, das die Mutter unterstützt. Das heißt aber auch nicht, dass man dann alles selber macht, sondern entsprechende Hilfe für sie organisiert.

    Jeanne_Chaos schrieb:

    Es ist ja noch nicht mal so, dass ich ihr grundsätzlich nicht helfen möchte. Ich habe ihr nur ganz sachlich erklärt, dass ich regelmäßige Hilfe hauptsächlich aufgrund der Entfernung nicht leisten und somit auch nicht versprechen kann. Wenn ich da bin, helfe ich ihr natürlich.

    Ich finde das völlig in Ordnung. Eine gesunde Einstellung. Wie gesagt, wenn es eben nur um euer beider Beziehung geht, dann wüsste ich nicht, was du da anders machen sollst und kannst. Sie steht sicher nicht an erster Stelle in deinem Leben bzw. sehe ich Eltern einfach nicht an erster Stelle. Das heißt nicht, das man sie nicht unterstützt soweit es geht, aber nicht zum Nachteil deines Lebens bzw. deines Kindes.

    Jeanne_Chaos schrieb:

    Wie würdet ihr an meiner Stelle reagieren?

    Ich würde mich mit den Halbgeschwistern und Stiefgeschwistern (Adoptivgeschwistern) zusammensetzen, deren Sicht auf die Dinge einholen und dann einen Plan machen.

    Einen Plan für die Mutter.

    Einen Plan für den Vater, die beide ja nicht jünger werden. Für deren Krankheitszustand, potenzielle Veränderungen dessen, die Pflege, Unterbringung (Pflege zuhause, Pflege bei einem der Kinder?, Pflegeheim), Finanzierung. Ich persönlich finde dann, Fairness liegt darin, dass sich diejenigen besonders einbringen, die auch wirklich Zeit mit der Person (hier also deiner Mutter) verbracht haben und einen Bezug haben. Diejenigen sehe ich dann auch vorn in der Verteilung des Erbes. Und ganz enterben geht nicht, da gibt's nen Pflichtteil.


    Die Besuche würde ich so machen, wie es *mein* Bedürfnis ist, hinzufahren. Und ich würde es mir schön machen dort. Musik mitnehmen und den Tag teilen: bisschen was im Haushalt, und das auch als Hilfe zur Selbsthilfe (z.B. die Organisation einer Reinigungskraft von vor Ort), und bisschen was schönes: Eis essen gehen, spazieren gehen, oder in den Zoo gehen. Und die kranke Mutter z.B. im Rollstuhl mitnehmen. Ich würde es so machen, dass ich einen Frieden mit der Person finde. Genug oft dagewesen, um zu sagen: der Kontakt, der auch mir gut tat, den habe ich gesucht und gehabt. Ich würde auch versuchen, die Kommunikation so zu beeinflussen/zu steuern, dass es zu leichten und heiteren Themen geht. Weg von Schuldzuweisungen, hin zu Humor und Fröhlichkeit.


    Wenn deine leibliche Mutter nicht die Mutterrolle ausgefüllt hat, würde ich an deiner Stelle die Nähe zu den Personen suchen, die dann stattdessen eine Mutterrolle gelebt haben. Mal war das die Oma, mal eine Tante, mal eine Stiefmutter.


    Bzgl. Auto: überleg mal eine Reparaturkostenversicherung oder Anschlussgarantie. Die übernimmt sowas in Teilen. Sie verteilt potenziell hohe Einmalkosten auf einen monatlichen Beitrag. Der Porsche Cayenne wäre wenn dann eh nur als Verkaufsobjekt interessant gewesen. Sonst: ein älteres Auto zum Übernehmen findet sich eigentlich fast immer in der eigenen Verwandtschaft/Bekanntschaft, wer das bisschen geschickt angeht.