Ich muss katiafox Recht geben: Meine Studenten brauchen nicht zwingend mich, um zu bestehen. Die Klugen unter ihnen betreiben geschicktes networking und erwarten auch nicht, dass ihnen der Allerwerteste nachgetragen wird.

    Zitat

    Weshalb machst du den Lehrer und Erzieher?

    Zitat

    1. Weil das im Rahmen der Professionalisierung gelehrt, fortgebildet, verlangt und auch evaluiert wird.


    2. Weil man weiß, dass der Studienerfolg von der Fähigkeit des Hochschullehrers zur Differenzierung abhängt. Deswegen versuche ich es wenigstens.

    Nein.


    1. Ich werde in erster Linie für meine fachliche Kompetenz und die Vermittlung von Inhalten evaluiert. Noch nie haben Dinge wie die von Dir beschriebenen eine Rolle gespielt.


    2. Ich weiß nicht, wer "man" ist, der irgendwas zu wissen glaubt, aber der Studienerfolg hängt meiner Erfahrung nach weit mehr vom persönlichen Engagement des Studenten ab. Man kann den Leuten viel beibringen, sie begeistern, aber so wichtig bin ich unterm Strich dann doch wieder nicht.


    Ganz ehrlich, weg mit der ganzen hochtrabenden übereifrigen Pädagogik, rein mit mehr gesundem Menschenverstand. Die besten Dozenten, die ich selbst erlebt habe, scherten sich einen Dreck um Bourdieu. Hör auf, Dich aus Angst vor schlechter Evaluierung zum Deppen zu machen. Dein Job ist nicht, gut evaluiert zu werden, sondern den Leuten was beizubringen. Was Dir fehlt, ist echte Autorität. Wer sich so aufführt wie die Erstsemester im Beispiel, fliegt. Und umgekehrt, so unsouverän, den nervigen Studenten aus dem E-Mail-Verteiler zu nehmen, hättest Du nicht sein müssen. Kein Wunder, dass sie auf Kindergarten mit Kindergarten reagieren.

    @ ashee:

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    Als Student kann ich sagen, dass ich so etwas wie Anwesenheitspflicht und sich abmelden müssen unmöglich finde.

    Ich hatte im Diplom zu 50% Anwesenheitspflicht und wir haben es alles geschluckt - und uns lieber über wichtige Dinge aufgeregt und dafür engagiert.


    Ansonsten:


    Wen ich als Dozent ein Seminar plane (in das STUNDEN an Vorarbiet fließen kann!) und in Sitzungen spezielle Leistungen von Studenen eine essentielle Rolle spielen, dann kann ich durchaus erwarten, dass ich man sich abmeldet. Nicht aus Schikane, sondern um ggf. die entstehende Lücke gezielt füllen zu können. Das klappt nicht immer (kurzfristiger Ausfall). Aber schon 3-4 Stunden Vorlauf können helfen, ein ggf. ausgelassenes Thema doch noch aufzubereiten und mit reinzunehmen. Nicht nur als Gelaber am Rande, sondern wirklich professionel aufbereitet. Aber das schüttelt man als Dozent auch nicht einfach so aus dem Ärmel, v.a. nicht am Anfang oder wenn man jedes Semester andere Seminare abhalten muss. Denn icht jeder Dozent ist Prof mit jahrzehntelanger Erfahrung, der mal eben aus dem Nähkästchen plaudert. Für manche ist es harte, engagierte Arbeit.


    Und: Als erwachsener Arbeitnehmer, der sich im Idealfall aus freien Stücken für seinen Job und Arbeitgeber entschieden hat, muss ich mich auch krankmelden, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen einreichen, Kollegen informieren die mich vertreten.

    @ Wodehouse:

    Zitat

    Dein Job ist nicht, gut evaluiert zu werden, sondern den Leuten was beizubringen.

    Jein. Grundsätzlich schließe ich mich Dir an, aber dieser verfluchte Evaluierungswahnsinn greift halt um sich und daran hängen (zumindest bei mir) auch Gelder. Soll heiße, wir bekommen jedes Semester die Ergebnisse von uns und anderen Bereichen aufbereitet präsentiert; jeder aus dem üblichen Rahmen fallende freie Kommentar wird diskutiert. Wir reden bei sund z.T. vn Nachkommastellen, wo die 1 vorne steht - und wo kaum SPielraum ist für Verbesserung.


    Und die Studenten haben z.T. eine merkwürdige Anspruchshaltung. Meine mieseste Evaluation kam von der Person, die mit Suppentöpfchen und Asiaimbiss-Box anrückte und die ganze Sitzung am Essen war. Wäre mir in einer Vorlesung noch schnuppe gewesen, aber in einem praxisorientierten Seminar mit 6 TN stört es, weil es doch an Konzentration und Mitarbeit mangelt und ich mündliche Beiträge kauend mit vollem Mund nicht lustig finde. Freiraum für jeden, aber gute Manieren sollte man auch nicht vergessen.

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    Wenn man das alles nicht verinnerlicht hat und alles auf sich bezieht und seine persönlichen Defizite und Überempfindlichkeiten in seinen Job mitnimmt, kann das nichts werden

    Genau das ist ja mein Problem. Kognitiv verstehe ich das alles, aber emotional hinke ich hinterher.

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    Und: Als erwachsener Arbeitnehmer, der sich im Idealfall aus freien Stücken für seinen Job und Arbeitgeber entschieden hat, muss ich mich auch krankmelden, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen einreichen, Kollegen informieren die mich vertreten

    Absolut, aber die Spielregeln werden ja normalerweise im Arbeitsvertrag oder in der ersten Einheit der jeweiligen Lehrveranstaltung festgelegt.


    Egal, ob das bedeutet, dass es keine Anwesenheitspflicht gibt, nur unentschuldigte 3 Fehleinheiten während des Semesters erlaubt sind, oder 100% Anwesenheitspflicht besteht (und einzelne Fehlstunden nur mit Entschuldigung und Bescheinigung [Arzt / Arbeitgeber / Überschneidungen mit anderer LV..]) toleriert werden.


    Wer studiert ist üblicherweise alt genug, um sich selbst zu entscheiden ob man sich an die Regeln halten möchte, oder eben nicht. Die Konsequenzen sind ja dann klar.

    Zitat

    Ist das eigentlich Absicht, dass du diese Frage nicht beantwortet hast?


    Haben deine Kollegen auch solche Probleme mit ihren Erstsemestern bzw. Studenten?

    nö,


    wieso?


    Habe halt noch was anderes zu tun am Nachmittag.


    Die Erfahrungen sind gemischt, aber der Trend geht in die Richtung, dass man Studenten bzw. vor allem halt die Anfänger nicht mehr allzu nahe an sich heran lässt. Hier im Forum zeigt sich bei den sich zu Wort meldenden Lehrenden das gleiche Bild: Rückzug.

    Zitat

    Genau das ist ja mein Problem. Kognitiv verstehe ich das alles, aber emotional hinke ich hinterher.

    Was bedeutet es, wenn sich deine Studenten so verhalten? Was meinst du, wollen sie damit sagen?


    Dass du ihnen nicht wichtig bist, dass dein Fach nicht wichtig ist? Dass du ihnen egal bist? Welchen wunden Punkt trifft dieses Verhalten bei dir?

    @ chriecharlie

    Es trägt aber ehrlich gesagt auch nicht zu verbesserten Anwesenheit und Mitarbeit bei, wenn man in der letzten Stunde vor der Klausur quasi die Klausur verrät.


    Irgendwie fühle ich mich als Studentin dann immer ein bisschen veräppelt und frage mich, warum ich in jedem Seminar war, wenn es tatsächlich ausgereicht hätte das letzte Seminar zu besuchen.


    Die Zeit mit Löffeln gefuttert hat man ja generell nicht und ich glaube, wenn sich das rumspricht, wird es für die Dozenten noch schwieriger.

    Zitat

    Als Student kann ich sagen, dass ich so etwas wie Anwesenheitspflicht und sich abmelden müssen unmöglich finde.

    Gleiches Recht für alle, oder?


    Dann kann ich als Dozent ja auch einfach nicht kommen.... habe ich übrigens mal gemacht:


    bei dem einen beschriebenen grottigen Anfängerkurs habe ich die STunde der Klausur ausfallen lassen, da ich keine Lust mehr auf die Leute hatte. Sie hatten bis dato nichts getan und wohl erwartet, dass ich ihnen in der letzten STunde alles auf dem Tablett serviere, haben auch im Vorfeld keine Angebote des Nachfragens etc.. genutzt.....


    Ne,


    ich finde, das wird von den Studenten zu hoch gehängt. Das hat m.A. nach (und der der Kollegen) nichts mit Freiheitsentzug zu tun, wenn man sich nicht abmeldet, sondern schlicht und einfach mit Höflichkeit unter Arbeitspartnern.

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    Die Erfahrungen sind gemischt, aber der Trend geht in die Richtung, dass man Studenten bzw. vor allem halt die Anfänger nicht mehr allzu nahe an sich heran lässt. Hier im Forum zeigt sich bei den sich zu Wort meldenden Lehrenden das gleiche Bild: Rückzug.

    Nöö. Ich würde es als "gesunde Distanz" bezeichnen. Wer sich an die Regeln hält, Engagement und gute Mitarbeit/Manieren hlt (Mails mit halbwegs formeller Anrede bspw.), der hat bei mir zwar irgendwo Bonuspunkte und Sympathien. Aber wenn jemand dies nicht tut, bin ich auch immer noch in einer professionellen Rolle, die auch mir Regeln und Pflichten auferlegt. Der komme ich dann nach, aber eben kühler und im doppelten Sinne distanzierter: Ich mache dann dennoch das, was MIEN Job von mir verlangt. Und wenn jemand einen blöden Spruch macht oder sich blöd verhält, dann nehme ich das achselzuckend zur Kenntnis - und lasse es an mir abprallen. That's life. Ich mache meinen Job, ohne Zickereien, Empfindlichkeiten etc. Sowas wie mit dem Verteiler würde mir nicht in den Sinn kommen. Aber so eine Person müsste im Notfall (zu viele Fehltermine,...) auch nicht auf sonderliches Entgegenkommen hoffen.


    Ich mache meinen Job und stehe nicht als Casting-Kandidat zur Auswahl!

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    Irgendwie fühle ich mich als Studentin dann immer ein bisschen veräppelt und frage mich, warum ich in jedem Seminar war, wenn es tatsächlich ausgereicht hätte das letzte Seminar zu besuchen.

    Ohne den Kurs hätte man die letzte Stunde nicht verstanden. Weil alle über das Semester anwesend und fleissig waren, konnte man gut daran anknüpfen.

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    ....die Stunde vor der Klausur ausfallen lassen....

    Auch das hat nichts mit Professionalität oder ausreichender Distanz zu tun, sondern klingt sehr persönlich gekränkt. Und: Immerhin erwartet der Arbeitgeber = Hochschule, dass ich MEINEN Pflichten nachkomme. Bspw. im Semester WÖCHENTLICH das Seminar halte. ??Bei uns wird dem Institut im Rahmen des Modellstudiengangs für jede ausfallende Veranstaltung 1900€ vom Budget gekürzt. Mein Chef würde mir was husten, wenn ich mich durch Veranstaltungsausfall an desinteressierten Studenten "räche". Wir haben ein ausgeklügelte BackUp-System, damit eben NICHTS ausfällt. Was in Zeiten wie momentan (extreme Krankheitswelle) zur echten Herausforderung wird, da wir alle noch massive andere Verpflichtungen haben.??

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    Ich hatte im Diplom zu 50% Anwesenheitspflicht und wir haben es alles geschluckt - und uns lieber über wichtige Dinge aufgeregt und dafür engagiert.

    Geschluckt habe ich das natürlich auch. Ich merke aber, wie viel angenehmer es ohne Zwang ist.

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    Wen ich als Dozent ein Seminar plane (in das STUNDEN an Vorarbiet fließen kann!) und in Sitzungen spezielle Leistungen von Studenen eine essentielle Rolle spielen, dann kann ich durchaus erwarten, dass ich man sich abmeldet.

    Das kann ich verstehen, das kann man auch so kommunizieren. Bei einem Seminar von 40 Leuten, das zu 95% nur aus - meist schlechten - Referaten besteht - kann man sich die Lebenszeit aber auch sparen.

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    Gleiches Recht für alle, oder?


    Dann kann ich als Dozent ja auch einfach nicht kommen....

    Na wenn du mir dein Gehalt überweist, verspreche ich hoch und heilig, zu absolut jeder Stunde zu kommen. ;-D

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    Jein. Grundsätzlich schließe ich mich Dir an, aber dieser verfluchte Evaluierungswahnsinn greift halt um sich und daran hängen (zumindest bei mir) auch Gelder. Soll heiße, wir bekommen jedes Semester die Ergebnisse von uns und anderen Bereichen aufbereitet präsentiert; jeder aus dem üblichen Rahmen fallende freie Kommentar wird diskutiert. Wir reden bei sund z.T. vn Nachkommastellen, wo die 1 vorne steht - und wo kaum SPielraum ist für Verbesserung.


    Und die Studenten haben z.T. eine merkwürdige Anspruchshaltung. Meine mieseste Evaluation kam von der Person, die mit Suppentöpfchen und Asiaimbiss-Box anrückte und die ganze Sitzung am Essen war. Wäre mir in einer Vorlesung noch schnuppe gewesen, aber in einem praxisorientierten Seminar mit 6 TN stört es, weil es doch an Konzentration und Mitarbeit mangelt und ich mündliche Beiträge kauend mit vollem Mund nicht lustig finde. Freiraum für jeden, aber gute Manieren sollte man auch nicht vergessen.

    Du hast Recht, das kenne ich alles, und ja, das treibt abscheuliche Blüten. Die schlechteste Evaluierung habe ich von einem Studenten bekommen, dessen E-Mails ich noch an Heiligabend beantwortet habe und der mir vorgeworfen hat, ich sei nicht erreichbar. Mittlerweile habe ich meinen Frieden mit den gelegentlichen Querschießern und der ein oder anderen schlechten Evaluierung gemacht, wohl wissend, dass diese Kandidaten bei den anderen ja genauso Stunk und schlechte Bewertungen verbreiten. Vielmehr freue ich mich an meinem Fach, der Lehre und an den interessierten Studenten - alles nicht zum Nachteil der Evaluierung, im Gegenteil.

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    der Trend geht in die Richtung, dass man Studenten bzw. vor allem halt die Anfänger nicht mehr allzu nahe an sich heran lässt. Hier im Forum zeigt sich bei den sich zu Wort meldenden Lehrenden das gleiche Bild: Rückzug.

    Rückzug würde ich es nicht nennen, aber einfach eine professionelle Beziehung.