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    Ich würde als Dozent die Veranstaltung immer nur als Lernangebot empfehlen. Schulpflicht ist vorbei, jetzt ist man - eigentlich - an der Uni, weil man Spaß am Lernen hat.

    Sehe ich ganz genauso. Und an der Uni sollte man von jedem Studenten eigenverantwortliches Lernen erwarten können. Jeder muss individuell entscheiden können, welche Lernangebote er für sich noch braucht oder nicht braucht.


    Ein Uni-Dozent ist doch keine Nanny, die ihre Studenten an die Hand nimmt und überwacht, dass alle schön brav und folgsam sind. Und wer nicht spurt, kommt auf die stille Treppe. ;-D

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    Das hat m.A. nach (und der der Kollegen) nichts mit Freiheitsentzug zu tun, wenn man sich nicht abmeldet, sondern schlicht und einfach mit Höflichkeit unter Arbeitspartnern.

    Das denke ich auch, aber das kann man ja auch so kommunizieren. Ich habe auch immer darum gebeten mir Bescheid zu sagen, wenn jemand nicht kommt, damit ich die Anzahl der Kopien abschätzen konnte. Das hat auch nicht bei allen immer so funktioniert, aber manche haben sich wirklich gut daran gehalten. Zur Pflichtveranstaltung habe ich mein Tutorium trotzdem nicht erklärt, obwohl das von der Professorin gerne so gesehen worden wäre. Mir war wichtiger, dass diejenigen anwesend waren, die freiwillig kamen und motiviert waren. Genau die Leute hatte ich dann dort auch sitzen.


    Ich finde allerdings, wenn man Höflichkeit (zurecht) erwartet, dann sollte man gleichermaßen auch höflich, bzw. respektvoll auftreten. So richtig kann ich das bei dir allerdings noch nicht herauslesen. Ich sehe da viel persönlichen Machtkampf und unangebrachten Selbstbezug.

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    Genau das ist ja mein Problem. Kognitiv verstehe ich das alles, aber emotional hinke ich hinterher.

    Das ist ja aber gut, dass du dir das so ehrlich eingestehen kannst. Ich weiß nicht so genau, wie du da rauskommen kannst, aber ich denke, dass es grundsätzlich erstmal hilfreich wäre, sich klar zu machen, dass sich deine Studenten um dich als Person wahrscheinlich äußerst wenig Gedanken machen. Die wollen ihren Schein, im besten Falle noch Kenntnisse und Interessen vertiefen, aber wohl eher keine persönliche Ebene mit dir.

    Noch ein Einwurf von einer Ex-Studentin: Ich hätte dich als Dozentin furchtbar albern gefunden, weil du so einen Aufriss machst. Und das nicht weil ich was gegen Anwesenheitspflicht hätte, ich beführworte die sehr weil ich nichts ätzender finde als Kommilitonen die nur zu ihrem Referat antreten, weil sie mir etwas entziehen, kritische Zuhörer nämlich, sondern weil du dich da aufführst als wäre das eine Teenieclique und du eine von denen.


    Ich sitz dann da ja auch und muss mir das verdammte Gezicke und den Kleinkrieg geben. Wer nicht mitmachen will, der lässt es halt und fällt dann durch. Selbst Schuld.


    Nebenbei: Absagen ist das absolute Minimum, gerade wenn man selbst eine Leistung erbringen sollte, wie zum Beispiel ein Referat halten. Und das nicht ein Stunde vorher, sondern so 24 Stunden, denn bis auf akute Erkrankungen ist es ja problemlos möglich abzuschätzen ob man das schafft oder nicht. Und im Falle einer Erkrankung kann man die Präsentation ja auch mailen, dann kann da irgendwas statt finden. Ist aber leider nicht mehr normal und dann saß ich da, für nichts, weil der Referent einfach nicht auftauchte. >:( >:(

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    In der Stunde habe ich die Klausur mehr oder weniger verraten. Auch gab es kurz vorher noch einmal eine Rundmail mit den wichtigsten Punkten, bezugnehmend auf die letzte Stunde (VIEL Stoff, viele nicht-Muttersprachler).


    Den Stundente, der so auf seine Autonomie gepocht hat, habe ich aus dem Verteiler genommen. Ergebnis:


    durchgefallen.

    Sorry, das geht gar nicht. Sowas kann auch rechtliche Konsequenzen haben.


    Du musst dringend an deiner Professionalität arbeiten. Und die hört beim Fachlichen nicht auf.

    Ich kann mir (als Schulehrerin) nicht so richtig vorstellen, was an der Uni anders sein sollte als an der Schule. Du kannst Referate als Leistungsnachweis nehmen? Gut! Wenn das gesetzlich ok ist, dann machs und steht dazu. Ehrlich gesagt, "ich hab Kinder", "muss arbeiten" sind für mich die gleichen Ausreden wie bei Schülern "Hund hat meine Hausaufgaben gefressen", nur eben Ausreden von Erwachsenen. Das lass ich nicht durchgehen und dann haben die eben Pech. Entweder ich studiere oder ich betreue meine Kleinkinder, fertig aus. Da gibt es keine Diskussion. Die müssen als erwachsene Menschen selber sehen, wie sie das regeln und vor allem als erwachsene Menschen auch die Konsequenzen tragen, wenn sie ihre Prioritäten falsch setzen. Studenten mit Kindern kriegen schon zahlreiche Vergünstigungen, aber normal studieren müssen sie schon noch, sonst kriegen sie eben keinen Abschluss und den kriegen sie auch nicht nachgeschmissen für Nichtstun.


    Bei Schulkindern ist das noch so, dass sie für viele Probleme nichts können (z.B. hatte ich nen Schüler, der seine Hausaufgaben nicht machen konnte, weil er in der Woche in ne Pflegefamilie umgezogen ist, da kann er mit 15 nicht viel dazu tun und nicht viel selbst mitbestimmen), aber bei Leuten die 18+ sind muss man sich nicht mehr jeden Mist anhören, die müssen dann auch mal selbst machen.


    Ich finde, wenn die Lehre an der Uni halt Referate umfasst, dann kann natürlich jeder selbst entscheiden, ob er zu den Seminaren gehen will oder nicht, aber wenn das Erscheinen Pflicht ist und das auch auf einer korrekten rechtlichen Grundlage steht, bedeutet die Entscheidung dagegen eben auch, dass man Pech hat. Studenten können sich im Gegensatz zu 14-jährigen Schülern die Schulpflicht haben als freiwillig studierende Erwachsene eben nicht mehr über alles beschweren, was ihnen nicht passt. Und es ist auch gut, wenn sie das dann endlich mal lernen. Bei ihrem Nebenjob diskutieren die garantiert auch nicht darüber, ob die Tätigkeit sinnvoll ist und Spaß macht, ich wette da nehmen sie das Geld und halten die Klappe. Genauso sollte es auch an der Uni laufen.

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    Ist aber leider nicht mehr normal und dann saß ich da, für nichts, weil der Referent einfach nicht auftauchte. >:( >:(

    Naja, wie oft sitzt man sinnlos da und hört sich miserabel ausgearbeitete und schlecht präsentierte Referate an, die einem absolut nichts bringen? In der Zeit hätte man auch effektiv in der Bibliothek oder zuhause am Schreibtisch intensiv lernen können.

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    Gleiches Recht für alle, oder?


    Dann kann ich als Dozent ja auch einfach nicht kommen....

    Na wenn du mir dein Gehalt überweist, verspreche ich hoch und heilig, zu absolut jeder Stunde zu kommen. ;-D

    Das Totschlag-Argument.


    1. Verdienen nicht wenige Dozenten pro Semester 1500.- brutto, wenn sie einen kompletten Kurs, 4 Stunden vorbereiten, halten und nachbearbeiten.


    2. ist das Gehalt des Studenten das Wissen/die Formalien, was er später in Geld umsetzen kann.

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    Sorry, das geht gar nicht. Sowas kann auch rechtliche Konsequenzen haben.

    Der Student hat mir groß und breit durch Taten und Worte erklärt, ich kann ihn mal. Ist er halt aus dem Verteiler geflogen, da war er mich los.


    Er wäre eh durchgefallen, das war schon während des Semesters so klar.

    Aber das ändert ja nichts daran das man a) absagen kann wenn man das eigene Referat nicht pünktlich hält und b) das man eine Diskussion vermeidet in dem man nicht kommt. Dabei könnten alle aus der Disskussion am meisten lernen, denn in der Regel sitzen da ja auch Studenten die ein wenig länger dabei sind und schon dies oder das mehr gelesen haben und auch der Dozent beziehungsweise die Dozentin hat ja in der Regel Überblick und Ahnung. Am Ende würden dann alle profitieren. Der Referent weil er/sie etwas darüber lernt wie man es besser machen könnte und alle anderen lernen etwas darüber wie man im universitären Kontext diskutiert und mehr über die Inhalte. Es zwingt einen ja niemand da einfach die Zeit abzusitzen.

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    Der Student hat mir groß und breit durch Taten und Worte erklärt, ich kann ihn mal. Ist er halt aus dem Verteiler geflogen, da war er mich los.

    Aber das ist ja genau das was hier gemeint ist. Dein Verhalten ist unreif und zickig statt souverän. Er beleidigt dich? Gut, dann wirf ihn offiziell raus und mach nicht so einen Kram hintenrum. Das ist einfach.. kindisch.

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    Ein Uni-Dozent ist doch keine Nanny, die ihre Studenten an die Hand nimmt und überwacht, dass alle schön brav und folgsam sind.

    Ihr überseht einen wichtigen Teil meines Eingangsposts.


    Kümmert man sich nicht, beschweren sich die Studenten genauso und zwar nicht zu knapp. Wie man es macht, ist es falsch, das ist ja das Problem.


    Und beüglich Anwesenheitspflicht:


    bei manchen Studiengängen wird durch die Leistungen in den Seminaren durch die Anwesenheit erhoben, da keine Klausur oder ähnliches.


    Bei manchen gibt es keine, aber wenn man kommt, wie man lustig ist, kann man eine Seminarstruktur doch vergessen. Wer sich für einen begehrten Platz einschreibt und bekommt, hat auch die Verantwortung dafür. Heißt:


    Regeln einhalten. Wer das nicht will, muss halt ein Fernstudium machen.


    Wieso denken immer alle Studierenden, dass Anwesenheitsbefreiung auch Befreiung von Pflichten bedeutet?


    Und ich würde es mir noch eingehen lassen, wenn die sich dann frei genommene Zeit für das Seminar genutzt wird, was NIE der Fall ist . Es wird erwartet, dass man in der letzten Stunde und bei der Benotung vom Dozenten dann gerettet wird - noch schlimmer ist das Anspruchsdenken dann, wenn die Hausarbeit ansteht. Wenn ich nie in den Kurs gehe... und gleichzeitig nicht nach- oder vorbereite... wie soll ich dann fundiert über die Prüfungsleistung sprechen bzw. die erfüllen? Und nachdem das Gejammer dann groß ist, versucht man es als Dozent im Vorfeld halt zu minimieren, indem man den Leistungsstand der Leute im Kopf hat und nachhilft, falls nötig.

    Wieso kannst du ihn nicht rauswerfen?

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    Kümmert man sich nicht, beschweren sich die Studenten genauso und zwar nicht zu knapp. Wie man es macht, ist es falsch, das ist ja das Problem.

    Man sagt am Anfang das man um Hilfe bitten kann und welche bekommt, wer sich dann nicht rührt hat selbst Schuld.

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    Die müssen als erwachsene Menschen selber sehen, wie sie das regeln und vor allem als erwachsene Menschen auch die Konsequenzen tragen, wenn sie ihre Prioritäten falsch setzen.

    Im Prinzip ja, nur verstehe ich dann nicht warum man erwachsene Menschen genauso wie kleine Kinder mit Dingen wie Anwesenheitspflicht "erziehen" will.


    Von einem erwachsenen Menschen, dem mit einem Abiturzeugnis immerhin die Hochschulreife bescheinigt wurde, sollte man doch erwarten können, dass er eigenverantwortlich, autonom und individuell lernt und sich organisiert.