• Meine Studenten machen mich fertig.... Fragen an Kollegen...

    ... nachdem hier schon der wiederholte Faden von frustrierten Studenten aufgetaucht ist, dachte ich, ich mache als Dozent (8 Jahre in de Lehre, wiss. Mitarbeiter, post-doc) auch mal einen auf. Wie woanders schon erwähnt, frusten mich meine Anfänger in den Basiskursen ungemein, da ich einfach nicht den Mittelweg zwischen deren Anspruchshaltung…
  • 155 Antworten

    Vielleicht ist es auch ein zwischenmenschliches Problem bzw. ein Kommunikationsproblem? Haben deine Kollegen auch solche Probleme mit ihren Erstsemestern bzw. Studenten?

    criecharlie

    So einen ähnlichen Faden hattest du ja schon mal auf vor 3 Jahren oder so. Ich habe damals nicht verstanden und ich verstehe es heute auch nicht: Weshalb machst du den Lehrer und Erzieher?


    Du legst zu Beginn des Semesters fest welche Leistungen erbracht werden müssen und in welcher Form und fertig.

    Zitat

    Ich habe dann allen, die gefehlt haben, das Referat der nächsten Stunde halten lassen, damit sie gezwungen waren, sich damit auseinander zu setzen.

    Waruuummmmm?? Wenn sie ahnungslos in eine Klausur gehen, dann lass sie doch einfach.


    Störenfriede kannst du auch rauswerfen.

    Zitat

    Vorallem haben die Studenten überhaupt keinen Mehrwert davon sich irgendwelche fehlerhaften, schlecht vorgetragenen Referate anzuhören, anstatt eine fundierten Vortrages durch einen Dozenten.

    Doch, schon. Ich bin eine der Studentinnen, die so gut wie immer nur mit minimalem Aufwand durch die Lehrveranstaltungen hüpft.


    Auf Prüfungen lerne ich ein bis drei Tage und Punkt. In Referate + Seminararbeiten muss ich mich thematisch wesentlich mehr vertiefen und nehme demzufolge auch mehr Wissen mit. Zumindest in einem kleinen Teilbereich.


    Bei Lehrveranstaltungen in denen es nur Prüfungen gibt habe ich vielleicht einen besseren groben Überblick, aber wenn man mal verstanden hat wie geprüft wird und welche Art von Fragen gestellt werden, lässt sich der Lernaufwand ganz drastisch minimieren, ohne dass man sich tiefergehend mit der Materie beschäftigt..


    Aktuell habe ich eine LV, in der sich die Leistung wie folgt zusammensetzen wird:


    1) Referate; zu den Referaten werden Handouts von 1-3 Seiten erstellt


    2) Die Themen der Referate sind auch Themen für eine knappe Seminararbeit


    3) Prüfungsgespräch über die Referatsthemen der Mitstudenten; Inhalt: die Handouts der Referate


    Anwesenheit wird nicht überprüft, die Leistung muss insgesamt aber passen. Bin gespannt, in dieser Form hatte ich bislang auch noch kein Seminar. Ich begrüße die Eigenverantwortlichkeit und die Klarheit im Bezug auf die Leistungen, die erbracht werden müssen.


    Generell würde ich sagen: wer eine LV vermasselt, macht sie halt nochmal. Und hat dadurch die Lernchance es beim zweiten Mal besser zu machen als beim ersten Versuch. Wer aus seinen eigenen Fehlern nicht lernen kann ist vielleicht wirklich falsch an der Uni.

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    Unabhängig von Diskussionen um Studierfähigkeit (anderes Thema).


    Ich glaube, ich erwarte von den Studierenden ein ganz bestimmtes Verhalten bzw. einen ganz bestimmten Umgang mit mir oder von mir aus auch dem Stoff/dessen Aufbereitung an sich. Halt akademisch, so, wie ich persönlich schon ewig ticke. Da es aber Anfänger sind, haben sie diese Art noch nicht drauf, Bourdieu würde sagen:


    den institutionellen Habitus noch nicht entwickelt - deswegen bekomme ich wohl speziell mit Anfänger ständig Stress.


    Ich gehe beispielsweise davon aus, dass sie sich um ihr Zeug fachlich kümmern und bin beleidigt, wenn sie das Zusatzmaterial von mir nicht verwenden. Ich gehe beispielsweise davon aus, dass sie sich entschuldigen, wenn sie nicht kommen, weil man ja zusammen arbeitet, sie wiederum betrachten das Eingriff in ihrer Privatsphäre (Kind und so).


    Es gibt Studien die sagen, dass der Studienerfolg auch maßgeblich davon abhängt, ob man als Student das "System" verinnerlicht und Studienabbrecher sagen oft, dass sie zum Dozenten wenig Kontakt hatten...


    wenn ich an den Anfänger, der sich wegen dem Referat so aufgeführt hat denke, stimmt das:


    Er hat mir offen den Krieg erklärt und hat in der letzten Stunde vor der Klausur wieder untentschuldigt gefehlt. In der Stunde habe ich die Klausur mehr oder weniger verraten. Auch gab es kurz vorher noch einmal eine Rundmail mit den wichtigsten Punkten, bezugnehmend auf die letzte Stunde (VIEL Stoff, viele nicht-Muttersprachler).


    Den Stundente, der so auf seine Autonomie gepocht hat, habe ich aus dem Verteiler genommen. Ergebnis:


    durchgefallen. Da fachlich so schlecht, hätte er mich gebraucht, da er mich nicht wollte, war er fachlich nicht erfolgreich. Er muss dieses Semester wieder schreiben und wenn er zu mir zur Klausureinsicht kommen würde, würde ihm das fr die nächste Klausur, die ich schon kenne, richtig (!) helfen. Aber er muss ja sein Spiel der Autonomie spielen.

    Zitat
    Zitat

    Ich habe dann allen, die gefehlt haben, das Referat der nächsten Stunde halten lassen, damit sie gezwungen waren, sich damit auseinander zu setzen.

    Waruuummmmm?? Wenn sie ahnungslos in eine Klausur gehen, dann lass sie doch einfach.

    Ich glaube, mich hat am meisten genervt, dass sie mir trotz wiederholter Ansage nicht Bescheid gesagt haben, dass sie nicht kommen.

    criecharlie

    Zitat

    Ich gehe beispielsweise davon aus, dass sie sich um ihr Zeug fachlich kümmern und bin beleidigt, wenn sie das Zusatzmaterial von mir nicht verwenden. Ich gehe beispielsweise davon aus, dass sie sich entschuldigen, wenn sie nicht kommen, weil man ja zusammen arbeitet, sie wiederum betrachten das Eingriff in ihrer Privatsphäre (Kind und so).

    Zitat

    Ich glaube, mich hat am meisten genervt, dass sie mir trotz wiederholter Ansage nicht Bescheid gesagt haben, dass sie nicht kommen.

    Nimm es einfach nicht mehr persönlich. Es sind nicht deine Kinder, nicht dein Mann und nicht deine beste Freundin die dich versetzt. Es sind Studenten und die machen ihren Kram (mit oder ohne deine weiteren Hilfen) oder sie machen es eben nicht.

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    Zitat

    Weshalb machst du den Lehrer und Erzieher?

    1. Weil das im Rahmen der Professionalisierung gelehrt, fortgebildet, verlangt und auch evaluiert wird.


    2. Weil man weiß, dass der Studienerfolg von der Fähigkeit des Hochschullehrers zur Differenzierung abhängt. Deswegen versuche ich es wenigstens.

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    Zitat

    In der Stunde habe ich die Klausur mehr oder weniger verraten. Auch gab es kurz vorher noch einmal eine Rundmail mit den wichtigsten Punkten, bezugnehmend auf die letzte Stunde (VIEL Stoff, viele nicht-Muttersprachler).


    Den Stundente, der so auf seine Autonomie gepocht hat, habe ich aus dem Verteiler genommen. Ergebnis:


    durchgefallen. Da fachlich so schlecht, hätte er mich gebraucht, da er mich nicht wollte, war er fachlich nicht erfolgreich. Er muss dieses Semester wieder schreiben und wenn er zu mir zur Klausureinsicht kommen würde, würde ihm das fr die nächste Klausur, die ich schon kenne, richtig (!) helfen. Aber er muss ja sein Spiel der Autonomie spielen.

    Sorry, ich will dir echt nicht zu Nahe treten, aber das hört sich alles total katastrophal an. Von Professionalität geschweige denn Souveranität lese ich da nichts. Ich meine, du kannst hier noch so oft mit Fachbegriffen und Brocken von Theorien und bisschen namedropping (Bourdieu und Humboldt) um dich werfen, das macht dich aber nicht inhaltlich besser. Wenn man das alles nicht verinnerlicht hat und alles auf sich bezieht und seine persönlichen Defizite und Überempfindlichkeiten in seinen Job mitnimmt, kann das nichts werden.


    Sorry, meine Worte sind jetzt wahrscheinlich echt hart, aber verabschiede dich doch unbedingt von der Vorstellung, dass deine Studenten dich persönlich brauchen, um erfolgreich durch die Uni zu gehen. Der Gedanke ist ja vollkommen fehl am Platz und widerspricht sämtlichen Annahmen, die man als Student in deinem Fachgebiet so lernt. %:|

    ":/ ich weiß nicht, in welchem Fachbereich du lehrst.


    Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendein Dozent von sich aus die Studenten "gepampert" hätte. Wer Zusatzmaterial und Kontakt wollte, der hat das zumeist bekommen. Solange es keine Anwesenheitspflicht gab stand es uns frei, zu kommen - oder auch nicht. Wer sich engagiert hat, ist durchgekommen - wer geschludert hat, ist durchgefallen.


    Ich denke, du tust dir zu viel an. Nimm es nicht persönlich, wenn die Leute sich doof verhalten oder nicht ordentlich mitmachen. Die werden früh genug ausgesiebt. ;-)

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    nun, entweder es gibt von der studienordnung her eine fest vorgeschriebene anwesenheitspflicht; oder es liegt im ermessen des dozenten, eine anwesenheitspflicht einzuführen, die dann genutzt und klar kommuniziert wird - oder aber es gibt nichts dergleichen. in letzerem fall halte ich es ehrlich gesagt für völlig daneben, dann dennoch "aus anstand" oder "aus akademischen habitus" heraus eine informelle anwesenheitspflicht etablieren zu wollen. als dozent beleidigt zu reagieren, wenn die studenten nicht das selbe fachliche interesse haben wie man selbst, ist der direkte weg ins unglück. ;-)


    als dozent bin ich immer recht stark bei mir geblieben und damit ganz gut gefahren: ich biete den studenten den stoff in strukturierter, begleiteter weise an; in der hoffnung, möglichst vielen von ihnen dadurch helfen zu können. aber wenn jemand mit mir als dozent nichts anfangen kann oder keine zeit oder keine lust hat, soll er/sie eben alleine lernen und die klausur ohne meine hilfe bestehen. es würde mir im traum nicht einfallen, bei gewöhnlichen übungen oder vorlesungen eine anwesenheitspflicht einzuführen. nur bei seminaren haben wir immer anwesenheit verlangt, da eine diskussion zwishen studenten und betreuern integraler bestandteil eines gelungenen seminars ist - und das funktioniert natürlich nicht, wenn ausser dem vortragenden niemand sonst da ist.


    ausgeufert ist das mit der anwesenheit nur ein mal: da hatte ein jahrgang wohl spitzgekriegt, dass bei uns die übung viel viel wichtiger fürs bestehen der klausur ist als die vorlesung; ausserdem war es ein sommersemester mit tollem wetter. von 60-80 studenten des kurses waren in der vorlesung je nach wetter am ende noch im schnitt 10-12 leute in der vorlesung. einmal hab ich die vorlesung sogar vor drei (!) studenten gehalten. davon waren dann aber sowohl mein chef als auch ich derart angepisst, dass wir mit der tradition der vorjahre gebrochen und überdurchschnittlich viele fragen zur vorlesung in die klausur gepackt haben. das ergebnis war dementsprechend. ]:D

    Als Student kann ich sagen, dass ich so etwas wie Anwesenheitspflicht und sich abmelden müssen unmöglich finde. Da sitzen erwachsene Menschen, die eigentlich selbst entscheiden sollten, was sie mit ihrer Zeit tun. Wenn ich nicht kommen möchte/kann, dann ist das meine Sache und ich sollte die Konsequenzen daraus ziehen. Witzigerweise bin ich von einer Uni mit zu einer Uni ohne Anwesenheitspflicht gewechselt und jetzt wesentlich aktiver und involvierter dabei. Gehe sogar in die früh stattfindende Vorlesung, weil das Klima so toll ist.


    Ich würde als Dozent die Veranstaltung immer nur als Lernangebot empfehlen. Schulpflicht ist vorbei, jetzt ist man - eigentlich - an der Uni, weil man Spaß am Lernen hat. Wer darauf keinen Bock hat, der kommt halt nicht, auf den kann man auch verzichten. Aber ihn bestrafen zu wollen, zieht nicht. Siehst du ja selbst, die sind letztlich trotzdem durchgefallen. Da macht man sich viel zu viel Stress und Probleme, wo für einen selbst eigentlich keine sind.

    Einfach mal die Rolle des Dozenten überdenken, so wie die Vorschreiber es bereits sagten: dein Text liest sich wie der einer jammerden Mutter deren Kinder in die Pubertät kommen.


    Ich finde dass du dich arschig und kleinkariert verhält wenn du diesen einen Studenten aus dem Verteiler nimmst. Das bezeugt nicht von Souveränität. Auch die direkte Verbindung: nicht im Verteiler -> durchgefallen; du weisst gar nicht ob es deswegen ist. Und meistens funktioniert der Feuer- und Facebookfunk ausreichen um sein Studentenleben zu organisieren. Es täte dir gut, zu erinnern dass du nur ein kleiner von vielen Teilen bist der den "Anfänger" zu einem erfolgreichen Studienabschluss bringt. So Kindsdozenten, denen man quasi was "antut" wenn man nicht erscheint, puh, anstrengend.


    Ich habe den Eindruck dass du diesen Faden auch gerne dazu gebrauchst, dich als Dozent darzustellen. Theoretisch Palaver und Referenzen zu irgendwelchen Namen gehen dir anscheinend flott von der Hand, das Reflektieren deiner eigenen Rolle schon viel weniger. Worum geht es dir eigentlich?

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