Ich fände es auch besser, direkt in der Situation ein Stopp-Schild hochzuhalten, als hinterher die Situation unnötig zu dramatisieren und Dich selbst in eine unangenehme Situation zu bringen. Ich weiß selbst, wie schwierig es sein kann spontan passend zu reagieren, aber vielleicht kannst Du Dir ein paar Sätze zurechtlegen, die immer passen: darüber möchte ich nicht mit Ihnen sprechen/ das ist mir zu privat o.ä.? Vielleicht hat jemand noch bessere Ideen.

    @ Solamie

    Du hast recht.


    In der betreffenden Situation direkt zu reagieren wäre das Beste und dafür sollte ich mir passende Sätze zurechtlegen.


    Leider war ich auch noch so blöd, nähere Informationen zu geben, als er mich fragte, ob ich denn auch an gewissen Stellen abgenommen habe!


    Ich habe geantwortet, dass ich gern am Bauch abnehmen möchte und das schon etwas geschafft habe. :-(

    Blöd, dass es dein Chef ist. Könnte er dir denn wirklich relativ einfach kündigen?


    Ich hab das gleiche mit einem Kollegen durch. Es wurde etwas besser, als ich einen anderen Kollegen mit in's Boot geholt habe, der dann bei Gelegenheit mal laut sagte "Ey Klaus, merkst du nicht, dass LilaLina das total unangenehm ist?" oder "Klaus, sag mal fändest du das eigentlich schön, wenn jemand deiner Tochter so auf die Pelle rücken würden?"


    Ich habe ihm einmal bewusst unabhängig von so einer Situation gesagt, dass ich im Büro keinerlei Berührungen außer Hände schütteln möchte. Er hat mich zwar völlig verständnislos angeschaut, danach wurden seine "unbeabsichtigten" Berührungen weniger.


    Letztens beim Geburtstag kam dann wieder an - ein Kollege umarmt mich und er ruft direkt gleich laut "Na, wenn der dich umarmen darf, dann ich aber auch" und zack hängt er mir am Hals und hebt mich auch noch hoch %-|


    Mittlerweile sag ich schneller was und mach es auch laut. Irgendwie scheinen manche Menschen Ablehnung überhaupt nicht zu merken (merken zu wollen?) und wenn es dir unangenehm ist, musst du es dir nicht gefallen lassen.

    Zitat

    Meine Freundin meint, dass das schon in die Richtung sexuelle Belästigung geht.


    Seht ihr das auch so?

    Ja. Seine Sprüche finde ich persönlich schmierig, und es geht in Richtung sexualle Belästigung. Allerdings hat er auch ein Recht auf Meinungs und Redefreiheit und ich halte seine Sprüche durch dieses Recht für abgedeckt.


    Wenn er Dir dann solche Frage stellt, ob Du auch im Bereich Oberschenkel und Brust abgenommen hast, geht er in meinen Augen noch einen Schritt weiter in Richtung sexuelle Belästigung.


    Ich sehe Dich dann in der schwierigen Situation, dass Du ihm einerseits derartige Fragen nicht verbieten kannst. Andererseits musst Du ihm derartige Fragen nicht beantworten.


    Ich würde es darüberhinaus auch für richtig halten, wenn Du es nicht tätest, um eine klare Grenze zu ziehen.


    Wie Du angemessen auf solche sexualisierten Fragen reagieren könntest, dazu fällt mir leider noch nichts ein. Vielleicht kann man das im Laufe der weiteren Diskussion herausfinden.


    Meiner Ansicht nach geht es nämlich darum, dass Du Dir etwas für derartige Sitationen überlegst. Wie Du solche Fragen nicht beantwortest, ohne unhöflich zu werden. (Schwieriges Thema)


    Wenn es Dir in der Situation nicht gelingt, musst Du Dich in meinen Augen damit abfinden, dass das Kind in den Brunnen gefallen ist.


    Also, meine Frage wäre: Wie könntest Du Dich beim nächsten Mal verhalten, wenn er Dir eine unangemessene Frage stellt?

    Zitat

    Was bezweckt er damit?

    Nichts. Er ist auch nur ein Mensch. Deshalb verhält er sich Dir gegenüber so. Eine Rechtfertigung ist das natürlich nicht. Sein Verhalten Dir gegenüber ist nicht korrekt.

    Zitat

    Will er mich mit seiner Distanzlosigkeit schikanieren?

    Nein.


    Wenn Du etwas an der Situation verändern möchtest, würde ich es zielführend finden, ihm keine Bösartigkeit zu unterstellen. Denn darauf wird er ganz bestimmt nicht amüsiert reagieren.


    Also, er ist distanzlos. Deshalb musst Du Deine Grenzen durchsetzen, wenn er im Begriff ist, sie zu überschreiten.


    Keine einfache Aufgabe. Aber das würde ich grundsätzlich richtig finden.

    Als Antwort auf solche Fragen würde ich ihm einfach ein Achselzucken oder ein "Keine Ahnung" geben... spätestens nach der 3. Frage wird ihm das sicher zu langweilig, weil er eh nix aus dir rauskriegt.

    Ich wäre da auch für die zurechtgelegten Sätze nach dem Motto "Das geht Sie nichts an / Darüber rede ich lieber mit meiner besten Freundin oder meinem Mann o.ä." Ob er es kapiert, sei dahingestellt. Aber wenn du das ein paar Mal gemacht hast, wirst du dich bestimmt besser fühlen und eventuell deutlicher werden können. Niemand sollte sich das rausnehmen können, weil der andere sonst Angst vor einer Kündigung hat... :-(

    Ich finde die zurechtgelegten Sätze besser, weil sie wirklich eine Grenze signalisieren, zumindest eine kleine ;-) . Ich selbst neige allerdings auch eher dazu, dass ich freundlich lächle , aber einfach gar nichts drauf antworte, ich denke, so hätte ich vermutlich in der letztgenannten Situation reagiert. Immerhin gibt man dann nicht noch unnötig Details, aber besser ist es schon, eine Grenze aufzuzeigen.

    @ LilaLina und Choupette_Finnian

    Ja, der Chef könnte mir schon einfach kündigen, da ich noch in der Probezeit bin.


    Dass er sich da besonders viel rausnimmt, da er sich meiner Ängste wegen einer Kündigung bewusst ist, liegt auf der Hand. Er nutzt meine Situation aus.


    Ich hatte auch schon in anderen Firmen mit zwei aufdringlichen Kollegen zu tun. Da fiel es mir gar nicht schwer, sie in ihre Schranken zu weisen. Denn es war mir egal, dass sie darauf beleidigt reagiert haben. Einer der beiden war schon Ende 50 und forderte mich auf, doch mal einen Minirock anzuziehen. Wir beide würden dann schon die Schreibtische zum Wackeln bringen. :|N

    @ mond+sterne

    Ich finde es traurig, dass die Sprüche vom Chef durch sein Recht auf Meinungs-und Redefreiheit abgedeckt sind. Das bedeutet ja, es steht ihm zu, sich solche verbalen Belästigungen rauszunehmen.


    Es ist schon so, dass ich ihm Bösartigkeit unterstelle, weil er gerne verunsichert und sich auf Kosten anderer amüsiert. Das habe ich auch schon bei anderen Mitarbeitern mitbekommen.


    Da ich ihm seine Sprüche nicht verbieten kann, ist es wohl wirklich besser, in Zukunft auf unangemessen Fragen nicht oder nur kurzangebunden zu antworten. Das wirkt dann vielleicht nicht ganz so unhöflich als so etwas in der Art wie "Das geht Sie nichts an" zu sagen.


    Allerdings überlege ich noch, ob ich überhaupt zur Weihnachtsfeier gehen soll.


    Wer weiß, wie er sich unter Alkoholeinfluss verhalten wird?


    Nicht, dass er da so richtig "die Sau rauslässt"?


    Wir sind nämlich mit ihm nur sieben Personen und da könnte es schwierig werden, ihn zu ignorieren. Vor allem, wenn man auch noch neben ihm oder ihm gegenüber sitzen sollte. :-/

    Wenn Du keine Lust hast, hinzugehen, dann würde ich es auch lassen. Schade ist es natürlich, wenn Du gerne gehen würdest, Dich aber wg. des Chefs nicht traust... das würde dann schon recht weit gehen, finde ich, und Du solltest überlegen, wie sich die Situation ändern ließe.

    Ich persönlich finde, Du siehst das alles etwas negativ. Oder anders gesagt: Man kann es auch positiv sehen. Eine Weihnachtsfeier ist ein Geschenk des Chefs an seine Mitarbeiter (wenn er Inhaber ist, bezahlt er es sogar selbst). Wenn es ein guter Chef ist und die Weihnachtsfeier beginnt um acht, dann wird er um zehn wieder gehen, damit ihr anschließend die Sau rauslassen könnt.


    Also, ich kann weder hellsehen, noch in Deinen Chef hineinsehen. Ich persönlich sehe ihn allerdings positiv, einfach weil ich für positives Denken bin.


    Welche Denkweise mehr in Deinem Sinne ist, weiß ich allerdings nicht.


    Deshalb erlaube ich mir, Dich mit Deinen Entscheidungen alleine zu lassen.

    Zitat

    Ich persönlich sehe ihn allerdings positiv, einfach weil ich für positives Denken bin.

    Ich finde, da gibt es nichts schönzureden. Das - dass andere sagen das sei doch harmlos - ist bei sexueller Belästigung genau das Problem.


    So ein Spruch zB

    Zitat

    Dazu meinte er dann: "Die sind eben noch rösich (Synonym für wuschig/rattig). Anders als wir beide!"

    ist eine Unverschämtheit, und zwischen Chef und Mitarbeiterin eine ganz klare Grenzüberschreitung.


    Nach meiner Erfahrung - als Frau - denkt der sich durchaus was. Für dich, Möppelchen, ist das eine sehr unangenehme Situation, noch dazu weil ihr so wenig MA seid. Da kann man sich auch nicht zurückziehen ohne dass es auffällt. Da du noch in der Probezeit bist würde ich mir an deiner Stelle überlegen, mir was anderes zu suchen. Und auf die Weihnachtsfeier würde ich nicht gehen. Du kannst ja ganz plötzlich eine Magenverstimmung kriegen.

    Kannst auch zur Weihnachtsfeier gehen und mal sehen, was der Chef dann so macht. Wenn er sich nicht benimmt, gibts ja genügend Zeugen, die Du dann in die Pflicht nehmen kannst.


    Prinzipiell würde ich nach einer anderen Stelle schauen, mit so einem Chef wirst Du nicht glücklich. Das sieht eher nach Magengeschwüren aus.