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    Und niemand ist in der Probezeit abhängig - so abhängig kann man hierzulande gar nicht sein, dass man sexuelle Belästigung hinnehmen muss.


    (Choupette_Finnian)

    ja, das stimmt (also der letzte Teil Deiner Aussage). Grundsätzlich muss niemand so etwas hinnehmen. Die TE nimmt es hin, weil sie Angst vor einer Kündigung hat.


    Auch wenn ich persönlich das verständlich finde, und auch nicht behaupten würde, ich an ihrer Stelle verhielte mich anders, halte ich es dennoch für falsch.

    hi, ich würde ganz freundlich und ehrlich ihm das sagen, das dir das unangenehm ist und du dich vlt unwohl fühlst. Wenn du in einer ruhigen Minute mal ganz lieb und freundlich redest, kann er dir bestimmt nicht böse sein.


    liebe grüsse

    Zum Glück gibt es zwischendurch ja immer wieder Phasen, wo wenig anzügliches von ihm kommt und er wochenlang nicht auf Tuchfühlung geht.


    Ich bin inzwischen auch ziemlich sicher, dass er nicht austesten will, ob irgendwann doch "mehr gehen" könnte.


    Denn eigenartigerweise stellt er sich trotz seiner Anzüglichkeiten und körperlichen Annäherungen oft so hin als wenn Sex oder das Interesse daran in seinem Leben keine Rolle mehr spielt!


    Einmal meinte er ja, dass wir beide (also er und ich) nicht mehr rösich (wuschig/rattig) seien, im Gegensatz zu den Auszubildenden. Warum er mich damit einschloss, weiß ich nicht.


    Auch erwähnte er vor einiger Zeit, dass er nicht auf der Suche nach einer neuen Partnerin sei. Der Sex fehle ihm nicht.


    Gestern Morgen beklagte er sich über die Kälte in seinem Büro, weil die Putzfrau am Freitag die Heizkörper in den Büroräumen abgestellt hatte. Sein Kommentar war, dass seine geistige Hitze das aber wettmachen würde. Nicht die körperliche Hitze, denn dafür sei er zu alt.


    Er ist übrigens 58.


    Also ist sein Verhalten wohl eine reine Machtdemonstration, da keine sexuellen Interessen eine Rolle spielen?

    Ich finde es völlig daneben, worüber Dein Chef sich, wohl vermutlich eher scheinbar beiläufig zu verstehen, unterhält.


    Ich würde schon sagen, da spricht ein sexuelles Interesse heraus. Wie geht es Dir in solchen Gesprächssituationen? Wie gehst Du mit solchen Gesprächen um? Lässt Du Dich darauf ein?

    @ mond+sterne

    Ich finde die Gesprächsinhalte teilweise auch unangemessen. Habe sie jetzt aber eher so gedeutet, dass er damit aussagen wollte, dass Sex für IHN nicht mehr wichtig ist.


    Ich fühle mich in solchen Situationen sehr unwohl und weiß nicht, wie ich da reagieren soll. Habe es auch noch nie erlebt, dass ein Chef solche Themen bei einer Angestellten anspricht. Ich lasse mich gar nicht auf solche Gespräche ein und sage dann nichts dazu. Es könnte meiner Meinung nach sehr dümmlich wirken, wenn man entsprechende Kommentare abgeben würde.


    Vielleicht wird ihm ja auch mit der Zeit langweilig, wenn er merkt, dass ich nicht auf seine Sprüche eingehe.

    Wer so oft Sprüche bezüglich seines Sexuallebens bringt, der hat da noch Interesse dran... Ich finde es schon seltsam, wenn er überhaupt so oft darüber redet. Ich weiß von keinem meiner bisherigen Chefs wie seine Libido ist, und das ist auch gut so!

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    Ich fühle mich in solchen Situationen sehr unwohl und weiß nicht, wie ich da reagieren soll.

    Wie auch schon yulivee21199 vorschlug, finde ich, Du kannst im sagen, dass Du Dich in der Gesprächssituation unwohl gefühlt hast. Vielleicht mit Begründung. Warum?

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    Es könnte meiner Meinung nach sehr dümmlich wirken, wenn man entsprechende Kommentare abgeben würde.

    Ja, es ist unbestritten eine schwierige Situation, in der man leicht etwas falsch machen kann.




    Ich bin da übrigens moralisch nicht festgelegt. Wenn Du Dir ein Kind von ihm machen lässt, finde ich es auch ok.

    Zitat

    Ich finde die Gesprächsinhalte teilweise auch unangemessen. Habe sie jetzt aber eher so gedeutet, dass er damit aussagen wollte, dass Sex für IHN nicht mehr wichtig ist.

    Ich gebs jetzt dann auf :|N .


    Vorher noch die Frage an dich: Was glaubst du wohl warum ein Chef gegenüber einer Mitarbeiterin, begleitend zu körperlichen Zudringlichkeiten, ständig das Thema Sex anspricht?!

    @ CoteSauvage

    Vielleicht bin ich da etwas begriffsstutzig.


    Allerdings habe ich mir schon so oft gesagt, wenn er wirklich etwas von mir wollte, hätte er deutlichere körperliche Annäherungen gemacht als Anfassen am Arm und überflüssiges Händeschütteln.


    Ich kenne es auch nicht, dass Männer, die sexuelles Interesse haben, das so dermaßen leugnen wie er es tut.


    Möchte er als "anständig" dastehen, weil er eine Autoritätsperson ist?


    So zumindest scheint es mir.

    Möppelchen, was er mit seinen Kommentaren vielleicht möchte oder nicht möchte, ist doch überhaupt nicht entscheidend oder dein Bier. Was du möchtest und was nicht, das muss ihm deutlich werden. Höre doch also endlich auf, drüber nachzudenken, was in seinem Kopf dabei vorgeht, sondern fang an, für dich zu denken. Also ein "Mir gefällt das nicht!"

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    Ich fühle mich in solchen Situationen sehr unwohl und weiß nicht, wie ich da reagieren soll.

    Überleg doch einfach mal, wie genau in der Situation der Chef einer anderen Abteilung reagieren würde, wenn der an der Küchenspüle steht und sein Parallel-Chef rückt ihm auf die Pelle und reicht an den Schrank vor seiner Nase, nur weil der nicht warten kann. Trau dich, dich "männlich" zu verhalten, wenn ich mal das Rollenklischee verwenden darf. Ich glaube, mit diesem Wort kann ich dir in deiner Vorstellung das Verhalten am besten darstellen.

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    Habe es auch noch nie erlebt, dass ein Chef solche Themen bei einer Angestellten anspricht. Ich lasse mich gar nicht auf solche Gespräche ein und sage dann nichts dazu.

    Ignorieren und Weghören - klar, das ist ein Weg. Aber ein äußerst passiver. Und einer, der Kummer in dich reinfrisst, wo er dann bleibt und verarbeitet werden will. Und ein Weg, der den anderen im Unklaren lässt.

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    Es könnte meiner Meinung nach sehr dümmlich wirken, wenn man entsprechende Kommentare abgeben würde.

    Und davor hast du Angst? Dümmlich zu wirken? Mit deinem Ignorieren könnte es meiner Meinung nach sehr schwach und unselbständig wirken. So als würdest du dir alles gefallen lassen, sodass er munter fröhlich die Intensität seiner Worte und Annäherungen steigern kann. Dabei ist es eigentlich ein Ausdruck von Angst.

    Zitat

    Vielleicht wird ihm ja auch mit der Zeit langweilig, wenn er merkt, dass ich nicht auf seine Sprüche eingehe.

    Vielleicht ja. Vielleicht aber auch nicht. Was hindert dich denn, einfach mal selbstbewusster zu sein und dein Unwohlsein deutlicher auszudrücken? Denn es ist nicht dümmlich. Es zeigt ihm, wo du deine Grenzen verletzt siehst. Und ist ein wichtiges Feedback an ihn, damit er erkennt, dass er - vielleicht unachtsam, vielleicht mit Absicht - deine Grenzen verletzt hat.


    Das dicke Fell, an dem die Kommentare einfach so abperlen, wird dir wohl so schnell nicht wachsen. Also stell die Stacheln auf, das machen Igel genau so. Oder Hunde, die knurren, wenn sie sich bedroht fühlen. Und dieses Knurren und diese Stacheln aufstellen, das muss bei ihm ankommen.


    Warum ist das so wichtig? Weil sonst die Gefahr groß ist, dass du dich als Mobbing-Opfer fühlst, weil du all das in dich rein gefressen hast und keine Lösung der Gegenwehr gefunden hast.


    Ich gebe dir einfach mal einen richtigen Namen: Freya statt Möppelchen. Freya wehrt sich, wenn sie sich doof angemacht fühlt. Aber genau gegenüber dem Chef - selbstbewusst und direkt in der Situation, bewahrt die Contenance und wird selbst nicht ausfällig. Freya achtet darauf, dass ihre eigenen Grenzen gewahrt bleiben. Verletzt diese jemand, reagiert sie sofort. Sie nimmt fremde Hände von ihren Armen und drückt die Hände weg. Sie gibt einfach keine Hand, wo es ihr nicht nötig scheint - denn sie braucht da auch keine Entschuldigung oder irgendeinen Vorwand. Sie rempelt zurück, wenn sie angerempelt wird. Freya lässt sich auch keine Aktenordner unter den Arm schieben, sondern macht den Arm ein kleines Stück hoch und lässt den Ordner fallen und geht. Soll er das Zeug doch aufsammeln. Oder sie drückt den Arm einfach so fest an den Körper, dass da kein Aktenordner reinpasst. "Nein, ich bin schon gut bepackt, ich hole den zweiten Ordner gleich. Stellen Sie ihn dort auf den Tisch! Ich komme gleich nochmal wieder." Einfach eine ganz normale professionelle, selbstbewusste Reaktion.


    Meinst du nicht, es gibt auch eine Freya-Seite in dir?

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    dass seine geistige Hitze das aber wettmachen würde. Nicht die körperliche Hitze, denn dafür sei er zu alt.


    Er ist übrigens 58.


    Also ist sein Verhalten wohl eine reine Machtdemonstration, da keine sexuellen Interessen eine Rolle spielen?

    Ich habe bei allem, was dein Chef so von sich gibt eher den Eindruck, dass er eine Bestätigung von dir erwartet, was für ein toller Hecht er noch ist.

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    Ich würde schon sagen, da spricht ein sexuelles Interesse heraus.

    Eindeutig, auch wenn er anderes behauptet.


    Möppelchen, dein Chef überschreitet eindeutig Grenzen.

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    Habe sie jetzt aber eher so gedeutet, dass er damit aussagen wollte, dass Sex für IHN nicht mehr wichtig ist.

    So wie er redet? Nie im Leben! Der Kerl hat doch nichts anderes im Kopf als Sex.


    Mein Mann ist älter als dein Chef. Glaub mir, in dem Alter hat man noch dieselben Interessen daran, wie in jüngeren Jahren. Aber die sollte man doch bitteschön soweit im Griff haben, dass man andere nicht belästigt.


    Wir machen im Kollegen-/Kolleginnenkreis zwar auch hin und wieder flapsige Bemerkungen mit eindeutig sexueller Anspielung, jedoch arbeiten wir bereits seit mehr als 25 Jahren zusammen. Wir kennen uns also untereinander und auch meisten Ehepartner ziemlich gut.


    Niemals -aber wirklich niemals- würde sich einer der Herren solche Worte und Anzüglichkeiten herausnehmen, wie dein Chef. Das ist eindeutig ein Missbrauch seiner Machtposition.


    Rede dir die Situation bitte nicht schön.

    @ Phytonist

    Danke für deine ausführliche Antwort mit wirklich guten Lösungsvorschlägen, wie ich besser mit der Situation umgehen könnte.


    Mir ist inzwischen klar, dass ich immer nett und angepasst auf meinen Chef wirken wollte, damit er ja nichts an mir auszusetzen hat. Gerade das hat ihn wohl provoziert, mir gegenüber so aufzutreten und meine Grenzen zu überschreiten. Ich glaube auch, dass er es mit Absicht und nicht unbewusst gemacht hat. Er hat sofort gespürt, dass ich ein selbstunsicherer und ängstlicher Mensch bin, der im Grunde immer aufs Neue Angst vor (seinen) Schikanen hat.


    Leider ist es ja so, dass ich mich bereits als Mobbing-Opfer sehe. Nur bin ich mir bewusst, dass ich das in diesem Fall selbst verschuldet habe. Es hätte gar nicht so weit kommen müssen, wenn ich rechtzeitig Grenzen signalisiert hätte.


    Auch wenn sich etwas ändern muss, weiß ich, dass ich nur zu kleinen Schritten in der Lage bin. Ich könnte z.B. nie etwas fallen lassen, was er mir unter den Arm schiebt oder seine Hand wegdrücken, wenn er mich am Arm fasst.


    Ich könnte nur nonverbal deutlicher meine Ablehnung zum Ausdruck bringen, wenn er wieder mit sexuellen Sprüchen kommen würde.


    Mehr traue ich mich zumindest im Moment einfach nicht!


    Eine Freya-Seite gibt es mit Sicherheit in mir, aber die muss erst noch wachsen.

    @ Taps

    Du meinst, mein Chef erwartet von mir eine Bestätigung, was für ein toller Hecht er noch ist?


    Ich wüsste nur nicht, wie eine solche Bestätigung von mir aussehen sollte.


    Er meinte vor kurzem, man könne ihn bald ins Museum stellen. Ich kannte diesen Spruch nicht, interpretierte ihn aber als Anspielung auf sein Alter. Ich antwortete darauf, dass er aber doch sicher noch fit sei. Keine Ahnung, ob er so etwas hören wollte. Jedenfalls war seine Antwort, ja, fit sei er noch.


    Ansonsten sage ich ja meistens nichts, wenn er irgendwelche seltsamen Sprüche bringt.


    Ich finde es auch furchtbar, dass er sich da nicht besser im Griff hat, sollten seine Aussagen auf ein noch großes sexuelles Interesse hindeuten.


    Was ich auch nicht verstehe ist, wie er sich eine Annäherung erhoffen kann, wenn er zwischendurch immer wieder so eklig und respektlos zu mir ist.


    Leider habe ich gerade heute wieder festgestellt, dass ich immer verkrampfter werde, wenn er in meiner Nähe ist. Vor allem, dann, wenn ich etwas für ihn zu erledigen habe.


    Heute Morgen begrüßte er mich erst gar nicht und rief mir nur zu, ich solle schnell noch eine Präsentation erstellen. Als ich in sein Büro kam, quatschte er irgendwas von privaten Einkäufen, was ich gar nicht aufnahm.


    Er war mir gegenüber den ganzen Tag sehr reserviert. Ich bezog es auf mich, denn schlechte Laune schien er nicht zu haben. Nach einem Bewerbungsgespräch flirtete er sehr offensichtlich mit der Bewerberin bevor er sich von ihr verabschiedete.


    Kurz vor Feierabend wollte er noch eine Kalkulation erstellt haben. Ich konnte mich nicht mehr richtig konzentrieren und schon stand er hinter mir und fragte, was ich denn da mache. So könne das doch nichts werden. Dabei grinste er mich richtig gehässig an.


    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich zu Hause kurz geheult habe und nur noch denken konnte, dass ich mir einen anderen Job suchen muss.


    Ich hasse es so sehr, wenn er mich demütigt und ich mich nicht zur Wehr setzen kann und mir stattdessen so klein und dumm vorkomme!

    Nochmal: Du hast dort nichts zu verlieren. Wehr dich! Warum nimmst du es hin, dass es DIR schlecht geht, weil ER ein Arsch ist? Wirst du bei dem Gedanken nicht wütend? Also mir würde es so gehen!

    @ Choupette_Finnian

    Im Grunde habe ich meinen Job zu verlieren, aber glücklich kann ich dort eh nicht werden.


    Mein Chef wird seine respektlose Art nicht aufgeben. Er ist ja jetzt monatelang damit durchgekommen.


    Doch, ich bin oft wütend, weil er es schafft, mich runterzumachen und dass ich mich dann so minderwertig fühle. Traurig bin ich allerdings genauso oft...

    Mir geht es ähnlich wie CoteSauvage. (Aber wirklich nur so ähnlich. ;-)) Ich dachte nämlich auch schon ans Aufgeben, weil Du noch nicht einmal bereit bist, Dir auch nur Gedanken darüber zu machen, wie Du Dich wehren könntest.


    Aber jetzt versuche ich es doch noch mal.

    Zitat

    Doch, ich bin oft wütend, weil er es schafft, mich runterzumachen und dass ich mich dann so minderwertig fühle. Traurig bin ich allerdings genauso oft...

    Also, Du brauchst einen Mann, der Dich in den Arm nimmt und Dich tröstet, wenn Du traurig oder wütend bist, weil Du Dich so minderwertig fühlst.


    Natürlich muss es nicht unbedingt ein Mann sein. Es könnte auch jemand anders sein aus Deinem persönlichen Umfeld, der Dich tröstet und beruhigt.


    Ich weiß nicht, ob es so jemanden gibt. Aber ich vermute eher nicht, weil Du wohl sonst nicht hier schreiben würdest.




    Also, Sackgasse, würde ich sagen.