Neuer Job macht keinen Spass - abwarten oder gehen?

    Hallo liebes Forum,


    nach langer Zeit hätte ich gerne mal wieder ein paar Meinungen zu einem Problem, das mich gerade beschäftigt. Warum geht es?


    Bis Ende 2016 war ich bei einem grossen Konzern als Systemadministrator und Software-Entwickler tätig. Der Job hat an sich meistens Spass gemacht, das Team war super und die Firma ist kein schlechter Arbeitgeber. Allerdings wurde die Arbeit der Abteilung, in der ich war, immer weniger wertgeschätzt, Outsourcing stand im Raum, nach über elf Jahren dort war so ein bisschen "die Luft raus" und ich wollte einfach nochmal etwas anderes machen und erleben bevor es zu spät ist (bin Mitte 40). Deswegen habe ich gekündigt und im Januar letztes Jahr bei einem Mittelständler angefangen. Die Aufgaben dort waren auch einigermassen interessant, auch wenn sich die Stelle in der Realität etwas anders dargestellt hat als mir im Vorstellungsgespräch erzählt wurde. Aber mein Chef dort hat sich für mich und meine Arbeit überhaupt nicht interessiert, ich hatte kein richtiges Team und der einzige Kollege, mit dem ich zusammengearbeitet habe, war ein cholerischer, perfektionistischer Workaholic. Alles in allem war das eine für mich sehr belastende Arbeitssituation. Deswegen habe ich nach ein paar Monaten überlegt zu kündigen obwohl ich noch keinen anderen Job hatte. Ich war dann aber doch vermeintlich "vernünftig" und habe gewartet bis ich einen neuen Job hatte. Dadurch war ich trotz der Situation über ein Jahr bei dieser Firma.


    Seit diesem Februar bin ich jetzt bei einer relativ kleinen Beratungsfirma (auch im IT-Bereich). Das Team dort ist super, die Firma gefällt mir auch gut, nur leider macht mir die Arbeit selber gar keinen Spass. Und zusätzlich merke ich jetzt, dass das letzte Jahr wohl doch anstrengender war als gedacht. Ich kann mich momentan nur ganz schwer motivieren, verbringe in der Arbeit relativ viel Zeit mit Surfen, und heute morgen war es so schlimm, dass ich mich krank gemeldet habe. Ich habe auch schon einige Anzeichen bei mir bemerkt, die auf einen beginnenden Burnout hindeuten (z. B. Schlafstörungen und dass ich auch am Wochenende und am Feierabend keine Energie mehr habe).


    Jetzt überlege ich wieder, einfach zu kündigen und mal ein paar Monate Pause zu machen. Ich könnte mir das problemlos leisten, ich habe genug Geld gespart, um mindestens ein Jahr auch ohne Arbeit gut leben zu können und ich muss weder eine Familie versorgen noch eine Immobilie abbezahlen. Trotzdem traue ich mich noch nicht, diesen Schritt zu gehen. Ich möchte nicht vorschnell "aufgeben", ich habe Angst davor, etwas zu tun, was ich noch nie getan habe und vor der "ungewissen" Zukunft, und ein bisschen auch vor der Reaktion von Freunden und Kollegen. Auf der anderen Seite stelle ich es mir schön vor, mal eine Zeit lang nicht arbeiten zu müssen und ich habe auch schon ein paar Ideen, was ich in der Zeit machen könnte. Ich habe auch vor fast 20 Jahren schon mal ein paar Monate nicht gearbeitet (aus anderen Gründen) und das war damals eine ganz gute Zeit.


    Ich bin momentan wirklich total hin- und hergerissen. Deswegen würde ich mich über ein paar Meinungen und Anregungen freuen. Vielen Dank schon mal im voraus.

  • 8 Antworten

    Wenn du es dir leisten kannst, nimm dir eine Auszeit und mach ein Weltreise, mit Rucksack oder Wohnmobil o.ä.


    Ich wollte dies immer tun, doch Fam. und finanzielle Mittel hatten das nicht zugelassen, heute geht es nicht mehr, dafür bin ich zu krank.


    Tu es jetzt, später ist/kann zu spät sein.


    Viel Glück bei deiner Suche.

    Grundsätzlich hast du natürlich Recht, die Chance zu so einer Auszeit hat man nicht so oft. Aber eine längere Reise würde ich nicht machen weil ich die alleine machen müsste. Das habe ich vor ein paar Jahren schon mal ausprobiert und das hat mir keinen Spass gemacht (geplant hatte ich drei Monate durch die USA, ich habe dann auf vier Wochen verkürzt). Abgesehen davon ist es so, dass ich an sich lieber den Job eine Weile machen würde, aber natürlich nur wenn er mir Spass machen würde. Eine Auszeit wäre also nur ein "Plan B".

    Wenn man wirklich Burn-Out hat, bekommt man das wirklich in den Griff, wenn man einfach mal ein paar Monate gar nichts macht? Muss man da nicht mal richtig in Behandlung und Techniken lernen, wie man das Problem angeht? Ich fände es etwas leichtgläubig, sich für ein paar Monate ein schönes Leben zu machen, dann wieder einen neuen Job zu beginnen und zu glauben, dass man dann automatisch immun ist, nur weil man sich etwas entspannt hat.


    Ich würde lieber mal zum Arzt gehen und sich erkundigen, wie es mit einer längeren Krankschreibung/Therapie wegen Burnout aussieht. Wenn der Arbeitgeber am Ende nicht mitzieht und dir kündigt, dann hast du immer noch die Rücklagen.

    Zitat

    Allerdings wurde die Arbeit der Abteilung, in der ich war, immer weniger wertgeschätzt

    Zitat

    Aber mein Chef dort hat sich für mich und meine Arbeit überhaupt nicht interessiert

    Weil es sich bei verschiedenen Arbeitgebern wiederholt hat: Ist es denkbar, dass du unrealistische Anforderungen an Wertschätzungen (inkl. Lob etc.) hast? Interessiert und geschätzt haben sich sicher alle bisherigen Arbeitgeber für deine Arbeit, sonst hätten sie sie nicht viel Geld kosten lassen.


    Zur eigentlichen Fragen:


    Wenn du es dir, wie du schreibst, leisten kannst, würde ich es machen. Für mich ist es kein "aufgeben", wenn man seine Lebenszeit nicht mit Dingen verplempert, die einen unzufrieden machen. Was genau hast du davon, später mal sagen zu können "Ich hab durchgehalten und mich dabei so mies gefühlt, dass ich mich sogar hab krankgeschreiben lassen und Schlafstörungen bekam" - seine Lebensqualität zu ruinieren ist nicht heldenhaft. Wenn du generell der Typ bist, der vor allem wegläuft, würde ich dir anderes raten; da das absolut nicht so zu sein scheint, denke ich, kannst du dir das durchaus mal leisten.


    Bewerben aus der Position ohne Job ist natürlich immer etwas unvorteilhafter, ich persönlich würde das aber hinnehmen.


    Du musst nur abschätzen können, ob dich dann nicht nach kürzester Zeit die Sorge, im Anschluss auch erstmal keinen Job zu haben, noch fertiger macht, als die Situation jetzt.

    Zitat

    und ein bisschen auch vor der Reaktion von Freunden und Kollegen.

    Die ist in jedem Fall sehr aufschlussreich, was ja auch Vorteile hat! Erfahrungsgemäß sind immer ein paar dabei, die das zu asi, zu dekadent, zu leichtfüßig, zu wasweißichwas ist. Und welche, die einfach ihren Neid hinter anderen Animositäten verstecken. Ohne objektive Not, Kündigung, Schicksalsschläge oder Co. kommt es bei vielen nicht gut an zu sagen "Ich kanns mir leisten, also arbeite ich jetzt erstmal nicht" - kann man aber denk ich gut mit leben und ggf. Freunde aussortieren.

    Danke für eure Antworten.

    @ Morwena

    Bei einem richtigen Burnout reichen ein paar freie Monate sicher nicht, dann ist das was du schreibst sicher das richtige Vorgehen. Aber soweit bin ich Gott sei Dank noch nicht. Ich habe bis jetzt nur erste Anzeichen bei mir entdeckt. Nachdem ich es eben nicht bis zu einem richtigen Burnout kommen lassen möchte überlege ich ja, die Auszeit zu nehmen.

    @ mnef

    Wertschätzung ist mir schon wichtig, und Geld allein ist mir da tatsächlich zu wenig. Aber trotzdem lassen sich die beiden Fälle nicht miteinander vergleichen. Im einen Fall war es so, dass die Firma die Aufgaben der Abteilung nicht mehr zu den "Kernkompetenzen" gezählt hat. Im anderen Fall hat sich mein Chef einfach generell nicht für seine Mitarbeiter interessiert und zusätzlich waren meine Aufgaben für ihn nur ein Randthema.

    Zitat

    Bewerben aus der Position ohne Job ist natürlich immer etwas unvorteilhafter, ich persönlich würde das aber hinnehmen.

    Damit hätte ich auch kein Problem. In der IT-Branche werden ja Leute gesucht, da sollte das nicht so die grosse Rolle spielen. Und das wäre ja auch das erste Mal bei mir.

    Zitat

    Du musst nur abschätzen können, ob dich dann nicht nach kürzester Zeit die Sorge, im Anschluss auch erstmal keinen Job zu haben, noch fertiger macht, als die Situation jetzt.

    Das habe ich mit ungewisser Zukunft gemeint. Fertig machen würde mich die Situation zwar nicht, aber so eine gewisse Sorge wäre schon da. Leider neige ich dazu, im Leben immer auf Nummer Sicher gehen zu wollen. Ich beneide die Menschen, die da lockerer sind.


    Was die Reaktionen von anderen Menschen angeht - ja, damit könnte ich wohl leben. Wie du schreibst kann man ja blöde Reaktionen ignorieren.