_Parvati_

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    Die Geschichte zeigt immerhin, welche Macht Arbeitnehmer besitzen können, vor allem, wenn deren Rücken noch vom Arbeitsamt gestärkt wird.

    Nicht vor allem, sondern nur, wenn deren Rücken von der Arbeitsagentur gestärkt wird. Sobald die nicht mitzieht und stattdessen die Kunden sanktioniert, stehen die Arbeitnehmer unter einem Zwang, dem sie sich nicht entziehen können.

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    Denn es sind gewiss genug Schulabbrecher in der Kartei, die zu diesem Aushilfsjob genau passen und die den vielleicht sogar gerne machen. Warum man sich dennoch lieber der unsäglichen Mühe unterwirft, dem Akademiker das zu verklickern, kann nur einen Grund haben: Die Hoffnung, dass der Akademiker ob dieses obszönen Arbeitsangebots rebelliert und sich zu Handlungen hinreißen lässt, die als Begründung für einen Ausschluss vom Leistungsbezug reichen.

    Ich denke, meistens wird schon versucht, passgenau zu vermitteln (die meisten finden ihre Arbeit eh durch Eigeninitiative). Manche kommen aber eben schon mit dem Anspruch an. Und da kann ich auch die Gegenseite verstehen. Sozialleistungsbezug ist nunmal kein Wunschkonzert. Das fängt schon bei Ortsabwesenheiten an, die genehmigt werden müssen, damit keine Leistungssperre eintritt. Ja, klar, das kannte man davor nicht, aber so ist es eben, und es betrifft alle. Da hat der Master of Engineering eben keinen Vorteil gegenüber dem Schulabbrecher.


    Obszöne Arbeitsangebote gibt es nun auch nicht, und eine Rebellion schließt auch nicht gleich von Leistungen aus. ;-)


    Der Apparat ist aber insgesamt schon verbesserungswürdig.

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    Also ich bin ein ganz angenehmer Akademiker-Kunde beim Jobcenter

    Na dann genieß mal Deine Bude auf gehobenem HartzIV-Niveau, liebe TE in neuem Gewand.


    Und damit es nicht so langweilig wird, hier und da ein paar provokante Thesen, wie unter etlichen Nicks davor, damit die Masse tobt, und alles wird gut. :-D :)=

    @ Timbuktu:

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    Man wird so oder so stark rationalisieren, und zwar genau so stark wie es irgend möglich ist, völlig unabhängig davon, ob es ein BGE gibt oder nicht.

    Es ist heute schon möglich, auf 45% der erwerbsfähigen Bevölkerung zu verzichten. Man macht es aber nicht, da aufgrund der enormen Abhängigkeit der meisten Menschen von der Erwerbsarbeit (finanziell und emotional) es hiergegen viel zu viel Widerstand gibt. Außerdem ist heute in vielen Fällen die Menschenarbeit billiger als die Maschinenarbeit, so dass sich in diesen Fällen die Rationalisierung nicht amortisiert.


    Es wird also nur mit einem BGE so stark wie möglich rationalisiert, nicht ohne.

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    Ergo wird man zum Zeitpunkt X mit deinen genannten 55% der erwerbsfähigen Bevölkerung auskommen (wobei ich mich jetzt nicht präzise auf die Zahl festnageln würde).

    Der Zeitpunkt X ist heute schon. Präzise ist die Zahl in der Tat nicht, jedoch eine gute Schätzung: 1993 wurde in einer Studie festgestellt, dass man bei vollständiger Rationalisierung im Rahmen der damaligen technischen Möglichkeiten auf 38% der erwerbsfähigen Bevölkerung verzichten könnte. Das bedeutet, dass man damals nur 62% gebraucht hätte.


    Nun sind seither 22 Jahre vergangen. Die Technik hat sich indessen weiterentwickelt. Also sind ca. 55% (ev. sind es auch noch ein bisschen weniger) eine ganz gute Schätzung.


    Und in Zukunft wird das noch viel weniger werden: Noch in diesem Jahrhundert wird die 20%-Marke erreicht werden.

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    Wer tatsächlich komplett Berufsunfähig ist bekommt statt Hartz4 Sozialhilfe bzw. Erwerbsunfähigkeitsrente.

    Und wer kümmert sich dann darum, dass der Berufsunfähige möglichst schnell wieder eine Arbeitsstelle findet? Hinzu kommt: Wenn ich Erwerbsminderungsrente bekomme, weil ich Berufsunfähig bin will ich möglicherweise gar nicht mehr arbeiten gehen, weil ich in anderen Berufen weniger verdienen würde als wenn ich EU-Rente bekomme.

    Dann lasse es mich anders formulieren... Wer "Arbeitsunfähig" ist, wird von der Gemeinschaft aufgefangen und versorgt. Wer Arbeitsunwillig ist, muss selber sehen wo er bleibt. Wenn die Gesellschaft auch diesen letzt genannten Menschen helfen möchte, so lässt sich dies über private Organisationen realisieren. Die staatliche Subvention von Leuten die einfach keine Lust auf Arbeit haben kann nicht ewig aufrecht erhalten werden.

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    Wer "Arbeitsunfähig" ist, wird von der Gemeinschaft aufgefangen und versorgt.

    Das ist Wunschdenken. Es stimmt einfach nicht. Weswegen haben denn viele wirklich kranke Menschen große Probleme mit dem staatlichen "Auffangen"?

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    Wenn die Gesellschaft auch diesen letzt genannten Menschen helfen möchte, so lässt sich dies über private Organisationen realisieren.

    Ach und welche?

    Mit Berufsunfähigkeit im tatsächlichen Sinne hat es gar nichts zu tun, deshalb habe ich den Begriff geändert in Arbeitsunfähigkeit! Es spielt also keine Rolle ob die betreffende Person im erlernten Beruf berufsunfähig ist... Es geht generell um die Arbeitsfähigkeit.


    Der zweite Teil ist noch einfacher. Wir drehen einfach die Beweislast um. Derjenige der Leistungen beziehen möchte muss nachweisen das er zum Leistungsbezug berechtigt ist. Stellt dabei ein Arzt fest das eine Arbeitsunfähigkeit vorliegt wird diese Feststellung durch einen Amtsarzt überprüft und ggf. widerlegt. Das würde so manchen antriebslosen ruck zuck wieder in Lohn und Brot bringen ;-)

    Und wie soll der Narkoleptiker nachweisen, dass er zu müde ist zum Arbeiten?


    Wie soll der Epileptiker nachweisen, dass er in stressigen Situationen zu Anfällen neigt?


    Wie sollen der Depressive und der Mensch mit einer Sozialphobie nachweisen, dass sie nicht in der Lage sind arbeiten zu gehen?


    Wie soll der Schmerzpatient beweisen, dass er zu große Schmerzen hat um Arbeiten zu gehen?


    Wie soll der Traumatisierte beweisen, dass er mit seinem Trauma nicht arbeiten kann?


    Du stellst dir das ja alles sehr einfach vor. Ich nehme an, du warst noch nie echt krank?

    Was die Feststellung der Krankheiten betrifft können wir wohl guten Gewissens den Ärzten vertrauen. Natürlich wird es immer Leute geben die durch das Raster fallen, aber dies ist unvermeidbar und hinnehmbar.


    Wenn es tatsächlich keine verfügbaren Arbeitsplätze geben "sollte", dürfte das den Arbeitssuchenden meiner Meinung nach nicht zum Nachteil sein. Ich würde z. B. nicht soweit gehen wollen, dass jemand völlig frei in ganz Deutschland eingesetzt werden kann. Klar ein wenig Flexibilität ist Voraussetzung. 150km Umkreis würde ich noch für zumutbar halten. Wenn die Umstände es erlauben z. B. weil keine Kinder oder Angehörigen vorhanden sind könnte man den Einsatzbereich natürlich auch ganz flexibel erweitern. Es spielt dann ja auch keine große Rolle ob der Arbeitsplatz nun in Hamburg ist oder in München.